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Bilder, die bleiben
Man sitzt im Meetingraum. Kaffee ist warm, Luft ist trocken. Worte fallen, viele Worte. Einer redet, der nächste widerspricht Man nickt Man notiert. Später ist das Protokoll da: sauber, korrekt, tot. Es enthält alles und erinnert an nichts. Und dann gibt es diese andere Art, zuzuhören. Eine, die nicht nur festhält, sondern ordnet. Die nicht nur schreibt, sondern sieht.
Der Mann mit dem Stift
Matthias Schwert arbeitet in München als Graphic Recorder. Er sitzt nicht im Zentrum des Gesprächs, aber er ist auch nicht am Rand. Er ist da, wo das Wesentliche vorbeikommt. Er hört zu, fragt nicht dazwischen, er zeichnet. Während andere noch nach dem richtigen Begriff suchen, hat er schon eine Linie gesetzt. Ein Symbol. Eine Beziehung zwischen zwei Aussagen.
Graphic Recording ist keine Dekoration. Es ist eine Form von Protokoll. Nur dass es den Menschen näherkommt, weil Menschen in Bildern denken,
auch wenn sie es leugnen. Die Hand schreibt langsamer als der Mund. Aber die Hand, die zeichnet, kann schneller verstehen.
Wenn Gespräche eine Landkarte bekommen
In Workshops, Kaminsitzungen, Strategie-Runden oder Konfliktgesprächen liegt oft alles offen auf dem Tisch – und doch sieht es keiner. Graphic Recording macht daraus eine Art Landkarte: Wer sagt was? Wo hängt es zusammen? Was ist Widerspruch, was Wiederholung, was ein neuer Gedanke?
Das Ergebnis ist kein „schöner Output“, sondern ein sichtbarer Prozess. Man erkennt Muster. Man erkennt Lücken. Man erkennt, worüber man immer wieder redet, ohne weiterzukommen. Und manchmal erkennt man auch, dass man längst einig ist, nur auf unterschiedlichen Wegen dorthin.
Das Protokoll als Erinnerung
Am Ende bleibt ein Bild. Es hängt an der Wand oder digital vor Man kann es später ansehen und spürt wieder den Raum. Die Spannung. Den Humor. Den Moment, in dem etwas kippte oder sich klärte. Das ist der stille Wert dieser Arbeit: Sie macht Vergängliches haltbar. Nicht als stenografische Wahrheit, sondern als gemeinsame Erinnerung. In Zeiten, in denen jedes Meeting um Aufmerksamkeit kämpft, ist das viel. Und das ist genau das, was gute Protokolle immer sein wollten: nicht nur Belege. Sondern Orientierung.
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Zum Autor
Christian Schwert ist Inhaber einer Beratungs- und Mediaagentur sowie Autor/Journalist für verschiedene Medien im Lifestyle- und Kulinarik-Segment.
Die Begegnungen und der Austausch/Vernetzungen mit Menschen steht für ihn immer im Vordergrund seiner Tätigkeiten. Seit über 25 Jahren ist er im Medienbereich tätig und gut vernetzt, was seinen Lesern:innen viele Insider/Geheim-Tipps ermöglicht.















Lena und Elvira im Café Freudenherz ©Katharina Müller-Sanke
Die Polizei fand den Gabelstapler auf der mittleren Spur der A9. © VPI Bayreuth