Aktualisiert am

Wohnen und Leben

Neuer Stadtteil für Bayreuth mit Wohnungen für alle Bevölkerungsschichten auf den Weg gebracht

Im Bayreuther Süden sollen neue Wohnungen entstehen. In der Nähe der Uni ist ein Misch- und Wohnquartier geplant. Und es gibt auch schon weitere Pläne für das Areal.

In der Stadtratssitzung am Mittwoch (22.7.2020) in der Oberfrankenhalle sprachen die anwesenden Stadträte über den möglichen neuen Stadtteil im Bayreuther Süden. Bereits im Bauausschuss war das Areal ein heiß diskutiertes Thema. Die Grünen waren dabei gegen die aktuellen Pläne – aus bestimmten Gründen.

Update vom 22. Juli 2020: Neuer Stadtteil im Bayreuther Süden geplant

Im Bauausschuss gab es zwei Gegenstimmen für die aktuellen Pläne des neuen Stadtteils im Bayreuther Süden. Jetzt wurde das Thema vor dem kompletten Stadtrat besprochen. Der aktuelle Plan sieht vor auf dem Gelände zwischen Universitätsstraße, Glasenweiher, Nürnberger Straße und Dr.-Konrad-Pöhner-Straße ein Mischgebiet entstehen zu lassen. Neben Forschungseinrichtungen sollen hier auch Wohnungen für alle Bevölkerungsschichten entstehen.

Andreas Zippel (SPD) sieht hier ein tolles Potential für die Stadt. Das Projekt sei nachhaltig und die Lösung umweltfreundlich. Stefan Specht (CSU) schließt sich Zippels Äußerungen an und beteuert, dass die CSU-Fraktion diesen wunderbaren Schritt unterstützen werde. Auch Stephan Müller (BG) spricht von einem sensationellen Projekt. Es sei eine gute Sache, dass jetzt genau dieses Projekt hier entstehe. Christoph Süss (JB) sagte, dass dieses Projekt in Bayreuth seinesgleichen suche. Es sei wichtig, dass der Wohnungsmangel in Bayreuth auch durch dieses Projekt behoben werden könne.

Sondergebiet Forschung und Entwicklung als Knackpunkt

Sabine Steininger (Die Grüne) beklagt, dass in dem neuen Projekt viele Einzelpunkte zusammengefasst worden seien, die zuvor einzeln besprochen worden sind. Die Grünen-Fraktion würde nicht alle der Punkte unterstützen. Der Knackpunkt sei das Sondergebiet Forschung, Universität und Entwicklung. Laut Ansicht der Grünen sollte das Gebiet als solches belassen werden. “Wer sich zuerst bewegt der hat verloren”, sagte Steininger. “Wir möchten uns nicht danach richten, was ein einziger Großgrundbesitzer möchte.” Von Seiten der Grünen werde es dahin also weiterhin Gegenstimmen geben.

“Es wird ständig nur schlecht geredet”

Stefan Schlags findet, dass die Stadt so keinen Schritt weiter gekommen sei und nennt das Projekt “einen schlechten Kuhhandel”. “Von Kuhhandel verstehen Sie gar nichts”, entgegnet Helmut Parzen (CSU). Mit den Grünen würde nichts voran gehen. Parzen könne nicht verstehen, wieso man so sehr gegen eine Chance für Bayreuth sein könne. “Bei den Grünen kommt das in hundert Jahren nicht an. Es wird ständig nur schlecht geredet”, sagt Parzen.

Im rechtlichen Rahmen sei es Bayreuth nicht gelungen, das Gebiet zur Gänze zu bekommen, sagt Karsten Schieseck (BG). Im jetzt verfügbaren sei das Projekt dennoch zu loben. Schieseck könne die Trauer der Kollegen Steininger und Schlags daher verstehen. “Es ist und bleibt ein Kompromiss. Wir haben das Gebiet nicht zur Gänze.” Dennoch könnte man mit dem derzeitigen Ergebnis gut damit leben, sagt Schieseck.

Andreas Zippel (SPD) sagt, dass es wichtig sei, dass mit der jetzigen Lösung nun endlich etwas passieren werde. Ohne den Kompromiss müsse man bis zum Sankt Nimmerleinstag warten, dann würde sogar die Stadthalle schneller fertig werden. Es müsse etwas für die Uni und die Stadt getan werden und dieses Projekt würde genau das tun.

Vertrag muss noch abgeschlossen werden

Thomas Hacker (FDP) führt aus, dass das Sondergebiet Forschung und Entwicklung zu jeder Zeit geplant worden sei, auch wenn seiner Zeit ein Möbelgeschäft im Bayreuther Süden errichtet worden wäre, wie es einst besprochen worden war. Das unterstreicht Rechtsreferent Ulrich Pfeifer. Erst auf Basis eines Stadtratsbeschlusses würden Bauleitplanungen erfolgen, erklärt Pfeifer. Erst wenn das Verfahren abgeschlossen sei, werden bindende Baurechte geschaffen. Am Ende stimmte der Stadtrat dem Projekt zu – es gab zwei Gegenstimmen.

