Zu Unrecht im Knast? Bayreuther wegen Körperverletzung, Diebstahl, Betrug und Beleidigung erneut vor Gericht

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Ein 39-jähriger Bayreuther stand am Donnerstag (6. Februar 2020) vor Gericht. Er wurde bereits im Oktober 2019 vom Amtsgericht wegen Diebstahl, schwerer Körperverletzung, Nötigung Beleidigung und weiterer Straftaten zu 2 Jahren und 3 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Sein Anwalt und die Staatsanwaltschaft gingen nach dem Urteil in Berufung. Der Angeklagte sitzt seit dem 17. April 2019 in Untersuchungshaft.

Berufung am Landgericht Bayreuth

In der Anklage wurden mehrere Punkte angezeigt: Zwei Mal soll der Angeklagte mit einem Taxi gefahren und anschließend nicht gezahlt haben. Weiter soll er einen Rollstuhl und ein Fahrrad gestohlen haben. Dazu kommt der Vorwurf der schweren Körperverletzung.

Der 39-Jährige soll auch einen Mann geschlagen und danach sogar getreten haben, als dieser am Boden lag. Bei einem weiteren Vorfall soll der Angeklagte grundlos gegen ein Wohnmobil geschlagen haben. Außerdem soll er trotz Hausverbotes in einem Supermarkt eine Mitarbeiterin aus dem Geschäft nach draußen gezerrt und dort gesagt haben, dass er sie jetzt “ficken” werde. All diese Vorwürfe stammen aus dem Zeitraum vom 21. Februar bis 12. April 2019. Am Donnerstag (6. Februar 2020) stand er jetzt erneut in Bayreuth vor Gericht.

Viele Zeugen und Aussagen in Bayreuth

Der Fall vor dem Landgericht gestaltete sich schwierig. Das Berufungsverfahren musste mit einigen Schwierigkeiten umgehen: Eine Zeugin war verstorben, ein anderer befindet sich wegen einer Krebsbehandlung im Krankenhaus und ein weiterer war zunächst nicht aufzufinden – er dachte nicht, dass “das heute ist”.

Zuerst waren Zeugen für die unbezahlten Taxifahrten geladen. Bei diesen war der Beschuldigte damals in Begleitung einer Frau mit Krücken. “Beide waren so verwirrt, dass sie nicht wussten, wo sie hinwollten. Unterwegs haben sie sich überlegt, wir fahren zu Klinikum”, sagte die erste Taxifahrerin. “Sie wollten Spaß haben”, erinnerte sich die Fahrerin des Taxis. Am Ziel angekommen seien dann beide ausgestiegen, ohne zu bezahlen.

Mutmaßlich Rollstuhl aus Bayreuther Klinik gestohlen

Im Krankenhaus sollen die beiden dann einen Rollstuhl gestohlen haben. Diesen nahmen sie dann auch auf dem Rückweg mit: in ein weiteres Taxi. Auch diese Fahrt bezahlte das Duo nicht. Nachdem der Taxifahrer den Rollstuhl ins Auto gepackt hatte, ging die Fahrt los. Wieder verschwanden die beiden ohne zu bezahlen. Den Rollstuhl vergaßen die beiden jedoch. Ein Polizist entdeckte auf dem Rollstuhl später einen Aufkleber des Bayreuther Klinikums, so konnte das Gefährt zurückgegeben werden.

Die Frau, die bei den unbezahlten Taxifahrten und dem gestohlenen Rollstuhl dabei war, sei mittlerweile verstorben, erklärte der Richter. Daraufhin gab der Anwalt des Angeklagten eine Erklärung ab: Da sie auf Krücken gegangen sei, sei es wahrscheinlich, dass sie den Rollstuhl entwendet habe. Nach dieser Erklärung wandte sich der Richter dem nächsten Punkt zu: der Körperverletzung.

Körperverletzung in Bayreuth

Der 39-Jährige soll dabei auf einen Mann eingeschlagen haben. Danach habe er wohl weiter auf diesen eingetreten, als der Geschädigte am Boden lag. Das Opfer konnte selbst vor Gericht nicht anwesend sein, da der Mann gerade wegen schwerer gesundheitlicher Probleme im Klinikum Bayreuth ist.

