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Politik

Schon wieder: Diskussion ums Friedrichsforum in Bayreuth – „Ein schwarzer Tag“ für die Grünen

Das Friedrichsforum in Bayreuth sorgt immer wieder für Diskussionen im Stadtrat. Nun wollen die Grünen wissen, wie multifunktional das Friedrichsforum ist. Mit den Antworten der Verwaltung war die Fraktion aber alles anderes als zufrieden.

Es ist bisher eines der teuersten Projekte in der jüngeren Stadtgeschichte: das Friedrichsforum. Bis jetzt soll es 86 Millionen Euro kosten. Nur die Berufsschule wird es wohl noch übertreffen. Dafür muss das Friedrichsforum aber auch extrem hohe Ansprüche erfüllen und ein wahrer Tausendsassa sein.

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Bayreuther Stadträte nehmen das Friedrichsforum unter die Lupe

Ob die ehemalige Stadthalle wirklich multifunktional genug ist, wollten die Grünen-Stadträte Stefan Schlags und Sabine Steininger wissen. Deswegen haben sie die Verwaltung mit ziemlich vielen Fragen im Rahmen eines Antrags bombardiert.

So sollen, nach Ansicht der Grünen, teure Fehlentwicklungen vermieden werden. Mit der Beantwortung ihrer Fragen waren die Stadträte allerdings alles andere als zufrieden. (Die Fragen von Schlags und Steininger, sowie die Antworten der Verwaltung gibt es weiter unten im Text.)

Schwarzer Tag für die Bayreuther Grünen

„Heute ist ein schwarzer Tag für unsere Fraktion“, erklärt Stefan Schlags. Die Stadthalle sei ein Kulturpalast und müsste auch multifunktional nutzbar sein. Das sei sie aber nicht. „Es ist so wie wir es befürchtet haben.“ Wenn man Videoprojekte im Friedrichsforum zeigen wolle, sei dies nicht möglich. Denn es gebe keine glatte, helle Wand, auf denen diese projiziert werden könnten.

„Es stellt sich für uns die Frage nach den Konsequenzen. Wir haben dieses Projekt immer unterstützt“, erklärt Schlags. Aber nicht in allen Teilen. Das Friedrichsforum sei ein Millionenprojekt. „Für uns als Grüne ist nun klar: Keine Mehrausgaben mehr für das Friedrichsforum“, sagt Schlags.

Beschlossenes Konzept wird umgesetzt

„Der Kulturbereich steht hier absolut im Mittelpunkt“, sagt Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU). Es werde das Konzept umgesetzt, dass von Anfang an beschlossen werde. Und das sehe eben eine Kulturnutzung von 86 Prozent vor. Deswegen seien andere Veranstaltungen aber nicht ausgeschlossen.

Schafft Bayreuth es jedoch nicht, diese 86 Prozent mit kulturellen Veranstaltungen zu füllen, könnten bereits ausgegebene Fördermittel wieder gestrichen werden und zurückgezahlt werden müssen.

Stimmen aus dem Bayreuther Stadtrat

„Es ist nicht nur ein Haus für wenige“, erklärt Stefan Specht (CSU). „Das Alleinstellungsmerkmal der Grünen ist es immer wieder denselben Unsinn zu wiederholen.“ Thomas Bauske (SPD) findet die Erklärung der Verwaltung enttäuschend.

„Ich kann die Generalschelte der Grünen so nicht stehen lassen“, sagt Georg Kämpf (BG). Dennoch sollte der eine oder andere Kritikpunkt der Grünen umgesetzt werden und in die Planungen mit aufgenommen werden.

Der Kulturreferent rechtfertigt sich

„Es soll nicht nur eine spezifische Nutzung geben“, sagt Kulturreferent Benedikt Stegmayer. Die Nutzung müsse eben zu 86 Prozent einen kulturellen Hintergrund haben. Dennoch sei man mit dieser Planung gut gewappnet für eine flexible Nutzung. „Natürlich ist jede Dekoration wieder abbaubar“, sagt er. Die Frage sei allerdings, ob das auch vom Veranstalter gewünscht sei.

