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Geschichte

Bayreuths Stadtteil Birken wurde nur indirekt nach einem Baum benannt

Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen der Bayreuther Ortsteile?

Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen unserer Bayreuther Ortsteile? In Teil zwei der Stadtteil-Serie blickt bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller auf die Birken, dessen Gelände vor langer Zeit zum Moritzhof gehört hat.


Vom Jagdschloss zum Stadtteil Birken

Der Stadtteil ist nicht unmittelbar nach einer Baumgruppe mit den weißen Stämmen, sondern nach seinem Schloss benannt. Allerdings gibt es Meinungen, dass das im 15. Jahrhundert erstmals erwähnte ursprüngliche Jagdschloss nach einer in der Nähe stehenden Birke benannt wurde.

Auf keinen Fall ist zutreffend, dass das Schloss nach dem berühmten Dichter Sigmund von Birken benannt ist, der allerdings 1658 die wohlhabende Witwe Margaretha Magdalena Mülegk, geborene Göring aus Bayreuth, heiratete und hier auch zwei Jahre bis zu seiner Rückkehr nach Nürnberg in der Residenzstadt wohnte.

Häufige Eigentümerwechsel

Das Herrenhaus wechselte häufig seinen Eigentümer. Im Jahr 1684 vermachte Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth das Schloss, das Gut und die Ländereien seinem Hofmarschall von Erffa. Damit beglich der Markgraf einen “Besoldungsrückstand” von nur 200 Talern. In dieser Zeit benötigte er dringend Geld für den Bau des großen Markgrafenbrunnen, der 1685 vor dem Alten Schloss errichtet wurde, aber heute vor dem Neuen Schloss zu bewundern ist. Der geringe “Kaufpreis” ist wohl eher mit der Baufälligkeit des alten Jagdschlosses zu begründen. Es wurde schon wenig später (zwischen 1686 und 1692) abgerissen und nach Plänen von Charles Philippe Dieussart neu gebaut. In dieser Zeit ging das Schloss Birken in das Eigentum von Erdmann Freiherr von Stein über.

Das Schloss Birken auf einem Kupferstich aus dem Jahr 1749. Foto: Archiv Bernd Mayer.

Schloss Birken – Stiftung für Damen und Fräuleins

Nach dessen Tod gründete seine Frau Christiane Charlotte von Stein, eine geborene von Erffa, im Jahr 1740 die Steinsche Stiftung. Die Witwe des Barons verfügte, dass nach ihrem Tod “vier arme adelige Witwen, sowie vier andere arme Bürgers Witwen, in den Häusern vor dem Schlosshof der Birken stehend, mit Wohnung, Kost und Unterhalt”, versorgt werden sollten.

Dafür mussten sich die “Damen und Fräuleins” jeden Morgen um 8 Uhr treffen und sich mit Gesang und Hingabe der Heiligen Schrift zuwenden. Man nannte es das “Fräuleinstift”. Zwischen 1761 und 1766 verkaufte der Stiftsverwalter ein kleineres Grundstück und das ganze Frankengut, das seinen Namen von der Hofratswitwe Susanna Margareta Franck erhalten hatte.

Heute gibt es eine soziale Wohnanlage der “Baron von Steinschen Stiftung” in der Hegelstraße und viele Hauseigentümer in “der” Birken zahlen für ihren Hausgrund eine Erbpacht an die Stiftung, die heute von der Regierung von Oberfranken verwaltet wird.

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

Ein Festzug zieht an einem "Siebener"-Kasernengebäude in der Hartmannstraße (heute Ludwig-Thoma-Straße) vorbei. Im Hintergrund ist der Justizpalast zu erkennen. Foto: Archiv Bernd Mayer.Ein Festzug zieht an einem "Siebener"-Kasernengebäude in der Hartmannstraße (heute Ludwig-Thoma-Straße) vorbei. Im Hintergrund ist der Justizpalast zu erkennen. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Das Versorgungskrankenhaus heißt heute "Krankenhaus Hohe Warte". Foto: Archiv Elfriede MüllerDas Versorgungskrankenhaus heißt heute "Krankenhaus Hohe Warte". Foto: Archiv Elfriede Müller
Wenige Tage, nachdem in der deutschen Kolonie Kamerun die deutsche Fahne gehisst wurde, benannten Festspielmitwirkende das Forsthaus um: "Dort ka ma ruhn". Foto: Archiv Bernd Mayer.Wenige Tage, nachdem in der deutschen Kolonie Kamerun die deutsche Fahne gehisst wurde, benannten Festspielmitwirkende das Forsthaus um: "Dort ka ma ruhn". Foto: Archiv Bernd Mayer.
Die Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd MayerDie Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd Mayer
Ein beliebte Ausflugsgaststätte war das "Restaurant am Stuckberg". Foto: Archiv Ernst-Rüdiger Kettel.Ein beliebte Ausflugsgaststätte war das "Restaurant am Stuckberg". Foto: Archiv Ernst-Rüdiger Kettel.
Wagnerianer und Kenner des "Rheingold" wissen was gemeint ist: "Zur Burg führt die Brücke" heißt es im letzten Akt von Wagners "Rheingold". Auch hinter dem Hauptbahnhof führt eine Brücke zur Burg. Foto: Stephan Müller.Wagnerianer und Kenner des "Rheingold" wissen was gemeint ist: "Zur Burg führt die Brücke" heißt es im letzten Akt von Wagners "Rheingold". Auch hinter dem Hauptbahnhof führt eine Brücke zur Burg. Foto: Stephan Müller.
Das Gelände zwischen den Ortsteilen Meyernberg und Oberpreuschwitz hat den Flurnamen "Österreich", das "ein Gebiet nach Osten begrenzt". Der ungewöhnliche Blickwinkel auf die Reha-Klinik und das Neubaugebiet von Oberpreuschwitz wurde durch einen Hub-Kran auf dem Gelände des Stadtgartenamtes bei einem "Tag der offenen Tür" möglich. Foto: Stephan Müller.Das Gelände zwischen den Ortsteilen Meyernberg und Oberpreuschwitz hat den Flurnamen "Österreich", das "ein Gebiet nach Osten begrenzt". Der ungewöhnliche Blickwinkel auf die Reha-Klinik und das Neubaugebiet von Oberpreuschwitz wurde durch einen Hub-Kran auf dem Gelände des Stadtgartenamtes bei einem "Tag der offenen Tür" möglich. Foto: Stephan Müller.
Die Brauerei J. Friedel. Foto: Archiv Bernd Mayer Stiftung.Die Brauerei J. Friedel. Foto: Archiv Bernd Mayer Stiftung.
Bayreuths Stadtteil Moritzhöfen mit dem Wilhelm-Leuschner-Geburtshaus. Foto: Susanne MonzBayreuths Stadtteil Moritzhöfen mit dem Wilhelm-Leuschner-Geburtshaus. Foto: Susanne Monz
Blick auf das Festspielhaus im Jahr 1880. Im Vordergrund ist das alte Bahnhofsgebäude und das Bahnhofshotel zu sehen. Foto: Archiv Bernd Mayer.Blick auf das Festspielhaus im Jahr 1880. Im Vordergrund ist das alte Bahnhofsgebäude und das Bahnhofshotel zu sehen. Foto: Archiv Bernd Mayer.