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Historisch

Zum 175. Geburtstag – König Ludwig II. und Bayreuth

Zum 175. Geburtstag von König Ludwig II. blickt Stephan Müller zurück auf die Verbindung des Königs zu Richard Wagner und Bayreuth. 

Zu Ehren des 175. Geburtstages von König Ludwig blickt bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller zurück auf Ludwigs erste Besuche in Bayreuth und die Verbindung des Königs zu Richard Wagner.

Zum 175. Geburtstag: König Ludwig und seine Besuche in Bayreuth

Am 25. August 1845 freuen sich Kronprinz Max und Prinzessin Marie am Geburtstag von König Ludwig I. über die Geburt ihres ersten Sohnes. Sie nennen ihn Ludwig.

Übrigens: Sophie Charlotte von Brandenburg-Bayreuth, Schwester des Bayreuther Markgrafen Friedrich (der die preußische Prinzessin Wilhelmine geheiratet hat) ist die Ur-Ur-Urgroßmutter von Ludwig II.

Am 25. August 1847 erhob der König seine Mätresse Lola Montez zur Gräfin von Landsfeld und sorgte damit für Unmut bei den Behörden und Tumulten in der Bevölkerung. Am Ende gab der König dem Druck der Öffentlichkeit nach und dankte am 20. März 1848 zugunsten seines Sohnes, Maximilian II., ab.

Übrigens: Auch Franz Liszt hatte am 29. Februar 1844, also vier Jahre vor der Abdankung des bayerischen Königs, eine Liebschaft mit der Lola Montez. Pikant ist, dass sich der Pianist dieser Affäre offensichtlich nur mit Mühe wieder entziehen konnte. Man erzählte sich, dass Liszt die rassige Tänzerin im Hotelzimmer eingesperrt haben soll. Zumindest sprach sich herum, dass der Portier die Anweisung bekam “die Tobende” erst zwölf Stunden nach seiner Abfahrt freizulassen. Dafür hinterlegt er vorsorglich einen ansehnlichen Betrag für das vermutlich demnächst zertrümmerte Mobiliar.

Ludwigs erster Besuch in Bayreuth

Ab 17. Juni 1851 besucht die königliche Familie für mehrere Wochen Bayreuth. König Maximilian II., Königin Marie und die beiden Prinzen Ludwig und Otto trafen abends um 8 ¼ in Bayreuth an und verblieben bis 9. Juli “auf der Eremitage”.

Hintergrund: Während ihres Aufenthaltes wurden zahlreiche Ausflüge (Sanspareil, Fränkische Schweiz, Hummelgau, Luisenburg, Plassenburg) gemacht. Am 9. Juli 1851 besuchte er das königliche Bergamt in Brandholz. In Bayreuth wechselte Fest mit Fest ab. Illuminationen mit Volksfest, Fackelzug mit Serenade. Auf der Bürgerreuth fand ein großes Volksfest statt, zu welchem die Bevölkerung weit herbeigeströmt war.

Am 28. Februar 1858 wird in München zum ersten Mal Wagners Oper “Lohengrin” aufgeführt. Der Kronprinz wollte dieser Aufführung unbedingt beiwohnen, sein Vater schlägt ihm diese Bitte ab.

Vom 29. Juni bis 2. Juli 1860 besuchen Max II. und seine Gemahlin Maria ohne ihre Prinzen Bayreuth, um die 50-jährige Zugehörigkeit der Stadt zu Bayern zu würdigen. Im Ehrenhof des Alten Schlosses (heute Finanzamt) wird ein Denkmal von Maximilian II. aus der Werkstatt von Ferdinand von Miller enthüllt. Am 30. Juni 1860 wird im Markgräflichen Opernhaus, 16 Jahre vor den ersten Wagner-Festspielen – für das Königspaar die Oper “Tannhäuser” aufgeführt. Kronprinz Ludwig sah in München am 2. Februar 1861 zum ersten Mal eine Wagner-Oper: Den „Lohengrin”.

König Max II. mit Marie und Prinzen 1860. Foto: Joseph Albert

Ludwig wird König

Am 10. März 1864 stirbt Maximilian II., sein Sohn Ludwig wird im Alter von 18 Jahren bayerischer König. Wenige Tage später schickt Ludwig II. den königlichen Kabinettssekretär Hofrat von Pfistermeister nach Wien, um Richard Wagner zu suchen. Am 2. Mai 1864 macht Pfistermeister Wagner im Eckert’schen Haus in Stuttgart ausfindig. Der hochverschuldete Musiker lässt sich aber verleugnen, weil er Gläubiger befürchtet.

Am 3. Mai 1864 empfängt er Pfistermeister, der ein Porträt des Königs, einen Ring und einen Brief Ludwigs II übergibt. Schon am 4. Mai 1864 findet in München die erste Begegnung Wagners mit dem jungen König statt. Wagner wird Hofkapellmeister, macht sich aber durch seine Verschwendungssucht und seine Versuche, über den arglosen König Einfluss auf das Musikleben und die Politik nehmen, bei der Bevölkerung unbeliebt. Am 10. Dezember 1865 muss er München verlassen und zieht am 5. April 1866 in das Haus Tribschen am im Vierwaldstätter See bei Luzern um.

