Zwei Jahre nach dem Brand: Rosi, du bist unvergessen!

Heute auf den Tag ist es zwei Jahre her, dass ein Stück Bayreuther Geschichte in Schutt und Asche fiel. Die Rosenau war Kult. Eine Liebeserklärung an den Club, der Generationen von Bayreuthern geprägt hat.

Nur wenige Stunden bevor die Rosi am Abend des 11. Mai 2017 ihre Tore öffnen will, kommt es zum Brand. Der Test eines Indoor-Feuerwerks geht schief. Weil es mitten in der Stadt lichterloh brennt, wird der Katastrophenalarm ausgelöst. Trotz unermüdlichem Einsatz der Feuerwehr, kann die Rosenau nicht gerettet werden. Damit wurde eine feste Bayreuther Institution zerstört.

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Die Erinnerungen an die Rosenau sind aber bis heute noch präsent. Die bt-Redakteure, sowie einer der Stamm-DJs der Rosenau, blicken auf ihre Erlebnisse zurück.

Donnerstag war Rosi-Tag

Wer in Bayreuth aufgewachsen ist, der wuchs auch automatisch mit der Rosenau auf. Jeder fieberte darauf hin, endlich 18 zu werden und offiziell in die Rosi gehen zu können. Ab dann hieß es jede Woche: Donnerstag ist Rositag.

Wie oft kam es vor, dass man die Schlange am Einlass schon von weitem erkennen konnte. Innen angekommen, machte die Rosenau dann oft einer Sauna Konkurrenz. Tanzen, schwitzen, trinken. Das war das Rosi-Programm.

Das schöne an der Rosi war, dass man den Laden nicht in eine Schublade stecken konnte. Jeder war gerne gesehen. Die Rosenau machte sich sogar weit über die Bayreuther Stadtgrenzen einen Namen: Selbst Sebastian Kehl vom BVB gab sich einmal die Ehre und stattete der Rosi einen Besuch ab.

Und wenn dann “New York, New York” ertönte und die Lichter angingen, ging ein Jeder verschwitzt, aber glücklich nach Hause.

(Susanne Jagodzik, bt-Redakteurin)

Eingebrannt

Für gewöhnlich war es ein guter Rosi-Abend, wenn man sich an möglichst wenig erinnern konnte. Weil über Jahrzehnte aber doch immer wieder das gleiche Programm abgespult wurde, hat sich die Rosi eingebrannt in das Gedächtnis der Stadt.

Hängen geblieben ist zum Beispiel die Kalte Muschi, das Wein-Cola-Gemisch das man sich zuhause kaum auszusprechen traute. Überhaupt: Anspruchslos waren die Gäste. Amaretto wurde wahlweise mit Apfel-oder Kirschsaft getrunken, zur Happy Hour gab es Tequila für einen Euro, und Aktien-Pils wurde gereicht, das trotz kleiner Flaschen im Handumdrehen warm wurde und damit eigentlich ungenießbar.

Aber wer zuvor bereits die Spirituosen-Abteilung im Keller des Karstadt oder die Getränke-Auswahl an der Hindenburg-Tanke aufgesucht hatte, dem konnte das im Grunde egal sein. Pech hatten die, die fahren mussten. Die nuckelten an in Plastikflaschen verpacktem Wasser mit Koffein. Water Joe nannte sich das Gesöff und wenn es irgendwo auf dieser Welt Gerechtigkeit gibt, dann sind die letzten Flaschen mit der Rosi in Flammen aufgegangen.

Apropos Wasser: Oft standen die Leute knöcheltief im Selben, das sich auffallend oft aus der Damentoilette seinen Weg auf die Tanzfläche bahnte. In keinem anderen Schuppen wären die Gäste unter diesen Umständen geblieben, für Rosi-Gänger klang das Plätschern hingegen wie eine Begrüßung: “Willkommen! Die Woche ist geschafft. Hier bist du richtig.” Apropos Klos: Dort  waren die Spiegel so blind, dass eigentlich jeder in jedem Zustand glaubte, gut auszusehen. Damit war die Rosi Therapie. Und damit ja niemand auf dumme Gedanken kam, sich der weiteren  Behandlung zu entziehen, warnte ein Schild davor, dass das aus dem Hahn entweichende Wasser nicht genießbar sei. Genial!

