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Markgrafen Bayreuth

Der Bayreuther Markgraf Christian Ernst – Vom kränklichen Kind zum stattlichen Markgrafen

In der Bayreuther Markgrafenzeit entstanden viele Prunkbauten, die das Bayreuther Stadtbild prägen. Stephan Müller blickt auf die sieben Markgrafen, die in dieser Zeit in Bayreuth residierten. 

Teil 2 der Bayreuther-Markgrafen-Serie beschäftigt sich mit dem Markgraf Christian Ernst, nach dem das Gymnasium Christian Ernestinum benannt wurde.

Nachdem sein Vater Erdmann August im Jahr 1651 bereits in jungen Jahren verstorben ist, wurde Christian Ernst (1655 bis 1712) als Nachfolger von Christian der zweite Markgraf von Bayreuth. Wie sein Großvater (52 Jahre) regierte auch Christian Ernst über fünf Jahrzehnte (57 Jahre).

Markgraf Christian Ernst – ein sensibler Junge

Markgraf Christian Ernst wurde am 27. Juli 1644, also mitten im Dreißigjährigen Krieg in Bayreuth geboren. Schon mit sechs Jahren wurde er Vollwaise. Sein Vater Erbprinz Erdmann August starb am 27. Januar 1651 an Schwindsucht. Seine Mutter, die Prinzessin Sophie aus Ansbach, die als „äußerst stattliche, große und üppige“ Frau beschrieben wird, verstarb bereits am 23. November 1646 im Alter von 32 Jahren. Den größten Teil der Erziehung übernahm deshalb der Hofprediger Samuel Hain.

Christian Ernst war ein gutwilliger Schüler, doch mit völlig unkindlichen Lektionen und unpädagogischen Erziehungsmaßnahmen rief man bei den sensiblen Knaben Minderwertigkeitsgefühle hervor, die zu Stottern und zum Teil zum völligen Verstummen führten.

Am 30. Mai 1655 – Christian Ernst war zehn Jahre alt – starb sein Großvater Christian, der die Markgrafschaft seit 1603 (also 52 Jahre) regiert hatte. Seine Studien und die Vorbereitung für die Regentschaft führten ihn nach Halberstadt, Berlin oder Straßburg. An der Universität Straßburg hält der 15-Jährige zum Abschluss seines Studiums eine längere frei vorgetragene lateinische Rede mit dem Zitat: „Ein guter Fürst muss stets vor Augen haben, dass das oberste Gebot das Wohl des Staates ist. Der Staat ist nicht für den Herrscher da, sondern vielmehr muss der Fürst ganz im Staate aufgehen.“

Vom kränklichen Kind zum stattlichen Fürsten

Nach dem Studium unternimmt Christian Ernst Bildungsreisen nach Mainz, Worms und Speyer, seine Kavalierstour als „Herr von Plassenburg“ führt ihn über Genf, Lyon, Orange, Marseille bis an die Pyrenäen. Als einziger Fürst nimmt er 1660 an der Hochzeit des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. mit der Infantin Maria Theresia teil. Um italienisch zu lernen reist er über Genf nach Rom. Aus dem kränklichen Knaben ist ein stattlicher junger Fürst geworden!

Am 19. Oktober 1662 heiratet er in Dresden die hübsche, hochgebildete Erdmutha Sophia, die er bereits drei Jahre vorher anlässlich der Kaiserkrönung Leopolds I. kennengelernt hatte. Nach nur acht Jahren (kinderloser) Ehe starb Erdmutha Sophia. 1671 heiratet er die württembergische Prinzessin Sophia Luise, die ihm am 16. November 1678 den lang ersehnten Thronfolger Georg Wilhelm schenkte. Die Hand seiner tief religiösen Tochter Christine Eberhardine übergab er am 20. Januar 1693 in der Bayreuther Stadtkirche (aus Staatsraison gegenüber Berlin) an Prinz Friedrich August (August der Starke) nach Dresden. Die Ehe mit dem Trinker und Don Juan (er soll laut Wilhelmines Memoiren seinen Mätressen 365 Kinder „geschenkt“ haben) verlief sehr unglücklich.

Markgraf Christian Ernst – Namensgeber des GCE

Als Markgraf erwarb er sich große Verdienste um das Medizinalwesen und des Schulwesens. Das noch heute existierende humanistische Gymnasium Christian Ernestinum geht auf ihn zurück. Viel Freude hatte er am Militärwesen, deren hohe Kosten er auf sein Land abwälzte. Nach dem Verzicht Ansbachs wurde er Kreisobrist. Er baute die Plassenburg unter französischen Vorbildern zur Festung aus und nahm 1683 am Kahlenberg vor den Toren Wiens an der entscheidenden Schlacht gegen die Türken teil. Mit reicher Beute und dem Titel eines kaiserlichen Generals kehrte der 39-Jährige stolz nach Bayreuth zurück, wo man ihn triumphal empfing. Elias Räntz setzte dem Türkenbezwinger mit dem Markgrafenbrunnen ein Denkmal. Dieser Brunnen ist noch heute – allerdings inzwischen vor dem Neuen Schloss – zu bewundern. Im Süden der Markgrafschaft gründet er 1701 mit „Christian-Erlang“ (heute Erlangen) eine neue Stadt.

Christian Ernst wird zum Reichsgeneralfeldmarschall mit Kommando über 30.000 Mann

Am 3. Oktober 1702 verstarb überraschend Sophie Luise. Der erste Preußenkönig Friedrich I. und spätere Großvater der Markgräfin Wilhelmine vermittelte die Heirat seiner ehrgeizigen und raffinierten Stiefschwester, der jungen und hübschen Witwe des Herzogs von Kurland. Der 58-jährige Markgraf war mehr als geschmeichelt: Ohne dass er es merkte, wurde seine junge Frau im preußischen Interesse mehr und mehr zur Regentin. So verzichtete die erbberechtige Kulmbacher Linie, die sogenannte Weferlinger Linie, unter seinem Einfluss gegen eine Entschädigung auf die Erbfolge in Franken. Das Land selbst war mit über einer Million Gulden hoch verschuldet, das Münzwesen verrottet, die Verwaltung korrumpiert, Straßen und Brücken heruntergekommen. Man sehnte sich nach dem Regierungsantritt von Georg Wilhelm. Inzwischen Reichsgeneralfeldmarschall geworden, erhielt Christian Ernst – auf Betreiben der Preußen – das Oberkommando für das Reichsheer am Rhein. 1707 ging der alte starrköpfige Markgraf mit 30.000 Mann gegen die Franzosen unter. Der überstürzte Rückzug kam zu spät. Die Schuld wurde allein ihm angelastet und er zog sich in seinem Stolz verletzt für den Rest seines Lebens bis zu seinem Tod am 10. Mai 1712 in sein geliebtes Erlangen zurück. „Ganz sanft und selig, ohne Ungebärde und einiges Zucken“ verstarb er in Anwesenheit der gesamten Familie in Erlangen und wurde später in der Fürstengruft in der Stadtkirche Bayreuth beigesetzt.

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

Markgraf Georg Friedrich Karl. Repro: Stephan MüllerMarkgraf Georg Friedrich Karl. Repro: Stephan Müller
Markgraf Christian Ernst von Bayreuth. Repro: Stephan MüllerMarkgraf Christian Ernst von Bayreuth. Repro: Stephan Müller
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