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Dr. Stefan Sammet (BG): „Die Isolation wegen des Coronavirus hat für viele Menschen psychische Folgen“

Dr. Stefan Sammet ist seit 30 Jahren als niedergelassener Arzt tätig. Seit 2008 sitzt er nun auch für die Bayreuther Gemeinschaft im Stadtrat. Im Gespräch mit dem Bayreuther Tagblatt spricht er über das Wahlergebnis der BG, persönliche und unsachliche Angriffe im Stadtrat gegen Brigitte-Merk Erbe und mehr.

Dr. Stefan Sammet ist seit 30 Jahren als niedergelassener Arzt tätig. Seit 2008 sitzt er nun auch für die Bayreuther Gemeinschaft im Stadtrat. Im Gespräch mit dem Bayreuther Tagblatt spricht er über das Wahlergebnis der BG, persönliche und unsachliche Angriffe im Stadtrat gegen Brigitte-Merk Erbe und mehr. Auch Karsten Schieseck (Bayreuther Gemeinschaft) möchte Bayreuth voranbringen. In den letzten Jahren sei dafür eine gute Basis gelegt worden. 

Für die Bayreuther Gemeinschaft im Stadtrat: Dr. Stefan Sammet

Bei der Stadtratswahl 2020 holte die Bayreuther Gemeinschaft 15,3 Prozent der Wählerstimmen. Die BG landete somit hinter der SPD, den Grünen und der CSU mit sieben Mandaten auf Platz vier. „Wir haben leider zwei Sitze verloren. Davon waren wir schon etwas enttäuscht“, erklärt Sammet. 

Über ein anderes Ergebnis freute sich der BG-Stadtrat aber. „Dass die Grünen zugelegt haben, hat mich gefreut. Mit der Partei hatten wir in den letzten Jahren im Stadtrat viele Übereinstimmungen“, sagt Sammet. Auch persönlich würden ihm die Themen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und öffentlicher Nahverkehr sehr am Herzen liegen. Nach ungeschriebenen parlamentarischen Gepflogenheiten stünde den Grünen im Stadtrat auch einer der Bürgermeisterposten zu, sagt Sammet.

Aus dem „männerdominierten“ Stadtrat

Für die Zukunft erhoffe sich Sammet im Stadtrat ein besseres Miteinander. In den letzten Jahren sei es oft schwierig gewesen, insbesondere da eine Mehrheit des Stadtrats der damaligen Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe die Arbeit schwer gemacht habe. Sammet nannte diesen Zusammenschluss aus CSU, SPD, FDP und Co. scherzhaft die Bayreuther Super-GroKo.

Der Stadtrat ist männerdominiert. Viele dieser Herren hatten in den letzten Jahren anscheinend arge Probleme, dass die Posten der Oberbürgermeisterin und Baureferentin von Frauen besetzt wurden. Da gab es zeitweise richtig unsachliche und persönliche Angriffe.

(Dr. Stefan Sammet, BG)

Häufig sei im Stadtrat zu hören gewesen, dass unter Merk-Erbe nichts voran gehe. In vorderster Front sei daran allerdings nicht die Oberbürgermeisterin schuld gewesen, sondern die Stadtratsmehrheit, die Projekte wie die Sanierung der Graserschule gebremst habe, sagt Sammet. „Ich hoffe, dass Projekte in Zukunft zügiger umgesetzt werden und bin guter Dinge, dass das auch funktioniert“, fügt der Stadtrat an. Hierfür wünscht Sammet dem neuen Oberbürgermeister Thomas Ebersberger eine glückliche Hand.

Dr. Stefan Sammet in Begleitung von Valentina König beim Entspannen in den Bergen. Foto: Privat.

„Auf dem Etikett stand doch trotzdem SPD“

Kurz vor der Stichwahl hatten die Vertreter mehrerer Gruppierungen und Andreas Zippel persönlich eine Wahlempfehlung für Thomas Ebersberger ausgesprochen. Dies kam in großen Teilen nicht überraschend für Sammet. Etwas erstaunlich fand er allerdings die Tatsache, dass der vorherige Spitzenkandidat der SPD Andreas Zippel Ebersberger persönlich unterstützte, obwohl die SPD sich selbst herausgehalten habe.

Auch wenn Herr Zippel erklärt hat, dass seine Wahlempfehlung persönlicher Natur war, stand doch im Endeffekt trotzdem „SPD“ auf dem Etikett.

(Dr. Stefan Sammet, SPD)

Zu wenige Frauen im Stadtrat

Generell würde sich Sammet mehr Frauen im Bayreuther Stadtrat wünschen. Daher freue er sich auch über den Einzug von Nina Hellbach (Frauenliste). Dass die Anzahl der Frauen im Stadtrat gesamt vergleichsweise niedrig sei, habe mehrere Gründe. „Das liegt zum einen an den Listen, die nicht alle paritätisch aufgestellt sind, zum anderen aber auch an den Wählern, die in vielen Fällen Männer nach vorne gewählt haben“, sagt Sammet. 

Sammet selbst möchte sich persönlich in der Kulturkommission, der Städtepartnerschaft und der Radwegekommission einbringen. Beim Thema Fahrrad gebe es in Bayreuth nämlich einige Verbesserungsmöglichkeiten, sagt der passionierte Radfahrer und Mountainbiker. Daneben sei Sammet auch mit dem geplanten Kreisverkehr an der Ochsenhut nicht zufrieden. Dieser würde die Verkehrssituation am Eremitenhof nicht entlasten. Hier werde er um eine alternative Lösung werben. 

Dr. Stefan Sammet von der Bayreuther Gemeinschaft im Dienst mit Gesichtsmaske. Foto: Privat.

Corona hat auch psychische Folgen für viele Menschen

Aktuell stehe jedoch sowieso ein anderes Thema auf der Agenda: das Coronavirus. Dabei habe die Regierung schnell reagiert und das Leben in vielen Bereichen heruntergefahren. Dies sei, in der Kürze der Zeit, wahrscheinlich auch die einzig mögliche Lösung gewesen. Es sei nun aber gut, dass die Maßnahmen geprüft und schrittweise wieder zurückgenommen werden würden. Dies sei absolut notwendig, sagt der Mediziner.

Man hätte die ein oder andere Lockerung der Corona-Maßnahmen vielleicht auch schon eher einleiten können. Am wichtigsten ist es doch die Leute zu schützen, die auch wirklich geschützt werden müssen. Die Isolation hatte für viele Menschen nämlich leider nicht nur Gutes. 

(Dr. Stefan Sammet, BG)

Neben der körperlichen Unversehrtheit gebe es nämlich auch noch die seelische und psychische Gesundheit. Für viele Menschen sei die Isolation und der Mangel an sozialen Kontakten eine sehr schwierige Sache gewesen, sagt der Vorsitzende des Hospizvereins Bayreuth. Die Folgen davon seien Depressionen oder auch Ängste, die sich ungünstig auf das Immunsystem auswirken. Betroffene Menschen bräuchten nun in Zukunft mehr Zuwendung oder professionelle Unterstützung.

„Das Coronavirus ist eine ernste Angelegenheit. Natürlich ist es für die Regierung schwer gewesen, diese Entscheidungen zu treffen, weil das Thema wirklich jeden betrifft.

(Dr. Stefan Sammet, BG)

Am Ende des Tages sei Sammet aber auch dabei ein positiver Mensch. „Ich bin mir sicher, dass wir auch die Folgen des Virus gut überstehen werden“, sagt er. 

Bayreuther Tagblatt - Frederik Eichstädt

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Frederik Eichstädt