Fedor Radmann: Zwischen Bestechungsskandal und Festspielhaus

Fedor Radmann kennen die meisten wohl als besten Freund von Franz Beckenbauer. Der Name Fedor Radmann ist allerdings auch untrennbar mit den Bayreuther Festspielen verbunden. Von 1963 bis 1978 bewirtete Radmann die Gäste im Bayreuther Festspielrestaurant. Hobby-Historiker Stephan Müller blickt zurück.


Franz Beckenbauer hat in seiner Fußball-Karriere alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Als Spieler wurde der “Kaiser” fünfmal Deutscher Meister, viermal DFB-Pokalsieger und viermal Europapokalsieger. Und er wurde als Spieler und Trainer zweimal Fußball-Weltmeister.

Fedor Radmann im WM-Organisationsteam

Zur “Lichtgestalt” wurde Beckenbauer, als es ihm als Chef des WM-Organisationskomitees auch noch gelang, dass Deutschland im Jahr 2006 die Weltmeisterschaft austragen durfte. Fast zehn Jahre hatte er dafür gearbeitet, dass Deutschland sein “Sommermärchen” bekam. Für die WM-Bewerbung holte Beckenbauer im Vorfeld mit Fedor Radmann, einen seiner engsten Vertrauten, als Organisationskomitee-Vizepräsident an seine Seite. Der Sportfunktionär war bereits im Organisationskomitee der Olympischen Spiele von München, war Kurdirektor im Berchtesgadener Land, arbeitete bei Adidas und organisierte 1993 die Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland.

Im Mittelpunkt der Medien: Die Sommermärchen-Affäre

Fast ein Jahrzehnt nach der WM 2006 trübte sich die Stimmung merklich ein. Am 16. Oktober 2015 räumte der Deutsche Fußball-Bund in einer Pressemitteilung Ungereimtheiten rund um eine Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband FIFA ein. Ein paar Wochen später führte die Staatsanwaltschaft beim DFB eine Steuer-Razzia durch und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erklärte seinen Rücktritt. Wenn es um die “Sommermärchen-Affäre” geht, standen in den Medien der französische Unternehmer Robert Louis-Dreyfus, Franz Beckenbauer und Fedor Radmann oft im Mittelpunkt.

Funkturm und Festspiele

Fedor Radmann ist allerdings auch mit den Bayreuther Festspielen fest verbunden. Der Vater des Sportfunktionärs trug den gleichen Namen und erlangte zunächst ab 1956 als erster Gastronom des Restaurants in der Höhe des Stuttgarter Fernsehturms überregionale Bekanntheit. Der schon damals fußballverrückte Sohn nutzte sicherlich die Gelegenheit aus 200 Metern Höhe die Heimspiele der Stuttgarter Kickers zu beobachten, die gleich neben dem Fernsehturm im Stadion an der Waldau bis heute ihre Heimspiele austragen.

Blick vom Restaurant im Stuttgarter Fernsehturm auf das Fußballfeld. Foto: Stephan Müller

Von 1963 bis 1978 übernahmen Fedor und Doris Radmann zusätzlich die Restauration im Bayreuther Festspielrestaurant. Sowohl im Fernsehturm als auch im Festspielhaus hatten die Radmanns je 100 Festangestellte.

So kam es, dass auf den Kärtchen für eine Tischreservierung und auf den Speisekarten viele Jahre lang gleichzeitig das Bayreuther Festspielhaus und der Stuttgarter Fernsehturm abgebildet waren. “Inhaber Fedor Radmann” und “unter gleicher Leitung”– das war darauf recht werbewirksam für beide gastronomischen Betriebe zu lesen.

Die Restaurant-Karte von 1966. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung

Den Zuschlag für den Fernsehturm erhielt Fedor Radmann, der vorher die Gastwirtschaft “Zum Bären” in Böblingen betrieben hatte, erstaunlich leicht. Es gab nämlich kaum Bewerbungen, weil keiner von der Stuttgarter Gastronomen in dieser Höhe arbeiten wollte. Überraschend ergab sich auch die Möglichkeit, das Bayreuther Festspielrestaurant zu übernehmen. Bei der Beerdigung des langjährigen Inhabers Hans Weigelschmidt wünschte sich dessen Witwe Friedo, dass Fedor und Doris Radmann ihre Nachfolger in Bayreuth werden sollten.

Anpacken in der Service-Brigade

Sowohl in Stuttgart, als auch in Bayreuth, musste natürlich – quasi von der Pike an – auch der junge Fedor Radmann “junior” ran. In Stuttgart fing er als Schüler mit einem “Bauchladen” an, als junger Erwachsener arbeitete er in Bayreuth viele Sommer in der “Servicebrigade” und musste auch schon mal als “Krisenmanager” ran: Als einmal die gesamte Belegschaft in den Ausstand trat, rekrutierte er in Windeseile neues Bedienungspersonal direkt aus dem Hörsaal der damals neu gegründeten Universität Bayreuth.

Von Queen Elisabeth II. und anderen prominenten Gästen

30. Juli 1965: Sonderempfang der Freunde Wieland, Begum, Graf Gravina, Theo Adam und Dirigent Otmar Suitner. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung

Er erlebte den Besuch von vielen prominenten Gästen in Bayreuth und den verschiedenen Lokalen im Fernsehturm mit. Im Jahr 1965 genoss zum Beispiel die Queen Elisabeth II. von England bei einem Gläschen “Kessler Hochgewächs” die Aussicht von dem 216,6 Meter hoher Fernseh- und Aussichtsturm, während in Bayreuth die “Miss Frankreich” Yvette Blanche Labrousse, die Begum Aga Khan, neben vielen berühmten Künstlern, Schauspielern, Solisten und Politikern viele Jahre Stammgast im Festspielrestaurant am Grünen Hügel war.

Blick von oben auf die Bühne

Von einem anderen Turm durften Fedor-Vater und Fedor-Sohn die Aufführungen im Bayreuther Festspielhaus beobachten. Fedor Radmann “senior” und Festspielleiter Wolfgang Wagner waren bestens befreundet, sodass sie immer gerne auf dem “Beleuchterturm” hoch über der Bühne willkommen waren. Umgekehrt konnten die Radmanns Wolfang Wagner kulinarisch beglücken, wenn sie ihm Köstlichkeiten aus der eigenen Konditorei bescherten oder er sich die Wurst aus der eigenen Metzgerei selbst aus dem Kühlschrank nehmen durfte.


Text: Stephan Müller

Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.


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