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Politik aus Bayreuth

Streit um Bayreuther Altstadtbad: Vorwurf der “Luxussanierung” – Planschbecken wird repariert

Das Bayreuther Altstadtbad ist eines der Projekte, die den Stadtrat schon länger beschäftigt.

Dieses Bayreuther Schwimmbad müsse dringend saniert werden. Der Bayreuther Stadtrat hat am Mittwoch (29. April 2020) über ein provisorisches Kinderbecken entschieden.

Kinderbecken im Bayreuther Altstadtbad provisorisch repariert

Damit das Altstadtbad auch im Sommer 2020 genutzt werden kann, soll das Kinderplanschbecken instand gesetzt werden, berichtet Baureferentin der Stadt Bayreuth, Urte Kelm. Auch wenn derzeit nicht klar sei, ob die Bäder in Bayreuth wegen Corona überhaupt genutzt werden können. Trotzdem solle das Kinderbecken provisorisch repariert werden. Das Provisorium kostet die Stadt insgesamt 23.000 Euro, teilt Kelm mit. Die Mitglieder des Stadtrates stimmten einstimmig für diese schnelle Instandsetzung des Planschbeckens.

Kosten für die Sanierung Bayreuther Altstadtbad

Es gebe zusätzlich einen Sanierungsansatz für das große Becken: Etwa 1,2 Millionen Euro Planungsleistungen müssten dafür eingeplant werden. Die Kosten setzen sich nach Angaben von Baureferentin Kelm wie folgt zusammen: 73.000 Euro kostet der Abbruch des Beckens. Die Bauleistung mitsamt einer Edelstahlauskleidung des Beckens belaufen sich geschätzt auf etwa 247.000 Euro. Auch die Technik müsse mit 430.000 Euro instandgesetzt werden. Zuletzt komme noch die Wiederherstellung der Außenanlagen mit 100.000 Euro hinzu.

Streit um Altstadtbad im Bayreuther Stadtrat

Dr. Beate Kuhn (SPD) glaubt nicht, dass diese Luxussanierung notwendig sei. Zudem denkt sie, dass es durch die Coronakrise keine Bädernutzung in diesem Jahr geben werde. Sie befürwortet schnelle Reparaturen, ohne zu viel Geld zu investieren. Bürgerwille und Bürgerbeteiligung sollen laut Wolfgang Gruber (DU) berücksichtigt werden. Deswegen schlägt er die Gründung eines Vereins für die Erhaltung des Altstadtbades vor.

Neuer Verein für das Bayreuther Altstadtbad?

Die Gründung des Vereins könne innerhalb von zwei Wochen erledigt werden. Gruber möchte, dass die Stadt den Verein unterstützt. Der Betrieb des Bades solle dann künftig durch den Verein erfolgen. Die Stadt solle jedoch weiterhin den Bademeister stellen und die Anlagen pflegen. Es gehe darum, Investitionen von der Stadt fernzuhalten und in Bürgerbeteiligung umzuwandeln. Gruber möchte, dass dem Verein bis August Zeit gegeben werden, ein genaues Vorgehen auszuarbeiten. Dieses solle dann in der Stadtratssitzung im Herbst 2020 vorgestellt werden. Die Stadtratsfraktionen der Grünen und der Bayreuther Gemeinschaft schlossen sich dem Vorschlag an.

Kritische Stimmen zu möglichem Verein für Altstadtbad

Thomas Bauske (SPD) sieht es kritisch, einem Verein 50.000 Euro an die Hand zu geben, der noch nicht mal gegründet ist. Zudem solle die Stadt ja weiterhin für den Unterhalt des Bades aufkommen. “Dann können wir das Bad gleich in städtischer Hand lassen”, findet Bauske. Baureferentin Urte Kelm widersprach vor allem einem Begriff: “Ich störe mich sehr an dem Wort ‘Luxussanierung’. Es ist eine Gesamtlösung und keine Luxussanierung.” Die Planungsleistungen sollen extern vergeben werden, denn soll sich das Hochbauamt darum kümmern, werde 2021 definitiv nichts passieren, machte Kelm deutlich. Die Kapazitäten könnten dafür aktuell nicht gestemmt werden.

Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe war dafür, eine Diskussion über einen möglichen Verein in den neuen Stadtrat zu verschieben. Gruber zeigte sich hingegen überrascht, dass dieser Verein für Mitglieder des Stadtrates zu überraschend kam. Denn er habe bereits aus dem Stadtrat ein positives Feedback erhalten.

Diskussion im Bayreuther Stadtrat

“Für mich ist das bisher zu unkonkret. Mein Vorschlag: Arbeiten sie das ganze konkreter aus und dann kann darüber entschieden werden”, sagte Merk-Erbe. Elisabeth Zagel (SPD) schloss sich ihm an. Sie störte sich nur an der Verwendung von Edelstahl. Da gäbe es noch originellere Lösungen mit anderen Materialien. Thomas Ebersberger (CSU) findet den Vorschlag von Kelm gut. Denn binnen vier Wochen könnte das kleine Becken dann genutzt werden. “Machen wir doch die relativ überschaubare Lösung, die die Verwaltung vorgeschlagen hat.” Werner Grüninger (CSU) vermittelte seinen Eindruck, dass der Vorschlag von Gruber nur auf wenig Gegenliebe stoße. Man könne ja schließlich auch mal was beschließen, ohne nähere Informationen zu haben.

Instandsetzung des Planschbeckens einstimmig beschlossen

Gruber drückte seine Enttäuschung über die Reaktionen im Stadtrat aus. “Ich hätte mir hier ein positives Signal gewünscht. Deswegen ziehe ich meinen Antrag zurück. Der Verein wird natürlich trotzdem gegründet”, sagte er. Er habe bereits Zusagen von finanziellen Mitteln von knapp 200.000 Euro bekommen. “Niemand sagt was gegen eine Vereinsförderung”, sagte Bauske.

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler