Unterführung Kulmbacher Straße: Was wird aus den Rollstuhlfahrern?

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Am Dienstag hat der Bauausschuss eine Entscheidung für die Radfahrer der Stadt Bayreuth gefällt. Das Abbiegeverbot am Sendelbach bleibt bestehen und auch eine Unterführung in der Kulmbacher Straße ist in Planung. Doch wie rollstuhlgerecht ist diese Entscheidung?

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Forderung nach einer barrierefreien Unterführung

Bastian Beekes, Rollstuhlfahrer aus Bayreuth, hat sich an das Bayreuther Tagblatt gewandt. Zwar würde mit den neuen städtebaulichen Maßnahmen auf die Radfahrer eingegangen werden, die Gruppe der Rollstuhlfahrer würde allerdings wenig bis gar nicht beachtet werden. Beekes fordert daher eine barrierefreie Unterführung.

Ich möchte hiermit die ausdrückliche Forderung aussprechen, die geplante Unterführung so auszuführen, dass sie barrierefrei nutzbar ist. Im Rollstuhl ist man zu niedrig, um am bestehenden Übergang über die Brücke zu schauen bzw. von ankommenden Autos gesehen zu werden.
(Bastian Beekes, Rollstuhlfahrer)

Autofahrer können Rollstuhlfahrer auf der anderen Seite der Brücke nur schwer erkennen. Foto: Susanne Jagodzik

Wie im Bauausschuss am vergangenen Dienstag bekannt wurde, soll zur Sicherheit der Radfahrer an der Sandbrücke in der Kulmbacher Straße eine Unterführung entstehen. Eine Überquerung der vielbefahrenen Kulmbacher Straße wäre dann nicht mehr nötig. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe betonte im Ausschuss, dass die Unterführung auch eine gute Lösung sei, damit Kinderwägen oder Menschen mit Handicap sicher auf die gegenüberliegende Straße kommen.

Rollstuhlfahrer sind an der Brücke schlecht erkennbar

Aufgrund der erhöhten Neigung sei die geplante Unterführung nach Angaben des Stadtbauamtes allerdings nicht vollkommen barrierefrei. Beekes sieht das kritisch.

Wie kann es sein, dass gerade die besonders gefährdete Gruppe der Rollstuhlfahrer auf die gefährliche Querung der Kulmbacher Straße angewiesen sein soll? Nach Vollendung der Unterführung sollen die Rollstuhlfahrer die einzigen sein, die noch die Straße queren müssen und noch dazu sehr schlecht jenseits der Brücke erkennbar sind, da wir Rollstuhlfahrer dafür zu klein sind. Dazu kommt, dass anfahrende Autos dann daran gewöhnt sind, dass sie hier einfach durchfahren können.
(Bastian Beekes)

Wie Beekes weiter erklärt, seien alle bisherigen Unterführungen in Bayreuth mit dem Rollstuhl nicht nutzbar, da sie zu steil sind. Im Gegensatz zur Kulmbacher Straße würden dann dort aber zusätzlich Ampelanlagen bestehen, sodass eine gefahrlose Überquerung möglich sei.

Hier soll eine Unterführung für Radfahrer und Fußgänger entstehen. Allerdings nicht komplett barrierefrei. Foto: Susanne Jagodzik

“Wie viele Einschränkungen soll ich noch in Kauf nehmen?”

Besonders Aussagen wie die von Stefan Schuh, Fraktionsvorsitzender Junges Bayreuth, kann Bastian Beekes nicht nachvollziehen: “In der Tat war die Überquerung dort an der Kulmbacher Straße eine kritische Stelle. Dass die Barrierefreiheit hier nicht zu 100 Prozent erreicht wird, ist zu verschmerzen”, so Stefan Schuh. Solche Äußerungen machen Beekes, der seit einem Vespa-Unfall querschnittsgelähmt ist, wütend.

Steigungen bis zu 7 Prozent sind für Rollstuhlfahrer machbar. Ab dann wird es schwierig. Foto: Susanne Jagodzik

Ich bin sowieso schon körperlich eingeschränkt. Wie viele Einschränkungen soll ich denn noch in Kauf nehmen?
(Bastian Beekes)

Zebrastreifen als Alternative

Beekes fordert daher eine zusätzliche bauliche Veränderung in der Kulmbacher Straße. Wenn schon keine Bedarfsampel genehmigt wird, so wäre ein Zebrastreifen eine gute Alternative.

Ein Zebrastreifen würde uns Rollstuhlfahrern schon viel helfen. Wenn dann vor der Erhebung der Brücke ein Achtungsschild steht, wissen die Autofahrer zumindest, dass hier Vorsicht geboten ist.
(Bastian Beekes)

Bewusstsein innerhalb der Stadt fehlt

Auf die Frage, wie rollstuhlfahrerfreundlich Bayreuth insgesamt ist, antwortet Bastian Beekes mit einem Zögern. Für die Größe der Stadt Bayreuth sei es okay, so der Rollstuhlfahrer. Steigungen von über 7 Prozent würden den Rollstuhlfahrern schon Probleme bereiten. Außerdem seien viele der Fußgängerwege zu schmal.

Als Rollstuhlfahrer muss man häufig Umwege in Kauf nehmen. Wenn ein Gehweg zu schmal wird, fahre ich schon des Öfteren mal auf der Straße. Das ist gerade in Wohngebieten der Fall. Wenn es sich dann um eine 30er Zone handelt, ist das in Ordnung.
(Bastian Beekes)

Mangel an Informationen

Nach Angaben Beekes haben Rollstuhlfahrer besonders in den Läden Bayreuths Probleme. 60 bis 80 Prozent seien für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich. Zwar gebe es bei manchen Läden die Möglichkeit durch eine Rampe am Hintereingang in den Laden zu kommen, es fehle aber an Informationen.

Das beste Beispiel ist die ehemalige Poststelle in der Stadt. Da gab es zwar eine Rampe am Eingang, die war aber für Rollstuhlfahrer zu steil. Zusätzlich war ein extra Eingang im Hinterhof, allerdings gab es von außen keine Beschilderung und er war schwer zu finden.
(Bastian Beekes)

So gehe es den Rollstuhlfahrern in vielen Bereichen. Beekes würde sich daher mehr Hinweise an den Läden wünschen. Eine Telefonnummer, die man anrufen kann, um zu sagen, dass man als Rollstuhlfahrer in den Laden möchte, wäre oft schon ausreichend.