Kellerei Sankt Pauls: Wenn Weißburgunder Höhe bekommt
Südtirol ist für seine Weine bekannt. St. Pauls in Südtirol ist kein Platz, der sich laut ins Bild drängt. Das Dorf sitzt oberhalb von Bozen, in Eppan an der Weinstraße, und wer hier am späten Nachmittag durch die Gassen geht, merkt schnell: Wein ist hier ein Grundrauschen. Reben stehen nicht nur „rundherum“ – sie reichen bis in den Ortskern. Die Kellerei ist wenige Schritte vom Hauptplatz entfernt. Man stolpert nicht zufällig darüber, man kommt irgendwann zwangsläufig an ihr vorbei.
Die Kellerei Sankt Pauls wurde 1907 von 36 Winzern gegründet. Heute sind es 190 Mitglieder, die 185 Hektar bewirtschaften – im integrierten Anbau, seit 2023 SQNPI-zertifiziert. Diese Zahlen sagen etwas über Dimension, aber noch mehr über das Prinzip: Hier wird Südtirol als Mosaik erzählt. Höhen von 290 bis 650 Metern, Böden, die die letzte Eiszeit hinterlassen hat, und dazwischen diese typische Mischung aus bäuerlicher Präzision und genossenschaftlicher Disziplin.
Im Keller arbeitet man, wie es das historische Gebäude nahelegt: über vier Stockwerke hinweg nach dem Schwerkraftprinzip. Moderne Edelstahltanks stehen neben großen Holzfässern, dazu kleine Fässer und Barriques – als Werkzeugkasten. Seit Juli 2023 verantwortet Philipp Zublasing als Kellermeister die Linie: Frische, Eleganz, Spannung.
Ein Weißburgunder als Leitfaden
In St. Pauls ist Weißburgunder nicht Nebendarsteller. Er ist so etwas wie die gemeinsame Sprache. Ein besonderer Beleg dafür steht in Missian: eine Steillage, in der bis zu 100 Jahre alte Weißburgunder-Rebstöcke wurzeln – ein lebendiges Archiv, das zeigt, wie lange diese Sorte hier schon ernst genommen wird.
Und dann gibt es den Wein, der diese Ernsthaftigkeit bündelt. Den Plötzner.
Plötzner 2025: der 40. Jahrgang – und kein bisschen nostalgisch
Mit dem Jahrgang 2025 feiert der Plötzner Weißburgunder Südtirol DOC seinen 40. Auf der Vinitaly 2026 wurde er erstmals präsentiert, seit Juni ist er im Handel. Jubiläen können leicht nach Rückspiegel schmecken. Der Plötzner tut das nicht. Er nutzt die Zahl eher als Markierung: Seit vier Jahrzehnten folgt dieser Wein einer Idee, die erstaunlich simpel ist – Weißburgunder an einem klar definierten Ort zu produzieren.
Der Ursprung beginnt 1986. Damals entwickelt Kellermeister Valentin Spitaler die Idee, eine eigenständige Weißburgunder-Selektion mit eindeutigem Profil zu schaffen. Die Wahl fällt auf die höchstgelegenen Weinberge oberhalb von St. Pauls – rund um den Plötznerhof nahe Schloss Boymont, auf etwa 650 Metern Meereshöhe.
Kalk, Dolomit, Ostlage: der alpine rote Faden
Aus ursprünglich rund einem Hektar ist eine Fläche von etwa acht Hektar geworden. Die Parzellen liegen nahe beieinander, zwischen 520 und 670 Metern, am Fuß des Gantkofels, nach Osten ausgerichtet. Dazu kommen postglaziale Dolomitböden mit hohem Kalkanteil. Die Reben sind 20 bis 50 Jahre alt, erzogen im Guyot-System, teils noch im traditionellen Pergelsystem – besonders in den höher gelegenen, historischen Lagen.
Lese von Hand, Ausbau mit Zurückhaltung
Das kühle, gut durchlüftete Mikroklima am Mendelgebirge, mit deutlichen Tag-Nacht-Schwankungen, hilft bei einer Reife, die nicht aus dem Tritt gerät. Gelesen wird ausschließlich von Hand. Vinifikation und Ausbau erfolgen überwiegend im Edelstahl, ein kleiner Teil reift in großen Holzfässern.
Tasting Note
Plötzner Weißburgunder Südtirol DOC 2025Klares, helles Strohgelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase präzise und kühl: grüner Apfel, weißer Pfirsich, dazu florale Anklänge und eine feine Kräuterwürze. Am Gaumen straff und geradlinig, mit lebendiger Säure und subtiler, kalkiger Textur. Die Frucht bleibt zurückhaltend, eher auf Spannung als auf Fülle gebaut. Im Finale wirkt der Wein fein salzig, trocken, sehr sauber – ein Weißburgunder mit alpinem Griff und langem Nachhall.
49.000 Flaschen und ein klarer Abdruck
Rund 49.000 Flaschen wurden vom Plötzner Weißburgunder 2025 produziert. Der Wein ist in vielen Märkten gefragt, vor allem aber bleibt sein Charakter über die Jahre wiedererkennbar: kühl, präzise, von der Höhe getragen.
Mehr Infos: https://www.sanktpauls.wine
Zum Autor
Christian Schwert ist Inhaber einer Beratungs- und Mediaagentur sowie Autor/Journalist für verschiedene Medien im Lifestyle- und Kulinarik-Segment.
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