Der König tanzt in Bayreuth

Nach dem Krieg gegen die Preußen besuchte König Ludwig II. am 11. November 1866 Bayreuth. Zu Ehren des Königs veranstaltete die Bürgerressource im Örtel’schen Gut in der Dürschnitz (an der heutigen Wieland-Wagner-Straße 1 – 3) einen Ball, auf dem der „Kini“ völlig unerwartet erschien: „Eines der denkwürdigsten Ereignisse in unserer Vereinsgeschichte“ schrieb ein Chronist. „Seine Majestät unterhielt sich leutselig mit den Mitgliedern, insbesondere mit mehreren jungen Bürgermädchen, und nahm bis nach Mitternacht rege am Tanz teil“.

Die Wagners entdecken Bayreuth

Am 5. März 1870 lesen Richard und Cosima im Conversations-Lexikon die Zeilen über das bekannte Markgräfliche Opernhaus im Herzen Bayreuths. Er erwägt, im Theater der Markgräfin Wilhelmine den “Ring des Nibelungen” aufzuführen.

Wagner macht auf dem Weg nach Berlin einen Zwischenstopp im Hotel “Sonne” in Bayreuth, um sich vom 17 bis 20. April 1871 umzusehen. Er fand das Barocktheater aufgrund der archaischen Bühnentechnik, des viel zu kleinen Orchestergrabens und der barocken Logenanordnung für seine Zwecke ungeeignet. Jedoch fand sich Bayreuth im von Ludwig II. regierten Bayern und ziemlich genau in Deutschlands Mitte.

Hintergrund: Wagner konnte Bayreuths Bürgermeister Muncker und den Bankier Feustel von seiner Idee überzeugen, ein völlig neues “Wagner-Theater” zu errichten. Der Magistrat war an dem Festspiel-Projekt sehr interessiert. Zu lange dauerte bereits der Dornröschenschlaf nach der prunkvollen Zeit als Residenzstadt. Cosima notiert in ihr Tagebuch: “Die Bayreuther Bevölkerung ist in vollem Aufruhr über sein Hiersein”.

Richard Wagner 1864. Foto: Joseph Albert

Wagner zieht nach Bayreuth

Am 22. April 1872 verlässt die Familie Wagner Tribschen in Richtung Bayreuth. Im Jahr 1876 finden ab 13. August die ersten Bayreuther Festspiele statt. Von 6. bis 10 August 1876 sieht König Ludwig II. die Generalproben der vier “Ring”-Werke.

Hintergrund: Der menschenscheue bayerische König erreicht am 6. August 1876 in einem Sonderzug Bayreuth. Ludwig II. lässt den Zug in der Nähe der Rollwenzelei auf offener Strecke halten. Dort wird er von Wagner empfangen und nächtigt in der nahegelegenen Eremitage.

Ludwig II. weilt vom 26. bis 31. August 1876 in Bayreuth und sieht den letzten Zyklus des “Ring des Nibelungen”. Er besteht darauf, dass “nicht die geringste Ovation” stattfindet! Sonst käme er auf gar keinen Fall.”

Zum letzten Mal begegneten sich Ludwig und Wagner am 12. November 1880 in München. Wagner dirigierte zweimal das Vorspiel zum „Parsifal“, dessen Uraufführung Ludwig zwei Jahre später in Bayreuth fernblieb. Richard Wagner stirbt am 13. Februar 1883 in Venedig. Am 12. Juni 1886 wird Ludwig, der vier Tage vorher für “geisteskrank” erklärt wird, in das Schloss Berg am Starnberger See gebracht. Dort stirbt er am 13. Juni 1886 zusammen mit dem Arzt Dr. von Gudden.

