Walküre: 46 Entlassungen – Produktion und Geschäfte laufen weiter

Neues im Insolvenzverfahren des Bayreuther Porzellanherstellers Walküre. Die Produktion und der Geschäftsbetrieb können eingeschränkt weitergeführt werden. Gleichzeitig trennt sich das Unternehmen von 46 seiner 72 Mitarbeiter.

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Produktion und Geschäftsbetrieb gehen eingeschränkt weiter

Das Amtsgericht Bayreuth hat dem Antrag der Geschäftsführung entsprechend die Eigenverwaltung von Walküre angeordnet. Es kann also weiter gearbeitet werden, bei Walküre, wenn auch im kleineren Rahmen.

„Wir arbeiten weiter für unsere Kunden und tun alles Menschenmögliche dafür, sie zufrieden zu stellen“, so die Geschäftsführer Dr. Wolfgang Meyer und Siegmund Meyer. Betriebsrat und Belegschaft wurden gestern auf den neuesten Stand gebracht.

Weg zur Sanierung

Wie mitgeteilt, sah sich die renommierte Porzellanfabrik in diesem Jahr völlig überraschend mit deutlichen Umsatz- und Auftragsrückgängen konfrontiert, nachdem größere Projekte und Abrufaufträge verschoben wurden. Vor dem Hintergrund dieser Umsatzeinbußen wurde der bekannte Hersteller von den Gesellschaftern gestützt.

„Im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens haben wir den Sanierungsweg fortgesetzt. Dies gelang in enger Abstimmung mit unseren Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Gesellschaftern. Gespräche mit Investoren konnten noch nicht abgeschlossen werden, werden aber mit Hochdruck weiter verfolgt“, benennt Martin Schoebe von der Restrukturierungskanzlei hww, der als Sanierungsgeschäftsführer die Geschäftsführung unterstützt, das Ziel der Eigenverwaltung.

46 Mitarbeiter freigestellt

„Zu unserem großen Bedauern sehen wir uns gezwungen, derzeit mit einem geringeren Mitarbeiterstamm als bislang weiter zu arbeiten“, so Schoebe: „Wir haben daher nach Unterrichtung des Betriebsrats und seines Anwalts gegenüber 46 von unseren insgesamt 72 Mitarbeitern die Freistellung erklären müssen.“

In Kürze sind Verhandlungen zu Interessenausgleich und Sozialplan zu erwarten. „Mit Blick auf die traditionsreiche Marke, die exzellenten Mitarbeiter und den interessanten Kundenstamm bleiben wir für eine erfolgreiche Rettung jedenfalls eines Teils des Betriebs vorsichtig optimistisch“, so Schoebe.

Das bedeutet ein Eigenverwaltungsverfahren

Das Eigenverwaltungsverfahren bietet Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb neu aufzustellen. Anders als im Regelinsolvenzverfahren bleibt dabei die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuert und den Geschäftsbetrieb fortführt. Das Insolvenzrecht erlaubt dies in Fällen, in denen Unternehmen bei wirtschaftlichen Problemen frühzeitig selbst tätig werden und genügend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht.

Anstelle eines Insolvenzverwalters setzt das Insolvenzgericht einen sogenannten Sachwalter ein, der als Interessenvertreter der Gläubiger – vergleichbar mit einem Aufsichtsrat – die Restrukturierung überwacht, begleitet und unterstützt. Als Sachwalter wurde der erfahrene Sanierer Dr. Ulrich Graf, einer der Namenspartner der Kanzlei Lampert, Dr. Graf & Kollegen in Bayreuth, bestellt. Graf war bereits als vorläufiger Sachwalter seit dem Insolvenzantrag eingesetzt.