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Mitglieder des Bayreuther Stadtrats

Stefan Schuh im Bayreuther Stadtrat: “Ein Stadtrat ohne AfD wäre mir lieber”

Im März 2020 waren bayernweit Kommunalwahlen. In Bayreuth wurde neben einem neuen Oberbürgermeister auch der Stadtrat neu gewählt.

Stefan Schuh (Junges Bayreuth) ist ein bekanntes Gesicht im Bayreuther Stadtrat. Frank Hofmann (BG) gehört zu den neuen Gesichtern im Stadtrat. Er will sich vor allem für Barrierefreiheit einsetzen.

Stefan Schuh im Bayreuther Stadtrat

Stefan Schuh (JB) sitzt nun zum letzten Mal für das Junge Bayreuth im Stadtrat. Er ist 36 Jahre alt, ab 40 gehöre man nicht mehr unbedingt zur Jugend und damit auch nicht mehr zum Jungen Bayreuth. “Das ist das gute am Jungen Bayreuth. Nichts stagniert und es ist immer ein Wechsel da”, sagt Schuh. Deswegen sei er damals zum Jungen Bayreuth gegangen. “Eine Gruppe junger Menschen die sich für junge Menschen einsetzt.” In welche Richtung er sich nach seiner Zeit im Stadtrat orientierten wird, weiß er noch nicht. “Dafür ist es zu früh. Ich hab ja noch vier Jahre Zeit für die Entscheidung.”

Digitalisierung und Betreuungsplätze in Bayreuth

Der gewählte Stadtrat verfolgt mehrere Hauptthemen, erläutert Schuh. Sein erstes Thema sei die Digitalisierung. “Bayreuth bleibt da weit hinter seinen Möglichkeiten zurück”, sagt Schuh. Er könne sich vorstellen, dass die Stadtverwaltung digitaler wird und die Bürger einen leichteren Zugang zu Anträgen und Formularen haben. Ein weiteres Thema sei die Kinderbetreuung: “Wir brauchen ausreichend Betreuungsplätze und einen guten Betreuungsschlüssel.” Es sei Aufgabe der Stadt, die Qualität der Betreuung regelmäßig zu kontrollieren und sicherzustellen. Zudem sei die Stadt in der Pflicht, genügend Betreuungsplätze auf Vorrat zu haben, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. “Bevölkerungszuzug und Wegzug müssen eingeplant sein, genauso wie anhand der Geburten voraus geplant werden muss”, sagt Schuh.

Baulicher Zustand an Bayreuths Schulen

Weiter setzt sich Schuh für den bauliche Zustand der Schulen in Bayreuth ein, denn der sei bedenklich: “Da muss dringend was passieren.” Die Brandschutzsanierung der Schulen sei nicht auf dem aktuellen Stand. “Seit acht Jahren ist in der Luitpoldschule eine Brandschutzsanierung geplant, aber bisher nie angegangen worden”, sagt er. Wann die letzte Brandschutzsanierung war, könne er nicht sagen. Aber nicht nur die großen Schulen dürfen nach seiner Meinung im Fokus der Stadt stehen: “Die kleinen Schulen dürfen nicht auf der Strecke bleiben.”

“Ich würde den Schulen ein gewisses Budget zur Verfügung stellen, dass sie selbst und eigenverantwortlich kleine Themen in die Hand nehmen können.” Schuh denkt dabei zum Beispiel an den Austausch eines Fließenspiegels in sanitären Anlagen. “Dafür braucht es kein Hochbauamt und keinen Architekten”, findet er.

Herausforderungen wegen Corona in Bayreuth

Aufgrund der Corona-Pandemie erwarten Bayreuth nach Schuhs Auffassung verschiedene Herausforderungen. “Die größte Herausforderung in der Krise ist es, den Wirtschaftsstandort Bayreuth zu erhalten.” Er denkt dabei vor allem an die Gastronomen und den Tourismus. “Wir können nicht gleich nach der Krise den Geldhahn zudrehen, sondern müssen Hand in Hand an die Sache rangehen.”

Durch den Ausfall von Veranstaltungen und der Festspiele gerate die Gastronomie- und Tourismusbranche in die Bredouille. Trotzdem brauchen auch Vereine nach Stefan Schuhs Meinung Unterstützung. Im sozialen Bereich funktioniere eine Unterstützung sehr gut, wie am Beispiel der Tafel gesehen werden könne.

Privat beeinflusst die Coronakrise Schuhs Leben: “Ich befinde mich jetzt in der sechsten Woche im Home-Office. Mir fehlen die sozialen Kontakte und es ist ein ganz schöner Spagat zwischen Kinder- und Schulbetreuung und Arbeit.”

Die neuen Parteien im Bayreuther Stadtrat

“Ein Stadtrat ohne AfD wäre mir lieber”, sagt Stefan Schuh. Mit dieser Partei sieht er keine inhaltlichen Überschneidungen. “Ich bin gespannt was von den beiden kommt.” Er habe keine großen Erwartungen und hofft, dass der Ton erträglich bleibt.

Mit den Linken sieht er dagegen weniger Probleme. “Ich bin gespannt auf die Zusammenarbeit.” Schuh empfindet die Frauenliste als Bereicherung für den Stadtrat. “Es ist nur legitim, dass sie angetreten sind. Die Kombination aus Frau und Jung ist sehr gut.” Schuh war enttäuscht, dass vom Jungen Bayreuth keine Frauen in den Stadtrat gekommen sind. Nun hofft er, mit Nina Hellbach (Frauenliste) gemeinsame Themen zu finden.

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler