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Beruf

Bayreuth: Arbeiten im Hospiz – ein Traumjob? – „Bei uns wird viel gelacht“

Über die Arbeit im Hospiz wird selten geredet. Klar, der Tod ist ein unangenehmes Thema. Die Arbeit rund ums Sterben ist für Petra Eckert aus Bayreuth eine Passion.

Zum Leben gehören Dinge wie Familie, Liebe, Arbeit und Freizeit. Allerdings gehört auch der Tod zum Leben. Petra Eckert begleitet Menschen, die ihren letzten Lebensabschnitt im Hospiz verbringen. Sie arbeitet im Albert-Schweitzer-Hospiz in Bayreuth.

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Albert-Schweitzer-Hospiz in Bayreuth

Petra Eckert arbeitet seit zwei Jahren im Albert-Schweitzer-Hospiz in Bayreuth. Sie lernte den Beruf der Altenpflegerin und bildete sich dann zur Fachschwester für Palliativmedizin und Hospizarbeit weiter.

„Vor vielen Jahren habe ich nebenbei die Ausbildung zum Hospizhelfer gemacht“, sagt Eckert. In dieser Zeit hospitierte sie auf der Palliativstation.

Pflegeberuf in den 80er-Jahren

„Ich bin seit über 35 Jahren im Pflegeberuf tätig“, sagt Eckert. In dieser Zeit habe sie vielmals erlebt, wie Pflege nicht sein sollte. Gerade früher in den 80er-Jahren, als es noch keine Schmerztherapie gab und die Ärzte einfach noch nicht so ausgebildet waren, habe sie furchtbare Dinge erlebt.

„Man hat die Schmerzpatienten in die hintersten Zimmer geschoben“, erzählt Eckert. Die Menschen seien nicht medikamentös mit Schmerzmitteln eingestellt worden, weil man eine Sucht befürchtete. „Die Menschen mussten vor Schmerzen wirklich schreien und weinen. Es war entsetzlich.“

Leben und Sterben

Das hat sich mittlerweile geändert. Inzwischen gebe es eine Symptomkontrolle und man könne etwas gegen Schmerzen, Übelkeit oder Ängste unternehmen. „Das mussten die Leute früher alles aushalten.“ Die frühen Arbeitsjahre haben Eckert allerdings nicht abgeschreckt.

„Viele sagen: ‚Wie kannst du da arbeiten? Hospiz – du hast ständig mit Sterben zu tun.‘ Aber jedes Leben endet mit dem Tod. Und es ist der letzte Weg, auf dem wir unsere Gäste, so nennen wir unsere Patienten, begleiten“, erzählt Eckert.

Bayreuth: Arbeit mit dem Tod

Wie schafft man es, sein Herz nicht an Gäste zu verlieren und bei jedem mitzutrauern, der im Bayreuther Hospiz stirbt? „Es ist eine Frage der Professionalität. Man muss wissen, wo man arbeitet, und man muss wissen, dass der Aufenthalt hier begrenzt ist“, sagt Eckert.

„Man hat auch eine ganz innige Bindung zu den Angehörigen“, erzählt Eckert. „Es ist so: Man soll mitfühlen, aber nicht mitleiden. Wir wissen, wo wir arbeiten. Das Leben ist begrenzt.“

Doch das bedeutet nicht, dass ein Hospiz nur ein Ort der Trauer und Tränen ist. „Es wird durchaus auch viel gelacht bei uns“, sagt sie.

Klassentreffen in Bayreuther Hospiz

„Einmal hatten wir einen Gast, der war so alt wie ich, also Mitte 50.“ Eigentlich ist es furchtbar, wenn ein Mensch schon so jung verstirbt. „Er hatte auf jeden Fall noch nie ein Klassentreffen. Da haben seine ehemaligen Schulkollegen ein Treffen im Hospiz organisiert“, erzählt Eckert.

„Sie kamen mit einem Fässchen Bier und einem Korb voller Brotzeit. Ein Großteil seiner Klassenkameraden und seiner Lehrer waren da.“ Die Stimmung war sehr ausgelassen und heiter.

Petra Eckert erinnert sich noch an die Worte eines Besuchers, der ihr erzählte, dass er gar nicht gewusst hatte, was er anziehen sollte. Ob er wohl was Schwarzes tragen sollte? Die Pflegefachkraft merkt in solchen Momenten, wie viel Unsicherheit und vielleicht auch Ängste bei den Besuchern vorherrschend sind. „Zum Glück können wir vielen unserer Angehörigen diese Sorge nehmen.“

So sieht ein Zimmer im Albert-Schweitzer-Hospiz aus:

„Als Pflegekraft weiß man, dass das Leben endlich ist“, sagt Petra Eckert. Schon in der Aus- oder Weiterbildung wird die eigene Endlichkeit thematisiert. „Man lernt damit umzugehen.“ Trotzdem sei es etwas anderes, einen Gast zu haben, der über 90 Jahre alt ist und von dem man wisse, dass er ein schönes und glückliches Leben hatte, als eine Mutter von drei kleinen Kindern.

„Natürlich liegen einem viele unserer Gäste sehr am Herzen, aber wir wissen einfach, dass der Aufenthalt hier begrenzt ist. Deshalb versuchen wir, dass sich unsere Gäste hier so wohl wie möglich fühlen“, erzählt Eckert.

Unterschied Hospiz und Palliativmedizin

Hospiz und Palliativmedizin sind verschieden. Der Unterschied zwischen Palliativstation und Hospiz ist, dass bei ersterem eine stationäre Symptomkontrolle in der Klinik stattfindet und die Patienten häufig wieder in die häusliche Umgebung entlassen werden können, erklärt Eckert.

„Dort findet dann häufig die Pflege durch Angehörige in Zusammenarbeit mit der SAPV, also der speziellen ambulanten palliativen Versorgung, statt.“ Manchmal haben die Patienten allerdings keine Angehörigen, die die Versorgung gewährleisten können oder es bestehen strukturelle Probleme, dass zum Beispiel die Wohnsituation sehr kompliziert ist. „Dann finden diese Menschen oft einen Platz bei uns“, sagt die Pflegefachkraft.

Damit man ins Hospiz kommt, ist eine Sache vorausgesetzt: „Es muss eine Krankheit vorhanden sein, die progredient verläuft. Dass heißt, die sich zwangsläufig weiterentwickelt und in absehbarer Zeit zum Ableben führt“, erzählt Eckert. Daraufhin brauche man noch die Genehmigung der Krankenkasse, da ein Platz im Hospiz teurer ist als in einem Pflegeheim.

Zeit für Gast und Angehörige

In einem Hospiz arbeiten mehr Menschen als in einem Pflegeheim, sagt Petra Eckert. „Das kommt dann dem Gast zugute.“ Es gebe Situationen, bei denen zwei Pflegefachkräfte sich um einen Patienten kümmern müssen.

Eckert würde in keiner anderen Einrichtung mehr arbeiten wollen. „Man geht einfach mit dem Gefühl nach Hause, für den Gast alles Mögliche getan zu haben und auch für einen selbst. Man ist mit sich im Reinen.“

Sie denke nicht ständig daran, dass sie bei einem Patienten lieber noch länger sitzen geblieben wäre. „Die Zeit haben wir einfach. Wir haben die Zeit, uns ans Bett zu setzen und einfach da zu sein. Auch um Angehörige aufzufangen.“ Denn die brauchen oftmals mehr Zuspruch als die Gäste selbst.

Essen im Albert-Schweitzer-Hospiz

Im Albert-Schweitzer-Hospiz versuchen die Mitarbeiter auch, die Essenswünsche der Gäste, soweit es ihnen möglich ist, zu erfüllen. „Unsere Hospizhelfer leisten hier eine tolle Arbeit.“ Die Gäste können sich ihr Menü selbst wählen und auch die Essenszeiten können flexibel vom Gast gewählt werden. „Was fast immer geht, ist Eis mit Sahne und Eierlikör“, sagt sie.

Die Lieblingssorten der Bewohner seien die Klassiker Vanille und Schokolade. „Wir erziehen die Leute auch nicht“, erklärt Eckert. „Wenn jemand alkoholkrank ist oder war und ein Glas Whiskey möchte, bekommt er das auch.“

Hospiz – ein fröhlicher Ort?

Das Albert-Schweitzer-Hospiz ist kein trauriger Ort: „Bei uns gibt es außer Freundlichkeit auch Fröhlichkeit und Humor“, sagt Petra Eckert. Schon öfter machen Menschen im Hospiz die Äußerung: „Da muss ich erst ins Hospiz zum Sterben kommen, um so richtig als Person wahrgenommen zu werden, und um zu merken, da gibt es jemanden der mich mag und der sich Zeit für mich nimmt“, erzählt sie.

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler