An den Feuerwehrzufahrten wird bisher mit Betonblöcken bei Veranstaltungen abgesichert.

Wegen Drogenfahrt: Erneute Debatte um Sicherheit und Absperrungen

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Auf Antrag von Michael Hohl (CSU) debattierte der Stadtrat erneut über das Sicherheitskonzept Bayreuths. Darum, ob absenkbare Poller oder Betonblöcke bei großen Festen im Bereich der Zufahrten zum Stadtparkett genutzt werden sollen – beides um die Sicherheit zu erhöhen. Bereits im Mai hatten Haupt- und Finanzausschuss darüber abgestimmt, dass weiterhin Betonblöcke genutzt werden sollen. So wird es auch vorerst bleiben.

Debatte erneut aufgegriffen

Grund für die erneute Aufnahme der Debatte, über die bereits am 22. Mai im Haupt- und Finanzausschuss einstimmig abgestimmt worden war, ist ein Vorfall während des Kinosommers gewesen, bei dem ein VW mit erhöhter Geschwindigkeit durch die Innenstadt gefahren sein soll, die Polizei im Schlepptau. Der 24-jährige Fahrer war damals unter Einwirkung von Drogen hinter dem Steuer seines Wagens gesessen. “Es kam zu diesem bedauerlichen Vorfall in der Innenstadt, kurz nachdem wir uns im Stadtrat über das Thema Sicherheit unterhalten hatten”, leitet Hohl ein.

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Stadtrat Stefan Müller (BG) war damals vor Ort und mildert das Szenario allerdings ab. Er erklärt: “In der Stadt hat der Fahrer damals eher zur Erheiterung geführt. Er war lediglich mit 25 bis maximal 50 km/h unterwegs.” Eine echte Bedrohung habe nicht bestanden, auch wenn der Sicherheitsaspekt natürlich nicht vernachlässigt werden dürfe.

Welche Vorteile absenkbare Poller bieten können

Die Poller sind fest mit dem Untergrund verbunden. Sie könnten durch Fernsteuerung schnell aktiviert werden, wenn Gefahr in Verzug ist, so Michael Hohl. Und sie würden die Rettungskräfte im Notfall nicht behindern. Allerdings gibt Stadtrat und Rechtsreferent Ulrich Pfeifer zu bedenken, dass Barrieren nur teilweise zum Schutz beitragen und Personen, die einen Anschlag planen oder auf einer Trunkenheits- bzw. Drogenfahrt unterwegs sind, den Sicherheitsbehörden immer einen Schritt voraus sein würden. “Terroristen haben einen Zeitvorteil und den Überraschungseffekt auf ihrer Seite”, so Pfeifer.

Das Leben spielt sich nicht nur in der Fußgängerzone ab. Was machen wir zum Schutz der Synagogen, der Eremitage oder unserer Schulen? Angriffe sind inzwischen auch von oben aus der Luft möglich. Wollen wir wirklich  über eine Millionen Euro aus dem Fenster hinaus schmeißen? Wir malen den Teufel täglich an die Wand und fragen uns: Was ist wenn? Und das,  obwohl wir in einer schönen Region wohnen, die aktuell nicht bedroht ist.

(Stadtrat Halil Tasdelen, SPD)

Innenstadt ist nicht der einzige Brennpunkt

Es gäbe in Bayreuth extrem viele fußläufige Zugänge zur Maximilianstraße. Doch solle man sich nicht nur auf die Innenstadt fokussieren: Es sei wichtig, andere Brennpunkte dabei nicht aus den Augen zu verlieren, erklärt Pfeifer. Auch wenn die Innenstadt ein wichtiger zentraler Ort sei. Am Luitpoldplatz wären beispielsweise jeden Mittag ebenso große Ansammlungen von Jugendlichen.

Einen hundertprozentigen Schutz wird es nie geben.

(Berufsmäßiger Stadtrat Ulrich Pfeifer)

1,75 Millionen Euro für 50 Poller

“Die Errichtung der Poller ist mit erheblichen Kosten und großen Anstrengungen verbunden”, sagt Pfeifer. Um allein die Zugänge rund um die Maximilianstraße abzusichern, würde man 50 Poller brauchen. Für deren Anschaffung und Errichtung wären bereits 1,75 Millionen Euro nötig – Transportkosten, Wartung und technische Betriebskosten dabei noch ausgenommen. Finanzielle Mittel stünden im laufenden Haushaltsjahr bei Weitem nicht zur Verfügung. So müsste das Ganze ohnehin auf 2020 vertagt werden, so Pfeifer.

Hinderliche Kabel und Kanäle

In der Eremitage werden bereits absenkbare Poller genutzt. Allerdings verbunden mit einem hohen Wartungsaufwand. Foto:

In der Eremitage werden bereits absenkbare Poller genutzt. Allerdings verbunden mit einem hohen Wartungsaufwand. Foto: Redaktion

Neben den immensen Kosten, gäbe es auch technische Probleme: Denn um die absenkbaren Poller anzubringen, müsse der Untergrund auf dem sie stehen zudem frei von Wasser- und Gasleitungen, diversen Kabeln oder Kanälen sein. “Die Umverlegung oder Entfernung dieser Leitungen wäre extrem teuer und unverhältnismäßig aufwendig”, fügt Pfeifer hinzu.

Welche Vorteile die Betonblöcke bieten können

Die Blöcke aus Beton, die bisher bei großen Veranstaltungen wie dem Bürgerfest genutzt werden, sind wesentlich kostengünstiger. Die Anschaffung pro Block liege hier bei lediglich 100 Euro. Die zusätzlichen Kosten für Auf- und Abbau der Blöcke, vor und nach den Veranstaltungen, bei etwa 50 Euro.

Eine Erhöhung des Sicherheits-Levels erreichen wir auch mit den Betonklötzen. Das reicht aus.

(Stadtrat Thomas Bauske, SPD)

Betonblöcke umgestalten

Vorerst bleibt der Stadtrat seinem Beschluss vom Mai treu. Eine Anschaffung von neuen absenkbaren Pollern ist vorerst nicht vorgesehen. Eine Überlegung sei es stattdessen, die Betonblöcke optisch ansprechend zu gestalten – ob farbig oder in anderen Formen – damit sie besser ins Stadtbild passen.

Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Die Stadt soll sicher sein und gleichzeitig aufgehübscht werden. Die Betonklötze könnte man schön und bunt gestalten und vielleicht auch als Werbefläche nutzen. Oder in den Hinterhöfen als Hingucker drapieren, wenn sie nicht im Einsatz sind.

(Stadtrat Helmut Zartner, DU)

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