Er vermutet, dass das in der Praxis gar nicht so gewünscht werde. „Gleichzeitig ist die Frage: Wie gestaltet man einen solchen Saal?“, fragt Stegmayer. Und die Art der Gestaltung sei bereits 2018 beschlossen worden. „Man kann einen leeren Raum bevorzugen, in dem man auch projizieren kann oder man kann einen gestalteten Raum bevorzugen.“ Und damals sei die Entscheidung für einen gestalteten Raum gefällt worden.

Keine Barrierefreiheit im Friedrichsforum?

„Wir wissen nicht, wie in zwei Jahren die Faschingskultur sein wird“, gibt Gert-Dieter Meier (DU) zu bedenken. Für ihn sei das aktuelle Gestaltungskonzept im grünen Bereich. Für Sabine Steininger geht aber nicht nur um das äußere Gestaltungskonzept, sondern um die Barrierefreiheit.

Und zwar werde vor dem Friedrichsforum ein Pflaster nach historischem Vorbild gebaut. Dort könne jedoch kein Blindenleitsystem installiert werden. Zudem könnten wohl keine niedrigeren Theken integriert werden, aus „Denkmalschutz-Gründen“. Außerdem könne keine Teerstraße für Rollstuhlfahrer errichtet werden. Und dabei seien in ihren Ausführungen noch nicht mal Künstler mit einer Behinderung berücksichtigt.

Multifunktional oder nicht?

Stefan Schlags kreidet vor allem eins an: Über sechs bis acht Wochen seien in der Vergangenheit in der Stadthalle während der Faschingszeit mehrere Tage in der Woche blockiert worden für andere Veranstaltungen. Er befürchtet, dass dies auch wieder so passieren wird, wenn das Friedrichsforum erstmal in Betrieb ist.

Baureferentin Urte Kelm versteht nicht, dass die Multifunktionalität immer noch in Frage gestellt werde. Es sei viel investiert worden, dass gewisse Elemente absenkbar und hochfahrbar seien. „Wir sind nicht mehr in der Planungsphase, sondern wir haben Beschlüsse und müssen bauen“, sagt Kelm. Deswegen wirbt sie hier für Verständnis.

„Jetzt schauen wir mal, dass das Friedrichsforum endlich mal fertig wird“, sagt Helmut Parzen (CSU). „Wenn es den Grünen nicht gefällt, müssen sie ja nicht reingehen. Sonst dauert es immer länger und wird immer teurer.“ Die Planungen seien schon lange abgeschlossen, stellt auch Christopher Süss (JB) abschließend nochmal fest.

Fragen und Antworten rund ums Friedrichsforum

Im folgenden gibt es nun eine Übersicht, über die gestellten Fragen der Grünen und die Antworten der Stadtverwaltung.

Theater im Friedrichsforum

Kann der Zuschauerbereich bei Theateraufführungen mit einbezogen werden? Und wenn ja, wie? Ja, der Zuschauerbereich kann einbezogen werden. Denn der Bereich der Vorbühne besteht aus zwei Podien, dem Orchesterpodium und dem Transportpodium. Beide können auf Höhe des Publikums gefahren werden.

Festveranstaltungen im Bayreuther Friedrichsforum

Bei einer Gala oder einer städtischen Festveranstaltung, werden oft Menschen aus dem Publikum auf die Bühne geholt, z.B. für eine Preisverleihung. Kann die Bühne von diesen gut sichtbar betreten werden? Und andersherum: Können Moderatoren die Bühne verlassen, um ins Publikum zu gelangen? Die Bühne kann gut sichtbar von beiden Seiten aus betreten werden. Auch an die Barrierefreiheit ist gedacht worden: es gibt einen Lift an der Bühnenkante. Es gibt auch zwei Möglichkeiten, die Bühne nicht sichtbar zu betreten.

Ball oder Fasching im Friedrichsforum

Hier stellen die Stadträte gleich mehrere Fragen. So wollen sie wissen, ob an Tagen ohne Faschingsveranstaltungen das gesamte Haus in einen neutralen Zustand versetzt werden kann und wie lange das dann dauert. Ball- und Faschingsveranstaltungen werden voraussichtlich im Rahmen einer Vermietung stattfinden. Deswegen muss sich auch der Mieter darum kümmern, das Friedrichsforum in einem entsprechenden Zustand wieder zurückzugeben.

