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So kamen Bayreuths Herzoghöhe und Herzogmühle zu ihrem Namen

Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen der Bayreuther Ortsteile? In Teil 18 der Serie widmet sich bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller der Herzoghöhe und der Herzogmühle.

Wie kommen die Herzoghöhe und die Herzogmühle zu ihrem Namen? Fest scheint zu stehen, dass sich die “Herzoghöhe” oder der Name der “Herzogmühle” nicht von einem ehemaligen Besitzer namens “Herzog” ableitet, sondern von dem Flurnamen “Herzog”, der einst ein großes Areal unterhalb des Roten Hügel bis hinunter ins Maintal bezeichnete. Er lebt in dem Straßennamen “Herzog”, der “Herzoghöhe”, dem “Herzogkeller”, der LVA-Klinik Herzoghöhe, die frühere Bahnhof-Haltestelle bei der “Laus” oder der Schule Herzoghöhe weiter.

Für Diskussionen unter den Historikern sorgte immer wieder, wie es zu dem Flurnamen “Herzog” kam. Die Aussage im Einwohnerbuch der Stadt Bayreuth von 1959, dass “Herzog” ein Flurname, benannt nach einem früheren Besitzer, ist, wollen die Fachleute nicht so recht glauben.

Wo kommt der Flurname Herzog her?

Im Jahr 1445 findet sich der “Herzoger-Brunnen” in der städtischen Chronik, der durch “die Auwiesen bis an den Rothen Main über den Steeg bei dem Mühlthürlein in die Stadt geführt”. Als Besitzer des Herzogbrunnes ist um das Jahr 1525 der Müller Heinz Herzog dokumentiert. Aber sollte der Flurname von so einem großen Areal wirklich von einer Müller-Familie kommen?

Es gibt aber auch die – allerdings ebenfalls sehr umstrittene Meinung, dass der Flurname auf die Zeit der “Herzöge von Andechs-Meranien, die Bayreuth im hohen Mittelalter regierten, zurückzuführen ist. Nicht umsonst sind in der “Herzoghöhe” die Andechsstraße, der Merianierring oder die Graf-Berthold-Straße (der Andechser Graf Berthold II. wurde Herzog in Meran) zu finden.

Die Herkunft des Flurnamens “Herzog” wird wohl nicht mehr endgültig zu klären sein.

Das Denkmal der “Kriegsbeschädigtensiedlung Herzoghöhe” aus dem Jahr 1919 war das Erstlingswerk von Architekt Hans Reissinger. Foto: Stephan Müller.

Die Herzogmühle

Eine interessante Vergangenheit hat die Herzogmühle: Rund 2.000 Menschen lebten nach dem Krieg Baracken und Behelfsräumen, die über die gesamte Stadt verteilt waren. Oberbürgermeister Hans Walter Wild nannte das “Barackenproblem” als die größte Herausforderung dieser Zeit.

So herrschte im Dezember 1959 große Freude in den Baracken am damaligen Flugplatzgelände bei Laineck: “Die Barackenbewohner aus Laineck zogen als erste Bewohner in die neuen Schlichtwohnungen an der Herzogmühle ein. Der Stadtrat Bayreuth beschloss 400 Wohnungen zu bauen” heißt es in der Chronik der Stadt Bayreuth. Im April 1961 meldet das Bayreuther Tagblatt, dass “nur 33 Tage nach Baubeginn auf den letzten beiden Verfügungswohnblocks an der Herzogmühle die bunten Bänder des Richtbaums flattern”.

Es entstand ein völlig neuer Stadtteil. Das Gelände an der Herzogmühle wurde vom Magistrat absichtlich gewählt, um durch die “Schlichtwohnungen” das Gesamtbild der Stadt nicht zu beinträchtigen.

Der historische Betrieb

Die Herzogmühle wurde erstmals im 1698 im Betrieb. Im Jahr 1859 brannte die alte Mühle vollständig ab und wurde sofort – wesentlich größer – wieder aufgebaut. In Betrieb war die Herzogmühle dann bis in das Jahre 1901. Der bis dahin tätige Müllermeister Michael Schmidt verkaufte das Anwesen der Stadt Bayreuth. Ab 1913 wurde der Main, der viele Jahre das Wasserrad der Mühle trieb, in sein neues, weiter nordöstliche Flußbett verlegt. Ein Jahr später verkaufte die Stadt einen Teil des Grundes an die BELG, die ein neues Elektrizitätswerk baute.

In diesem Jahr wurde auch der “Herzogbrunnen”, der 1749 noch in das “Verzeichnis derer im Baireuthischen Fürstenthum befindlichen Mineralischen Wassern” aufgenommen wurde, aufgelassen. Am 18. Mai 1914 gaben die Stadt Bayreuth und die über den Keller des “Herzog” angesiedelten Brauereien den Kampf gegen die fortschreitende Verschmutzung des Brunnes durch die Abwässer auf. Der Herzogbrunnen wurde beseitigt.

Die Herzogmühle wurde – bis auf ein Nebengebäude, das seit vielen Jahren von der Glaserei Sturm genutzt wird – im Jahr 1980 für die Aufschüttung zum Bau des Nordrings abgerissen.

Die Herzogmühle in den 70er Jahren. Das Gebäude wurde 1980 abgerissen. Foto: Archiv Bernd Mayer.

Die Siedlung wurde also einst für Flüchtlinge und Vertriebene errichtet. Bis zu 400 Menschen wohnten in Spitzenzeiten in den sogenannten Verfügungswohnungen. Viele hatten in der Herzogmühle einen festen Wohnsitz, es wurden aber auch Obdachlose und “Durchreisende” vom Sozialamt in den Wohnungen untergebracht.

Aus der “Herzogmühle” wird die “Untere Rotmainaue”

Das Ende der “Herzogmühle” war mit der großen Flüchtlingswelle im August 2014 gekommen. Zu dieser Zeit hoffte die damalige bayerische Sozialministerin Emila Müller auf die Unterstützung für den Bau einer Erstaufnahmereinrichtung für Asylbewerber. „Bayreuth ist sich seiner humanitären Verpflichtung in der gegenwärtig schwierigen Situation im Bereich der Erstaufnahme von Asylbewerbern bewusst und stellt sich den damit verbundenen Aufgaben”, hieß es aus dem Rathaus und stellte das Gelände in der Herzogmühle zur Verfügung.

Die Obdachlosenunterkunft wurde in ein Gebäude in der Cosima-Wagner-Straße verlegt, die Abrissarbeiten und Baumfällungen waren durchgeführt, ehe es auch in Zusammenhang mit dem zahlenmäßigen Rückgang der Flüchtlinge und den frei werdenden amerikanischen Kasernen in Bamberg zu einer neuen Entscheidung kam. Die Erstaufnahmereinrichtung für Asylbewerber in Bayreuth wurde nicht benötigt.

Die Stadt Bayreuth reagierte schnell. Auf dem nun freien Gelände errichtete die städtische Wohnbaugesellschaft Gewog mehrere Mehrfamilienhäusern ein gab dem Stadtteil ein ganz neues modernes Gesicht und mit der “Unteren Rotmainaue” einen neuen Namen. Der Ortsteil “Herzogmühle” lebt inzwischen nur noch in der städtischen Geschichte.

Der neue Stadtteil “Untere Rotmainaue”. Foto: Stephan Müller

Geschichten von der Herzogmühle

Johann Sebastian König (1741 – 1805) berichtet in seiner Stadtchronik von 1782 von mehreren Unfällen am “Herzogerbrunnen” und an der Herzogmühle.

So wurde Anfang April 1782 ein Soldat von Kulmbach festgenommen, weil der in einem Haus 24 Taler stahl. Er wurde “daher arretiert und geschlossen nach Kulmbach geführt. Da sie ihren Weg über die Au nahmen, sprang der Arrestant vom Steg beim Herzogbrunnen durch das auf der Brücke befindlich gewesene Loch hinab in den Main und ersoff. Obwohl man nun sogleich und lange Zeit nachher fort fleißig nach ihm gesucht, so konnte man ihn dennoch nicht finden, weil ihn vermutlich die Schwere der Ketten ganz auf den Boden gezogen hatte. Endlich am 17. April fand man ihn an einer Staude hängend, worauf er vom Fallmeister herausgezogen und hinter dem Gottesacker begraben wurde.”

König berichtet weiter: “Am 4. August 1782 badeten einige Kinder im Main bei der Herzogmühle. Ein Mädchen, des Michael Löw Töchterlein von 8 Jahren, wagte sich zu tief hinein und ertrank. Am 10. August darauf fiel ein Frau namens Schneider hinter dem Waschhaus auch in den Main und ertrank ebenfalls. Nicht lange darnach fiel wieder ein Weibsbild in diesen Fluss, wurde aber noch mit Not gerettet.”

Gregori-Fest und Mohrenwäscher-Legende

Er erzählt auch, dass “bis zum Jahre 1775 das Gregori-Fest – ein Vergnügen für Alt und Jung – gehalten” wurde. Die Kinder tanzten “auf dem freien, obgleich schmalen Platz vor den Felsenkellern zwischen dem Herzogerbrunnen und dem Traiteur Schmidtschen Hause.” Das Gregori-Fest ist ein besonderes Fest für die Schüler, das sich auch heute noch in einigen Orten der Markgrafschaft Kulmbach-Bayreuth erhalten hat.  Es geht zurück auf den Namenstag Papst Gregors I., und wurde am 12. März 830 erstmals mit einer Kinderprozession begangen.

An der Herzogmühle soll sich auch die “Mohrenwäscher-Legende” zugetragen haben.

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

Ein Festzug zieht an einem "Siebener"-Kasernengebäude in der Hartmannstraße (heute Ludwig-Thoma-Straße) vorbei. Im Hintergrund ist der Justizpalast zu erkennen. Foto: Archiv Bernd Mayer.Ein Festzug zieht an einem "Siebener"-Kasernengebäude in der Hartmannstraße (heute Ludwig-Thoma-Straße) vorbei. Im Hintergrund ist der Justizpalast zu erkennen. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Das Versorgungskrankenhaus heißt heute "Krankenhaus Hohe Warte". Foto: Archiv Elfriede MüllerDas Versorgungskrankenhaus heißt heute "Krankenhaus Hohe Warte". Foto: Archiv Elfriede Müller
Wenige Tage, nachdem in der deutschen Kolonie Kamerun die deutsche Fahne gehisst wurde, benannten Festspielmitwirkende das Forsthaus um: "Dort ka ma ruhn". Foto: Archiv Bernd Mayer.Wenige Tage, nachdem in der deutschen Kolonie Kamerun die deutsche Fahne gehisst wurde, benannten Festspielmitwirkende das Forsthaus um: "Dort ka ma ruhn". Foto: Archiv Bernd Mayer.
Die Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd MayerDie Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd Mayer
Ein beliebte Ausflugsgaststätte war das "Restaurant am Stuckberg". Foto: Archiv Ernst-Rüdiger Kettel.Ein beliebte Ausflugsgaststätte war das "Restaurant am Stuckberg". Foto: Archiv Ernst-Rüdiger Kettel.
Wagnerianer und Kenner des "Rheingold" wissen was gemeint ist: "Zur Burg führt die Brücke" heißt es im letzten Akt von Wagners "Rheingold". Auch hinter dem Hauptbahnhof führt eine Brücke zur Burg. Foto: Stephan Müller.Wagnerianer und Kenner des "Rheingold" wissen was gemeint ist: "Zur Burg führt die Brücke" heißt es im letzten Akt von Wagners "Rheingold". Auch hinter dem Hauptbahnhof führt eine Brücke zur Burg. Foto: Stephan Müller.
Das Gelände zwischen den Ortsteilen Meyernberg und Oberpreuschwitz hat den Flurnamen "Österreich", das "ein Gebiet nach Osten begrenzt". Der ungewöhnliche Blickwinkel auf die Reha-Klinik und das Neubaugebiet von Oberpreuschwitz wurde durch einen Hub-Kran auf dem Gelände des Stadtgartenamtes bei einem "Tag der offenen Tür" möglich. Foto: Stephan Müller.Das Gelände zwischen den Ortsteilen Meyernberg und Oberpreuschwitz hat den Flurnamen "Österreich", das "ein Gebiet nach Osten begrenzt". Der ungewöhnliche Blickwinkel auf die Reha-Klinik und das Neubaugebiet von Oberpreuschwitz wurde durch einen Hub-Kran auf dem Gelände des Stadtgartenamtes bei einem "Tag der offenen Tür" möglich. Foto: Stephan Müller.
Die Brauerei J. Friedel. Foto: Archiv Bernd Mayer Stiftung.Die Brauerei J. Friedel. Foto: Archiv Bernd Mayer Stiftung.
Bayreuths Stadtteil Moritzhöfen mit dem Wilhelm-Leuschner-Geburtshaus. Foto: Susanne MonzBayreuths Stadtteil Moritzhöfen mit dem Wilhelm-Leuschner-Geburtshaus. Foto: Susanne Monz
Blick auf das Festspielhaus im Jahr 1880. Im Vordergrund ist das alte Bahnhofsgebäude und das Bahnhofshotel zu sehen. Foto: Archiv Bernd Mayer.Blick auf das Festspielhaus im Jahr 1880. Im Vordergrund ist das alte Bahnhofsgebäude und das Bahnhofshotel zu sehen. Foto: Archiv Bernd Mayer.