Gessn werd dahaam

Swagman in Bayreuth: Ein Stück Australien im Industriegebiet

In Folge 20 ist Christoph Scholz zu Besuch beim Swagman im Bayreuther Industriegebiet.

„Gessn werd dahaam“ feiert heute zwanzig Folgen. Leserinnen und Leser der ersten Folgen werden sich vielleicht erinnern, dass diese Kolumne im März dieses Jahres mit der Idee startete, die berühmten Hot Dogs der US-amerikanischen Burgerkette Shake Shack mit Zutaten aus unserer Region zuzubereiten. Das klappte gut mit eigens für „Gessn werd dahaam“ gebackenen Kartoffelbrötchen aus der Bäckerei Lang, den Currywürsten aus dem Hause Parzen, dem kultigen „Löffelsenf“ von Siebenstern, den besten Gurken der Welt aus Kolb‘s Bauernladen und noch einigen weiteren Zutaten von hier.

All das können Sie in den alten Folgen, die Sie im Archiv am Ende dieses Artikels finden, nachlesen. Shake Shack, mittlerweile eine feste Größe unter den amerikanischen Schnellrestaurants, startete im Jahr 2001 als Imbisswagen im New Yorker Madison Square Park. Gründer Danny Meyer, ein erfolgreicher New Yorker Restaurateur, fragte einmal „Wer hat eigentlich die Regel aufgestellt, dass Fast Food kein großartiges Essen sein kann?“

Warum Fastfood nicht gleich Fastfood ist

Zehn Jahre später, 2011, stellten sich die Bayreuther Unternehmer Peter Appel und Andrea Übelhack, beruflich wie privat Partner, dieselbe Frage. Die Antwort lautete: Swagman. Das Wetter ist in dieser Vorweihnachtswoche überraschend mild und trocken und die Alte Lady, unser Mercedes-Oldtimer, flüstert mir aus der Garage zu, dass sie nochmal raus will – wegen des milden Wetters und weil sie in der letzten Folge von „Gessn werd dahaam“ nochmal dabei sein möchte.

Zwar hatte ich die Alte Lady schon winterfest eingemottet, vollgetankt (verhindert Rostbildung im Tank) und den Reifendruck auf 3,5 bar erhöht, aber ich lasse mir das nicht zweimal sagen, lasse ein wenig Luft aus den Reifen, starte den Motor und ab geht‘s in die Riedinger Straße 11.

Swagman Roadhouse in Bayreuth. Foto: Christoph Scholz

Dort stehen zwei ineinandergeschachtelte Seecontainer, in die eine riesige Fensterfront eingelassen wurde, aus der ein heimeliges warmes Licht und Fetzen von José Felicianos „Feliz Navidad“ in den lauen Abend dringen, hier, wo auch unser schönes Bayreuth ziemlich trist und ziemlich gewerbig ist.

“Pulled Ente” zur Weihnachtszeit

Peter Appel steht hinter der Theke seines Swagman Roadhouse, Gäste sitzen plaudernd an den Tischen, nuckeln an ihren „Fritz“-Kolas und den jetzt angesagten langhalsigen „Huppendorfer Vollbier“-Flaschen, junge To-Go-Leute, vermutlich Studenten, bestellen das „Swagman Spezial“ zum Mitnehmen. Die flinken, freundlichen Swagmänner- und Frauen hinter der Theke füllen aus zwei geheimnisvollen Apparaturen Kartoffelstampf in Emailleschüsseln, geben, je nach Wunsch des Gastes, verschiedene Ofengemüse und butterweich geschmortes, gabelfertiges Schweine- oder Putenfleisch dazu. Knusprig geröstete Weißbrotstücke, leckere Saucen und Dips runden das Ganze ab. Jetzt in der Vorweihnachtszeit ist „Pulled Ente“ der Renner.

Zartes Fleisch und Kartoffelstampf. Dafür ist das Roadhouse berühmt. Foto: Christoph Scholz

Essens-Entertainer

Ich frage Peter Appel, wie seine Berufsbezeichnung lautet. „Ich bin ein Essensentertainer“, antwortet er schmunzelnd. Wie man „Essensentertainer“ wird, will ich wissen. Nach Jahren als Textilunternehmer machten Andrea Übelhack und Peter Appel ein Vierteljahr Kreativpause und zogen durch Australien. Dort hörten sie von den „Swagmen“, australischen Wanderarbeitern aus alten Zeiten, die von Ort zu Ort zogen und ihr Bettzeug und ihr Hab und Gut in Rollen bei sich trugen, wie man es manchmal auf Bildern von Cowboys sieht. „Bedroll“ heißt es im Englischen, oder eben „Swag“, das Bündel.

Appel ist ein Marketingmann mit Gespür für gut klingende Namen, Logos und Interieurs, und das merkt man in seinem Roadhouse, wo man richtig nett abhängen kann. Meine Frau und ich haben dort schon mal ein  Teenagergeburtstagsabendessen für unseren ältesten Sohn ausrichten lassen, wodurch wir in seinem Freundeskreis nun als extrem coole Eltern gelten.

Peter Appel, Besitzer des Roadhouses Swagman in Bayreuth. Foto: Christoph Scholz

Roadhouse und Trucks

Zurück aus Australien starten Appel und Übelhack eine Bayreuther Erfolgsgeschichte. Jetzt versorgen in der Mittagszeit mit zwei Foodtrucks hungrige Bayreutherinnen und Bayreuther (Stellplätze und Standzeiten finden Sie auf der Homepage des Swagman und auf der Facebook-Seite Swagman), das „Rasthaus“ hat montags bis freitags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Sie sollten den unglaublich cremigen Kartoffelstampf (das Rezept will Peter Appel mir nicht verraten) mit all den leckeren Dreingaben selbst kosten.

Neben dem Roadhouse in der Riedinger Straße ist Swagman auch mit Trucks unterwegs. Foto: Christoph Scholz

Machen Sie doch einmal Mittagspause an einem der Trucks oder gehen Sie ins Roadhouse, wo es in den frühen Abendstunden am Nettesten, weil nicht so voll, ist. Ich will Ihnen noch ein Geheimnis verraten: Kartoffelstampf hin, Burger her, die heimlichen Stars bei den Swagmännern sind die Desserts. Meine Frau, unser ältester Sohn und unser Hund Lou sind am Tag nach dem Interview gleich nochmal ins Roadhouse gefahren, so unverschämt lecker ist zum Beispiel der kleine Erdnussbutter-Käsekuchen im Glas, der „Peanutbutter Cup“, den es zurzeit gibt.

Frohe Weihnachten an alle

Während unser agavengrüner Mercedes 250 aus der legendären Baureihe W 123 gemütlich heimtuckert, denke ich über die Zeit „zwischen den Jahren“ nach, meine Lieblingszeit im ganzen Jahr. Was machen Sie an den Weihnachtstagen? Wir pilgern in Familie ins Kino, um den neuen „Star Wars“-Film zu bewundern. Beim „Krieg der Sterne“ gibt es auch schon circa zwanzig Folgen – und immer eine Fortsetzung! Wenn Sie verstehen, was ich meine. Und es sind ja auch noch ein paar Fragen offen, zum Beispiel, ob sich „daheim“ nun „dahaam“ oder „dahamm“ schreibt.

Ihnen, liebe Leserin, und Ihnen, lieber Leser, und allen Interviewpartnerinnen und -partnern dieser
zwanzig Geschichten über gutes Essen und Trinken, über Land und Leute, wünsche ich Frohe
Weihnachten und rufe Ihnen ein herzliches „Prosit Neujahr“ zu!

Christoph Scholz

Christoph Scholz

Christoph Scholz ist 45 Jahre alt und Familienvater. Sein Geld verdient er als Projektleiter bei Semmel Concerts. Privat beschäftigt er sich gerne mit den Themen Essen, Trinken, Kochen, Gastronomie und Hotellerie.

Rapsody of Spices in Kulmbach wird von den Azubis der Firma Raps geführt. Hier im Bild: Natalie Hofmann (links) und Maria Limmer (rechts). Foto: Christoph ScholzRapsody of Spices in Kulmbach wird von den Azubis der Firma Raps geführt. Hier im Bild: Natalie Hofmann (links) und Maria Limmer (rechts). Foto: Christoph Scholz
Christoph Scholz vor dem Meinel Bräu mit den Schwestern Gisi Meinel-Hansen (Mitte) und Moni Meinel-Hansen (Rechts). Foto: PrivatChristoph Scholz vor dem Meinel Bräu mit den Schwestern Gisi Meinel-Hansen (Mitte) und Moni Meinel-Hansen (Rechts). Foto: Privat
Swagman im Industriegebiet. Foto: Christoph Scholz
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