Wie zügig können Dekorationen abgebaut und verwahrt werden? Die Dekoration muss entsprechend beschaffen sein, dass ein schneller Abbau möglich ist. Eine Alternative könnte aber auch sein, dass die Veranstaltungen einfach mit der entsprechenden Deko stattfinden.

Wie viele Großprojektoren sowie ansteuerbare Scheinwerfer gibt es im Zuschauerraum, um thematische Dekorationen oder Stimmungen virtuell zu erzeugen? Im großen Saal gibt es einen Videoprojektor mit 25.000 Lumen und 30 ansteuerbare Scheinwerfer. Außerdem gibt es noch zwei mobile Videoprojektoren mit 7.000 Lumen. Zusätzlich sei noch geplant, mobile Licht- und Veranstaltungstechnik anzuschaffen.

Gibt es helle unstrukturierte Bereiche? Nein. Es sind keine hellen und unstrukturierten Wandflächen vorgesehen.

Ist die Tanzfläche groß genug? Für Tanzsportveranstaltungen gibt es laut Turnier- und Sportordnung des Deutschen Tanzsportverbandes e.V. (TSO) gewisse Voraussetzungen. Der geplante Boden erfüllt diese jedoch nicht. Allein die vorgeschriebene Größe könnte nur dann erreicht werden, wenn nahezu das komplette Publikum ausgeschlossen wäre.

Sind Programmeinlagen wie z.B. Akrobatik technisch möglich? Diese sind wohl realisierbar. Der Saalboden besteht aus einer Stahlkonstruktion, an der man mit voraussichtlich geringen Aufwand Befestigungspunkte finden könne. Von der Saaldecke könnten an verschiedenen Stellen Punktzüge herabgelassen werden.

Kongress im Friedrichsforum

Auch beim Thema Kongress stellen Sabine Steininger und Stefan Schlags wieder mehrere Fragen. Ist bei der Lichtplanung berücksichtigt, dass bei ganztägigen Veranstaltungen eine angenehme Arbeitsatmosphäre erzeugt werden kann? Ja, die gibt es.

Ist die Klimatisierung des großen Saales für ganztägige Veranstaltungen ausgelegt? Ja, ist sie.

Ist ein Bereich als Pressetribüne vorgesehen? Man kann immerhin einen Bereich entsprechend umgestalten. Im Großen Saal bietet sich hierfür beispielsweise der 1. Rang an. Hier könnten die Stühle in der ersten Reihen abmontiert werden, um dann eine individuellen Lösung zu finden.

Gibt es die Möglichkeit, Kabinen für Simultanübersetzungen aufzustellen? Und sind die dafür notwendigen Leitungen eingeplant? Es ist zumindest denkbar, die Licht- und Tonregie dafür zu nutzen. Sollten aber mehr als zwei Sprachen gleichzeitig übersetzt werden müssen, müssten zusätzliche Kabinen aufgestellt werden. Dafür sind jedoch keine Leitungen vorgesehen. Wenn dann müsste mit kabellosen Lösungen gearbeitet werden.

Gibt es im Foyer die Möglichkeit, bei Kongressen Messestände aufzustellen? Sind ausreichend Stromanschlüsse dafür eingeplant? Selbstverständlich gibt es diese Möglichkeit. Nicht nur die entsprechenden Stromanschlüsse sind vorgesehen, sondern auch WLAN.

Das Foyer im Bayreuther Friedrichsforum

Hier interessiert die Stadträte, ob es Hängevorrichtungen und Beleuchtungsschienen gibt, um Ausstellungen zu veranstalten. Diese Vorrichtungen sind zumindest im Vorderhaus und Backstage vorgesehen, soweit es brandschutztechnisch möglich ist.

Infektionsschutz im Friedrichsforum

Durch die Corona-Pandemie stellt sich auch im Zuge des Infektionsschutzes eine Frage. Werden die derzeitigen Bedingungen ausgewertet, um in Zukunft bei vergleichbaren Ereignissen vorbereitet zu sein, z.B. beim Sitzplan? Es gibt bereits ein Hygienekonzept, dass Abstand, eine Einbahnstraßenregelung innerhalb des Gebäudes, eine gute Lüftung und entsprechende Desinfektionsmöglichkeiten vorsieht.

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler