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Essen und Trinken

Nervige Baustellen und mieses Wetter: So geht es Gastronomen im Raum Bayreuth nach der Corona-Öffnung

Nach langen Monaten Berufsverbots wegen Corona geht es wieder aufwärts mit der Gastronomie im Raum Bayreuth, doch es gibt neue Probleme. Das bt hat nachgefragt.

Zuerst außen und seit dem 7. Juni 2021 auch innen: Die Gastronomie in der Region Bayreuth darf aufgrund der niedrigen Inzidenzwerte wieder öffnen. Ironie des Schicksals: Das Wetter macht gerade für die Außengastronomie noch nicht mit. Schwere Gewitter haben im Landkreis Bayreuth bereits gewütet. Dazu kommt für so manchen Gastronomen ein anderes Problem.Nach den Unwettern der letzten Tage hat eine Feuerwehr im Kreis Bayreuth emotional Bilanz gezogen.

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Nach der Corona-Öffnung: Mit diesen Problemen hat die Gastronomie im Raum Bayreuth aktuell zu kämpfen

„On Top“, Bindlach

„Am Wochenende war die Terrasse gut besucht“, berichtet Roberto Barone vom italienischem Restaurant „On Top“ am Flugplatz in Bindlach im Landkreis Bayreuth. Seine Frau Lena und er würden sich über die Öffnung von Innen- und Außengastronomie nach den vielen Monaten des durch die Corona-Pandemie bedingten Berufsverbotes sehr freuen, auch wenn das Wetter im Moment noch sehr unbeständig ist und Ausflügler in das beliebte Lokal abhält.

„Da muss man durch“, sagt Barone zur Pandemie wie zur aktuellen Witterung. Das Leben sei zu kurz für Traurigkeit: „Wir brauchen sie nicht.“ Froh und dankbar sei er über die Stammgäste, die dem „On Top“ bis heute die Treue halten würden. Ende 2020 hatten die bt-Leser das Restaurant in Bindlach zum besten Italiener im Landkreis Bayreuth gewählt.

Nach vorher 20 Jahren Deutscher Küche gibt es im „On Top“ einen Italiener (das bt berichtete). Wenn es nach ihm gehe, wird es den auch weiter geben, so Roberto Barone. Die finanziellen Hilfen in der Pandemie seien spärlich aber angekommen. „Viel war es nicht, aber wir haben es geschafft.“ Alle Mitarbeiter haben sie erhalten können. Problematisch außer dem Wetter: die Umleitung. Bis zum 9. Juli sei das „On Top“ nur über den Umweg über den Bindlacher Berg zu erreichen.

„Kope’s Mohrenbräu“, Bayreuth

„Die fehlenden Umsätze sind es nicht“, sagt Klaus Kopszak von „Kope’s Mohrenbräu“ in Bayreuth. „Am schlimmsten war die Isolierung von meinen Gästen.“ Nach 50 Jahren als Wirt sei sie nur schwer zu ertragen gewesen. Dennoch: „Wir mussten etwas unternehmen um die geschäftslose Zeit durchzustehen. Dazu hatte ich unseren Betrieb auf vier Säulen gestellt:

  1. Die eigene Notreserve
  2. Die Stammgäste
  3. Die Lieferanten
  4. Die staatlichen Hilfen“

Durch das Kurzarbeitergeld habe er seine langjährigen Angestellten halten können und hat ihnen sogar noch etwas dazu gegeben. „Ich muss nicht nach neuen Mitarbeitern suchen.“ Für die staatlichen Hilfen bedanke er sich sehr.“ Ja, man wusste schon eine gewisse Zeit warten bzw. überbrücken bis das Geld floss, es kam zwar stotternd, aber es kam auch sicher.“

„Durch die vielschichtigen Überbrückungshilfen wurde einem zumindest die Existenzangst genommen. Wenn man alle Hilfen beantragt hat, dann hat man das Licht am Ende des Tunnels zumindest erkennen können.“

(Klaus Kopszak, „Mohrenbräu“ Bayreuth)

Der Neuanfang sei zu spüren, würde sich aber nur sehr zäh einstellen und es werde nie mehr so sein wie vor der Pandemie. Die Gäste hätten Angst im geschlossenem Raum zu sitzen, selbst wenn die Regeln in punkto Abstände, Raumluftreinigung und alle anderen vorgeschriebenen Hygienevorschriften eingehalten werden.

„Gäste, die sich ins Wirtshaus wagen, trinken und essen, gehen dann recht schnell wieder. Wir haben also amerikanisches Gästeverhalten bekommen. Kommen, sich an einen isolierten Platz begeben, Speis und Trank zu sich nehmen und danach wieder gehen. Unsere Wirtshauskultur leidet darunter sehr. Zumindest bei uns ist es so.“

(Klaus Kopszak, „Mohrenbräu“ Bayreuth)

Das Außengeschäft würde etwas besser angenommen werden, doch: „Die Gäste bewegen sich etwas freier aber man setzt sich trotzdem ungern zusammen an einen Tisch, auch wenn es zwischen den Herrschaften einen Spuckschutz gibt.“

Sieben Monate habe er komplett dicht gehabt, so Kopszak. Seit der Möglichkeit zu Öffnen habe er auch nur vorsichtig reagiert. Schließlich müsse sich der Betrieb rechnen. Er sagt: „Wir haben das Gefühl, dass sich manche Gäste auch schon daran gewöhnt habe, ihr Bierchen zuhause zu trinken, allein schon aus finanzieller Sicht.“

Auch interessant: In der -bt-Leserumfrage Ende Oktober 2020, wo es das beste Schnitzel in Bayreuth gibt, hatte der Mohrenbräu klar gewonnen.

Bayreuther Tagblatt - Raphael Weiß

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Raphael Weiß