Historisches Bayreuth – Allgemein

Stephan Müller öffnet für das bt sein Archiv und präsentiert hier die besten Anekdoten rund um Bayreuth. Mit dabei sind viele kuriose, informative und spannende Geschichten.

Als ein Bayreuther Markgraf um Wien kämpfte und siegreich nach Bayreuth zurückkehrte

bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller hat zusammengestellt, wie Christian Ernst in den Krieg zog und siegreich mit einem Beutestück nach Bayreuth zurückkehrte.

Jean Paul in Bayreuth: Ein unruhiger Mieter

Es gibt vielerlei Arten von Mietern. Auch solche, die es nicht lange an einem Ort aushalten. Jean Paul gehörte auch zu dieser Sorte. Nicht weniger als sieben Mal wechselte er in Bayreuth die Wohnung.

Erste Bleibe in der Maximilianstraße

Im Jahr 1804 entschloss sich der damals 40-jährige Schriftsteller Jean Paul in das damals preußische Bayreuth zu ziehen. Mit seiner Frau Caroline und seinen beiden Kindern Emma (zwei Jahre), Max (ein Jahr) und dem Spitz kam er am Sonntag, den 12. August 1804, gegen Abend mit dem Gepäckwagen an und bezog den ersten Stock im Palais der Justizratswitwe Münch, der heutigen Maximilianstraße 9.

Im Vorfeld zog sich über Monate ein Briefwechsel wegen einer geeigneten Wohnung hin. Caroline bestand wegen der beiden Kinder und ihrer dritten Schwangerschaft darauf, „eine untere Etage zu bewohnen, wo keine oder höchstens eine Treppe zu ersteigen ist.“ Erst am Tag nach ihrer Ankunft bemerken die Richters „wie herrlich das Logis“ mit den sechs hohen Zimmern und dem großen Garten ist. Sein Wunsch um Höhe und Blick auf die Berge mussten vorerst zurückstehen.

Heute zeigt sich das stattliche Gebäude mit dem markgräflichen Wappen, der Jahreszahl 1666 und den Initialen des Markgrafen Christian Ernst fast unverändert.

Die erste Bayreuther Wohnung der Familie Richter befand sich im ersten Stock im Palais der Justizratswitwe Münch, heute Maximilianstraße 9. Foto: Stephan Müller.

In der Dürschnitz

Seine „große Bedürfnislosigkeit“ ließ ihn jedoch schon im Sommer darauf in der Dürschnitz eine alte, enge aber gemütliche Wohnung im Haus des Registrators Schramm beziehen. Ein „schlechtes Logis vor der Stadt“, von der er aber zumindest die Berge des Fichtelgebirges sehen konnte.

In diesem Haus, das längst abgerissen wurde, schrieb er den größten Teil der Erziehungslehre „Levana“. Über die Dürschnitz führte die ehrwürdige Königsallee zur Eremitage. Im Kriegsjahr 1806 wendete er sich aus Sicherheitsgründen wieder dem Stadtinneren zu und zog am 1. Oktober 1806 in die Steinstraße im Stadtteil Kreuz (heute Kulmbacher Straße / Brauerei Maisel). Gerade rechtzeitig: Denn am 7. Oktober treffen die französischen Truppen aus südlicher Richtung über die Dürschnitz nach Bayreuth ein.

Als sich die Lage wieder entspannt hatte, zog er erst zurück in die Dürschnitz und dann in ein Haus an der heutigen Richard-Wagner-Straße 23 (lange Zeit Spielwaren Wild). Die Umzüge fielen aufgrund des kleinen Hausrates nicht schwer. Erstaunlicherweise hatte der Dichter so gut wie keine Bücher. Er entlieh sich die Bücher lieber, um „die Last fremden Geistes nicht dauernd um sich zu haben“.

In der Friedrichstraße

Am Haus Friedrichstraße 10 (früher Jean-Paul-Cafe) erinnert eine Gedenktafel, dass Jean Paul auch hier wohnte. Am 15. November 1808 zog er in das Haus des Justizkommissars Fischer und damit in die Nähe seines Freundes Emanuel. In dieser Wohnung entstanden seine Werke „Feldprediger Schmelzle“, Dr. Katzenbergers Badereise“ und das „Leben Fibels“.


Die Gedenktafel am Haus Friedrichstraße 10. Foto: Stephan Müller

 Umzug mit Getöse

Am 26. September 1811 musste er die Wohnung räumen. Heute würde man sagen, dass der Vermieter Fischer für seine Schwägerin „Eigenbedarf“ geltend gemacht hat. Jean Paul zieht verärgert und deshalb „mit großen Getöse“ in die heutige Maximilianstraße 16. In der Mansarde über der Schlossapotheke findet die Familie ein neues Quartier, das er „Groschengalerie“ nennt. Ein Stockwerk unter der Familie Richter wohnt eine Frau Seebeck mit Mann und acht Kindern, an deren Treiben Jean Paul regen Anteil nimmt.

Das Porträt von Jean Paul im Neuen Rathaus. Foto: Stephan Müller.

Streit mit dem Apotheker

Dagegen bekommt er Streit mit seinem Vermieter, dem Apotheker Braun. Als Jean Paul feststellt, dass dessen Hausmagd seinen Weinkeller plündert, fordert er Braun auf, der Magd „abzudanken“. Der Apotheker kam dieser Forderung nicht nach. Im Gegenteil: Statt der „Magd abzudanken“ bekommt die Familie Richter die Kündigung. Jean Paul zahlt es dem Apotheker, dem „rachsüchtigen Schurken“ auf seine Weise heim: Im Roman „Komet“ spielt ein Apotheker eine bedeutende Rolle. Zu diesem Beruf merkt der Schriftsteller an, dass „Menschen am närrischsten würden, von denen es nicht viele in ihrem Stande gebe, wie die Apotheker“.

Im Schwabacher Haus

Im November 1813 kehrte der Schriftsteller in seine geliebte Friedrichstraße zurück, die ihm weit besser gefällt als das „Gassengedärm“ Nürnbergs. Das „Schwabacher Haus“ in der Friedrichstraße 5 (lange Zeit „Jean-Paul-Apotheke“) sollte seine letzte Wohnstätte werden. Das Gebäude wurde zwischen 1740 und 1750 von St. Pierre erbaut. Der Architekt errichtete für die Markgräfin Wilhelmine unter anderem das Markgräfliche Opernhaus und das Neue Schloss.

Zwölf Jahre lebte Jean Paul im „Schwabacher Haus“ Friedrichstraße 5 . Eine Gedenktafel weist auf das Sterbehaus des großen Schriftstellers in. Foto: Stephan Müller.

Im Jahr 1823 schreibt er: „Zu Ende des Januars ging ich von 12 bis 2 Uhr in Schwabachers Garten spazieren – besser für meine Lunge und meinen Kopf als jede Arznei.“ Jean Paul starb am 14. November 1825 im Schwabacher Haus. Eine Gedenktafel erinnert bis heute daran.

Jean Paul ging gerne im Schwabachers Garten spazieren: „Besser für meine Lunge und meinen Kopf als jede Arznei.“ Foto: Stephan Müller.

Jean Paul ging gerne im Schwabachers Garten spazieren: „Besser für meine Lunge und meinen Kopf als jede Arznei.“  Foto: Stephan Müller.

Texte von Jean Paul sind nicht immer trocken. Das beweist seine Erzählung „Testamentsvollstreckung“. 


Text: Stephan Müller


Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

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Karneval zu Wilhelmines Zeiten in Bayreuth: Jeden Tag ein Fest

Narrenzeit in Bayreuth! Ein Grund für bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller zurückzublicken. Wie hat die Markgräfin Wilhelmine eigentlich Fasching gefeiert?


Markgräfin Wilhelmine feiert Karneval

„Es war Karnevalszeit“, schreibt die Markgräfin Wilhelmine unter dem Jahr 1734 in ihren Memoiren. „Die Marwitz, die alles tat, um mich zu zerstreuen, schlug mir vor, eine Wirtschaft zu veranstalten.“ Unterstützung erfuhr die Marwitz von Wilhelmines Gatten, dem Erbprinz Friedrich, der Wilhelmine sogar aufforderte, den Markgrafen Georg Friedrich Karl „dafür einzunehmen“.

Wilhelmines Schwiegervater, ein „fantastischer Pietist“ war Vergnügungen überhaupt nicht zugeneigt, gestand ihr aber zu, dass sie die „Wirtschaft“ so anordnen wie sie wolle, unter der Bedingung, dass „er selbst sich nicht maskieren muss“. Wilhelmine erzählt: “ Die Vergnügung einer „Wirtschaft“ kannte man nur in Deutschland. Es gibt einen Wirt und eine Wirtin, die einladen. Die anderen Kostüme stellen die verschiedensten Gewerbe und Berufe dar, die es auf der Welt gibt.“

Die Prinzessin Wilhelmine in jungen Jahren. Ein Jahr vor ihrem Regierungsantritt im Jahr 1735 mussten sie beim amtierenden Markgraf noch um Erlaubnis fragen, ob sie im großen Stil „Karneval“ feiern dürfen. Foto: Archiv Bernd Mayer.

Saal als großer Wald dekoriert

Wilhelmine ließ in einen „immens großen Saal“ einen Wald dekorieren, an dessen Ende ein Dorf mit seinem Gasthof zu sehen war. Der Gasthof war ganz aus Baumrinde gebaut und sein Dach voller Lampions. Im Saal gab es eine Tafel mit hundert Gedecken, deren Mitte ein Beet mit verschiedenen Wasserstrahlen darstellte. Die Bauernhäuser enthielten Erfrischungsbuden.

In dieser tollen Dekoration begann nach dem Abendessen der Tanz:

„Alle waren von dem Fest begeistert und amüsierten sich köstlich. Ich war die einzige, die sich langweilte, denn der Markgraf unterhielt mich unaufhörlich mit seinen lästigen Moralpredigten und nahm mich den ganzen Abend so in Beschlag, dass ich mit niemandem sprechen konnte, obwohl es viele Fremde gab, mit denen ich gern ein Gespräch angefangen hätte.“

Lästige Moralpredigten

Es kam noch schlimmer. Am Sonntag darauf predigte der Hofkaplan in der Kirche öffentlich gegen Wilhelmines Kostümfest. Er prangerte die komplette Karnevalsgesellschaft ob ihrer Unsittlichkeit vor der ganzen Kirchgemeinde an. Etwas mehr Glück hatte der Markgraf selbst. Georg Friedrich Karl bekam sein Fett unter vier Augen weg. Der Hofkaplan machte ihm schwerste Vorwürfe, dass er „einer derartigen Sünde die Hand gereicht“ hat. Der Markgraf hielt sich für alle Ewigkeit verdammt und schwor, „Stein und Bein“, dass er solche Vergnügungen in seinem Land nicht mehr dulden wird.