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

Die Stadt Bayreuth trauert um ihren ehemaligen Jugendpfleger, der Schwimmverein um seinen Ehrenvorsitzenden Helmut Künzel. Archiv: Stefan Müller.Die Stadt Bayreuth trauert um ihren ehemaligen Jugendpfleger, der Schwimmverein um seinen Ehrenvorsitzenden Helmut Künzel. Archiv: Stefan Müller.
September 1929: Gottfried Weimann bei einem Leichtathletik-Wettbewerb in Basel. Foto: Archiv Stephan Müller / Familie WeimannSeptember 1929: Gottfried Weimann bei einem Leichtathletik-Wettbewerb in Basel. Foto: Archiv Stephan Müller / Familie Weimann
Der Großstaffellauf der Bayreuther Vereine, an dem regelmäßig über 30 Mannschaften teilnahmen. Der Start war am Alten Schloss. Zehn Staffelläufer pro Verein mussten unter den Anfeuerungsrufen von vielen tausend Bayreuthern die Runde über den Markt, über die Sophienstraße, Friedrichstraße, Ludwigstraße und Sternplatz bewältigen. Im Hintergrund warten Jugendliche auf dem Fama-Brunnen auf den Knall der Startpistole. Foto: Archiv Erich Scholti.Der Großstaffellauf der Bayreuther Vereine, an dem regelmäßig über 30 Mannschaften teilnahmen. Der Start war am Alten Schloss. Zehn Staffelläufer pro Verein mussten unter den Anfeuerungsrufen von vielen tausend Bayreuthern die Runde über den Markt, über die Sophienstraße, Friedrichstraße, Ludwigstraße und Sternplatz bewältigen. Im Hintergrund warten Jugendliche auf dem Fama-Brunnen auf den Knall der Startpistole. Foto: Archiv Erich Scholti.
Die Polizeipyramide der Bayreuther "Stadtpolizei" mit (von oben nach unten und von links nach rechts) bei der Veranstaltung "Bürger, Polizei, Streitkräfte" im Städtischen Stadion. Im Jahr 1972 wurde die Stadtpolizei "verstaatlicht". Die Bayreuther Polizisten Beamte des Freistaates Bayern. Foto: Archiv Bernd Mayer.Die Polizeipyramide der Bayreuther "Stadtpolizei" mit (von oben nach unten und von links nach rechts) bei der Veranstaltung "Bürger, Polizei, Streitkräfte" im Städtischen Stadion. Im Jahr 1972 wurde die Stadtpolizei "verstaatlicht". Die Bayreuther Polizisten Beamte des Freistaates Bayern. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Der Judokämpfer Walter Rieß vom Post-SV Bayreuth war deutscher Meister der Jahre 1981, 1984 und 1985. Foto: Stephan MüllerDer Judokämpfer Walter Rieß vom Post-SV Bayreuth war deutscher Meister der Jahre 1981, 1984 und 1985. Foto: Stephan Müller
Im Sommer 1997 organisierte der Festspielchor eine Ausflugsfahrt nach Eisenach. Im großen Saal der Wartburg bekam Chorleiter Norbert Balatsch nicht nur ein "Ständchen" zu seinem 25-jährigen Bayreuth-Jubiläum sondern auch Geschenke von den Chorvorständen Richard Rost, Hartwig Adler und Petra Salzburger-Brehmer. Foto: Stephan MüllerIm Sommer 1997 organisierte der Festspielchor eine Ausflugsfahrt nach Eisenach. Im großen Saal der Wartburg bekam Chorleiter Norbert Balatsch nicht nur ein "Ständchen" zu seinem 25-jährigen Bayreuth-Jubiläum sondern auch Geschenke von den Chorvorständen Richard Rost, Hartwig Adler und Petra Salzburger-Brehmer. Foto: Stephan Müller
Ludwig Frölich war von 1902 bis 1960 mit einer Unterbrechung in der Nachkriegszeit über einen Zeitraum von fast sechs Jahrzehnten Bayreuther Stadtrat. Das Foto zeigt Ludwig Frölich an seinem 90. Geburtstag im Bayreuther Rathaus. Es gratulieren Landtagsvizepräsident Georg Bantele (links) und dritter Bürgermeister Kurz Kowohl (mit Amtskette). Foto: Archiv Bernd Mayer.Ludwig Frölich war von 1902 bis 1960 mit einer Unterbrechung in der Nachkriegszeit über einen Zeitraum von fast sechs Jahrzehnten Bayreuther Stadtrat. Das Foto zeigt Ludwig Frölich an seinem 90. Geburtstag im Bayreuther Rathaus. Es gratulieren Landtagsvizepräsident Georg Bantele (links) und dritter Bürgermeister Kurz Kowohl (mit Amtskette). Foto: Archiv Bernd Mayer.
Vertrauter Blick zwischen Wolfgang Wagner und Eva Wagner-Pasquier. Foto: Stephan MüllerVertrauter Blick zwischen Wolfgang Wagner und Eva Wagner-Pasquier. Foto: Stephan Müller
Osterbrunnen sind eine fränkische Tradition. Foto: Stephan MüllerOsterbrunnen sind eine fränkische Tradition. Foto: Stephan Müller
Hans Walter Wild und Wolfgang Wagner.Hans Walter Wild und Wolfgang Wagner. Foto: Stephan Müller
Markgraf Christian Ernst, Namensgeber des Bayreuther Gymnasium Christian Ernestinum, kämpfte 1683 im "Türkenkrieg" vor Wien. Foto: Archiv Bernd MayerMarkgraf Christian Ernst, Namensgeber des Bayreuther Gymnasium Christian Ernestinum, kämpfte 1683 im "Türkenkrieg" vor Wien. Foto: Archiv Bernd Mayer
Werdgegang der SpVgg Bayreuth: Hans-Walter-Wild-Stadion
2006: In der Inszenierung von Tankred Dorst wurden wieder Kinder benötigt. Foto: Stephan Müller2006: In der Inszenierung von Tankred Dorst wurden wieder Kinder benötigt. Foto: Stephan Müller
St. Georgen mit Sophienberg,
Mark-Twain
Die Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd MayerDie Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd Mayer
Stempfermühle zur Sachsenmühle geht zu Fuß in etwa 30 Minuten. Der Wanderweg führt völlig eben am Ufer der Wiesent entlang. Mit Glück kommt sonntags die Museumsbahn vorbei.