Die einzige Zeugin sagte: Ich habe gesehen, dass der Geschädigte am Boden lag und der Angeklagte mit dem Fuß “stampfend auf ihn eingetreten” hat. Ob sein Fuß den Geschädigten allerdings berührte, konnte sie nicht sehen. Das Opfer soll aber “Aua” geschrien haben und hatte anschließend definitiv rote Stellen am Kopf und am Bauch. Das bestätigte auch die Polizistin, die damals vor Ort war.

Über den Angeklagten sagte die Beamtin vor Gericht nun: “Der Angeklagte war verwirrt, wie ich ihn meistens antreffe.” Er sei sicher alkoholisiert gewesen und stand wahrscheinlich auch unter Drogen, vermutete die Polizistin.

Der Anwalt des Angeklagten hatte eine andere Theorie: Er sagte, dass der Geschädigte auf den Angeklagten losgegangen sei. Dabei sei der Geschädigte dann vom Angeklagten abgeprallt und zwischen die Fahrradständer gestürzt. “Die Verteidigung geht davon aus, dass die Verletzungen von diesem Sturz kommen.” Zusätzlich könne der Angeklagte wegen einer Fußverletzung gar nicht auf einen Menschen eintreten, so der Anwalt weiter.

Nach dieser Erklärung stand der nächste Punkt an: Der Tatort war dabei ein Supermarkt.

Mitarbeiterin in Bayreuth beschimpft

Trotz Hausverbot kam der Angeklagte zwei Mal zu einem Supermarkt. Dort soll er nach den Zeugenaussagen insbesondere eine bestimmte Mitarbeiterin beschimpft haben. Sie solle ihm einen blasen, er würde sie sexuell penetrieren und der Akt würde dann “der beste Fick ihres Lebens” werden.

Die Mitarbeiterin wollte den Angeklagten nach eigener Aussage im Laden einsperren, bis die Polizei eintrifft. Dabei soll er sie an den Armen gepackt und nach draußen gezerrt haben. Diese Szene konnte ein weiterer Mitarbeiter beobachten. Sie konnte sich aber schnell von dem Angeklagten lösen, da er wohl betrunken war.

Angst hatte sie dennoch, insbesondere davor, dass der Angeklagte weiter handgreiflich wird. “Er hat sich einen Spaß daraus gemacht”, meint die Zeugin.

Weitere Vorfälle in Bayreuth

Geschlagen hat der Polizei in einer anderen Situation. Ein Polizist konnte den Angeklagten dort dabei beobachten, wie er grundlos gegen ein Wohnmobil geschlagen hat. Den Hieb spürte auch der Besitzer, der sich im Fahrzeug befand. “Es war ein dumpfer Schlag. Ich dachte, ein Auto hat es angefahren.”

Außerdem erinnerte sich eine weitere Zeugin an einen Ladendiebstahl des Angeklagten. Sie kann sich an den Angeklagten erinnern, “weil er Hausverbot bekommen hat und trotzdem öfter gekommen ist.” Sie erinnert sich daran, dass der 39-Jährige Tabak stehlen wollte.

Fortsetzung folgt vor dem Landgericht

Nachdem die Zeugen gehört wurden, wurde die Sitzung unterbrochen. Falls möglich, wird in Zukunft noch der Geschädigte der Körperverletzung angehört, da dieser für die Verteidigung ein wichtiger Zeuge ist. Ansonsten war von den Äußerungen des Verteidigers zu vernehmen, dass er einen Freispruch für seinen Mandanten beantragen möchte. Er hatte im Vorfeld dafür gesorgt, dass der Fall neu aufgerollt wurde.

Ob der Angeklagte seine vom Amtsgericht erteilte Haftstrafe weiter absitzen muss, klärt sich dann bei der Fortsetzung des Termins. Aktuell befindet sich der 39-Jährige in Untersuchungshaft.