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Niclas‘ Kunstprojekt: Ein Weg aus der Depression

Da steht einer in der Mitte und hört Stimmen in seinem Kopf. Sagt er jedenfalls. Immerzu flüstern sie auf ihn ein. Wer diesen Typ da stehen sieht, denkt sich, was der denn will, da flüstern doch tatsächlich Menschen um ihn herum. Das ist real. Da sind ganz echte Menschen, die flüstern und reden. Von wegen Stimmen im Kopf. Doch dann macht man die Augen zu. Man sieht die Menschen nicht, die flüstern, und plötzlich ist man mitten drin im Kopf dieses Typen. Hört sie auch, diese Stimmen. Und versteht ein bisschen besser, wie das ist, wenn die Psyche krank wird.

Noch immer ist es so, dass psychische Erkrankungen mit einem Stigma versehen sind. Ein gebrochenes Bein, klar, darüber spricht man, man sieht den Gips ja auch. Aber eine gebrochene Seele? Niemand kann sich etwas darunter vorstellen, der es nicht selbst erlebt hat. Man hat nichts zum Vorzeigen, keinen Gips, keine Narbe. Man trifft auf kein Verständnis. Das will eine Gruppe Studierender der Universität Bayreuth mithilfe eines Kunst-Projekts ändern.

Ein Hörspiel mit sieben Darstellern

Scherben. Das ist der Titel eines Live-Hörspiels, das die Studierenden im Februar auf die Bühne bringen – besser gesagt: zu Gehör bringen. Denn das Stück ist als Hörspiel konzipiert, nicht als Schauspiel. Keine Bühne. Fünf Spielorte. Sieben Darsteller. Fünfzig Schlafmasken. Das Publikum hört nur, was passiert. Die Schlafmasken schalten den Seh-Sinn der Zuschauer aus und ermöglichen ganz intensive Teilhabe an der Geschichte einer Gruppe von Menschen, die psychisch krank sind. Im Zentrum steht Alex, ein junger Mann der in eine schwere Depression gefallen ist.

Die Idee zu diesem Live-Hörspiel hatte Niclas Schilling. 22 Jahre alt. Studierender der Musiktheaterwissenschaft an der Universität Bayreuth und Gaststudent im Fach Chorleitung an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth. Er hat selbst Erfahrung mit einer psychischen Erkrankung. Als er unter einer Depression und Panik-Attacken litt, wurde ihm am Bezirkskrankenhaus Bayreuth geholfen. Jetzt will er Mut machen, sich Hilfe zu suchen.

Kunst gegen die Depression

Er selbst verarbeitete seine Krankheit in Form von Kunst. Niclas Schilling fing an zu schreiben, entwickelte Charaktere und schließlich ein ganzes Stück, das nun eben zur Aufführung kommen und dazu beitragen soll, dass offen über psychische Erkrankungen gesprochen wird.

Aus seiner eigenen Erfahrung heraus weiß Niclas Schilling aber auch, dass dieses Thema wunde Punkte berühren kann – bei Zuschauern und bei den Schauspielern selbst. Deshalb soll bei den Vorstellungen auch ein Psychologe der Universität Bayreuth anwesend sein. „Uns ist das Wohlbefinden aller wichtig“, sagt Niclas Schilling. Ein Umstand, auf den er auch während der intensiven Probenphase geachtet hat. Es war möglich, erzählt er, dass die Gruppe, die dieses Stück nun auf die Bühne bringt, völlig offen und geschützt miteinander umgehen konnte. Dadurch seien ein „intensives Gruppengefühl“ und eine Dynamik entstanden, die das Stück auch für die Zuschauer zu einem intensiven Erleben machen werden. Ein Erleben, über das im Nachgang diskutiert werden darf. An die Aufführung schließt sich eine offene Fragerunde an.

Vorstellungen des Hörspiels

1. Februar, 19 Uhr, Ahnensaal im Schloss Thurnau
2. Februar: 
13 Uhr, Theaterraum im Audimax der Universität Bayreuth //  19 Uhr, Schokofabrik Bayreuth
3. Februar, 13 Uhr, AV-Studio der Universität Bayreuth am Geschwister-Scholl-Platz // 19 Uhr, Iwalewahaus Bayreuth

Der Eintritt ist frei. Reservierungen sind via Mail unter scherben@schaulustev.de möglich.

Text: Ulrike Sommerer

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