Hier feiert die Markgräfin Wilhelmine unter anderem ihre Faschingsfeste. Foto: Archiv Bernd Mayer.

Jeden Tag ein Fest

Lange hatte diese Aussage keinen Bestand. Markgraf Georg Friedrich Karl starb am 17. Mai 1735, die Regierungsgeschäfte übernahm Erbprinz Friedrich und seine bekanntlich sehr dominante Gattin Wilhelmine. Keine Frage, dass der „Carneval“ nun in Bayreuth ausgiebig gefeiert wurde. Darauf deutet eine markgräfliche „Bekanntmachung“ über eine „Carenevalswoche“ hin, die der anscheinend wohl sehr „konditionsstarken“ Bayreuther Hofgesellschaft mit Sicherheit einiges abverlangt hat ….

So wurde am 6. Februar 1749 durch „seine Hochfürstliche Durchlaucht“, also Markgraf Friedrich „durch einen Druck“ bekannt gemacht:

„S. Hochf. Durchl. haben gnädigst resolvirt, bei denen Carnevals-Divertissements die Veränderung treffen zu lassen, daß Sonntags Courtag, Montag Comödie im Schloß, Dienstags Masquerade im Redouten Haus, Mittwoch Comödie im Opernhaus, Donnerstag Masquerade im Redouten-Saal, Freitag Opera und Sonnabend Comödie auf dem Schloß seyn sollen.“

Na dann: „Prost“.


Text: Stephan Müller



Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.


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Der Jahrhundert-Winter in Bayreuth: Beamte beim Schneeschippen und Fasching bei -20 Grad

Von Schnee ist im Februar 2020 in Bayreuth bislang keine Spur. Ein Grund für bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller, um sich an ein ganz besonderes Ereignis in Bayreuth zu erinnern. 

Vor Anne Haug: Diesen Bayreuthern hat die Stadt den Goldenen Ehrenring verliehen

Für Anne Haug nimmt der Erfolg nicht ab. Nach ihrem Sieg bei der Triathlon-Weltmeisterschaft auf Hawaii im Oktober 2019 verleiht die Stadt Bayreuth der Athletin am Mittwoch (12. Februar 2020) nun den Goldenen Ehrenring der Stadt Bayreuth. Ein Grund für bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller einen Blick zurück auf die vergangenen Ehrenringträger zu werfen.

Anne Haug erhält als zweite Sportlerin den Goldenen Ehrenring der Stadt Bayreuth

Für sportliche Leistungen hat in der Stadtgeschichte bisher nur Walter Demel den Goldenen Ehrenring erhalten. Er erhielt die Auszeichnung im Jahr 1972 von Oberbürgermeister Hans Walter Wild nach seiner dritten Teilnahme bei Olympischen Spielen. In Sapporo erreichte der Ski-Langläufer jeweils den fünften Rang über 30 und 50 Kilometer sowie jeweils den siebten Platz über 15 Kilometer und im Staffelwettbewerb. Mit seinem sportlichen Erfolg schaffte es Demel sogar in die Fernsehshow „Die Besten“. Am Ende seiner Karriere konnte er auf vier Olympia-Teilnahmen und 40 deutsche Meistertitel zurückblicken.

Der Ski-Langläufer Walter Demel, der von 1964 bis 1976 bei vier Olympischen Spielen dabei war, erhält vom damaligen Oberbürgermeister Hans Walter Wild für seine sportlichen Leistungen den Goldenen Ehrenring der Stadt Bayreuth. Foto: Archiv Bernd Mayer.

Eine Übersicht der Bayreuther Sportlegenden gibt es hier.

Träger des Goldenen Ehrenrings Bayreuths

Der „Goldene Ehrenring“ ist nach der Ehrenbürgerwürde die zweithöchste Auszeichnung der Stadt Bayreuth. Es folgen die Bayreuth-Medaillen in Gold, Silber und Bronze.

Aktuelle Träger des Goldenen Ehrenrings sind neben Walter Demel Altoberbürgermeister Dr. Dieter Mronz, der ehemalige Bürgermeister Wolfgang Kern, die frühere Landtagsvizepräsidentin Anneliese Fischer, die Regierungspräsidenten a. D. Wilhelm Wenning und Dr. Erich Haniel, der Universitätspräsident Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Ruppert, Professor Norbert Balatsch als langjähriger Chordirektor der Bayreuther Festspiele, Dr. Ewald Hilger von der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth und der ehemalige burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl.

Für seine Verdienste um die Kulturpartnerschaft mit Bayreuth erhielt der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl im Juli 2016 den Goldenen Ehrenring der Stadt Bayreuth. Foto: Stadt Bayreuth.

Gleich zweimal kommt der Name Werner Zapf in der Liste vor. Werner Zapf, ehemaliges BAT-Vorstandsmitglied und dessen Namensvetter Werner Zapf, ehemaliger Geschäftsführer des Bauunternehmen Zapf. Aus der Bayreuther Kommunalpolitik wurden die die Altstadträte Walter Nadler, Manfred Größler (CSU), Gerhard Gollner, Heinrich Drumproff (BG), Werner Ponsel, Karin Heimler (SPD), Siegrid Engelbrecht (Grüne) mit dem „Goldenen Ehrenring“ ausgezeichnet.

Die Ehrenbürger Bayreuths

Mit der höchsten Auszeichnung, der Ehrenbürgerwürde, wurden seit dem zweiten Weltkrieg 13 Männer und mit Anneliese Fischer eine Frau ausgezeichnet. Vorgeschrieben ist, dass nie mehr als fünf Personen gleichzeitig Ehrenbürger sein dürfen. Aktuell gibt es in Bayreuth mit Altoberbürgermeister Dr. Dieter Mronz und Altstadtrat Werner Ponsel zwei Ehrenbürger. Die ehemalige Landtagsvizepräsidentin Anneliese Fischer ist am vergangenen Sonntag verstorben.

Die Ehrenbürgerwürde war in Bayreuth bis Januar 2019 eine Männerdomäne. Bis Anneliese Fischer seit 1945 die erste Ehrenbürgerin wurde. Anneliese Fischer ist am vergangenen Sonntag, 2. Februar, im Alter von 94 Jahren verstorben. Foto: Stadt Bayreuth.

Die anderen elf Männer, die nach 1945 die Ehrenbürgerwürde erhalten haben, sind die beiden Festspiel-Dirigenten Dr. Richard Strauß und Hans Knappertsbusch, Festspielleiter Wolfgang Wagner, der Finanzminister Dr. Konrad Pöhner, die beiden ehemaligen langjährigen Oberbürgermeister Hans Rollwagen und Hans Walter Wild sowie die Bayreuther Kommunalpolitiker Karl Seeser, Dr. Fritz Meyer, Franz Überla, Peter Färber und Bernd Mayer.

Erste Verleihung war 1851

Der erste Bayreuther Ehrenbürger war Herzog Alexander von Württemberg, der diese Auszeichnung im Jahr 1851 erhielt. Später folgten unter anderem Fürst Otto von Bismarck,König Ferdinand von Bulgarien, der Dirigent Dr. Arturo Toscanini, die ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Leopold Casselmann und Albert Preu sowie Cosima, Siegfried und Winifred Wagner.

Die Satzung über Auszeichnungen der Stadt Bayreuth sieht natürlich auch vor, dass die Ehrungen bei unwürdigen Verhaltens widerrufen werden können. So hat sich der Stadtrat Bayreuth von den verliehenen Ehrenbürgerwürden an Repräsentanten, Ideologen und Verfechter des Nationalsozialismus distanziert. Adolf Hitler, dem Rassentheoretiker Houston Stewart Chamberlain, NS-Gauleiter Hans Schemm, dem Bayerischen NS-Ministerpräsidenten Ludwig Siebert und dem SA-Führer Adolf Hühnlein, der in Neustädtlein geboren wurde und das Humanistische Gymnasium in Bayreuth besuchte, wurde die Ehrenbürgerwürde nachträglich aberkannt.


Text: Stephan Müller



Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.


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Es fuhr von Kulmbach nach Bayreuth: Das erste Elektroauto Deutschlands

Von Bayreuth nach Kulmbach. Das ist die Strecke, die Deutschlands erstes Elektroauto zurückgelegt hatte. bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller hat sich auf die Suche nach Konstrukteur und Auto begeben.

Bayreuth: Erstes E-Auto in den 70ern

Die erste Eisenbahn fuhr am 7. Dezember 1835 von Nürnberg nach Fürth. Im August 1888 bewies Bertha Benz mit dem „Benz Motorwagen 3“ auf ihrer Fahrt von Mannheim nach Pforzheim die Tauglichkeit des Automobils und in den 70er Jahren fuhr das erste verkehrstaugliche Elektrofahrzeug mit TÜV-Abnahme. Wo? Auf der Strecke von Kulmbach nach Bayreuth.

Am 28. Mai 2008 brach der damals 75-jährige geniale Erfinder Erich Pöhlmann mit seiner selbst gebauten Segelyacht „Motu“ von Neuseeland in nördlicher Richtung auf, um allein zur über 1.000 Kilometer entfernten Pazifikinsel Neukaledonien zu segeln. Was sich auf dem offenen Meer ereignet hat, wird man wohl nie mehr klären können. Jedenfalls entdeckte ein Fischer drei Wochen später, am 19. Juni, nur 200 Kilometer nördlich von Neuseeland Pöhlmanns verlassene Yacht. Der Rettungsgurt, mit dem sich Pöhlmann während der Fahrt gesichert hat, hing außen über die Bordwand, an der Schleifspuren zu erkennen waren. Rutschte er von Bord und schaffte es nicht mehr, sich zurück in das Boot zu ziehen? Pöhlmann blieb verschollen. Die Amtsgerichte in Neuseeland und Deutschland erklärten ihn im April 2012 für tot.

Das schnellste Elektroauto

Als Erfinder ist Erich Pöhlmann unvergessen: Im Jahr 1983, also vor fast 40 Jahren, entwickelte der Ingenieur in Kulmbach in Zusammenarbeit mit dem Essener Stromkonzern RWE das Elektroauto „Pöhlmann EL“. Der stromlinienförmige Prototyp mit einem zweimotorigen Direktantrieb auf der Hinterachsen und der Kunststoffkarosserie war mit über 120 Stundenkilometern das schnellste Elektroauto der Welt. Problemlos siegte der damals berühmte deutsche Rennfahrer Hans Herrmann 1986 im „Pöhlmann EL“ beim ersten Grand Prix der „Formel E“ in der Schweiz.

Stromlinienförmig: Der Rennfahrer Hans Herrmann siegte mit dem Pöhlmann EL beim ersten „Formel-E-Rennen“ in der Schweiz. Repro: Stephan Müller.

Auf der Rennstrecke in Veltheim zwischen Zürich und Basel siegte er überlegen vor der Konkurrenz. Herrmann, der die Erfahrung von vielen Formel-1-Rennen im Mercedes-Rennstall mitbrachte, in einem Porsche die 24 Stunden von Le Mans fuhr und auch bei vielen Rallyes am Steuer saß, testete den „Pöhlmann EL“ auf dem Porsche-Testgelände. Er war sich schon vor dem Rennen sicher: „Mit dem Auto gewinne ich!“

Der „Pöhlmann EL“ zeichnete sich auch als Rennwagen aus. Foto: Stadt Recklinghausen.

Pöhlmann gründete bereits 1981 in Kulmbach die Firma „Pöhlmann Anwendungstechnik GmbH & Co KG“ zur Entwicklung von Elektroautos. In dem Unternehmen wurden von den sechs Mitarbeitern insgesamt 18 Exemplare des „Pöhlmann EL“ hergestellt. Nach dem Bau von vier Fahrzeugen unter der Bezeichnung „Pöhlmann EL I“ im Februar 1982 wurde dieses kleinere Modell recht schnell vom „Pöhlmann II“ abgelöst.

Der Pöhlmann EL. Repro: Stephan Müller.

Dabei wirkte auch der Kraftfahrzeugmechaniker-Meister Siegfried Müller, ein Freund und früherer Arbeitskollege von Erich Pöhlmann, als technischer Berater mit. Das Elektroauto kostete damals mit der Blei-Säure-Batterie in der Entwicklung gut 78.000 Mark. Ohne Nachladen zu müssen, fuhr Pöhlmann mit dem „EL“ die 200 Kilometer von Kulmbach nach Nürnberg locker hin und zurück. Allein deshalb gab damals so gut wie keine Motorsportzeitung, die nicht seitenlange Berichte über den Pöhlmann EL veröffentlichte.

Einer der Pioniere in der Entwicklung von Elektroautos ist der Kraftfahrzeugmechaniker-Meister Siegfried Müller. Zusammen mit Erich Pöhlmann baute der Bayreuther in den 70er Jahren einen Elektromotor in eine Isetta ein und schuf das erste TÜV-geprüfte verkehrstaugliche Elektrofahrzeug in Deutschland. Foto: Stephan Müller.

Das Auto war 3,77 Meter lang, hatte ein Leergewicht von 1.380 Kilogramm und erreichte mit einer Maximalleistung von 24 Kilowatt eine Geschwindigkeit von 125 Stundenkilometern. Pöhlmann sprach damals schon von „seinem wartungsfreien Umweltauto“, weil weder Öl noch Auspuff gewechselt werden müssen. Der Kulmbacher betonte damals, dass „das Auto vergleichsweise wenig Strom benötigt und wegen der Edelstahlrahmen und der Kunststoffkarosserie mindestens doppelt so lange wie ein herkömmliches Fahrzeug hält.“

Erich Pöhlmann nannte sein Elektrofahrzeug schon Anfang der 90er Jahre sein „Umweltauto“. Im Prospekt hieß es schon damals: „Ein Auto das aufatmen lässt“. Repro: Stephan Müller

Darüber hinaus rüstete die „Pöhlmann KG“ zwei Omnibusse auf Elektroantrieb um, entwickelte das „King-Car“, ein Elektrodreirad für den Personen- und Lastentransport, ein Elektrofahrrad und ein Elektro-Kettcar für Kinder. Im Hinblick darauf, dass er bei einer Großserie den Preis auf rund 20.000 Mark drücken wollte, sagte der Erfinder damals: „Unterm Strich geht die Rechnung mit den Elektromotoren in all diesen Bereichen in einigen Jahren sicher auf.“ Wie wir wissen, lag Erich Pöhlmann mit dieser Prophezeiung gründlich daneben.

Im Fichtelberger Automobilmuseum

Sicher, Pöhlmanns Entwicklungen, vor allem der „EL“, hatten allesamt durchaus „Marktreife“. Aber: Der über viele Jahre niedrige Benzinpreis, die rückständige Batterietechnik und eine gewisse „Lustlosigkeit“ der Automobilhersteller stellten die weitere Entwicklung aufs Abstellgleis. Siegfried Müller bedauert das sehr:

Hätten Erich Pöhlmann damals mehr Unterstützung gehabt, wäre Deutschland in Sachen E-Mobilität heute wahrscheinlich Marktführer.

(Siegfried Müller)

So landeten die Exemplare des „Pöhlmann EL“, den die Kulmbacher nur „das Ei“ nannten, in den Museen. Eine quietschgelbe Variante des Autos aus dem Jahr 1984, die Ralf M. Ospel aus Untermerzbach gehörte, kann heute neben 250 weiteren Autos und gut 350 Motorrädern im Deutschen Automobilmuseum in Fichtelberg bewundert werden.

