Geschichte

Bayreuths Graben – Als ein Stadtteil dem Stadtkern weichen musste

Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen der Bayreuther Ortsteile? In Teil 26 der Serie widmet sich bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller dem Graben.

Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen der Bayreuther Ortsteile? In Teil 26 der Serie widmet sich bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller dem Graben.


Bayreuther Graben – vor den Stadtmauern

Den alten Stadtteil “Graben” direkt vor der Bayreuther Stadtmauer gibt es nicht mehr. Die Wolfsgasse, einige Häuser an der Erlanger Straße, wie der “Eck-Schobert” oder die Bäckerei Hammon, und viele Gebäude am “Graben” fielen dem “Generalverkehrsplan der Stadt Bayreuth” und damit der Spitzhacke zum Opfer.

Im Mittelpunkt des Generalverkehrsplans, der dem Stadtrat im September 1963 von dem Verkehrsplaner Dr. Hellmut Schubert vorgestellt wurde, stand der Bau vierspurigen Stadtkernrings mit dem Hohenzollernring, dem Wittelsbacherring und der Cosima-Wagner-Straße.

Wolfgasse in den 70er Jahren. Foto: Archiv Bernd Mayer.

Baumaßnahmen zur Erweiterung der Innenstadt

Im Jahr 1966 feierten die Bayreuther das Richtfest für das (“Ring”)-Hochhaus am Josephsplatz und nahmen die Bauarbeiten im Bereich der Dürschnitz zur Kenntnis:

“Alle Baumaßnahmen dienen der Erneuerung und Erweiterung der Bayreuther Innenstadt, die in wenigen Jahren in ihrem Nordteil von dem dann zur Selbstverständlichkeit gewordenen Hohenzollernring – einer vierspurigen Autostraße – umschlossen sein wird”, teilte die Stadt Bayreuth ihren Bürgern mit.

Am 24. Juli 1968 wurde das 675 Meter lange Teilstück des Hohenzollernrings zwischen Wieland-Wagner-Straße und Josephsplatz dem Verkehr übergeben, ehe es dann für die Fertigstellung des Stadtkernrings zwischen Josephsplatz und Moritzhöfen aber so richtig “ans Eingemachte” ging.

Stadtmauergraben mit Rotem Main

Doch schauen wir vorher erst einmal gut hundert Jahre zurück. Der mit dem Mühlkanal vereinigte Rote Main floss bis zu seiner weiteren Begradigung im ersten Weltkrieg ursprünglich durch den “Stadtmauergraben”, der dem kleinen Stadtteil seinen Namen gab.

Auf dem damaligen Flussbett stehen heute die Rotmainhalle, das Verwaltungsgebäude der Brauerei Maisel und ist der Parkplatz des Herzogkellers angelegt. Der Rote Main schlängelte sich in seinem natürlichen Bett ganz nahe an der mächtigen Stützmauer des Herzogkellers vorbei und zog dann eine Schleife zur Herzogmühle, in deren Nebengebäuden noch heute die Glaserei Sturm untergebracht ist.

Dem Stadtkernring musste alles weichen

Doch zurück zum “Graben”: Für die Fertigstellung des Stadtkernrings zwischen Josephsplatz und Moritzhöfen musste quasi alles weg. Die Ludwigsbrücke an der Bahnhofsstraße, für die die “Mainüberdachung” mit Annecyplatz gebaut wurde, oder auch das alte Kolpinghaus, das etwa an der heutigen Haupteinfahrt zum Rathausparkplatz stand.

Darüber hinaus fielen in der Wolfsgasse, wie die Wirtschaft “Wolfsschlucht” oder im “Graben”, wie die Gaststätte “Am Schlachthof”, zahlreiche historische Häuser mit vielen Geschäften und Wirtschaften der Spitzhacke zum Opfer.

Zwischen der Erlanger Straße und der Austraße erwischte es das schöne Fachwerkhaus mit dem berühmten “Eck-Schobert” und die Bäckerei Hammon. Die Wolfsgasse wurde als Zufahrtsstraße für die Parkplätze hinter den Neubauten am Wittelsbacherring neu angelegt. Der “Graben” ist als Stadtteil und Straße komplett verschwunden.

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

Die Stadt Bayreuth trauert um ihren ehemaligen Jugendpfleger, der Schwimmverein um seinen Ehrenvorsitzenden Helmut Künzel. Archiv: Stefan Müller.Die Stadt Bayreuth trauert um ihren ehemaligen Jugendpfleger, der Schwimmverein um seinen Ehrenvorsitzenden Helmut Künzel. Archiv: Stefan Müller.
September 1929: Gottfried Weimann bei einem Leichtathletik-Wettbewerb in Basel. Foto: Archiv Stephan Müller / Familie WeimannSeptember 1929: Gottfried Weimann bei einem Leichtathletik-Wettbewerb in Basel. Foto: Archiv Stephan Müller / Familie Weimann
Der Großstaffellauf der Bayreuther Vereine, an dem regelmäßig über 30 Mannschaften teilnahmen. Der Start war am Alten Schloss. Zehn Staffelläufer pro Verein mussten unter den Anfeuerungsrufen von vielen tausend Bayreuthern die Runde über den Markt, über die Sophienstraße, Friedrichstraße, Ludwigstraße und Sternplatz bewältigen. Im Hintergrund warten Jugendliche auf dem Fama-Brunnen auf den Knall der Startpistole. Foto: Archiv Erich Scholti.Der Großstaffellauf der Bayreuther Vereine, an dem regelmäßig über 30 Mannschaften teilnahmen. Der Start war am Alten Schloss. Zehn Staffelläufer pro Verein mussten unter den Anfeuerungsrufen von vielen tausend Bayreuthern die Runde über den Markt, über die Sophienstraße, Friedrichstraße, Ludwigstraße und Sternplatz bewältigen. Im Hintergrund warten Jugendliche auf dem Fama-Brunnen auf den Knall der Startpistole. Foto: Archiv Erich Scholti.
Die Polizeipyramide der Bayreuther "Stadtpolizei" mit (von oben nach unten und von links nach rechts) bei der Veranstaltung "Bürger, Polizei, Streitkräfte" im Städtischen Stadion. Im Jahr 1972 wurde die Stadtpolizei "verstaatlicht". Die Bayreuther Polizisten Beamte des Freistaates Bayern. Foto: Archiv Bernd Mayer.Die Polizeipyramide der Bayreuther "Stadtpolizei" mit (von oben nach unten und von links nach rechts) bei der Veranstaltung "Bürger, Polizei, Streitkräfte" im Städtischen Stadion. Im Jahr 1972 wurde die Stadtpolizei "verstaatlicht". Die Bayreuther Polizisten Beamte des Freistaates Bayern. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Der Judokämpfer Walter Rieß vom Post-SV Bayreuth war deutscher Meister der Jahre 1981, 1984 und 1985. Foto: Stephan MüllerDer Judokämpfer Walter Rieß vom Post-SV Bayreuth war deutscher Meister der Jahre 1981, 1984 und 1985. Foto: Stephan Müller
Im Sommer 1997 organisierte der Festspielchor eine Ausflugsfahrt nach Eisenach. Im großen Saal der Wartburg bekam Chorleiter Norbert Balatsch nicht nur ein "Ständchen" zu seinem 25-jährigen Bayreuth-Jubiläum sondern auch Geschenke von den Chorvorständen Richard Rost, Hartwig Adler und Petra Salzburger-Brehmer. Foto: Stephan MüllerIm Sommer 1997 organisierte der Festspielchor eine Ausflugsfahrt nach Eisenach. Im großen Saal der Wartburg bekam Chorleiter Norbert Balatsch nicht nur ein "Ständchen" zu seinem 25-jährigen Bayreuth-Jubiläum sondern auch Geschenke von den Chorvorständen Richard Rost, Hartwig Adler und Petra Salzburger-Brehmer. Foto: Stephan Müller
Ludwig Frölich war von 1902 bis 1960 mit einer Unterbrechung in der Nachkriegszeit über einen Zeitraum von fast sechs Jahrzehnten Bayreuther Stadtrat. Das Foto zeigt Ludwig Frölich an seinem 90. Geburtstag im Bayreuther Rathaus. Es gratulieren Landtagsvizepräsident Georg Bantele (links) und dritter Bürgermeister Kurz Kowohl (mit Amtskette). Foto: Archiv Bernd Mayer.Ludwig Frölich war von 1902 bis 1960 mit einer Unterbrechung in der Nachkriegszeit über einen Zeitraum von fast sechs Jahrzehnten Bayreuther Stadtrat. Das Foto zeigt Ludwig Frölich an seinem 90. Geburtstag im Bayreuther Rathaus. Es gratulieren Landtagsvizepräsident Georg Bantele (links) und dritter Bürgermeister Kurz Kowohl (mit Amtskette). Foto: Archiv Bernd Mayer.
Vertrauter Blick zwischen Wolfgang Wagner und Eva Wagner-Pasquier. Foto: Stephan MüllerVertrauter Blick zwischen Wolfgang Wagner und Eva Wagner-Pasquier. Foto: Stephan Müller
Osterbrunnen sind eine fränkische Tradition. Foto: Stephan MüllerOsterbrunnen sind eine fränkische Tradition. Foto: Stephan Müller
Hans Walter Wild und Wolfgang Wagner.Hans Walter Wild und Wolfgang Wagner. Foto: Stephan Müller
Markgraf Christian Ernst, Namensgeber des Bayreuther Gymnasium Christian Ernestinum, kämpfte 1683 im "Türkenkrieg" vor Wien. Foto: Archiv Bernd MayerMarkgraf Christian Ernst, Namensgeber des Bayreuther Gymnasium Christian Ernestinum, kämpfte 1683 im "Türkenkrieg" vor Wien. Foto: Archiv Bernd Mayer
Werdgegang der SpVgg Bayreuth: Hans-Walter-Wild-Stadion
2006: In der Inszenierung von Tankred Dorst wurden wieder Kinder benötigt. Foto: Stephan Müller2006: In der Inszenierung von Tankred Dorst wurden wieder Kinder benötigt. Foto: Stephan Müller
St. Georgen mit Sophienberg,
Mark-Twain
Die Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd MayerDie Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd Mayer
Stempfermühle zur Sachsenmühle geht zu Fuß in etwa 30 Minuten. Der Wanderweg führt völlig eben am Ufer der Wiesent entlang. Mit Glück kommt sonntags die Museumsbahn vorbei.