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Bayreuther Polizisten im Einsatz: Ein Traumjob mit Schattenseiten

Traumberuf Polizist: Zwei Bayreuther Polizeibeamte haben dem bt erzählt, warum sie zur Polizei sind, wie die Ausbildung abläuft und welche Sachen sie im Alltag erleben. 

Thomas Neuss ist seit über 20 Jahren Polizist, seine Kollegin Monika Tausch seit sechs Jahren. Die beiden haben dem bt erzählt, warum sie diesen Beruf gewählt haben, wie ihr Alltag aussieht und was die Schattenseiten ihres Jobs als Streifenpolizist sind.

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Polizistin in Bayreuth

Für Monika Tausch (28) war schon lange klar, dass sie Polizistin werden will. „Es ist und war mein Traumberuf seit Kindheit an“, sagt Tausch. Ein Erlebnis weckte in ihr den Wunsch Gesetzeshüterin zu werden: „Ich kann mich noch genau erinnern, dass es mal eine Ausstellung im Rotmain-Center gab. Da haben sie ein Polizeimotorrad hingestellt und ich hab mich als vierjähriges Mädchen drauf gesetzt. Seitdem wollte ich zur Polizei gehen.“

Die junge Frau ist mittlerweile seit sechs Jahren bei der Polizei und Polizeiobermeisterin. Das Foto, auf dem sie auf dem Polizeimotorrad als Vierjährige sitzt, hat sie heute noch. Die Vorteile ihres Traumberufs liegen für sie auch klar auf der Hand.

„Es ist ein sicherer Job und man hat mit Menschen zu tun. Außerdem ist der Beruf vielschichtig, Frauen sind mit Männern gleichgestellt und die Aufstiegschancen sind sehr gut bei uns“, zählt sie auf.

Strenge Ausbildungsvoraussetzungen

Tausch musste sich den Ausbildungsplatz hart erkämpfen, denn sie hat ein Manko: „Ich bin eigentlich zu klein für die Polizei.“ Polizisten sollten eigentlich mindestens 1,65 Meter groß sein, Tausch misst allerdings nur 1,64 Meter.

Weil ihr ein Zentimeter fehlt, musste sie eine Sonderprüfung bestehen. Diese besteht unter anderem aus einem Sporttest. „Dann will die Polizei noch sehen, dass man trotz der Größe in der Lage ist, gewisse Sachen zu machen“, erzählt die 28-Jährige.

Keine Scheu vor Menschen

Dabei spielt auch die Größe der Hände eine Rolle. Denn sind die Hände zu klein, kann die Bedienung der Dienstwaffe problematisch sein, ergänzt Neuss. „Ein sicheres Handling ist Grundvoraussetzung für jeden Waffenträger“, sagt der Polizeihauptkommissar.

Und man muss beweisen, dass man trotz der Größe die benötigte Kraft hat und sich auch nicht scheut, in gefährlichen Situationen auf Menschen zuzugehen. „Wenn man das alles besteht, wird man zu den normalen Prüfungen zugelassen“, sagt Tausch. Die Polizeiobermeisterin findet es gut, dass die Polizei auch denjenigen die Chance gibt, sich zu beweisen, die den eigentlichen Anforderungen nicht entsprechen.

Von der Bundeswehr zur Polizei

Thomas Neuss (54) ist in Bayreuth Polizeihauptkommissar. „Nach über 12 Jahren bei der Bundeswehr musste ich mich neu orientieren“, erzählt er. Ein krisensicherer Job musste her. Da er schon immer gerne mit Menschen zu tun hatte, war es für ihn naheliegend, zur Polizei zu gehen. „Der Polizeiberuf ist ein Erfahrungsberuf“, erklärt Neuss.

Mit jeder bewältigten Situation werde der Polizist reifer und erfahrener. „Das macht letztendlich einen Polizisten aus.“ Im September 1997 war es bei ihm so weit: Seine Ausbildung zum Gesetzeshüter begann.

Aufgrund einer Sonderregelung hinsichtlich der Altersbeschränkung war es ihm möglich, als ehemaliger Soldat zur Polizei zu gehen. Mittlerweile ist Neuss Polizeihauptkommissar. Drei silberne Sterne auf seinen Schulterklappen zeigen seinen Dienstgrad.

Ausbildung bei der Polizei in Bayern

Wie kommt man nun zur Polizei? Zuerst bewirbt man sich – wie bei jedem anderen Beruf auch. „Dann gibt es einen Einstellungsberater. Der kümmert sich um einen und beantwortet alle Fragen. Danach wird man zu einem Einstellungsprüfungstermin eingeladen, wenn man die Voraussetzungen erfüllt“, berichtet Tausch.

Kommt man aus Bayreuth, findet dieser Einstellungstest zwei Tage lang in Nürnberg statt. Am Ende des Tests wird anhand des Notendurchschnitts der Prüflinge eine Rangliste erstellt. Der Rang entscheidet dann, ob man es geschafft hat oder nicht.