Eine quietschgelbe Variante des „Pöhlmann EL“ kann heute im (übrigens riesigen) Deutschen Automobilmuseum in Fichtelberg bewundert werden. Foto: Stephan Müller

Weitere Exemplare stehen im Deutschen Museum München oder sogar im Museum der Firma Mitsubishi in Japan. Im Museum „Strom und Leben“ in Recklinghausen ist man stolz darauf, dass man seit 2016 mit dem „Pöhlmann EL I“ und dem „Pöhlmann EL II“ beide Modelle in der Sammlung hat. Lob gab es auch von Bundeskanzleramt und der Bayerischen Staatskanzlei, die in einem Brief an Siegfried Müller „gebührenden Respekt vor der Ingenieursleistung“ zollte.

Dass das Deutsche Museum ein Exemplar in seine Sammlung aufgenommen hat, weist ihr Fahrzeug als Meilenstein in der technologischen Entwicklung der Elektromobilität aus, worauf Sie stolz sein können.

(Die Bayerischen Staatskanzlei in einem Brief an Siegfried Müller)

Nur winzige Schritte weitergekommen

Bis heute haben nur wenige Elektroautos eine Reichweite über 400 Kilometer. Genau genommen waren es also nur winzige Schritte, die die Ingenieure und Hersteller moderner Elektroautos in den vergangenen Jahrzehnten weitergekommen sind.

Erstes verkehrstaugliches E-Mobil: Eine Isetta

Wenn man so will, entwickelten Pöhlmann und Müller schon in den 70er Jahren das erste Elektroauto in Deutschland. Die beiden Tüftler bauten in eine BMW-Isetta einen 10-PS-Elektromotor mit schweren Bleibatterien ein. „Das Ding ist tatsächlich spitze gefahren“ erinnert sich Müller und lacht noch heute, wenn er sich daran erinnert, wie er 1974 die Isetta dem TÜV-Mitarbeiter in Kulmbach zur Abnahme vorstellte.

Der Erfinder Erich Pöhlmann mit seiner roten BMW-Isetta. Der TÜV hat das Fahrzeug als erste Elektroauto in Deutschland problemlos für die Nutzung im Straßenverkehr abgenommen. Foto: Archiv Siegfried Müller.

Der TÜV hat die rote Isetta, deren Rahmen allerdings deutlich verstärkt werden musste, problemlos für die Nutzung im Straßenverkehr abgenommen. „Kulmbach – Bayreuth hin und zurück war ohne Nachzuladen überhaupt kein Problem“, erinnert sich Müller.

Bei einer Spitzengeschwindigkeit von 50 Stundenkilometer kamen wir mit den drei eingebauten, aber recht schweren Bleibatterien 60 Kilometer weit.

(Siegfried Müller)

Damit hat das Duo Mitte der 70er Jahre das erste verkehrstaugliche Elektrofahrzeug in Deutschland gebaut.


Text: Stephan Müller

Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

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Bayreuther Mohrenwäscher: Vom Spottnamen zur Faschingsgesellschaft

Heute sind die Mohrenwäscher als Faschingsgesellschaft in Bayreuth bekannt. Doch der Name hat eine lange Tradition. bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller blickt zurück.


Die Legende der Mohrenwäscher

„Bei der Herzogmihl nuch a weng weiter druntn, is a Schtell im rotn Maa, wo mer sich als Jungers gabodt hot. Heigl hotmä jo net saa däffn, walls eftersch vorkumma is, daß newer ann a Wasserratz aufgetaucht is. Und wos sen des oft für Trimmer Kerl gwesn! Do hotmä sich manchas Moll richtig forchtn. Also die Schtell haaßt Mohrnland. Worum?“

(Bei der Herzogmühle, nicht weit davon entfernt, ist eine Stelle im Roten Main, an der man als Junge gerne gebadet hat. Ängstlich durfte man nicht sein, sind doch nicht selten Wasserratten von stattlicher Größe aufgetaucht … )

So beginnt die Geschichte „Bareithä Mohrnland“ des Bayreuther Mundartdichters Friedrich Einsiedel (1876 – 1951), die die berühmte „Mohrenwäscherlegende“ beinhaltet.

Ursprung im 19. Jahrhundert

Der Name Mohrenwäscher geht auf eine Überlieferung aus dem 19. Jahrhundert zurück, die Einsiedel 1929 im Band zwölf von „Mein Oberfranken“ veröffentlichte und die sich in seinen „Großvätertagen“ zugetragen haben soll.

Vor dem Markgräflichen Opernhaus befand sich in dieser Zeit städtische Vergnügungsplatz, auf dem Schausteller das Bayreuther Publikum mit Spiel, Spaß und Musik unterhielten. Eine absolute Sensation war ein „waschechter“ Afrikaner.

Zweifelnde Bayreuther wollten wissen, ob der Mohr echt war, oder ob der Schausteller sein Publikum nur auf den Arm nehmen wollte. Daraufhin wurde durch die Stadtobrigkeit bestimmt, dass der Mohr zur Herzogmühle geführt wird. Der arme Kerl wurde dann von einem Polizeidiener mit Seife eingeschmiert und anschließend mit der Wurzelbürste abgeschrubbt. Weiß ist er nicht geworden.

