Hotel Petrus: Drei Schwestern, ein Haus –
und die leise Kunst, Gäste zu berühren
Es ist früher Abend in Reischach. Die Berge stehen schon dunkler, als der Tag es eigentlich erlaubt, und die Luft hat diesen Wechselton: noch warm von unten, schon kühl von oben. Man kommt an, stellt den Koffer ab, hört für einen Moment nur das Schließen der Autotür.
Drinnen ist es ruhig. Nicht geschniegelt ruhig, eher: bewohnt ruhig. Holz, Stoff, Licht, das nicht glänzen will. Ein kurzer Blick, ein Nicken, kein Theater. Auf dem Weg zum Zimmer liegt eine kleine Selbstverständlichkeit in der Luft: dass hier jemand da ist. Im Zimmer später, zwischen Jacke und Schlüssel, steht etwas auf dem Tisch, das man in einem Hotel fast nicht mehr erwartet: eine Postkarte. Richtiges Papier, das sich beschreiben lässt. Daneben ein Stift. Als würde das Haus sagen: Schick einen Satz nach Hause. Weil es gut tut. Man setzt sich nicht gleich hin. Man geht erst ans Fenster, sieht die Berge und den Kronplatz im Halbdunkel, hört von unten Stimmen, leise. Dann erst nimmt man die Karte in die Hand und merkt: Man ist angekommen.
Ein Familienhaus, das nicht spielt
Das Petrus wird von der Familie Aichner geführt – und zwar spürbar, nicht als Aushang. Drei Schwestern leiten das Hotel gemeinsam: Christina, Brigitte und Daniela. Das klingt nach moderner Rollenverteilung, nach Gegenwart. Und es ist auch Gegenwart.
Gleichzeitig sind die Eltern präsent. Gerti und Hans sind nicht „früher einmal“ Gastgeber gewesen, sie sind es noch. Nicht im Sinne von Kontrolle, eher wie gute Geister. Man trifft sie. In der Lobby, auf dem Gang, beim kurzen Gespräch, das ehrlich wirkt.
Es sind diese Begegnungen, die einem das Gefühl geben: Hier arbeitet niemand eine Idee von Luxus ab. Hier lebt jemand ein Zuhause, das groß genug ist, um es zu teilen. In vielen Hotels wird Familie behauptet. Im Petrus ist sie Struktur.
Kleine Gesten, große Wirkung
Man könnte über den 25-Meter-Pool sprechen, halb drinnen, halb draußen – eine Linie zwischen Wärme und Bergluft. Man könnte die Zimmer erwähnen, die individuellen Details, die das Design nicht als Show tragen; hier ist es die Handschrift. Aber es sind die kleinen Dinge, die bleiben.
Da ist diese Selbstverständlichkeit, mit der Erlebnisse organisiert werden: Ausflüge, geführte Wanderungen, Momente, die nicht nach Einladung klingen.
Noch stärker ist, was das Petrus sonst an stillen Luxusmomenten kann: handcrafted hospitality, die echt wirkt. Morgens dieses Gipfelfrühstück, wenn der erste Kaffee gegen das Panorama antritt und plötzlich alles langsamer wird.
Wer tiefer eintauchen will, bekommt Gartenführungen – als Blick hinter die Kulissen der eigenen Herkunft. Dazu die Nähe zum Lechnerhof, aus dem ein Teil dessen kommt, was später auf dem Teller landet: eine Küche, die präzise, saisonal und warmherzig erzählt.
So wird aus Südtirol ein Gefühl: geführt mit genügend Freiheit selbst zu entdecken.
Gastgeber sein heißt: mitgehen, nicht vorsagen
Hans begleitet, auch mal auf Golfpartien. Geführte Aktivitäten gehören zum Haus. Dazu kommen Formate, die nach Südtirol klingen, ohne Folklore zu werden: Überraschungsmomente wie ein „Secret Picknick“, ein Bergkino, saisonale Kulinarik-Events.
Das Entscheidende daran ist nicht die Idee. Ideen haben viele. Entscheidend ist der Ton. Im Petrus wirkt es nicht wie Animation. Es wirkt wie Begleitung. Man spürt: Hier will niemand den Gast beschäftigen, damit er ruhig ist. Hier will jemand ihn abholen, damit er ankommt.
Wein als Gespräch, nicht als Trophäe
Südtirol ist Weinland. Das weiß man. Man kann sich hier schnell in Etiketten verlieren und in Höhenlagen. Doch im Petrus hat das Thema Wein etwas Unangestrengtes.
Brigitte Aichner ist ausgebildete Sommelière. Das ist ein Fakt. Wichtiger ist, was daraus gemacht wird: Wein wird hier zum Gespräch. Als Teil eines Abends, der nicht beweisen muss, dass er „gehoben“ ist – hier will er einfach gut sein.
Dazu passt die Geisteshaltung des Hauses zur Regionalität. Ein Teil des Gemüses kommt aus dem eigenen Garten, vom Lechnerhof. Das ist kein Marketing-Satz, das ist ein Bekenntnis zur Nähe. Und Nähe ist es, was dieses Haus im Innersten ausmacht.
Das, was man nicht fotografiert
Am Ende bleibt ein Gefühl. Es ist schwer zu posten. Man erinnert sich an die Schwestern, die präsent sind, ohne sich aufzudrängen. An die Eltern, die da sind wie ein ruhiger Hintergrundton. An eine Atmosphäre, die Ruhe und Entspannung ausstrahlt. Am Ende eines Aufenthalts weiß man: Man hat einen Ort gefunden, der verstanden hat, worum es in der Gastfreundschaft geht. Nicht um Perfektion. Um Beziehung.
Mehr Infos unter: https://www.hotelpetrus.com/
Zum Autor
Christian Schwert ist Inhaber einer Beratungs- und Mediaagentur sowie Autor/Journalist für verschiedene Medien im Lifestyle- und Kulinarik-Segment.
Die Begegnungen und der Austausch/Vernetzungen mit Menschen steht für ihn immer im Vordergrund seiner Tätigkeiten. Seit über 25 Jahren ist er im Medienbereich tätig und gut vernetzt, was seinen Lesern:innen viele Insider/Geheim-Tipps ermöglicht.

















8,3 Hektar großer Solarpark mit Speicher und Möglichkeit zur landwirtschaftlichen Nutzung am Südende des Studentenwaldes. Karte erstellt mit OpenStreetMap © openstreetmap.org/copyright
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