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Als die Pizza nach Würzburg kam – Mut, Familie und italienische Seele
Heute gehört Pizza zum kulinarischen Alltag. Sie ist schnell bestellt, überall verfügbar, scheinbar selbstverständlich. Und doch gab es ein Deutschland, das dieses Gericht nicht kannte: keine Steinöfen, keine knusprigen Ränder, kein Duft nach Tomate, der an Süden erinnert. In Würzburg begann 1952 eine Geschichte, die bis heute nachwirkt – und deren lebendiger Nachhall im Traditionsrestaurant Bei Peppino zu spüren ist.
1952: Capri / Blaue Grotte – der Anfang einer neuen Esskultur
Der Ursprung führt ins Jahr 1952, als Nicolino Di Camillo in Würzburg die erste Pizzeria Deutschlands eröffnete: das Capri, später auch als Blaue Grotte bekannt. Für viele war Pizza damals ein Rätsel. Man fragte sich, was da auf den Tellern lag – und ob es nicht eher ein „Pfannkuchen“ sei. Die ersten, die den Geschmack einordnen konnten, waren häufig amerikanische Soldaten. Die Würzburger kamen langsam näher: neugierig, vorsichtig, dann überzeugt. Es war nicht nur ein neues Gericht. Es war ein Stück Italien auf fränkischem Boden – ein kultureller Austausch, der am Esstisch begann.
Vom Angestellten zum Gastgeber: Giuseppe wird „Peppino“
Mitten in dieser frühen Pionierzeit stand Giuseppe Di Camillo, Nicolinos Bruder. Zunächst als Angestellter, später – wie zeitgenössische Berichte belegen – als Pächter des Restaurants. Die Würzburger selbst gaben ihm jenen Namen, der bis heute nachklingt: „Peppino“. Ein Spitzname, der nach Nähe klingt. Nach Vertrautheit. Und genau daraus entstand später auch die Idee hinter dem Restaurantnamen: nicht das übliche „Da Peppino“, sondern bewusst „Bei Peppino“ – als Einladung, nicht nur Gast zu sein, sondern ein Stück weit dazuzugehören.
1982: „Bei Peppino“ – ein eigenes Haus, eine gemeinsame Handschrift
1982 folgte der nächste große Schritt: Peppino eröffnete gemeinsam mit seiner Frau Vera sein eigenes Restaurant. Was hier entstand, war mehr als ein neuer Betrieb. Es war die Verdichtung einer Haltung: italienische Gastfreundschaft nicht als Serviceformel, sondern als Lebensphilosophie. Essen als Begegnung. Als Ritual. Als Ausdruck von Wärme.
Und es ist auch ein kulinarisches Versprechen, das gehalten wurde: Viele Klassiker aus den frühen Jahren leben weiter. Cannelloni al Forno gehören dazu – ebenso Pizzen, die längst Legendenstatus haben: Pizza Carpentiere und Pizza de Luxe stehen nach 74 Jahren noch immer auf der Karte. Nicht als Nostalgie, sondern als Beweis, dass gute Rezepturen keine Trends brauchen.
Nachfolger statt Kopie: Was vom Capri geblieben ist
Das Capri / die Blaue Grotte ist heute seit vielen Jahren nicht mehr im Familienbesitz; das Objekt wurde verkauft, das Konzept hat sich verändert und ist kein klassisches italienisches Restaurant mehr. Umso treffender ist eine Formulierung, die sogar medial aufgegriffen wurde: kabel eins bezeichnete Bei Peppino als den „Nachfolger“ des Capri/Blaue Grotte. Das bringt es auf den Punkt – denn hier ist noch vieles von dem geblieben, was 1952 begann: in Rezepturen, in Atmosphäre, in der Idee von Gastlichkeit.
Drei Generationen – und ein Blick nach vorn
Was als Pionierleistung begann, wurde zur Institution: erst getragen von Nicolino, dann geprägt von Peppino und Vera, später fortgeführt durch Antonio, den Sohn von Peppino. Und 2025 übernimmt die dritte Generation, der Enkel Amadeo – ein Wechsel, der nicht nach Bruch klingt, sondern nach Weitergabe. Über Jahrzehnte hinweg blieb dabei etwas erstaunlich konstant: der Respekt vor dem Handwerk, die Liebe zur Einfachheit, der Anspruch an Qualität.
Jubiläen, die mehr bedeuten als Zahlen
Im nächsten Jahr stehen zwei Jubiläen an, die diese Geschichte auf den Punkt bringen:75 Jahre Familie Di Camillo in Würzburg – und 45 Jahre Restaurant Bei Peppino. Zahlen, ja. Aber vor allem: ein Beleg dafür, dass kulinarische Kultur nicht durch Geschwindigkeit entsteht, sondern durch Zeit, Familie und Wiedererkennbarkeit.
Und manchmal beginnt alles mit einer einfachen, unschuldigen Frage:„Ist das eigentlich ein Pfannkuchen?“
Mehr Infos: https://beipeppino.de/
Zum Autor
Christian Schwert ist Inhaber einer Beratungs- und Mediaagentur sowie Autor/Journalist für verschiedene Medien im Lifestyle- und Kulinarik-Segment.
Die Begegnungen und der Austausch/Vernetzungen mit Menschen steht für ihn immer im Vordergrund seiner Tätigkeiten. Seit über 25 Jahren ist er im Medienbereich tätig und gut vernetzt, was seinen Lesern:innen viele Insider/Geheim-Tipps ermöglicht.

















Die Polizisten entdeckten Utensilien, die zum Konsum von Crystal Meth verwendet werden. Symbolbild: Pixabay
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