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Expedition Region

Sanspareil im Frühling – Kleinod in der Fränkischen Schweiz

Im Norden der Fränkischen Schweiz gibt es einen magischen Ort, der so unwirklich erscheint, als sei er direkt aus Shakespeares Sommernachtstraum entsprungen: Die Rede ist von Sanspareil.

Was Sanspareil, in der Nähe von Wonsees, in der Fränkischen Schweiz so magisch macht, erfahrt ihr hier.

Sanspareil: Ein Ort, der seinesgleichen sucht

Sanspareil liegt im Norden der Fränkischen Schweiz im Dreieck zwischen Bayreuth, Kulmbach und Hollfeld. Der kleine Ort mit dem klangvollen Namen, der übersetzt so viel wie „ohnegleichen“ bedeutet, ist so einzigartig, dass man meinen könnte, er sei einem wunderschönen Traum entsprungen:

Vor der Kulisse einer mittelalterlichen Burg, umgeben von einem etwa 13 Hektar großen Buchenhain, erstreckt sich eine Rokoko-Landschaft aus Lustgärten, atemberaubenden Felsformationen, Skulpturen, Grotten und einem Felsentheater. Und das mitten im Naturpark Fränkische Schweiz!

Es ist der Sehnsuchtsort des Bayreuther Markgrafenpaares Friedrich und Wilhelmine, die sich hier inmitten der herrlichen Naturlandschaft, abseits des städtischen Trubels, einst einen Vergnügungsort für laue Sommertage schufen.

Heute gehört Sanspareil zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Region und eignet sich bestens für einen Tagesausflug ins Grüne. Wir haben uns an einem warmen Frühlingstag aufgemacht, dieses Kleinod unweit von Bayreuth zu besuchen.

So viel können wir euch schon verraten: Wir waren absolut hingerissen!

Sanspareil in der Fränkischen Schweiz. Foto: Alexandra Baier
Sanspareil in der Fränkischen Schweiz. Foto: Alexandra Baier

Tipp: Der klangvolle Name „Sanspareil“ [sɑ̃paˈʀɛj] stammt übrigens aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „ohnegleichen“. Im oberfränkischen Wonsees konnte sich die französische Intonation jedoch nie wirklich durchsetzen. Unter Einheimischen kennt man das markgräfliche Gartenparadies eher unter dem Namen „Sansbareil“.

Versteckt zwischen Felsen und Wäldern

Obwohl wir beide gebürtige Bayreuther sind, wussten wir lange Zeit nicht, dass sich hier ganz in der Nähe unserer Heimatstadt ein echtes Juwel befindet.

Kein Wunder, denn das beschauliche Sanspareil liegt gut versteckt in einem kleinen Waldgebiet, eingebettet in meterhohe Felsformationen, etwas abseits der Hauptstraßen.

Auch hatten wir lange Zeit unterschätzt, wie einzigartig und schön dieser Ort ist, schließlich haben wir auch in Bayreuth viele ähnliche Sehenswürdigkeiten, wie die Parkanlage der Eremitage mit ihren wunderschönen Barockbauten, dem Felsentheater und den Wasserspielen. So dachten wir zumindest.

Dass sich hier, umgeben von der malerischen Landschaft der Fränkischen Schweiz, jedoch etwas absolut Einzigartiges befindet, haben wir erst kürzlich bei einem Tagesausflug nach Sanspareil im Frühling erfahren.

Sanspareil in der Fränkischen Schweiz. Foto: Alexandra Baier
Sanspareil in der Fränkischen Schweiz. Foto: Alexandra Baier

So schön ist Sanspareil im Frühling

Das Besondere ans Sanspareil ist diese einzigartige Mischung aus Mittelalter-Romantik, barocker Gartenarchitektur und mystischen Felsformationen. Es ist fast so als, ob man hier durch mehrere Ebenen zurück in der Zeit reist.

Lediglich die Autos, die sich im Sekundentakt durch das kleine Dorf schieben, erinnern uns daran, dass wir tatsächlich im 21. Jh. sind. Außerdem ist an diesem Frühlingstag auch eine ganze Menge los. Die Idee mit einem Ausflug ins Grüne hatten offenbar auch andere.

Sanspareil in der Fränkischen Schweiz. Foto: Alexandra Baier

Stille Beobachterin: Die Burg Zwernitz

Unser erstes Ziel ist die Burg Zwernitz, die erhaben auf einem Dolomitfelsen liegt. Wie eine stille Beobachterin wacht sie über das Geschehen in dem sonst wohl eher beschaulichen Sanspareil, das an diesem Wochenende regelrechte Besuchermassen anzieht.

Die mittelalterliche Burganlage wurde erstmals im 12. Jh. urkundlich erwähnt und war ursprünglich im Besitz der Walpoten. Später wurde sie Amtssitz verschiedener Grafen aus der Region, die von hier aus ihre Angelegenheiten verwalteten.

Zu ihnen gehörte zuletzt das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine von Bayreuth, die die Burg Mitte des 18. Jh. in eine barocke Traumlandschaft integrierten. Ihrem neu entstandenen Gesamtkunstwerk gaben sie schließlich den Namen „Sanspareil“, den das oberfränkische Dorf auch heute noch trägt.

Heute sind die Burg Zwernitz sowie die umliegenden Gebäude im Besitz der Bayerischen Schlösserverwaltung und stehen Besuchern zur Besichtigung offen. In den Räumlichkeiten findet ihr u. a. eine Dauerausstellung über die höfische Jagd, die zur Zeit der Markgrafen ein wichtiges, repräsentatives Event darstellte.

Auch interessant: Durch die günstige Lage der Burg hoch oben auf dem Dolomitfelsen, war es den Bewohnern früher sogar möglich, mithilfe von Rauchzeichen mit der nahegelegenen Plassenburg in Kulmbach zu kommunizieren.

Tipp: Den besten Ausblick auf die Burg habt ihr übrigens von dem gegenüberliegenden Zschokkefelsen aus. Dort liegt auch das Pferdeparadies Sanspareil, das für Kinder diverse Aktivitäten anbietet wie Pony- oder Eselreiten, aber auch Spaziergänge oder Schnitzeljagden mit den Tieren. In dem kleinen Hofcafé werdet ihr außerdem mit Kaffee und Kuchen versorgt.

Das Herzstück von Sanspareil: Der Morgenländische Bau

Nach unserer Erkundungstour auf der Burg Zwernitz begeben wir uns wieder in den kleinen Rokoko-Garten von Sanspareil, dem Herzstück der Anlage. Hinter den geometrisch angeordneten Blumen und Buchshecken liegt auf einer kleinen Anhöhe der berühmte Morgenländische Bau, der im Stil einer orientalischen Kuppelmoschee konzipiert wurde.

Das barocke Gartenschlösschen diente dem Markrafenpaar seinerzeit als Sommerpalais. Wir können uns richtig gut vorstellen, wie hier in lauen Sommernächten einst rauschende Feste mit Tanz und Musik bis in die Nacht hinein gefeiert wurden.

Als die höfischen Gäste das kleine Paradies, das sich Markgräfin Wilhelmine hier erschaffen hatte, erstmals erblickten, sollen sie gerufen haben: „C’est sans pareil!“ (Das ist ohnegleichen!). Und das ist es wirklich.

Denn die weitläufige Parkanlage im Stil eines Englischen Landschaftsgartens, die sich rund um den orientalischen Kuppelbau erstreckt, schließt auch die ursprüngliche Felslandschaft und den Buchenhain mit ein. Nicht umsonst steht das gesamte Areal um Sanspareil heute unter Denkmalschutz.

Sanspareil in der Fränkischen Schweiz. Foto: Alexandra Baier

Kleine Pause auf der Sonnenterrasse des Schloßcafés

Direkt gegenüber des schmucken Gartenschlösschens gibt es auch ein kleines Café, das sich in dem ehemaligen Küchenbau befindet. Er ist das einzige Nebengebäude der Rokoko-Anlage, die ursprünglich aus insgesamt vier Bauten bestand, das auch heute noch erhalten ist.

Auf der kleinen Sonnenterrasse des Schloßcafés könnt ihr an warmen Tagen wie diesen bei Kaffee und Kuchen den Blick auf den Rokoko-Garten genießen und die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres einfangen.

Wir haben uns stattdessen Küchle und Eiskaffee to go gegönnt und beides mit auf unseren Spaziergang durch den Felsengarten genommen.

Sanspareil in der Fränkischen Schweiz. Foto: Alexandra Baier

Zwischen Mittelalter und Mystik: Der Felsengarten Sanspareil

Unser Weg durch den angrenzenden Felsengarten Sanspareil führt uns vorbei an riesigen Felsformationen mit kleinen Schlupfwinkeln, Treppen und Höhlen. Das Besondere daran: Markgräfin Wilhelmine ließ den Felsengarten einst nach dem literarischen Vorbild eines Romans gestalten, der zu ihrer Zeit ziemlich „en vogue“ war, nämlich „Die seltsamen Begebenheiten des Telemach“.