Wird man genommen, kann man nach der Ausbildung bayernweit versetzt werden. „Soweit es möglich ist wird schon drauf geschaut, dass die Leute heimatnah versetzt werden“, sagt Tausch.

Die Ausbildung selbst dauert zweieinhalb Jahre und beinhaltet viel Theorie, aber auch praktische Anteile. Die Ausbildung ist in fünf Abschnitte unterteilt, wobei ein Abschnitt einem halben Jahr entspricht.

„Es ist wie in der Schule: Man schreibt Exen, Klausuren und man hat Sporttests.“

(Monika Tausch, Polizeiobermeisterin)

Erste Praxiserfahrungen in der Ausbildung

Der 54-Jährige Neuss findet vor allem eine Sache gut. Bereits acht Wochen nach Beginn gehen die jungen Auszubildenden in ihre Heimatdienststelle, um dort eine Woche lang mitzuarbeiten. Sie fahren als „dritter Mann“ in der Streife mit und können ihren erfahrenen Kollegen im täglichen Dienst über die Schulter schauen, erzählt Neuss. Am Ende können sie entscheiden, ob sie für sich die richtige Berufswahl getroffen haben.

Bis zur Anstellungsprüfung folgen zwei weitere Berufspraktika, bei denen die angehenden Polizisten bereits als „zweiter Mann“ ihren Dienst verrichten und mit umfangreicher Sachbearbeitung konfrontiert werden. Für all ihre Fragen steht ihnen ein erfahrener Ausbildungsbeamter zur Seite.

Den inneren Schweinehund überwinden

Die Ausbildung bei der Polizei besteht allerdings nicht nur aus dem Büffeln von Gesetzen und Theorie.

„Es sind auch praktische Anteile enthalten wie die Schießausbildung, Selbstverteidigung, Sport und praktischen Übungen zur Konfliktbewältigung.“

(Thomas Neuss, Polizeihauptkommissar)

Einmal in der Woche wird ein längerer Geländelauf gemacht. „Das Wetter spielt hierbei keine Rolle, da muss man durch. In meiner Ausbildung wurden wir zweimal mit dem Bus von der Ausbildungsstätte weggebracht und mussten anschließend etwa 20 km zurück laufen“, erinnert sich Neuss.

Zu der Ausbildung gehöre eben auch, seinen inneren Schweinehund zu überwinden. Die Ausbildung endet mit dem Anstellungstest. Dieser ist in etwa vergleichbar mit der Gesellenprüfung.

Alltag bei der Polizei in Bayreuth

Wie sieht nun der Polizeialltag aus? Ihren Dienst verrichten die beiden Polizisten im Schichtdienst. So ist gewährleistet, dass die Polizei 24/7 für die Belange der Bürger da ist. Im Grunde leisten sie zwei Tage Dienst und haben dann zwei Tage frei, um sich zu regenerieren.

Klar, dass diese Arbeitszeiten insbesondere Familie und Freunden ein besonderes Verständnis abverlangt. Mit jedem Dienstbeginn werden die Beamten darüber informiert, was sich während ihrer zweitägigen Abwesenheit in ihrem Dienstbereich ereignet hat. Somit wird jeder auf den neuesten Stand gebracht.

Körperverletzungen gehören zum Berufsalltag der Polizisten

Anschließend teilt sich der alltägliche Dienst zur einen Hälfte in Streifentätigkeit und zur anderen Hälfte in Sachbearbeitung auf. Denn das was während des Streifendienstes an Anzeigen aufgenomen wurde, muss dann schriftlich abgearbeitet und den zuständigen Verfolgungsbehörden vorgelegt werden.

Im Streifendienst gehören für die Beamten u.a. Unfälle, Diebstähle, Vermisstensuchen, Streitigkeiten jeder Art bis hin zu Körperverletzungen, zum Berufsalltag.

Bayreuther Polizisten sind nicht schadenfroh

Im Gegensatz zur allgemein herrschenden Meinung, macht es den Polizisten keine besondere Freude die Bürger für ihr Fehlverhalten zur Verantwortung zu ziehen.

Jedoch sind Polizeibeamte angehalten, im Bereich von Ordnungswidrigkeiten nach dem Oppurtunitätsprinzip (nach pflichtgemäßen Ermessen) und im Bereich von Straftaten nach dem Legalitätsprinzip (hier müssen Strafverfahren eingeleitet werden) zu handeln.

„Wir sind überhaupt nicht schadenfroh, wenn wir Bürger bei irgendwas erwischen“, bestätigt Neuss. „Wir haben ja auch nichts davon. Wir werden dafür nicht belohnt“, ergänzt Tausch.