Die Legende der Mohrenwäscher machte Friedrich Einsiedel in seinem Buch öffentlich. Foto: Stephan Müller

Bernd Mayers „Übersetzung“

Bernd Mayer übersetzte Einsiedels Geschichte, die am Ende des Artikels im Original in voller Länge zu lesen ist, so:

Daraufhin hat sich der Magistrat ins Zeug gelegt und Bürgernähe demonstriert. Der Mohr wurde feierlich zum Main geführt, an jene besagte Stelle bei der Herzogmühle, und dann ist die Hetz losgegangen. Der arme Kerl ist vom Polizeidiener mit Seife eingeschmiert worden, und dann haben sie ihn mit der Wurzelbürste so kräftig abgeschrubbt, dass er grün und blau geworden wäre – wenn er weiß gewesen wäre.

Aber geholfen hat das alles nichts. Der Mohr ist schwarz geblieben, weil er es eben ein wirklicher waschechter Sohn Afrikas war. Als den Bayreuther diese Erkenntnis dämmerte, schauen sie verständlicherweise reichlich dumm aus der Wäsche.

Der Mohr, so heißt es in Einsiedel Geschichtla, soll also „recht dreggerd“ gegrinst haben. Und dann ist die ganze Karawane wieder abgezogen. Seitdem haben die Bayreuther den Spitznamen Mohrenwäscher weg.

Das hätten sich die alten Bayreuther Mohrenwäscher freilich nicht träumen lassen, dass ihr Städtchen eines fernen Tages sogar eine Universität mit dem Forschungsschwerpunkt Afrikanologie erhalten würde. Und dass schwarze Mitbürger zum ganz normalen Alltag gehören würden, gegen die sich keine Wurzelbürste mehr erhebt.

Der Spottname für die Bayreuther

Weil sich „der Mohr“ in Einiedels Erzählung also angeblich über die verdutzten Gesichter der Bayreuther amüsiert haben soll, erhielten die Bayreuther also ihren Spottnamen „Mohrenwäscher“. Die „Mohrenwäscher“-Legende muss also in einem Kontext mit dem „Bärentreibern“ aus Bindlach, den „Bummel-Henkern“ aus Weißenstadt oder den „Zwiebeltretern“ aus Bamberg gesehen werden. Es sind Orts- Necknamen, mit denen die Bürger von ihren Nachbarn verspottet wurden.

Der Mohrenwäscher-Orden

Deshalb tauchte die Bezeichnung in Bayreuth immer wieder auf. So verteilte die Bayreuther Bürgerressource bei ihrem berühmten Rosenmontagsfasching in der Stadthalle („Die heiße Nacht am kühlen Tappert“) jeweils an eine Person den „Mohrenwäscher-Orden“, die Brüder Klaus und Gerhard Gollner vertreiben seit vier Jahrzehnten den bekannten Kräuterbitter „Bayreuther Mohrenwäscher“ und seit Faschingsdienstag des Jahres 2006 gibt es die Faschingsgesellschaft der „Mohrenwäscher“.

Den Mohrenwäscher-Orden haben unter anderem Hans Walter Wild und Wolfgang Wagner verliehen bekommen. Foto: Stephan Müller

Die Karnevalisten ernannten Klaus und Gerhard damals zu „Gründungspaten“. Als die Brüder von den Karnevalsfreunden gefragt wurden, ob es gestattet sei, dass der Begriff nun zweimal in der Festspielstadt geführt wird, sagten sie spontan zu. Die neue Faschingsgesellschaft hatte ihren traditionellen Namen…

Das Mohrenwäscher-Wappen wurde in den Farben Blau, Rot, Gold ausgewählt. Es zeigt in Anspielung auf die historische Begebenheit einen Mohren beim Bad in einem Waschbottich, sowie fünf Sterne für die Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes.

Logo der Faschingsgesellschaft. Foto: FG Bayreuther Mohrenwäscher

Schon im ersten Jahr wurde der Verein Mitglied im Fastnacht-Verband Franken, im Bund Deutscher Karnevalisten, in der Närrischer Europäischen Gemeinschaft, im Bayerischen Landessportverband, im Fremdenverkehrsverein und beim Stadtsportverband.

Fasching für Menschen mit und ohne Handicap

Die „Mohrenwäscher“ haben sich in den letzten Jahren vor allem durch ihre Prunksitzung für „Menschen mit und ohne Handicap“ verdient gemacht. Für Jürgen Völkel, der seit 2006 Präsident der „Mohrenwäscher“ ist, sieht den Lokalkolorit, also Politik, Geschehnisse und Vorkommnisse in Bayreuth, soll im Mittelpunkt, denn ob sich die Geschichte von Friedrich Einsiedel tatsächlich ereignet hat, wird man nicht mehr feststellen können.

Die Faschingsgesellschaft Bayreuther Mohrenwäscher. Foto: FG Bayreuther Mohrenwäscher

Bericht im Bayreuther Tagblatt

Immerhin gab es im Jahr 1857 eine Randnotiz im Bayreuther Tagblatt, dass Gerüchte über einen falschen Mohren im Umlauf waren, „die“, so heißt es in dem Artikel, „aber jeder Realität entbehren“.

Es ist natürlich sehr unwahrscheinlich, dass die Bayreuther in dieser Zeit noch die Hautfarbe eines Afrikaners auf Echtheit prüfen wollten. Sollte sich die Geschichte tatsächlich zugetragen haben, liegt die Vermutung sehr nahe, dass sie tatsächlich „veräppelt“ werden sollten.

