Pflegeeltern-Notstand: Bayreuth trotzt dem Trend

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Der Bedarf an Pflegeeltern wächst stetig. Immer mehr Kinder, die keinen Platz in der eigenen Familie haben,  benötigen ein neues Zuhause. Allerdings geht die Bereitschaft der potentiellen Pflegeeltern bundesweit immer mehr zurück. Anders sieht es hingegen in Bayreuth aus.

78 Pflegekinder im Bayreuther Stadtgebiet

Auf Nachfrage des bt äußerte sich die Stadt zum Pflegeeltern-Notstand in Bayern. Im zuständigen Bereich des Jugendamtes der Stadt Bayreuth sind derzeit 78 Kinder bei Pflegefamilien untergebracht. Damit seien alle Kinder, die eine Unterbringung benötigen, versorgt.

Oft handelt es sich bei den Pflegeeltern um Personen aus dem Verwandtschaftskreis des Kindes. Nach unseren Erfahrungen sind Kinder bis zu zehn Jahren relativ einfach in Pflegefamilien unterzubringen, bei älteren Kindern wird es weitaus schwieriger.

(Jugendamt der Stadt Bayreuth)

Kinder, die aufgrund des Alters oder ihrem Zustand nicht vermittelbar seien, würden dann in Wohnheimen untergebracht, so das Jugendamt der Stadt Bayreuth.

Neben dem SOS Kinderdorf bietet beispielsweise auch der Jean-Paul-Verein oder die Diakonie Bayreuth Platz für Kinder und Jugendliche. Hier leben die Kinder in Gruppen bis zu acht Personen. Ziel ist es, dass sich die Kinder in diesem familienähnlichen Umfeld wohlfühlen, aber auch individuell versorgt werden können.

Landkreis freut sich über Bewerber als Pflegeeltern

Auch im Landkreis Bayreuth kann von einem Notstand nicht die Rede sein. Rund 100 Kinder leben hier aktuell in Pflegefamilien. Damit ist der Bedarf an Pflegeeltern vorerst gedeckt. Da aber jedes Kind unterschiedlich ist, passt es auch nicht automatisch zu den verfügbaren und potentiellen Pflegeeltern. Daher ist das Landratsamt Bayreuth um jeden Bewerber froh. Denn je größer die Auswahl an Pflegeeltern, desto einfacher sei es die Kinder zu vermitteln, so das Landratsamt Bayreuth.

Welche Voraussetzungen müssen potentielle Pflegeeltern erfüllen?

Potentielle Pflegeeltern werden vom Pflegekinder-Dienst des Jugendamtes geprüft. Dabei wird anhand der Richtlinien, die das Landesjugendamt vorgibt, deren Eignung getestet. Die Bewerber müssen einen Lebenslauf, ein Gesundheitsattest und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Oberste Voraussetzung für die Aufnahme eines Pflegekindes sind die pädagogische und gesundheitliche Eignung, sowie finanzielle Sicherheit. Im besten Fall sollten die Bewerber auf das Gehalt eines Elternteils verzichten können, um so gewährleisten zu können, sich voll und ganz um das Pflegekind zu kümmern. Außerdem sollte das Haus oder die Wohnung groß genug sein. Um die Unterhaltskosten zu decken, zahlt das Amt für Kinder, Jugend, Famile und Integration außerdem ein Pflegegeld.

Foto: pixabay

Hohes Maß an Belastbarkeit

Ein Pflegekind bei sich aufzunehmen ist oftmals sehr schwierig. Grund dafür ist die Vergangenheit des Kindes. Daher müssen Pflegeeltern nach den Erfahrungen des Jugendamtes in höchstem Maße belastbar sein. Zudem müssen die Pflegeeltern eng mit dem Jugendamt zusammenarbeiten. Eigene Entscheidungen für das Pflegekind können fast nie getroffen werden.

Je nach den Erlebnissen, die ein Kind zu verarbeiten hat, seien es Trennungen, Vernachlässigungen oder körperliche Gewalt, kann es dazu kommen, dass ein Pflegekind klammert oder im anderen Fall niemanden an sich heran lässt.

Angehende Pflegeeltern sollten sich dieser Punkte bewusst sein. Das Wohl des Kindes sollte stets im Vordergrund stehen.