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Stadtbrand

Heute vor 400 Jahren brannte die ganze Stadt Bayreuth – das war geschehen

Zweimal mussten die Menschen in Bayreuth die zerstörerische Macht der Flammen erleben, zweimal wurde die Stadt durch eine verheerendes Feuer fast vollständig zerstört und zweimal brachten die Stadtbrände Not und Elend über die Familien.

„Furchtbar ist des Feuers Macht“ heißt es in Schillers „Glocke“. Der Tag, an dem Bayreuth erneut niedergebrannt war, war heute vor 400 Jahren, am 16. Juni 1621, zu lesen im „Verzeichnis derjenigen Einwohner und Bürger zu Bayreuth“, deren „Sambstags, den 16. Juny Ao. 1621“ gebrannt hatten. Und dies nur wenige Jahre nach dem ersten Stadtbrand am 21. März 1605: „Wie unbegreiflich sind Gottes Gerichte?“, schrieb Superintendent Hagen in seine Chronik, „der Tempel“ in damit meinte er die Stadtkirche, „kaum wiederaufgebaut, wurde abermals von der Glut verzehrt“.

Stadtbrand in Bayreuth

Nach dem Historienkalender brach das Feuer in der heutigen Maxstraße 73, im Haus des Bürgers Hans Georg Pirner, „Rotschopf“ genannt, in der Nähe des Spitals aus. Während die Bayreuther noch diesen Brand bekämpften, wurde bei Hans Köppel am Marktplatz (heute Maxstraße 34) in unmittelbarer Nähe des damaligen Rathauses ein zweiter Brand gemeldet. Durch die eng aneinander gebauten Häuser, die leicht entflammbare Baumaterialien und die völlig unzureichende Brandbekämpfung nahm das Feuer überhand. Irgendwann stand das eigene Leben im Vordergrund. Menschen mussten aus den Häusern gerettet werden.

So konnten die Nachbarn Margaretha Meußel, die sterbende, erst 40-jährige Witwe des Bäckers Heinrich Meußel, gerade noch vor dem Flammen retten. Sie starb wenig später unter freien Himmel im Garten der „verwitweten Frau Kastnerin Hedler“. „Und Sie“ steht im Sterberegister der Stadtkirche, „hat in ihrer großen Schwachheit und letzten Todesnöten, ihrer Behausung durch den schrecklichen Schaden beraubt, und im Garten der Witwe Hedler, Kastnerin, unter dem freien Himmel ihr Leben enden miissen».

Das Feuer hatte die ganze Stadt in Schutt und Asche gelegt. In Bayreuth lebten gut 3.000 Einwohner. Das offizielle städtische Verzeichnis von 1621 nennt insgesamt 197 brandgeschädigte Häuser. Nur das herrschaftliche Schloss, das Hospital, die Superintendentur und 18 Bürgerhäuser waren verschont geblieben. Zu den erhaltenen Häusern gehörte, wie durch ein Wunder, auch die im Jahr 1610 erbaute Mohrenapotheke.

In der Zeit der beiden Stadtbrände von 1605 und 1621 stand Bayreuth unter der Herrschaft von Markgraf Christian, eine Zeit, die den Bayreuthern viel Leid und Sorgen abverlangte. Eine schwere Pestepidemie (1602) und der 30-jährige Krieg von 1618 bis 1648 in dem die Stadt von Verwüstungen, Plünderungen und Geiselnahmen der kaiserlichen Truppen heimgesucht wurde, zogen die Bürger immer wieder schwer in Mitleidenschaft.

Steuernachlässe aus Christians Regierungszeit belegen die schwere Not des frühen 17. Jahrhunderts.

Bayreuther Stadtkirche vom Feuer zerstört

Der Funkenflug der brennenden Häuser hatte 1621 auch die beiden Turmhauben der Stadtkirche, die nach dem Brand von 1605 erst 1614 wieder eingeweiht wurde, ein zweites Mal in Brand gesteckt. Der Nordturm stürzte auf das Dach der Stadtkirche, im Innenraum wurde die Orgel und Gestühl zerstört.

Der architektonische Fehler, dass die Baumeister das neue Kirchendach nach dem Stadtbrand von 1621 auf die teils ausgeglühten Steine der Außenmauern aufgesetzt haben, kam der Kirchengemeinde 400 Jahre später sehr teuer. In den Jahrhunderten wurden die Mauern nach außen gedrückt, die Rippen der gotischen Gewölbe brachen und die tonnenschweren Lasten lagen nur noch auf wenige Zentimeter breiten Kanten auf.

Am 11. Mai 2006 fiel der erste Stein aus einem Gewölbe, einen Tag später wurde die massiv einsturzgefährdete Kirche geschlossen. Pfarrer Hans-Helmut Bayer sagte damals, dass es ein Wunder sei, dass sie überhaupt noch steht: „Die Statiker sagen, dass es mathematisch nicht zu erklären ist, dass das Dach noch nicht heruntergestützt ist.
Acht Jahre dauerte die Sanierung der Stadtkirche, bis sich Pfarrer Bayer bei der Wiedereinweihung im Dezember 2014 die Freudentränen aus den Augenwinkeln wischen konnte.

Die verheerenden Stadtbrände entstanden zumeist wegen der offenen Kamine und des damit verbundenen Funkenfluges. Die Dacheindeckungen aus Holzschindeln wurden schnell ein Raub der Flammen. Erst die auch in dieser Zeit schon lange bekannten (aber teuren) Dachziegel verhinderten bei Häuserbränden den schnellen Übergriff auf die Nachbargebäude. Die wurden in Bayreuth aber zu einem ganz anderen Zweck gegen die Holzschindeln ausgetauscht. Für die Hochzeit von Prinzessin Friederike wurden zumindest die Vorderseiten der Häuser mit Ziegeln eingedeckt: Markgraf Friedrich und seine Gemahlin Wilhelmine wollten bei ihrem Schwiegersohn Carl Eugen, Herzog von Württemberg, Eindruck schinden und Bayreuth als „reiche Stadt“ vorführen…

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

Grabstein der Stecknadelbraut. Foto: Stephan MüllerGrabstein der Stecknadelbraut. Foto: Stephan Müller
Beim Brand im Jahr 1621 wurde der Markt von der Beim Brand im Jahr 1621 wurde der Markt von der "Schmidgass", also der heutigen Kanzleistraße, bis zum Mühltürlein verwüstet. Diesem Brand fiel auch das erste Bayreuther Rathaus (zwischen der Mohrenapotheke und dem Kaufhaus Karstadt) zum Opfer. Foto: Archiv Bernd Mayer
Paul McCartney als Festspiel-Solist? Die Bayreuther glaubten es. Symbolbild: pixabayPaul McCartney als Festspiel-Solist? Die Bayreuther glaubten es. Symbolbild: pixabay
Manfred Kreitmeier mit Bundeskanzler Willy Brandt. Archivfoto: Stephan MüllerManfred Kreitmeier mit Bundeskanzler Willy Brandt. Archivfoto: Stephan Müller
Henrik Ohlmeyer. Archivfoto: Sportamt BayreuthHenrik Ohlmeyer. Archivfoto: Sportamt Bayreuth
Das Festkonzert zur Grundsteinlegung im Markgräflichen Opernhaus: „Wie ein Narr ist er in die Luft gesprungen, hat Lorbeerkränze in die Luft geschmissen, drei Taktstöcke zerschlagen und dann ein Stuhlbein herausgerissen und damit weiterdirigiert ...“ Foto: Archiv Bernd Mayer.Das Festkonzert zur Grundsteinlegung im Markgräflichen Opernhaus: „Wie ein Narr ist er in die Luft gesprungen, hat Lorbeerkränze in die Luft geschmissen, drei Taktstöcke zerschlagen und dann ein Stuhlbein herausgerissen und damit weiterdirigiert ...“ Foto: Archiv Bernd Mayer.
Die Stadt Bayreuth trauert um ihren ehemaligen Jugendpfleger, der Schwimmverein um seinen Ehrenvorsitzenden Helmut Künzel. Archiv: Stefan Müller.Die Stadt Bayreuth trauert um ihren ehemaligen Jugendpfleger, der Schwimmverein um seinen Ehrenvorsitzenden Helmut Künzel. Archiv: Stefan Müller.
September 1929: Gottfried Weimann bei einem Leichtathletik-Wettbewerb in Basel. Foto: Archiv Stephan Müller / Familie WeimannSeptember 1929: Gottfried Weimann bei einem Leichtathletik-Wettbewerb in Basel. Foto: Archiv Stephan Müller / Familie Weimann
Der Großstaffellauf der Bayreuther Vereine, an dem regelmäßig über 30 Mannschaften teilnahmen. Der Start war am Alten Schloss. Zehn Staffelläufer pro Verein mussten unter den Anfeuerungsrufen von vielen tausend Bayreuthern die Runde über den Markt, über die Sophienstraße, Friedrichstraße, Ludwigstraße und Sternplatz bewältigen. Im Hintergrund warten Jugendliche auf dem Fama-Brunnen auf den Knall der Startpistole. Foto: Archiv Erich Scholti.Der Großstaffellauf der Bayreuther Vereine, an dem regelmäßig über 30 Mannschaften teilnahmen. Der Start war am Alten Schloss. Zehn Staffelläufer pro Verein mussten unter den Anfeuerungsrufen von vielen tausend Bayreuthern die Runde über den Markt, über die Sophienstraße, Friedrichstraße, Ludwigstraße und Sternplatz bewältigen. Im Hintergrund warten Jugendliche auf dem Fama-Brunnen auf den Knall der Startpistole. Foto: Archiv Erich Scholti.
Die Polizeipyramide der Bayreuther Die Polizeipyramide der Bayreuther "Stadtpolizei" mit (von oben nach unten und von links nach rechts) bei der Veranstaltung "Bürger, Polizei, Streitkräfte" im Städtischen Stadion. Im Jahr 1972 wurde die Stadtpolizei "verstaatlicht". Die Bayreuther Polizisten Beamte des Freistaates Bayern. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Im Sommer 1997 organisierte der Festspielchor eine Ausflugsfahrt nach Eisenach. Im großen Saal der Wartburg bekam Chorleiter Norbert Balatsch nicht nur ein Im Sommer 1997 organisierte der Festspielchor eine Ausflugsfahrt nach Eisenach. Im großen Saal der Wartburg bekam Chorleiter Norbert Balatsch nicht nur ein "Ständchen" zu seinem 25-jährigen Bayreuth-Jubiläum sondern auch Geschenke von den Chorvorständen Richard Rost, Hartwig Adler und Petra Salzburger-Brehmer. Foto: Stephan Müller
Ludwig Frölich war von 1902 bis 1960 mit einer Unterbrechung in der Nachkriegszeit über einen Zeitraum von fast sechs Jahrzehnten Bayreuther Stadtrat. Das Foto zeigt Ludwig Frölich an seinem 90. Geburtstag im Bayreuther Rathaus. Es gratulieren Landtagsvizepräsident Georg Bantele (links) und dritter Bürgermeister Kurz Kowohl (mit Amtskette). Foto: Archiv Bernd Mayer.Ludwig Frölich war von 1902 bis 1960 mit einer Unterbrechung in der Nachkriegszeit über einen Zeitraum von fast sechs Jahrzehnten Bayreuther Stadtrat. Das Foto zeigt Ludwig Frölich an seinem 90. Geburtstag im Bayreuther Rathaus. Es gratulieren Landtagsvizepräsident Georg Bantele (links) und dritter Bürgermeister Kurz Kowohl (mit Amtskette). Foto: Archiv Bernd Mayer.
Vertrauter Blick zwischen Wolfgang Wagner und Eva Wagner-Pasquier. Foto: Stephan MüllerVertrauter Blick zwischen Wolfgang Wagner und Eva Wagner-Pasquier. Foto: Stephan Müller
Osterbrunnen sind eine fränkische Tradition. Foto: Stephan MüllerOsterbrunnen sind eine fränkische Tradition. Foto: Stephan Müller
Hans Walter Wild und Wolfgang Wagner.Hans Walter Wild und Wolfgang Wagner. Foto: Stephan Müller
Markgraf Christian Ernst, Namensgeber des Bayreuther Gymnasium Christian Ernestinum, kämpfte 1683 im Markgraf Christian Ernst, Namensgeber des Bayreuther Gymnasium Christian Ernestinum, kämpfte 1683 im "Türkenkrieg" vor Wien. Foto: Archiv Bernd Mayer
Antreten zum Schneeschippen im Jahrhundertwinter 1962/63. Nachdem ein Viertel der Bauhofmitarbeiter aufgrund ihres wochenlangen Einsatzes erkrankten, berief Oberbürgermeister Hans Walter Wild seine Beamten zum Schneeschippen. Foto: Archiv Bayreuther TagblattAntreten zum Schneeschippen im Jahrhundertwinter 1962/63. Nachdem ein Viertel der Bauhofmitarbeiter aufgrund ihres wochenlangen Einsatzes erkrankten, berief Oberbürgermeister Hans Walter Wild seine Beamten zum Schneeschippen. Foto: Archiv Bayreuther Tagblatt
Werdgegang der SpVgg Bayreuth: Hans-Walter-Wild-Stadion
St. Georgen mit Sophienberg,
Mark-Twain
Die Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd MayerDie Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd Mayer
Stempfermühle zur Sachsenmühle geht zu Fuß in etwa 30 Minuten. Der Wanderweg führt völlig eben am Ufer der Wiesent entlang. Mit Glück kommt sonntags die Museumsbahn vorbei.