Während drinnen Lieder wie “Jump Around”, “Papa Chico”, “Californication” und “Son of a Preacher Man” auch nach Jahren noch so gefeiert wurden, als wären sie gerade in die Charts eingestiegen, und nirgendwo die ersten Töne von  Nenas “Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann” mehr nach  einer epischen Partynacht klangen als in der Rosi, wurden draußen vor der Tür Beziehungen geschlossen und beendet. Komischerweise bot beides für irgendwen immer einen Grund zum Heulen. Nirgendwo in Bayreuth hat der Asphalt mehr Tränen aufgesaugt als an der Zufahrt zur Rosi.

Am Ende eines Rosi-Abends, herrschte Selbstbedienung an einer Garderobe, an der das Personal sich zwar bezahlen ließ, die Bewachung der Kleidung aber irgendwann einfach aufgab.

Und wenn im Morgengrauen das Licht anging und Frank Sinatras “New York, New York” erklang, dann lagen sich im Licht der Scheinwerfer die letzten Überlebenden des Abends in den Armen und gebarten sich, als hätten sie eine schwere Schlacht zwar mit großen Verlusten, aber doch irgendwie erfolgreich geschlagen.

Rosi, du fehlst.

Dass Generationen von Bayreuthern die Zeit vor dem Rauchverbot in dir überlebt haben, grenzt genauso an ein Wunder, wie dass du nicht bei vollem Betrieb von einem deiner Gäste, sondern bei einer missglückten Pyro-Probe ohne Publikum abgefackelt wurdest.

Und dass die Nachbarn gegen deinen Wiederaufbau kämpfen, wo doch deine Anhänger regelmäßig gleich die ganze Badstraße zur Party-Area erklärt haben, ist nachvollziehbar.

(Thorsten Gütling, bt-Redaktionsleiter)

Röhrensee und Rosenau

Egal, wann man in Bayreuth zu Besuch war – ein Abend in der Rosi durfte nicht fehlen. War man mit der Studienfreundin aus Bayreuth tagsüber idyllisch um den Röhrensee spazieren, ging man abends noch in die Rosi – eine halbe Stunde zu Fuß. Doch für die Rosi war kein Weg zu weit.

Und auch, wenn man zu einer Hausparty von Schulfreunden aus Hof kam, die seither an der Uni Bayreuth hängen geblieben sind, war klar: Ab Mitternacht wird die Party in die Rosi umverlegt. Ein gemütlicher Schuppen, den man auch ohne High Heels betreten durfte und in dem immer gute Laune war.

Auch am Donnerstag war sie schon zum Platzen voll. Vor der Rosi erinnerte die Security dann im 5-Minuten-Takt daran, draußen möglichst still zu sein. Doch bei dem Ansturm an Studenten, Bayreuthern und anderen Oberfranken, die extra abends hergependelt waren, keine leichte Aufgabe.

Auch als Hoferin lässt sich sagen: Die Rosi war schon eine gute Adresse zum Feiern.

(Carolin Richter, bt-Redakteurin)

Legende am Partyhimmel

Die Rosi war für mich die Institution des Bayreuther Nachtlebens. Im Grunde war sie die Legende am Bayreuther Partyhimmel schlechthin und der Hotspot für alle Nachtschwärmer und Freunde des ausgelassenen Feierns.

Das Leben ist schneller geworden. Das Diskothekengeschäft auch. Tückischer. Umkämpfter. Doch die Rosi ist sich immer treu geblieben. Hier hast du einfach jeden getroffen, ob jung ob alt, ob Nerd, Raver, Hiphopper – es war egal, wie man auftrat – hier wurde gemeinsam unter dem Banner des Laissez-Faire bis in die Morgenstunden ausgelassen friedlich der bunteste Musikmix zelebriert.

Somit wurde die Rosi für mich als Oberpfälzer sowas wie meine zweite Heimat, an der ich über drei Jahre hinweg (bis heute vor genau zwei Jahren – ich hätte an diesem tragischen Tag dort bei der Unifete gespielt) Donnerstag für Donnerstag aufgelegt habe.

Donnerstag war einfach Rositag – Hexenkessel pur – hier habe ich viele mittlerweile sehr gute Freunde kennengelernt, mit denen ich sehr oft auf die gemeinsam erlebten Geschichten mit einem lachenden und leider auch einem weinenden Auge zurückblicke. Erst vorgestern sagte ein guter Freund: „Hey ,Rosi wär heute geil!“ – das sagt alles: unvergessen und legendär! Ich bin bis heute glücklich und dankbar, ein Teil der Rosi-Family gewesen und bis heute immer noch zu sein – denn: ROSI NEVER DIES!

(Alex Estévez, DJ)


Cathy Hönig besingt die Rosi