In dem Abenteuer- und Reiseroman des französischen Autors François de Fénelon begibt sich Telemach, der Sohn des griechischen Gottes Odysseus, auf die Suche nach seinem Vater. Nach einer abenteuerlichen Reise landet er schließlich auf der Insel Ogygia, der Heimat der Nymphe Kalypso, die sich untersterblich in Telemach verliebt.

Begeistert von dieser Liebesgeschichte, machte Wilhelmine es sich zum Ziel, den kleinen Buchenhain mit seinen Felsformationen in die sagenumwobene Insel der Kalypso verwandeln. Dafür ließ sie die Felsen aufwändig umgestalten mit Steintreppen, Höhlen und kleinen Aussichtsplattformen.

Seitdem tragen die Felsen verheißungsvolle Namen wie „Kalypsogrotte“, „Felsen der Liebe“, oder „Belvedere“ aber auch „Bärenhöhle“ oder „Hühnerloch“. Wirklich beeindruckend, wenn man bedenkt, zu welcher Zeit das alles entstanden ist, oder? Zumal Sanspareil ja nun wahrlich nicht das einzige Großprojekt der Bayreuther Markgräfin war.

Entlang der beschilderten Wege wandern wir so von Felsen zu Felsen. Dabei bleiben wir immer wieder bei den Schautafeln hängen, die uns mehr über die Geschichte der unzähligen Kunstwerke aus Stein verraten.

Sanspareil in der Fränkischen Schweiz. Foto: Alexandra Baier
Sanspareil in der Fränkischen Schweiz. Foto: Alexandra Baier

Das Ruinentheater und die Grotte der Kalypso

Schließlich gelangen wir zum letzten Highlight unseres Besuchs: Dem Felsentheater von Sanspareil. Das kleine Ruinentheater aus Bruchsteinen liegt so gut hinter einem riesigen Felsen, versteckt, dass wir es fast übersehen hätten. Deshalb staunen wir nicht schlecht, als wir uns plötzlich in der Grotte der Kalypso befinden, die gleichzeitig auch die Bühne des Naturtheaters darstellt.

Schon zu Wilhelmines Zeiten wurden hier Theaterstücke aufgeführt, ebenso wie in dem Felsentheater in der berühmten Eremitage in Bayreuth. Besonders jetzt, da es in das sanfte Licht der Nachmittagssonne getaucht ist, wirkt das Bruchsteintheater nahezu mystisch auf uns! Ein wirklich schöner Abschluss für unseren Ausflug.

Tipp: In dem wunderschönen Rokoko-Theater werden auch heute noch Theaterstücke der Studiobühne Bayreuth aufgeführt, die das einzigartige Ambiente des 18. Jh. wieder aufleben lassen. Alle Informationen hierzu sowie den Spielplan der Studiobühne Bayreuth findet ihr hier. Da der Zuschauerraum nur teilweise überdacht ist, solltet ihr euch neben einem Sitzkissen auf jeden Fall auch wetterfeste Kleidung mitnehmen!

Unser Fazit

Sanspareil ist das ideale Ausflugsziel in der Fränkischen Schweiz für einen warmen Frühlingstag. Besonders die einzigartige Mischung aus malerischer Felsenkulisse, Waldwegen, dem Rokoko-Garten und der mittelalterlichen Burg hat uns richtig gut gefallen. Wir freuen uns schon, wenn wir im Sommer hierher zurückkehren und uns erneut auf Entdeckungstour durch den Buchenhain begeben können!

Flo und Alex Baier. Foto: Privat

Alexandra & Florian Baier

Wir sind Alexandra und Florian von Tables & Fables. Auf unserem Food- and Travelblog nehmen wir euch mit zu den schönsten Orten in Deutschland und Europa und erkunden die kulturellen und kulinarischen Highlights der Region. In Expedition Region zeigen wir euch unsere Lieblingsplätze in Stadt und Land, schlemmen uns durch die Genussregion und verraten euch unsere Geheimtipps für kleine Auszeiten in Bayreuth und Umgebung.

Italienflair in der Fränkischen Schweiz: Das Schloss Fantaisie in Eckersdorf. Foto: Alexandra BaierItalienflair in der Italienflair in der Fränkischen Schweiz: Das Schloss Fantaisie in Eckersdorf. Foto: Alexandra Baier Schweiz: Das Schloss Fantaisie in Eckersdorf. Foto: Alex Baier