Neben der Strafverfolgung ist die Gefahrenabwehr ein wesentlicher Bestandteil des Polizeiberufs. Hierzu gehöre u.a. eben auch „Raser“ zur Strecke zu bringen. Denn viel zu häufig führen zu schnelles Fahren zu tödlichen Unfällen. Dies gilt es durch verschiedenste Kontrollmaßnahmen zu verhindern.

Als Polizist in Bayreuth im Einsatz – der Tod gehört zum Leben

Die Schattenseite ihres Berufs ist die Konfrontation mit dem Tod. Der Tod gehört zum Leben dazu. Auch zum Beruf von Polizisten. „Mein erster Todesfall war ein Suizid“, erzählt die Bayreuther Polizeiobermeisterin Monika Tausch.

Damals war sie in der Ausbildung und 22 Jahre alt. Die Situation habe sie sehr mitgenommen. „Es war eine Frau, die ihren Mann gepflegt hat. Sie konnte einfach irgendwann nicht mehr und ist aus dem Fenster gesprungen.“

„Ich konnte nicht schlafen und habe auch ein paar Tränen vergossen. Man fängt an, das Ganze zu hinterfragen.“

(Monika Tausch, Polizeiobermeisterin, über ihren ersten Todesfall bei der Polizei)

Besonders schlimm an der Sache war für sie, dass der Ehemann geschlafen hat und nichts mitbekommen hat. Nur zwei Tage später starb der Mann dann auf natürlichem Weg. „Ich finde, das kann einen nicht kalt lassen“, sagt Tausch.

Todesnachrichten sind nie angenehm

Eine Todesnachricht zu überbringen sei nie angenehm. „Wichtig hierbei sei es, den Hinterbliebenen die Nachricht äußerst sensibel und pietätvoll zu überbringen und gegebenenfalls weitere Hilfe anzubieten“, sagt Neuss. Dabei dann auch Trost zu spenden, gehört zum Job dazu.

Etwa vier bis fünfmal im Jahr muss der Polizeihauptkommissar eine solche Nachricht überbringen. Über eines ist er jedoch sehr froh: „Bisher wurde ich davon verschont, Eltern eines verstorbenen Kindes die Todesnachricht überbringen zu müssen.“

Ein Bayreuther Verein unterstützt Angehörige nach einem Suizid.

Polizisten freuen sich über ein Lächeln

Um so mehr erfreuen sich die beiden Beamten daran, wenn ihnen für ihre Arbeit ein ehrlich gemeintes Dankeschön oder einfach nur ein Lächeln entgegengebracht wird.
Streifenpolizisten sind in der Regel die ersten Polizeikräfte vor Ort, wenn etwas passiert ist.

Auch deswegen sieht der Alltag von Neuss und Tausch jeden Tag anders aus. „Man weiß vorher nie, was einen erwartet“, sagt Tausch. Innerhalb von Sekundenbruchteilen kann eine eigentlich ruhige Situation völlig eskalieren. Deswegen müssen Polizeibeamte auch immer wachsam sein.

„Leider ist die Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte in den letzten Jahren stetig gestiegen. Nicht selten sind hierfür gewisse Rauschzustände des Gegenübers und eine wachsende Respektlosigkeit der Polizei gegenüber die Ursache. Man könnte dieses Phänomen durchaus als gesellschaftliches Problem betrachten.“

(Thomas Neuss, Polizeihauptkommissar)

Waffengebrauch wie im Fernsehen?

In über 20 Jahren bei der Polizei musste Neuss schon das ein oder andere Mal seine Waffe ziehen. „Aber glücklicherweise noch nie in lebensbedrohlichen Situationen, sondern lediglich um sich und seine Kollegen abzusichern“, erzählt er.

Eine dieser Situationen sei beispielsweise, wenn er und sein Kollege zu einem Einbruch gerufen werden und sich der Täter möglicherweise noch im Objekt befindet. „Kein Beamter ist scharf darauf, die Waffe einzusetzen“, sagt Neuss.

Anders als im Fernsehen ziehen die Polizisten auch nicht gleich die Waffe und fuchteln damit herum. „Bei uns ist alles gesetzlich geregelt, auch der Schusswaffengebrauch“, ergänzt Tausch. „Nur, weil wir Polizisten sind, dürfen wir nicht einfach die Waffe ziehen.“

Der Polizeiberuf hat viele Facetten

Monika Tausch und Thomas Neuss sind begeistert von ihrem Beruf: Jeder kann sich in die Richtung entwickeln, in die er möchte und der Polizeiberuf hat unglaublich viele Facetten.

Aber egal mit welchem Ziel man zur Polizei geht, beginnt man doch immer gleich – als Streifenpolizist.

Auch interessant: Petra Eckert arbeitet in einem Bayreuther Hospiz. Entgegen vieler Vorurteile, ist die Zeit dort nicht von Trübsal geprägt: „Bei uns wird viel gelacht“, sagt die Pflegefachkraft dem bt im Interview. 

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler