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Ohne Unterhose? – Backstage mit Granada

„Aber heut‘, aber heut‘ bleib‘ ich liebend gern bei dir. Aber heut‘, aber heut‘ bleibe ich lieber gern als hier“. Granada kommen aus Österreich, sind fast schon berühmt und waren Headliner des 26. Bayreuther Kneipenfestivals.

Kurz nach neun gibt es keine Zigaretten mehr. Verständlich, denn die Band Granada ist seit 15 Uhr an der Halle, wird aber erst acht Stunden später auftreten. Und die nächste Tankstelle liegt gute zehn Fußminuten entfernt – das wäre zwar die perfekte Distanz für ein Wegbier, aber im Backstage des Zentrum in Bayreuth ist es doch recht gemütlich. Und ein gebasteltes, glitzerbestäubtes Herz mit Bandnamen an der Türe schafft sogar leicht heimelige Stimmung. Außerdem sieht man das Granada-Team trotzdem ständig rauchen, irgendwo kommen die Kippen schon her.

Backstage mit Herz!

Bevor Granada den Kneipenfestival-Abend im Zentrum schließen soll, gibt es aber noch vieles Hörenswertes: Donnerbalkan aus München eröffnen im Europasaal, danach spielt Blond (ja, die Schwestern von Kraftklub, aber nicht nur darum verdammt cool) und auf der Kleinkunstbühne ABAY und Rikas. Rikas sind sogar gute Freunde von Granada und schauen einige Male bei den Österreichern vorbei. Man kennt sich eben, in diesem Business.

Sascha Scherer von den Rikas
Anonym im Backstage-Garten
Granadas Backstagetheke
Joghurtsoße (vegan) – ein Klassiker unter den Backstagedips
Nach dem Essen: spielerische Sportbetätigungen
Haute Couture im Backstage
Vielleicht die letzte Packung Zigaretten im Backstage
Ein (ausschließlich vom Autor) sogenanntes "Backstageskateboard"
Palmen am Balkon!
Mit jeder Band füllt sich der Europasaal des Zentrums ein bisschen mehr, wird die Stimmung ausgelassener, steigt der Bierdurchlauf. Vor, wie hinter der Bühne. Und langsam erhöht sich auch die Zahl auf der Digitaluhr im Backstage. Fast schon bedrohlich nahe an die 2300. Thomas Petritsch, Frontmann von Granada, hat eben erst festgestellt, dass es eine Dusche für die Bands gibt und überlegt, wie er die zu seinem Vorteil nutzen könnte. Denn leider mangelt es ein wenig an frischer Wäsche. Ohne Unterhose auftreten, um danach in etwas halbwegs Frisches schlüpfen zu können? So ein Tourleben kann voller Entbehrungen sein.

Aber in der Sekunde, in der das Saallicht ausgeht, ist sowieso alles „eh ok“ . Hinter der Bühne sieht man das Publikum natürlich nicht. Aber die Schreie der Fans machen vor keinem Vorhang, vor keiner Wand halt und schwellen zu einem ausknockenden Schall-Kinnhaken an, als die Band die Bühne für sich einnimmt. Granda hauen einen Mix aus erstem und zweitem Album raus, tanzen über die Bühne und spielen sich schonmal für ihre baldige Tour warm. Alles mit süffigem Ösi-Dialekt und Austropop, der trotz (oder wegen?) einem gelegentlichen Hang zu Schunkelmusikansätzen bis in die letzten Reihen Schweißperlen des Tanzens produziert.


Bei Granada üblich, aber doch immer wieder schön: der Sprung der Band in den Feierabend zum 70er Hit „The Pina Colada Song„. Auch wenn der Sound nicht ideal abgemischt war: Band und Publikum haben sich am Kneipenfestival Bayreuth ein mentales High-Five gegeben und das 26. Bayreuther Kneipenfestival mit einem Grazer Lebensgefühl unterstrichen.

Die Band wird nach dem Konzert sofort das Land verlassen, aber vorher gibt es noch eine Post-Show-Zigarette. Wo die Fluppen diesmal herkamen? Aus der Packung eines glücklichen Reporters, der sich schon auf Granadas große „Baff Tour“ zum Ende des Jahres freut.