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Ausbildung

Streitthema Hotelfachschule Pegnitz: Schließung oder Weiterführung der Schule im Landkreis Bayreuth?

Wie geht es weiter mit der Hotelfachschule in Pegnitz? Der Kreisausschuss des Bayreuther Landkreises hat über eine Schließung oder Fortführung der Schule diskutiert.

Wie geht es weiter mit der Hotelfachschule in Pegnitz? Der Beschlussvorschlag in der Sitzung des Kreisausschusses des Bayreuther Landkreises lautete nämlich, die Schule schließen zu lassen, falls die Schülerzahlen bis zur Kreistagssitzung nicht steigen. Schon im Vorfeld hatten die Fraktionen der CSU oder SPD Anträge deshalb eingereicht. Es folgte eine gut einstündige Diskussion der Mitglieder.

Sinkende Schülerzahlen in Pegnitz

Kreis-Kämmerer Horst Hager berichtet: Die Hotelfachschule und die Berufsfachschule für Hotelmanagement sind wichtig für unsere Touristischen Einrichtungen. Anfangs sei der Zulauf der Schüler sehr gut gewesen. 2012 gab es beispielsweise insgesamt 184 Schüler. „Seitdem ging es dauernd bergab“, sagt Hager. 2019 gab es in der Hotelfachschule nur noch 23 Schüler sowie 24 Schüler die Berufsfachschule für Hotelmanagement, berichtet Hager.

Deshalb wurden im Gespräch mit dem Kultusministerium Modifizierungen vorgenommen, erläutert Hager: Zugangsvoraussetzung sei nun Mittlere Reife – nicht wie zuvor Abitur -, es gebe nur noch alle zwei Jahre eine neue Klasse in der Hotelfachschule. Außerdem wurde der Lehrpan modifiziert. „Die neuen Angebote wurden aber nur sehr, sehr spärlich angenommen“, sagt Hager.

Anteil der Schüler aus Kreis Bayreuth gering

Der Anteil der Schüler aus dem Bayreuther Landkreis sei ernüchternd. Insgesamt seien zehn Prozent der Schüler aus dem Landkreis. Auch bei den Neuanmeldungen für das kommende Schuljahr schaut es nicht gut aus: „Wir liegen deutlich unter der Verordnung von 16 Schülern“, sagt Hager.

Wenn es weniger Schüler gibt, werden nach Hagers Angaben die Förderungen gekürzt. Auch das Lehrerkollegium sei ein „dringender Aspekt, den Schulbetrieb einzustellen“, sagt Hager. Einige Lehrer würden wegen ihres Alters aus dem Schulbetrieb ausscheiden, erläutert Hager.

Deshalb werde seitens der Verwaltung empfohlen, keine neuen Schüler mehr aufzunehmen, so dass die Schule dann Ende des kommenden Schuljahres geschlossen werden müsste, sagt Hager.

Diskussion um Hotelfachschule in Pegnitz

Wiedemann erklärt, dass das Landratsamt verantwortungsvoll mit Steuergeldern umgehen muss. Der Landkreis zahle jährlich rund 600.000 Euro, für jährlich etwa 10 Neuanmeldungen von Schülern. 10 Prozent der Schüler kommen aus dem Landkreis. Dabei stellt sich Wiedemann die Frage, ob alle Schüler der Fachschule auch im Landkreis bleiben.

Außerdem führt es an: Wenn die Hotelfachschule beendet wird, könnte man überlegen eine Außenstelle des Landratsamtes nach Pegnitz in dieses Gebäude verlegt. „Ich hätte Pegnitz damit deutlich aufwerten wollen“, sagt Wiedemann.

Wahlkampfversprechen im Kreis Bayreuth gebrochen?

Jan-Michael Fischer (SPD) attackiert daraufhin in einem Statement den Beschlussvorschlag, die Schule zu schließen: Allen Anträgen der verschiedenen Fraktionen liegt ein Versprechen zugrunde: „Wir möchten diese Schule erhalten.” Er geht besonders auf die Wahlkämpfe zum Landrat ein: “Wenn ich im Wahlkampf sage, dass ich diese Schule rette, dann muss ich das danach auch tun“, sagt Fischer. Es gebe zu viele Fragen zu dieser Schule, die noch nicht geklärt wurden.

Fischer sieht auch die Außenstelle des Landratsamtes problematisch: Die Schließung der Schule dürfe nicht mit dieser Außenstelle in Verbindung gebracht werden, da es sonst heißen könnte: Die Schule werde wegen der Außenstelle geschlossen.

Mit seiner Rede erntete er Applaus. Wiedemann reagiert angegriffen auf die Vorwürfe: „Falls diese Vorwürfe an mich gerichtet waren“, beginnt der Landrat. „Ich habe das nie versprochen, denn wir müssen die Schülerzahlen im Auge behalten.“

Neuem Konzept in Pegnitz eine Chance geben

Hans Hümmer (FWG) erklärt, der Sitzungsvorlage zu folgen. Die Bayreuther Gemeinden seien eine der höchstverschuldeten in ganz Bayern. Seit mehreren Jahren werde aufgezeigt, wie es mit dieser Schule im Sturzflug bergab gehe.

“Wir können eine Schule mit diesen sinkenden Zahlen nicht aufrecht erhalten”, sagt Christa Reinert-Heinz (CSU). Es gehe nun darum, dass in ein neues Konzept einzusteigen. „Lasst uns dem neuen Konzept eine Chance geben“, fordert Reinert-Heinz. Nach zwei Jahren solle dann evaluiert werden, wie mit der Schule in Pegnitz weiterverfahren wird. Danach kamen einige weitere Mitglieder des Ausschusses zu Wort, um ihre Sicht darzustellen.

Schulleiter Christian Länger erklärte, Pegnitz ist die größte Hotelfachschule in Bayern. Die Regelungen und neuen Maßnahmen brauchen Zeit, sagt Länger. Auch Corona habe die Situation erschwert, da sie nicht auf Ausbildungsmessen oder in Schulen gehen konnten.

Beschlussvorschlag des Kreisausschusses in Bayreuth

Nach den Diskussionen gab es einen neuen Beschlussvorschlag: “Die Hotelfachschule Pegnitz ist zu erhalten. in zwei Jahren folgt eine Evaluierung.” Dieses Beschluss wurde mit acht Stimmen dafür und fünf Stimmen dagegen entschieden. Diese Empfehlung gehe nun an den Kreistag, erläuterte Wiedemann.

Weiter gab es deshalb einen Folgebeschluss: “Es ist eine Strategiegruppe einzurichten, welche die Leitung bei der Umsetzung des neuen Konzepts unterstützt.” Die Zusammensetzung werde in der nächsten Sitzung beschlossen. Dieser Beschluss wurde mit zehn zu drei Stimmen angenommen.

Bayreuther Tagblatt - Christoph Wiedemann

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Christoph Wiedemann