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Wildpark Mehlmeisel während der Corona-Krise: Tiere hören Musik und bekommen Geisterführungen

Die aktuelle Coronakrise beeinflusst auch das der Tiere. Daher stellt sich natürlich die Frage: Wie geht es den Tieren im Wildpark Mehlmeisel? 

Die aktuelle Coronakrise beeinflusst nicht nur das Leben der Menschen, sondern auch das der Tiere. Doch welche Auswirkungen hat die momentane Situation auf Tiere wirklich? Der Betreiber des Wildparks Mehlmeisel, Eckard Mickisch (56) erzählt, wie es seinen Schützlingen so geht. Auch die Tiere im Tierheim Bayreuth sind von der Corona-Krise betroffen.

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Führungen ohne Besucher

„Momentan ist es sehr ruhig im Wildpark“, erzählt Eckard Mickisch. „Das merken natürlich auch die Tiere.“ Damit diese nicht aus ihrem gewohnten Rhythmus gebracht werden, werden täglich zwei Führungen durchgeführt von den Mitarbeitern des Parks. „Aber natürlich ohne Menschen. Wir machen die Führungen am Vormittag und am Nachmittag, weil das auch immer die Fütterungszeiten der Tiere sind.“ Dabei wiederholen die Mitarbeiter den Text entweder in Gedanken oder sprechen sie laut damit die Tiere merken, dass noch jemand da ist. Denn die Bewohner des Wildparks sind sensible Wesen, denen natürlich auffällt, dass sich die Situation geändert hat.

Musik für die Tiere

„Deswegen versuchen wir die Tiere zu beschäftigen, sonst werden sie wieder sehr scheu.“ Die Tiere sind desensibilisiert, sind an Stimmen gewöhnt. Die plötzliche Stille könnte sich negativ auf die Tiere auswirken, weil ihr Lebensrhythmus durcheinandergebracht werde. Daher werden die Tiere über die Lautsprecher im Park  unterhalten. „Wir lassen Musik laufen oder auch mal einen Radiosender, damit sie Stimmen hören“, sagt Mickisch. Probleme mit der GEMA dürfte er deswegen nicht bekommen, da ja derzeit keine Besucher im Wildpark sind.

Kurzarbeit im Wildpark

Durch die aktuelle Lage musste auch der Wildpark Mehlmeisel Kurzarbeit anmelden. „Wir arbeiten im Schichtbetrieb, damit – falls einer meiner Leute sich mit dem Virus infizieren sollte – die Versorgung immer noch gewährleistet werden kann“, sagt Betreiber Mickisch. Dennoch wäre es fatal, wenn einer seiner Mitarbeiter ausfallen würde. Deswegen halte sich auch jeder an die Hygienevorschriften. „Kein Außenstehender darf den Park betreten, außer mit einem Durchsuchungsbefehl.“

Finanzielle Situation

Trotzdem laufen die Kosten normal weiter. Löhne, Strom und Futter müssen bezahlt werden. Doch in finanziellen Schwierigkeiten steckt der Park noch nicht. „Wir haben noch genügend Rücklagen und Futter. Alles ist im grünen Bereich.“ Daher sieht der 56-jährige Betreiber auch keine Notwendigkeit darin, eine Spendenaktion zu starten wie andere Tier- und Greifvogelparks. Auf diese Möglichkeit greife er erst dann zurück, wenn wirklich eine Notsituation entstanden sei.

Aber er sei natürlich gespannt, was sich der bayerische Staat einfallen lasse. Die Menschen werden sich erstmal in Cafés treffen, Auto waschen oder anderweitig soziale Kontakte pflegen, bevor sie wieder daran denken einen Tierpark aufzusuchen, wenn das alles hier vorbei sei. „Uns steht eine Durststrecke bevor“, sagt Mickisch. „Und deswegen muss sich der bayerische Staat etwas einfallen lassen. Auf uns kann man nicht verzichten.“

Beschäftigung für Kinder

Eckard Mickisch hat sich noch etwas einfallen lassen. „Ich weiß, dass die Situation gerade für Familien mit Kindern sehr schwierig ist.“ Deswegen hat er eine Malaktion gestartet. Jedes Kind bis zum 14. Lebensjahr kann ein Bild von einem Tier malen und dem Wildpark schicken. Die besten Bilder werden dann auf der Homepage hochgeladen und können in einer Galerie angesehen werden.

„Jedes Kind bekommt von uns eine Eintrittskarte per Post zugeschickt. Und da ist es egal, wie viele Kinder im Haushalt uns ein Bild schicken. Wirklich jedes Kind bekommt einen Brief von uns, wenn wir erkennen können, welches Tier aus dem Park gemalt wurde.“ Mickisch findet es wichtig, den Kindern damit ein Zeichen der Hoffnung zu geben. „Auf den Besuch im Wildpark können sie sich dann freuen, wenn das normale Leben wieder weitergeht.“

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler