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Bayreuther Stadtteile

Die Gartenstadt Bayreuth am Fuße des Grünen Hügels

In Teil 31 der Serie widmet sich bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller der “Gartenstadt”.

Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen der Bayreuther Ortsteile? In Teil 31 der Serie widmet sich bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller der “Gartenstadt”. Dazu muss man aber erst einmal einen Blick nach Laineck werfen.

Die Gartenstadt Bayreuth

Am 2. August 1925 wurde der “Flughafen Bayreuth-Laineck” entlang der Bindlacher Allee mit einem Flugtag eingeweiht. Dort starteten und landeten große Propellermaschinen und auch Maschinen der bekannten JU52, wenn Reichskanzler Adolf Hitler die Bayreuther Festspiele besuchte. Zur fliegenden Bayreuther Prominenz gehörte auch der NS-Gauleiter und bayerische Kultusminister Hans Schemm, der am 5. März 1935 beim Start tödlich verunglückte.

Luftbild Gartenstadt. Foto: Archiv Bernd Mayer.

Die Hans-Schemm-Gartenstadt

Nicht zuletzt deshalb, weil “der schöne Hanni” bereits vor den Kriegsgreueln der Nationalsozialisten verstarb und bis zu seinem Tod in Bayreuth sehr beliebt und angesehen war, wurde er oft als “guter Nazi” verklärt. Unmittelbar nach seinem Tod wurden ein Münchner Gymnasium ihm benannt und der Hans-Schemm-Preis wurde die wichtigste Auszeichnung für nationalsozialistische Kinder- und Jugendbücher. In Bayreuth überbot man sich durch die Benennung des Hans-Schemm-Platzes (Luitpoldplatz), der Hans-Schemm-Kaserne (in der Ludwig-Thoma-Straße (die erst 1986 in Röhrenseekaserne umbenannt wurde!) und eines neuen Stadtteils: Der “Hans-Schemm-Gartenstadt”.

An der Gontardstraße entstanden ab 1936 Neubauten mit Walmdach. Foto: Archiv Bernd Mayer.

Häuser mit Walmdach

Die ersten Häuser des neuen Stadtteils, die übrigens zwingend mit Luftschutzkeller ausgestattet sein mussten, wurden im Herbst 1935 errichtet. Es entstanden einzelne zweistöckige Häuser mit einem einheitlich baulich vorgeschriebenen Walmdach, Garagen und großzügigen Gärten bis zu 900 Quadratmetern. Die Grundstücke wurden in diesen Jahren vornehmlich Parteifunktionäre oder zumindest an “loyale” Parteigenossen vergeben. Damals wie heute mussten die Bauherrn aber für die exklusive Lage unterhalb des Festspielhauses tief in die Tasche greifen. Der Preis für ein Haus mit Grundstück übertraf mit rund 20.000 Reichsmark die Baupreise in den anderen Siedlungen wie in Laineck, der Saas oder am Roten Hügel deutlich.

In der Luisenburg – dem ehemaligen Forsthaus – befindet sich seit einigen Jahren ein zweites Festspielrestaurant. Foto: Stephan Müller.

Villa für den Reichskanzler?

Neben den großzügigen Siedlungshäusern entstanden aber auch die ersten Villen unterhalb des Grünen Hügels. Fritz Wächtler, der Hans Schemm als Gauleiter folgte, bewohnte dort eine große Villa und Reichsminister Martin Bormann, Leiter der NSDAP-Reichskanzlei und einer der engsten Berater des Reichskanzlers, kaufte bereits 1935 ein stattliches Gebäude und direkt daneben ein Grundstück von fast 20.000 Quadratmetern. Bis heute wird vermutet, dass hier Bormann, der Hitlers Vermögen verwaltete, nur “Mittelsmann” war und er die Villa, in der später das Bergamt Bayreuth seinen Behördensitz hatte, als Bayreuther “Residenz” für den “Reichskanzler” vorgesehen war.

In der “Bormann-Villa”, die wohl für Adolf Hitler selbst erworben wurde, war viele Jahre das Bergamt Bayreuth untergebracht. Heute befindet sich ein Lehrstuhl der Universtität Bayreuth in dem stattlichen Gebäude. Foto: Stephan Müller.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die “Wächtler-Villa, die inzwischen einem Neubau gewichen ist, als amerikanisches Offizierskasino genutzt und über 40 Eigentümer in der Gartenstadt mussten ihre Häuser für amerikanische Offiziere und Soldaten räumen. Erst in den fünfziger Jahren durften die Bayreuther nach und nach in ihre Häuser zurückkehren.

Wolfgang Wagner zieht in die Gartenstadt

Im Jahr 1955 zog auch Festspielleiter Wolfgang Wagner unterhalb von der “Luisenburg” und dem Festspielhaus in die Gartenstadt. Die vierköpfige Familie “wohnte” von 1946 bis 1955 insgesamt neun Jahre im Gärtnerhaus neben dem Haus Wahnfried.

Die Villa Wagner. Foto: Archiv Bernd Mayer.

Nachdem das Gebäude heute als Café genutzt wird, kann sich jeder Gast ein Bild davon machen, wie beengt die Familie damals im ersten Stock gewohnt hat. Eva Wagner-Pasquier erzählte später, dass sie sich noch genau erinnern kann, wie ihre Eltern Wolfgang und Ellen und ihr Bruder im Gärtnerhaus untergebracht und die Wohnung eingerichtet war: “Ich habe Zither gelernt, weil kein Platz für ein Klavier war. Erst nach dem Umzug in das Wohnhaus in der Gartenstadt in unmittelbarer Nähe zum Festspielhaus gab es dann Blockflötenunterricht und Klavierstunden, wie sich das gehört!”, so Eva Wagner-Pasquier.

Die Immobilienpreise in der Gartenstadt liegen in Bayreuth auch heute noch an der Spitze. Unmittelbar vor der Umstellung von der D-Mark zum Euro wurde dort das erste Grundstück in Bayreuth mit über 1.000 Mark pro Quadratmeter angeboten.

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

Ein Festzug zieht an einem "Siebener"-Kasernengebäude in der Hartmannstraße (heute Ludwig-Thoma-Straße) vorbei. Im Hintergrund ist der Justizpalast zu erkennen. Foto: Archiv Bernd Mayer.Ein Festzug zieht an einem "Siebener"-Kasernengebäude in der Hartmannstraße (heute Ludwig-Thoma-Straße) vorbei. Im Hintergrund ist der Justizpalast zu erkennen. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Das Versorgungskrankenhaus heißt heute "Krankenhaus Hohe Warte". Foto: Archiv Elfriede MüllerDas Versorgungskrankenhaus heißt heute "Krankenhaus Hohe Warte". Foto: Archiv Elfriede Müller
Wenige Tage, nachdem in der deutschen Kolonie Kamerun die deutsche Fahne gehisst wurde, benannten Festspielmitwirkende das Forsthaus um: "Dort ka ma ruhn". Foto: Archiv Bernd Mayer.Wenige Tage, nachdem in der deutschen Kolonie Kamerun die deutsche Fahne gehisst wurde, benannten Festspielmitwirkende das Forsthaus um: "Dort ka ma ruhn". Foto: Archiv Bernd Mayer.
Die Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd MayerDie Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd Mayer
Ein beliebte Ausflugsgaststätte war das "Restaurant am Stuckberg". Foto: Archiv Ernst-Rüdiger Kettel.Ein beliebte Ausflugsgaststätte war das "Restaurant am Stuckberg". Foto: Archiv Ernst-Rüdiger Kettel.
Wagnerianer und Kenner des "Rheingold" wissen was gemeint ist: "Zur Burg führt die Brücke" heißt es im letzten Akt von Wagners "Rheingold". Auch hinter dem Hauptbahnhof führt eine Brücke zur Burg. Foto: Stephan Müller.Wagnerianer und Kenner des "Rheingold" wissen was gemeint ist: "Zur Burg führt die Brücke" heißt es im letzten Akt von Wagners "Rheingold". Auch hinter dem Hauptbahnhof führt eine Brücke zur Burg. Foto: Stephan Müller.
Das Gelände zwischen den Ortsteilen Meyernberg und Oberpreuschwitz hat den Flurnamen "Österreich", das "ein Gebiet nach Osten begrenzt". Der ungewöhnliche Blickwinkel auf die Reha-Klinik und das Neubaugebiet von Oberpreuschwitz wurde durch einen Hub-Kran auf dem Gelände des Stadtgartenamtes bei einem "Tag der offenen Tür" möglich. Foto: Stephan Müller.Das Gelände zwischen den Ortsteilen Meyernberg und Oberpreuschwitz hat den Flurnamen "Österreich", das "ein Gebiet nach Osten begrenzt". Der ungewöhnliche Blickwinkel auf die Reha-Klinik und das Neubaugebiet von Oberpreuschwitz wurde durch einen Hub-Kran auf dem Gelände des Stadtgartenamtes bei einem "Tag der offenen Tür" möglich. Foto: Stephan Müller.
Die Brauerei J. Friedel. Foto: Archiv Bernd Mayer Stiftung.Die Brauerei J. Friedel. Foto: Archiv Bernd Mayer Stiftung.
Bayreuths Stadtteil Moritzhöfen mit dem Wilhelm-Leuschner-Geburtshaus. Foto: Susanne MonzBayreuths Stadtteil Moritzhöfen mit dem Wilhelm-Leuschner-Geburtshaus. Foto: Susanne Monz
Blick auf das Festspielhaus im Jahr 1880. Im Vordergrund ist das alte Bahnhofsgebäude und das Bahnhofshotel zu sehen. Foto: Archiv Bernd Mayer.Blick auf das Festspielhaus im Jahr 1880. Im Vordergrund ist das alte Bahnhofsgebäude und das Bahnhofshotel zu sehen. Foto: Archiv Bernd Mayer.