Mitglieder des Bayreuther Stadtrats

Für die AfD im Bayreuther Stadtrat – Tina Seyffert-Reinhold: “Der Stadtrat muss zusammenhalten”

Tina Seyffert-Reinhold hat im Interview über die AfD, die Linke und ihre Ziele gesprochen.

Ab Mai wird die AfD mit zwei Sitzen im Bayreuther Stadtrat vertreten sein. Tobias Peterka und Tina Seyffert-Reinhold vertreten dann die Partei. Tina Seyffert-Reinhold hat im Interview über die AfD, die Linke und ihre Ziele gesprochen. Sabine Steininger von den Grünen ist ebenfalls im Bayreuther Stadtrat.

Familien-Motto prägt auch heute noch

Tina Seyffert-Reinhold (44) ist ab Mai neu im Bayreuther Stadtrat mit dabei – obwohl sie lange Zeit nicht in die Politik gehen wollte. “Es gab keine Partei, die meine Punkte vertreten hat”, sagt Seyffert-Reinhold. Die 44-Jährige stammt aus einem Familienunternehmen, das Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurde. “Eigentum verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen”, sei das Familien-Credo: “So wurde ich erzogen.”

Seyffert-Reinhold wuchs in der DDR auf. “Ich bin ein DDR-geprägtes Kind und wollte unabhängig bleiben und mich nicht an die Statuten einer Partei binden.” Doch über die Jahre geschahen immer mehr Dinge, die ihr nicht gefielen: “Ich war absolut gegen die Euro-Einführung. Ich hätte mir gewünscht, dass es nach dem Schweizer Vorbild passiert. Dort wurden die Bürger gefragt, was sie davon hielten und erst dann wurde eine Entscheidung getroffen.”

Traditionelle Familie ist wichtig

Auch wenn sie sich lange Zeit nicht politisch in einer Partei engagierte, nahm sie an Montagsdemonstrationen teil. “2013 wurde ich auf die AfD aufmerksam.” Vor sieben Jahren sei der Euro in einer Krise gewesen und die AfD habe einige Punkte geäußert, die ihre Aufmerksamkeit erregt hätten. “Mir hat vor allem gefallen, dass die AfD die traditionelle Familie schützen will. Das ist ja in Artikel 6 im Grundgesetz verankert.”

Seyffert-Reinhold ist verheiratet und hat vier Kinder. Deswegen war ihr der Punkt so wichtig. Dass die AfD die Schweiz als Vorbild nehmen möchte, gefiel ihr ebenfalls. Schließlich ging sie 2016 auf eine Veranstaltung der Partei in Bayreuth und beschäftigte sich immer mehr mit der AfD.

Bayreuther Stadträtin: Oma überzeugt

“Ich wollte eigentlich gar nicht auf die Liste für den Stadtrat.” Seyffert-Reinhold sei sich unsicher gewesen, ob sie in die Kommunalpolitik gehen möchte. Doch nachdem ihr Vater, der selbst in den 90er Jahren in der Kommunalpolitik aktiv war, gut zugeredet hat, war sie aufgeschlossener. “Richtig überzeugt hat mich dann meine Oma. Sie hat mich dafür begeistert, dann doch mitzumachen.” Die 44-Jährige ist nicht von dem Wahlausgang der AfD in Bayreuth überrascht. “Ich habe damit gerechnet, dass zwei Leute in den Stadtrat kommen.”

In Schulen investieren

Tina Seyffert-Reinhold will mit dem Stadtrat einige Ziele erreichen: “Wir müssen ganz dringend in die Schulen investieren und diese auch sanieren.” Die Zustände in den Schulgebäuden finde sie erschreckend. Außerdem legt sie Wert auf eine Mobilitätssteigerung: “Der ÖPNV muss besser durchgetaktet werden. Menschen, die am Stadtrand wohnen, kommen Sonntags nicht in den Gottesdienst, weil einfach kein Bus fährt.”

Die 44-Jährige will aber noch mehr erreichen. Sie findet es wichtig, den Medizincampus und ein Gründerzentrum zu unterstützen. “Wir wollen junge Menschen, Familien und Fachkräfte in Bayreuth behalten. Dafür müssen wir die Stadt attraktiver gestalten.” Deswegen sei es für sie wichtig, bezahlbaren Wohnraum und auch bezahlbare Bauplätze zu schaffen. “Momentan gibt es keine guten, bezahlbaren Bauplätze in der Stadt.”

Bayreuth attraktiver gestalten

Seyffert-Reinhold hofft, dass dadurch dann auch Handwerksbetriebe und weitere Unternehmen nach Bayreuth kommen wollen. Denn gerade für die Zeit nach der Corona-Krise sei es wichtig, die Wirtschaft weiter zu unterstützen. Für dieses Ziel plädiert sie: “Der Stadtrat muss zusammenhalten.” Denn die Folgen der Krise seien momentan nicht absehbar. Zudem habe sie gehört, dass bei mittelständischen Unternehmen, die gut gewirtschaftet haben, die Soforthilfe nicht greife.

Außerdem bereite es ihr Sorgen, dass die Banken sich oft weigern, Kredite zu gewähren. “Die Banken bleiben auf einem Restrisiko von 10 Prozent sitzen. Das wollen sie nicht eingehen und verwehren so vielen Unternehmen wichtige Kredite.” Gerade, weil sie selbst aus einer Unternehmerfamilie stammt, sei es für sie so wichtig, dass der Stadtrat gemeinsam an einer Problemlösung arbeite. “Wir müssen alle konstruktiv zusammenarbeiten, um die regionale Wirtschaft zu unterstützen.”

“Ich lehne die Partei komplett ab”

Außer der AfD ziehen auch die Linke und die Frauenliste neu mit in den Stadtrat ein. Die Linke stellen für Seyffert-Reinhold ein Problem dar. “Ich lehne die Partei komplett ab.” Die Linke habe sich mit einigen Äußerungen bei ihr disqualifiziert. Zudem sei die Linke ein Nachfolger der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Durch diese sei vielen Menschen in der DDR großes Leid widerfahren. “Mein Opa musste 40 Jahre um seinen Besitz kämpfen. Die Menschen wurden damals teilenteignet.”

Die Linke erkenne bis jetzt nicht die Fehler von damals an und habe behauptet, dass es den Menschen in der DDR doch gar nicht so schlecht gegangen sei, sagt Seyffert-Reinhold. Jedoch sei das nicht haltbar. Denn mit der Politik der DDR wurde sie bereits als Kind konfrontiert. “Ich war weder Pionier noch FDJler und habe mich nur für die Konfirmation und damit gegen die Jugendweihe entschieden.” Damit habe sie bereits von klein auf “die ganze Härte und Unrecht des sozialistischen Staates DDR kennengelernt.”

Familie kann sich nicht sehen

Die Ausgangsbeschränkungen aufgrund des Coronavirus, haben auch Einfluss auf Seyffert-Reinholds Privatleben. “Wir haben eine sehr große Familie. Und jetzt können wir uns nicht mehr besuchen.” Das falle ihr schwer, aber vielen anderen Familien ginge es schließlich auch so. “Da müssen wir jetzt durch.” Auch ihre Kinder seien von der Krise betroffen. “Meine Tochter macht dieses Jahr ihr Fachabi. Die fragt sich jetzt natürlich auch, wie es wohl weitergehen soll und ob das alles so klappt.” Ihr Sohn sei noch bis 11. Mai zuhause.

“Nach der Arbeit gehe ich erstmal zu ihm, höre ihn ab und schaue, was er für Hausaufgaben bekommen hat.” Allgemein empfindet die 44-Jährige die Stimmung in der Stadt seit der Corona-Krise bedrückend. “Das Stadtbild hat sich sehr verändert. Es sind viel weniger Menschen in den Geschäften.” Zudem sei jeder sehr vorsichtig.

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler