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Wagners Leben auf der Straße erleben – Das RiWa Straßenfest am 23. Mai Am Montag den 11. Mai öffnet das Kreuzsteinbad – Das ist neu in diesem Jahr! Großes Familienfest bei den Landwirtschaftlichen Lehranstalten am 21. Juni

Stadtbrand

Heute vor 400 Jahren brannte die ganze Stadt Bayreuth – das war geschehen

Zweimal mussten die Menschen in Bayreuth die zerstörerische Macht der Flammen erleben, zweimal wurde die Stadt durch eine verheerendes Feuer fast vollständig zerstört und zweimal brachten die Stadtbrände Not und Elend über die Familien.

Beim Brand im Jahr 1621 wurde der Markt von der "Schmidgass", also der heutigen Kanzleistraße, bis zum Mühltürlein verwüstet. Diesem Brand fiel auch das erste Bayreuther Rathaus (zwischen der Mohrenapotheke und dem Kaufhaus Karstadt) zum Opfer. Foto: Archiv Bernd Mayer
Beim Brand im Jahr 1621 wurde der Markt von der "Schmidgass", also der heutigen Kanzleistraße, bis zum Mühltürlein verwüstet. Diesem Brand fiel auch das erste Bayreuther Rathaus (zwischen der Mohrenapotheke und dem Kaufhaus Karstadt) zum Opfer. Foto: Archiv Bernd Mayer

„Furchtbar ist des Feuers Macht“ heißt es in Schillers „Glocke“. Der Tag, an dem Bayreuth erneut niedergebrannt war, war heute vor 400 Jahren, am 16. Juni 1621, zu lesen im „Verzeichnis derjenigen Einwohner und Bürger zu Bayreuth“, deren „Sambstags, den 16. Juny Ao. 1621“ gebrannt hatten. Und dies nur wenige Jahre nach dem ersten Stadtbrand am 21. März 1605: „Wie unbegreiflich sind Gottes Gerichte?“, schrieb Superintendent Hagen in seine Chronik, „der Tempel“ in damit meinte er die Stadtkirche, „kaum wiederaufgebaut, wurde abermals von der Glut verzehrt“.

Stadtbrand in Bayreuth

Nach dem Historienkalender brach das Feuer in der heutigen Maxstraße 73, im Haus des Bürgers Hans Georg Pirner, „Rotschopf“ genannt, in der Nähe des Spitals aus. Während die Bayreuther noch diesen Brand bekämpften, wurde bei Hans Köppel am Marktplatz (heute Maxstraße 34) in unmittelbarer Nähe des damaligen Rathauses ein zweiter Brand gemeldet. Durch die eng aneinander gebauten Häuser, die leicht entflammbare Baumaterialien und die völlig unzureichende Brandbekämpfung nahm das Feuer überhand. Irgendwann stand das eigene Leben im Vordergrund. Menschen mussten aus den Häusern gerettet werden.

So konnten die Nachbarn Margaretha Meußel, die sterbende, erst 40-jährige Witwe des Bäckers Heinrich Meußel, gerade noch vor dem Flammen retten. Sie starb wenig später unter freien Himmel im Garten der „verwitweten Frau Kastnerin Hedler“. „Und Sie“ steht im Sterberegister der Stadtkirche, „hat in ihrer großen Schwachheit und letzten Todesnöten, ihrer Behausung durch den schrecklichen Schaden beraubt, und im Garten der Witwe Hedler, Kastnerin, unter dem freien Himmel ihr Leben enden miissen».

Das Feuer hatte die ganze Stadt in Schutt und Asche gelegt. In Bayreuth lebten gut 3.000 Einwohner. Das offizielle städtische Verzeichnis von 1621 nennt insgesamt 197 brandgeschädigte Häuser. Nur das herrschaftliche Schloss, das Hospital, die Superintendentur und 18 Bürgerhäuser waren verschont geblieben. Zu den erhaltenen Häusern gehörte, wie durch ein Wunder, auch die im Jahr 1610 erbaute Mohrenapotheke.

In der Zeit der beiden Stadtbrände von 1605 und 1621 stand Bayreuth unter der Herrschaft von Markgraf Christian, eine Zeit, die den Bayreuthern viel Leid und Sorgen abverlangte. Eine schwere Pestepidemie (1602) und der 30-jährige Krieg von 1618 bis 1648 in dem die Stadt von Verwüstungen, Plünderungen und Geiselnahmen der kaiserlichen Truppen heimgesucht wurde, zogen die Bürger immer wieder schwer in Mitleidenschaft.

Steuernachlässe aus Christians Regierungszeit belegen die schwere Not des frühen 17. Jahrhunderts.

Bayreuther Stadtkirche vom Feuer zerstört

Der Funkenflug der brennenden Häuser hatte 1621 auch die beiden Turmhauben der Stadtkirche, die nach dem Brand von 1605 erst 1614 wieder eingeweiht wurde, ein zweites Mal in Brand gesteckt. Der Nordturm stürzte auf das Dach der Stadtkirche, im Innenraum wurde die Orgel und Gestühl zerstört.

Der architektonische Fehler, dass die Baumeister das neue Kirchendach nach dem Stadtbrand von 1621 auf die teils ausgeglühten Steine der Außenmauern aufgesetzt haben, kam der Kirchengemeinde 400 Jahre später sehr teuer. In den Jahrhunderten wurden die Mauern nach außen gedrückt, die Rippen der gotischen Gewölbe brachen und die tonnenschweren Lasten lagen nur noch auf wenige Zentimeter breiten Kanten auf.

Am 11. Mai 2006 fiel der erste Stein aus einem Gewölbe, einen Tag später wurde die massiv einsturzgefährdete Kirche geschlossen. Pfarrer Hans-Helmut Bayer sagte damals, dass es ein Wunder sei, dass sie überhaupt noch steht: „Die Statiker sagen, dass es mathematisch nicht zu erklären ist, dass das Dach noch nicht heruntergestützt ist.
Acht Jahre dauerte die Sanierung der Stadtkirche, bis sich Pfarrer Bayer bei der Wiedereinweihung im Dezember 2014 die Freudentränen aus den Augenwinkeln wischen konnte.

Die verheerenden Stadtbrände entstanden zumeist wegen der offenen Kamine und des damit verbundenen Funkenfluges. Die Dacheindeckungen aus Holzschindeln wurden schnell ein Raub der Flammen. Erst die auch in dieser Zeit schon lange bekannten (aber teuren) Dachziegel verhinderten bei Häuserbränden den schnellen Übergriff auf die Nachbargebäude. Die wurden in Bayreuth aber zu einem ganz anderen Zweck gegen die Holzschindeln ausgetauscht. Für die Hochzeit von Prinzessin Friederike wurden zumindest die Vorderseiten der Häuser mit Ziegeln eingedeckt: Markgraf Friedrich und seine Gemahlin Wilhelmine wollten bei ihrem Schwiegersohn Carl Eugen, Herzog von Württemberg, Eindruck schinden und Bayreuth als „reiche Stadt“ vorführen…

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

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