Mitglieder des Bayreuther Stadtrats

Klaus Wührl-Struller im Bayreuther Stadtrat: „Mir wäre es lieber, wenn es die AfD nicht gäbe!“

Klaus Wührl-Struller ist im Bayreuther Stadtrat. Das sagt Klaus Wührl-Struller (Die Grünen) über seinen Weg zu den Grünen und die AfD.

Im Gespräch mit dem Bayreuther Tagblatt spricht Klaus Wührl-Struller (Die Grünen) über seinen Weg zu den Grünen und die AfD. Auch Siegfried Zerrenner (SPD) hat über seine Arbeit im Bayreuther Stadtrat gesprochen und wie er die Corona-Krise privat erlebt.

Für die Grünen im Bayreuther Stadtrat: Klaus Wührl-Struller

Mit dem Ergebnis der Grünen bei der Stadtratswahl 2020 ist Klaus Wührl-Struller zufrieden: Seine Partei hat dabei die zweitmeisten Stimmen geholt. Im Bayreuther Stadtrat sind die Grünen jetzt hinter CSU und SPD/Linke die drittstärkste Fraktion. Viel Lob gebe es von Außen immer wieder für die paritätische Besetzung der Liste: hier hätten Frauen und Männer wirklich die gleichen Chancen. 

Identifikation seit 40 Jahren

Obwohl Wührl-Struller für die Grünen als Oberbürgermeister kandidierte ist er kein Parteimitglied. Seine Affinität zur Partei ist allerdings schon so alt wie die Grünen selbst. Rund um den Beginn seines Studiums seien die von der NATO geplante Stationierung von Raketen mit Atomsprengköpfen in Europa und die Proteste rund um die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf wichtige Themen gewesen. 

Hierbei hätten nur die Grünen eine Position eingenommen, mit der er sich identifizieren konnte. Auch heute seien die Grünen für Wührl-Struller nach wie vor die Partei, mit deren Inhalten er am häufigsten konform gehe. Dennoch sei Kommunalpolitik nicht nur Parteipolitik. 

Unzufrieden mit OB-Wahl

Mit seinem Ergebnis in der OB-Wahl sei Wührl-Struller gar nicht zufrieden gewesen. Im ersten Wahlgang holte der Kandidat der Grünen dabei 12,5 Stimmen. Damit landete Wührl-Struller unter sieben Bewerbern auf dem vierten Platz. Dabei schreibt er sich das Ergebnis auch selbst zu. 

Wenn jemand bei einer Wahl hinter seinen Erwartungen bleibt, sind immer persönliche Unzulänglichkeiten im Spiel, denn mehr Wähler haben andere Kandidaten gewählt.

(Klaus Wührl-Struller, die Grünen)

Bayreuth leidet unter dem Coronavirus

Derzeit ist das Coronavirus das bestimmende Thema in Deutschland. In Bayern gelten Ausgangsbeschränkungen und eine Maskenpflicht. In den nächsten Monaten werde es daher erstmal darum gehen, dass Leben wieder in den Griff zu kriegen, so Wührl-Struller. Für den Stadtrat sei es dabei eine große Herausforderung den Bürgern klar zu machen, dass sie das Thema weiterhin ernst nehmen müssen. Den nur weil erste Lockerungen beschlossen werden, würde das nicht bedeuten, dass die Probleme gelöst seien. 

Bayreuth habe auch durch den Ausfall der Festspiele große finanzielle Einbußen. Einen gleichwertigen Ersatz könne es aufgrund der Bestimmungen nicht geben. Dennoch haben Wührl-Struller und das Team des Lesefests Bayreuth Blättert einige Ideen, wie man durch viele kleinere Veranstaltungen Leben in die Stadt kriegen könne. 

„Kein Agenda-Setter“

Wührl-Strullers Schwerpunktthemen sind Soziales und Menschen mit Behinderung. Hier arbeitet der Stadtrat der Grünen mit Herzblut. Auch bei den anderen Themen beteiligt sich Wührl-Struller natürlich, allerdings sei er da kein „Agenda-Setter“. Diese Rolle sieht er eher bei anderen Stadträten, wie auch seiner Schwester Gabi Hemmer. Diese wurde 2020 für die Grünen zum ersten Mal in den Bayreuther Stadtrat gewählt.

Über das Ergebnis meiner Schwester Gabi Hemmer habe ich mich sehr gefreut. Sie ist durchsetzungsstärker als ich, das war schon immer so.

(Klaus Wührl-Struller, die Grünen)

Kein Autofrühling mehr in Bayreuth?

Ein paar Wochen vor der Kommunalwahl hat sich Wührl-Struller im Bayreuther Stadtrat dafür eingesetzt, den Autofrühling in Mobilitätsfrühling umzubenennen. Die Idee dahinter: In Zukunft sollten auch andere Fortbewegungsmittel als das Auto dort präsentiert werden. Laut Stadtratsbeschluss solle dies ab 2021 umgesetzt werden. Bislang habe Wührl-Struller allerdings noch keine Rückmeldung vom Veranstalter, der Bayreuth Tourismus und Marketing GmbH erhalten. 

„Rechtsextremismus ist ein Problem“

Im Bayreuther Stadtrat sitzen ab Mai 2020 Abgeordnete von 10 verschiedenen Gruppierungen. Diese Vielfalt sei auf kommunaler Ebene gar nicht so verkehrt, sagt Wührl-Struller. In der Theorie könne dies für sachorientierte Mehrheiten sorgen und verhärtete Fronten verhindern. Eine Ausnahme macht Wührl-Struller dabei dennoch:

Mir wäre es lieber, wenn es die AfD nicht gäbe.

(Klaus Wührl-Struller, die Grünen)

Natürlich sei Rechtsextremismus in Deutschland ein Problem, in den letzten Jahren habe es deshalb rund 200 Todesopfer gegeben, sagt der Grünen-Stadrat. Die Linke sieht er hingegen weniger problematisch: Sozialistisch sei die Partei schon lange nicht mehr. Persönlich würde Wührl-Struller sie eher als recht profilarm beschreiben. Den Abgeordneten im Bayreuther Stadtrat, Eckhard Sabarth, schätzt Wührl-Struller als sehr kompetenten und konstruktiven Menschen ein, der für die Stadt eine Bereicherung sein könne.

Bayreuther Tagblatt - Frederik Eichstädt

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Frederik Eichstädt