Auf das Leben: Castell, der leise Mut – und ein Glas ohne Promille

Castell ist ein romantischer Weinort, bei dem die Zeit nicht stehen geblieben ist. Hier tickt die Zeit leise, aber beständig und mit Fortschritt. Zwischen den weiten Weinbergen des Steigerwalds, dunklem Wald, kühlen Kellern und einem unvermuteten Duftband aus Lavendel erzählt dieses fränkische Urgestein seit Jahrhunderten vom Wein. Nun erzählt es auch von etwas, das lange als Widerspruch galt: radikaler Genuss – ohne Alkohol.

Ein Traditionsgut, das weiterdenkt

Die Fürstlich Castell’sche Domäne ist im Kanon deutscher Weingüter eine feste Stimme. Silvaner mit Rückgrat und Salz, Rieslinge mit klarer Kante, Burgunder, die eher flüstern als schreien. In der Sektlinie perlen traditionell bereitete Flaschenvergärungen, die das Terroir der Keuperböden in ein feines Mousseux übersetzen: fränkisch straff, nie gefällig um jeden Preis.

Man kennt Castell für Herkunftstreue: Lagen wie Schlossberg, Reitsteig, Hohnart sind keine Etikettenpoesie, hier gibt es eine gelebte Topografie. Und doch wäre es zu einfach, Castell auf historische Bedeutung und Kabinettsstil zu reduzieren. In den letzten Jahren ist etwas hinzugekommen, das zur Gegenwart passt: ein Nachdenken darüber, wie Genuss aussieht in einer Zeit, in der viele bewusst auf Alkohol verzichten – ohne auf Komplexität zu verzichten.

Castell Lavie: Quitte, Lavendel, Eiche – und die Frage, was Wein eigentlich ist

CASTELL LAVIE heißt die alkoholfreie Wein-Perlage, die hier entstanden ist. Der Name klingt leicht, fast wie ein Versprechen. „Auf das Leben“, sagt er, nicht auf den Rausch. Die Basis bilden sorgfältig selektierte Trauben aus regenerativem Weinbau in Castell. Ein Wein wird daraus, dann wird ihm der Alkohol entzogen – nicht sein Charakter. Später kommen Quitten- und Lavendelextrakte hinzu, eine zarte Eichennote legt das Gerüst darunter. Verperlt, aber nicht aufgeregt. Klar, aber nicht dünn.

Im Glas wirkt Castell Lavie wie eine stille Andeutung dessen, was Wein sein kann, wenn man ihn seiner Promille beraubt: Quitte in der Nase, nicht die parfümierte, sondern die, die man frühmorgens im Gras aufhebt. Lavendel, wie ein Juliabend im Wind. Unter allem ein hauchfeines Holz. Am Gaumen saftig, animierend, mit diesem angenehmen Druck der Kohlensäure, der an Sekt erinnert, ohne sich an ihm festklammern zu müssen.

Kein Ersatz – ein eigenes Statement

„Wir wollten kein alkoholfreies ‚So-tun-als-ob‘“, sagt Weingutsleiter Peter Geil, wenn man mit ihm am Rand der Weinberge steht. „Castell Lavie ist nicht die Kopie eines Weines. Es ist unsere Antwort auf die Frage, wie sich Ernsthaftigkeit im Glas auch ohne Alkohol anfühlen kann.“
Es ist ein Satz, der hängenbleibt, weil er das Dilemma vieler alkoholfreier Produkte berührt: zu süß, zu laut, zu sehr Imitat. Castell geht einen anderen Weg. Lavie ist weder Saft noch Softdrink. Es ist ein strukturiertes Getränk mit Wein-DNA: Säure, Duft, Textur – nur ohne die Wärme im Bauch, die später zur Schwere werden kann.

Dass Lavie aus regenerativem Weinbau stammt, ist kein schmückendes Beiwort. Die Reben wurzeln in Böden, die nicht ausgebeutet, sondern aufgebaut werden sollen. EcoStep, WEINWERTE – große Worte, die hier auf konsequente Arbeit im Weinberg treffen: Begrünungen, Bodenruhe, Respekt vor Wasser und Klima. Wer Castell Lavie trinkt, schmeckt hier nicht nur die Quitte. Auch die Entscheidung, dass Genuss Zukunft haben soll.

Die Spannung zwischen Gestern und Morgen

Neben Lavie stehen im Castell’schen Portfolio weiterhin jene Weine und Sekte, die das Gut groß gemacht haben: Silvaner, die dem Steigerwald ein Gesicht geben; Rieslinge, die das Licht sammeln und wieder ausstrahlen; Winzersekte, die in langen Monaten auf der Hefe zu charakterstarken Begleitern werden – zum großen Menü genauso wie zum leisen Feiertag daheim. Und doch markiert Castell Lavie eine Zäsur. Nicht als Bruch mit der eigenen Geschichte, eher als Fortsetzung unter neuen Bedingungen. Wer an einem langen Tisch sitzt, an dem manche fahren müssen, andere wollen, wieder andere nicht dürfen – schwanger, gesundheitsbewusst, einfach müde vom „Noch ein Glas“ –, versteht, was hier auf dem Spiel steht. Ein alkoholfreies Getränk kann Gastgeber in Verlegenheit bringen – oder befreien.

Castell Lavie entscheidet sich für Befreiung. Es gibt denjenigen am Tisch, die keinen Alkohol trinken, etwas, das nicht nach Verzicht schmeckt und mehr nach einem Wunsch und einer Wahl. Es ist ein anderes Zentrum. Es ist das das eigentliche Statement: dass ein traditionsreiches Weingut sich traut, Genuss von Rausch zu entkoppeln – ohne sich selbst zu verleugnen. Hier draußen, zwischen Wein, Wald und Lavendelfeldern, wirkt das wie eine einfache, fast selbstverständliche Bewegung. In Wahrheit ist es ein Schritt, der die Zukunft der Weinkultur mitdefiniert.

Auf das Leben, sagt das Etikett. Auf die Neugier. Auf die Genussfreude. Und darauf, dass ein gutes Glas heute mehr sein darf als die Summe seiner Umdrehungen. Mehr Infos: https://castell.de/

Christian Schwert

Christian Schwert ist Inhaber einer Beratungs- und Mediaagentur sowie Autor/Journalist für verschiedene Medien im Lifestyle- und Kulinarik-Segment.

E-Mail:  christian.schwert@bayreuther-tagblatt.de

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Christian Schwert ist Inhaber einer Beratungs- und Mediaagentur sowie Autor/Journalist für verschiedene Medien im Lifestyle- und Kulinarik-Segment.

Die Begegnungen und der Austausch/Vernetzungen mit Menschen steht für ihn immer im Vordergrund seiner Tätigkeiten. Seit über 25 Jahren ist er im Medienbereich tätig und gut vernetzt, was seinen Lesern:innen viele Insider/Geheim-Tipps ermöglicht.