Erstmeldung vom 14. Juli 2020: Neuer Stadtteil für Bayreuth mit Wohnungen für alle Bevölkerungsschichten geplant

In der Sitzung des Bauausschusses Bayreuth am Dienstag (14.7.2020) waren neue Wohnungen und Forschungsstätten im Bayreuther Süden Thema. Hierbei ging es um die städtebauliche Entwicklung des Bereichs zwischen der Universitätsstraße, Glasenweiher, Nürnberger Straße und Dr.-Konrad-Pöhner-Straße. In der Nähe der Uni hat ein bt-Leser die wilde Fußgängerüberquerung bei gefährlicher Straßenlage beklagt. Das hat sich getan.

Neue Wohnungen und Forschungsstätten im Bayreuther Süden

Worum es genau geht: Die Nachfrage nach gewerblichen Bauflächen ist in dem Bereich klein. Daher soll das Areal künftig anders genutzt werden. Aufgrund seiner Lage soll es Teil einer nachhaltigen Stadtentwicklung sein. Das bedeutet: Auf einem Areal, das bislang nur industriell genutzt wurde, sollen künftig auch Wohnungen stehen.

Zum einen soll die Uni dadurch stärker mit der Stadt und ihrer Bevölkerung vernetzt werden. Daneben könnte eine Entwicklungsfläche für Institute, Unternehmen und Projekte der Wissenschaft und Forschung in der Nähe zur Uni, der Fraunhofer-Forschungseinrichtung  und weiteren Einrichtungen der sogenannten Technologieachse geschaffen werden.

Neues Misch- und Wohnquartier soll kurze Wege in Bayreuth ermöglichen

Eine Neugestaltung des Areals soll auch das “südliche Eingangstor” in die Stadt Bayreuth städtebaulich und gestalterisch aufwerten. Daneben soll ein neues lebendiges Misch- und Wohnquartier für möglichst alle Bevölkerungsgruppen geschaffen werden.

Durch die Lage des Areals könnten kurze Wege zwischen dem Wohnstandort und dem Ausbildungs- und Arbeitsplatz für viele Arbeitnehmer und Azubis geschaffen werden. Zuletzt soll auch die grüne und blaue Infrastruktur entlang des Tapperts aufgewertet werden.

“Ein neuer Stadtteil” für Bayreuth

Thomas Ebersberger sprach von einem “großen Wurf” für Bayreuth. Bei diesem Projekt könne man sogar von einem neuen Stadtteil sprechen. Hier sei einiges geplant. Es sei eine ganz tolle Chance für die Entwicklung, in der Nähe der Uni, sagte Ebersberger.

“Studenten und Bürger zusammen bringen”

Andreas Zippel (SPD) lobte die Planung des Projekts und brachte zwei Anregungen ein. Organisatorische Maßnahmen sollten das Zusammentreffen von Bevölkerung und Uni unterstützen. Beispielsweise eine Halle, die Studenten und Bayreuther Vereine vereinen würde. Zudem könnten massive Car-Sharing-Möglichkeiten oder Lastenräder Studenten und Bürger näher zusammen bringen.

Ein “Park und Ride”-Angebot im Sinne eines Mobilitätspunktes im Süden könnte den Verkehr in der Innenstadt reduzieren. Hier könnte es eine Hilfe sein, gewisse touristische Angebote hier im Süden beginnen zu lassen, sagte Zippel.

“Weniger symbolhaft denken”

Stefan Schlags (Die Grünen) erklärte, dass die Grünen-Fraktion weiter bei der Ablehnung des Gebiets bleiben werde. Man hätte hier nur das Ergebnis eines Kuhhandels, sagte Schlags. Den Grünen gehe es darum weniger symbolhaft zu denken. “Es ist ein trauriger Tag”, denn Bayreuth hätte jetzt weniger Flächen für die Zukunftsorientierung der Unternehmen. Eine Mischlösung sei hier in dem Fall nicht wünschenswert. Schlags rechnet damit, dass das Wohngebiet aus kleinen Appartments und teuren Wohnungen bestehen werde.

Es ist erstaunlich wie sehr sich die grüne Ideologie ändere, sagte Thomas Hacker (FDP) dazu. Das Projekt stelle einige wichtige Weichen für die Zukunft, zum Beispiel stärke er den Fahrradverkehr. Doch anstatt sich darüber zu freuen, würden die Grünen das Projekt wieder nur kritisieren, fügte Hacker hinzu. Auch Stephanie Kollmer (CSU) wunderte sich über die Kritik der Grünen. “Ich bin da fast ein bisschen enttäuscht”, sagte die CSU-Stadträtin, da das Projekt den Radverkehr fördere und auch daneben viel für die Umwelt tue.

“Ein Tag der Freude”

Gert-Dieter Meier (DU) meinte, heute sei kein Tag der Trauer, sondern ein Tag der Freude. Mit der Entscheidung zum Projekt könne der Bauausschuss etwas Gutes für Bayreuth tun. Dies würde eine tolle Perspektive bieten. “Wir legen jetzt fest, was in diesem Gebeit alles entstehen kann. Dieses Gebiet kann Bayreuth über Jahrzehnte lang prägen”, sagte Christopher Süss (JB). “Ich finde es richtig, dass wir hier Wohnraum schaffen”, fügte Süss hinzu. Auch Karsten Schieseck (BG) stufte den Plan als fantastisch ein. Insbesondere das ökologische Konzept sei dabei hervorragend, sagte Schieseck. Für den Vorschlag gab es zwei Gegenstimmen bei 16 Anwesenden.

Bayreuther Tagblatt - Frederik Eichstädt

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Frederik Eichstädt