Der Printzessin Cammer-Laquey

Denn Mohren gab es nachweislich schon zwischen 1664 und 1784 in der Dienerschaft am Hofe der Bayreuther Markgrafen. Sie haben einheimische Frauen geheiratet und einige wurden – so beweisen es die Kirchenbücher – in der Stadtkirche getauft.

Im Jahr 1686 erhob Markgraf Christian Ernst zur Aufbesserung seiner Kriegskasse eine Kopfsteuer. In dem dafür akribisch-genau angelegten Verzeichnis über die Bayreuther Bevölkerung erscheint auch ein Mohr unter der Nr. 168 als Mieter bei Hutmacher Hans März in der Breiten Gasse (heute Sophienstraße): „Ein Mohr, der Printzessin Cammer-Laquey, sein Weib und drey Söhne.“

Johann Sebastian König (1741 – 1805) verweist in seiner Stadtchronik, dass im Juli 1784 der „alte Kammermohr und Pensionär Ernst Friedrich Albrecht Ludwig Gotthold, seiner Meinung nach älter als 70 Jahre verstorben“ ist. Und fügt an: „Er muss viel älter gewesen sein“.

„Fauxpas“ in der Jugendherberge

Eines soll jedoch nicht unerwähnt bleiben: Bei der Einweihung der städtischen Jugendherberge im Oktober 1975 am Kreuzsteinbad wurde das kupferne Reliefbild „Die Mo(h)rität“ mit einer Darstellung und Beschreibung der „Mohrenwäscher“-Legende enthüllt. Es war der erste Preis eines Jugendwettbewerbs.

Bernd Mayer: „Nicht allen gefiel diese Form Bayreuther Hetzpersiflage in unmittelbarer Nachbarschaft zur Universität, in der auch junge Afrikaner studieren. So empfand ein afrikanischer Pfarrer in den 80er Jahren die künstlerische Wiederaufbereitung der Mohrenwäscherei als „fauxpas“, der gerade in einer Jugendherberge peinlich sei.“

In der neuen Jugendherberge wurde das Relief nicht mehr aufgehängt. 


Zum Abschluss, wie versprochen die Geschichte „Bareitä Mohrnland“ von Friedrich Einsiedel im Original:

„Mohrnland“ klingt doch auf und nieder, wie wenns a deitscha Kolonie druntn in Afriga wär. Wemer owä druntn schteht, dan mergt mer niggs davoo.

Bei der Herzogmihl nuch a weng weiter druntn is, a Schtell im rotn Maa, wo mer sich als Junges gabodt hot. Heigl hotmä jo net saa däffn walls eftersch vorkumma is, daß newer ann a Wasserratz aufgetaucht is. Und wos sen des oft für Trimmer Kerl gwesn! Do hotmä sich manchas Moll richtig forchtn. Also die Schtell haaßt Mohrnland. Worum?

Budn afn Obernplatz

Sell wermä glei hern. Do wor amoll – Ende der sechziger Johr solls gwest saa – a Schauschteller in Bareith. Der hot sei Budn afn Obernplatz khatt, dort, wo etzat der Kunstbrunner schteht. Des wor friher iwerhaubt der Blatz fir solcha Sachn, wen Kärwa wor und so.

Der gute Moo hot an Mohnr fir Geld sehng lossn. No, wall des sellmoll wos extriggs wor, sen halt ba die Bareithä Bärcha Zweifl laut worn, ob der Mohr aa echt is, und net ewä bloß gschwärzt.

Zweifl sen ärcher worn

Die Zweifl sen fort ärcher worn. Die Bareitha hamm gmaant, der Schausteller schiert sa aus, zeicht ihnan so an iggbeliebichn gschwärzten weißn Toochdieb, der wo sich dazu hergeem tut, als Mohrn, und lacht sich na Buggl vull, wennä widdä draußn is bein Dembl.

Wall sich der Machistroot in or vill neileng muß, hotä sich do aa neigleecht und hod den Mohrn nunter die Au fihrn lossn bi ons Wassä wisswi vom Krohahelzla. Der Kerl hot sich gschtraibt und gwehrt wie a Wildä. Die Polizeidiener hamm gedocht, der will net hoom, daß die Lumbererei rauskummt, und hamm halt net lugger glossn bisana ons Wassä higazerrt khatt hamm.

Mit Saafn eigschmiert

Und dann is die Hetz und die Gaudi losganga. Der Kerl is mit Saafn eigschmiert worn und dann hammsana mit der Worzlbärschtn abgfummelt, daßä gri und blau und gelb worn is, wenner weiß gwest wär. Der Mohr hot Schbring gmacht und is dort rumgetant, wie a Indianä, owä die Polizeidiener ham net noochglossn und hamm so lang weitägschrobbt, bis ihnan der Schwaaß hintn un vorna runtergloffn is.

Owä gholfn hots halt niggs. Der Mohr is schwarz gebliem, walls a wärglicher Schwarzer wor. Wiesa des geshng hamm, gratzn sa sich die Kepf, schau anandä recht schlau o, der Mohr grinst recht dreggat dazu mit seina weißn Zeh, und dann is die Karawanne widda abgschoom. Des muß a Fest gwest saa! Und seit dera glorreichn Zeit mißn sich die Bareithä die Mohrnwescher haaßn loßn.


Text: Stephan Müller



Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.


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