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Mitglieder des Bayreuther Stadtrats

Xhavit Mustafa: Vom Geflüchteten zum Bayreuther Stadtrat

Xhavit Mustafa hat mit dem bt im Interview über seinen Start in Bayreuth gesprochen.

Vor rund 27 Jahren kam Xhavit Mustafa als Geflüchteter nach Bayreuth. Ab Mai sitzt er für die Grünen im Bayreuther Stadtrat. Im Gespräch mit dem Bayreuther Tagblatt erzählt Mustafa von seinem Start in Bayreuth, seinem Weg in die Politik. Auch neu im Stadtrat sitzt Tina Seyffert-Reinhold (AfD). Die 44-Jährige lehnt die Partei “Die Linke” komplett ab und betont den Wert der traditionellen Familie. 

Xhavit Mustafa: Ein langer Weg in den Bayreuther Stadtrat

Um ein Problem zu lösen, müsse man immer einen ersten Schritt machen, sagt Xhavit Mustafa. Denn egal wie klein dieser sein möge und egal wie groß das Problem erscheinen mag, am Ende könne man nur eine Lösung finden, wenn etwas tue. Mustafas Weg in den Bayreuther Stadtrat begann vor fast 27 Jahren. Damals kam Mustafa zusammen mit seinem Bruder als Flüchtling nach Bayreuth. 

Die beiden kamen aus dem Kosovo in die Wagnerstadt und flohen damals vor dem Krieg. In Bayreuth war sein erstes Zuhause die Flüchtlingsunterkunft in der Wilhelm-Busch-Straße. An Politik dachte Mustafa damals natürlich noch nicht, er konnte zu dem Zeitpunkt noch nicht mal deutsch sprechen. Einen Job durfte er auch haben. Also verbrachte er anfangs viel Zeit auf den Straßen Bayreuths und beobachtete die Menschen und das Leben in Deutschland. 

Gott sei Dank, habe ich dann Menschen kennen gelernt, die meinem Bruder und mir bei der Integration geholfen haben. Ich möchte der Sozialarbeiterin Ernst und Hausmeister Naumann herzlich danken. Sie haben uns dabei unterstützt die Sprache zu lernen und uns den rechten Weg gezeigt, auch wenn wir mal Fehler gemacht haben. Das hat mich sehr motiviert.

(Xhavit Mustafa über seinen Start in Bayreuth)

Xhavits Mustafas Start ins Berufsleben in Deutschland

Als Mustafa dann erlaubt wurde zu arbeiten, sei er auf direktem Weg zum Geschäft der Multitask Computersysteme GmbH in Bayreuth gelaufen. In seiner Heimat in Pristina hatte er Elektrotechnik studiert und der Laden sei damals der einzige Technikshop gewesen, den er gekannt habe. Mustafa erinnert sich bis heute daran:

Ich habe bei der Multitask GmbH Arbeit gesucht. Der Chef hat dann einen Computer vor mich auf den Tisch gestellt und mir einen Arbeitsauftrag gegeben. Den konnte ich innerhalb von ein paar Sekunden lösen. Daraufhin sagte er: „Komm morgen früh wieder zu mir in den Laden, du hast einen Job!

(Xhavit Mustafa über seinen Weg ins Berufsleben)

Mustafa habe sich dann immer besser in Bayreuth eingelebt. Auch das Fußballspielen bei der SpVgg Bayreuth habe seinen Teil dazu beigetragen, dass er sich in seiner neuen Heimat immer wohler fühlte. 

Für Integration und gegen Rassismus

Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen versteht Xhavit Mustafa die Probleme der jungen Flüchtlinge, die in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen sind. Deshalb engagierte sich Mustafa dann lange Jahre als Vorstand im Integrationsbeirat. Zudem ist er ehrenamtlicher Geschäftsführer des Projekts „Tor zur Welt“, ein Integrations- und Kulturprojekt der SpVgg Bayreuth, engagiert sich aktiv für Integration und gegen Rassismus. 

„Als Stadtrat kann man etwas bewegen“

Im Integrationsbeirat hatte Mustafa auch immer wieder Kontakt zu Politikern. Viele davon hätten ihn und sein Projekt in den letzten Jahren immer wieder mit Worten unterstützt, sagt Mustafa. Passiert sei aber viel zu wenig. Aus diesem Grund entschloss sich Mustafa dazu, die Sache selbst anzupacken. 

Ich habe gesehen, dass man als Stadtrat etwas bewegen kann. Da wusste ich: Das möchte ich in Zukunft am liebsten selbst tun.

(Xhavit Mustafa)

Für welche Partei Mustafa als Stadtrat kandidieren wollte, habe er damals noch nicht gewusst. Also führte er Gespräche mit mehreren Parteien. Am Ende entschied er sich für die Grünen. Zwar ist er bis heute kein Mitglied der Partei, jedoch fand er an vielen Punkten aus deren Wahlprogrammen gefallen. 

Bis zum Morgengrauen vor dem Computer gezittert

Am Wahlabend selbst habe Mustafa dann die ganze Nacht vor dem Computer gesessen. Damit gerechnet, dass er in den Stadtrat einziehe, habe er dabei nicht. Dann zeichnete sich im Laufe des Abends jedoch ab: Es war sehr knapp, doch es könnte klappen. „Am Ende habe ich wirklich gezittert und mitgefiebert“, sagt Mustafa. Als das Ergebnis fest stand, freute sich Mustafa. Doch erleichtert war er nicht. 

Ich habe sofort gewusst, dass in den nächsten Monaten und Jahren viel Arbeit auf mich zukommen wird. Im Stadtrat zu sein, ist kein einfacher Job. Ich freue mich dennoch auf die neuen Aufgaben.

(Xhavit Mustafa)

„Menschen müssen offen miteinander reden“

Neben der Integration, für Mustafas das wichtigste Thema, ist dem neuen Stadtrat auch die Digitalisierung wichtig. Als Vater von fünf Kindern wisse er, wovon er spreche. Bereits in den Schulen müsse mehr im Gebiet der Digitalisierung getan werden. Denn nur so könne man Grundlagen dafür schaffen, dass das Thema in Zukunft von der Stadt besser umgesetzt werden könne. 

Um seine Themen auch im Bayreuther Stadtrat nach vorne zu bringen, möchte Mustafa offen mit den Menschen reden. Dies sei seine Strategie. Verallgemeinerungen würde dabei nicht weiterhelfen. Man müsse sich mit einem Thema genauer befassen, damit man auch gute Lösungen finden kann. Das möchte Mustafa ab Mai, wenn er in den Stadtrat einzieht, tun. 

Einen Beitrag hat Mustafa bereits im Vorfeld geleistet: Anfang April hat Xhavit Mustafa gemeinsam mit Filiz Durak bereits einen Antrag initiiert, um Geflüchteten zügig eine Arbeitserlaubnis zu erteilen. So sollen sie als Erntehelfer eingesetzt werden können. 

Bayreuther Tagblatt - Frederik Eichstädt

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Frederik Eichstädt