30 Jahre BASA: Telmo Rodríguez und die spanische „Weißweinrevolution“
Rueda, dort wo die spanische Weißweinrevolution begann. Hier war kein Platz für große Gesten: Kalk lag im Boden. Wind lag in den Reihen. Man lernte früh, dass Wein keine Ausrede kannte.
Der Anfang: 1994, als es noch keine Blaupause gab
1994 gründen Telmo Rodríguez und Pablo Eguzkiza die Compañía de Vinos Telmo Rodríguez. Spanien war zu jener Zeit kaum dafür bekannt, frische Weißweine mit eigenem Charakter anzubieten. Weißwein existierte. Aber dieser stand nicht im Zentrum. Telmo hatte es anders gesehen. Frankreich hatte ihm geholfen, den Maßstab zu erkennen. Als Beweis, dass es auch anders geht. Pablo brachte die andere Seite: die Arbeit im Weinberg, geduldig und konkret. Geld fehlte. Aber manchmal ist Mangel nur die erste Stufe von Mut.
Auf der Suche: Treixadura, Godello – und dann Verdejo
Sie gehen hinaus. In den Nordwesten Spaniens. Sie suchen nach Sorten, die nicht nach Moden handeln. Sorten, die sich nicht verbiegen lassen. Treixadura. Godello. Und dann Verdejo. Weil Verdejo im richtigen Boden das gewisse Etwas frei legte: Frische, Klarheit, Spannung.
1996: BASA wird geboren – aus Verdejo und Kalk
Rueda wird zum Ziel. 1996 entsteht BASA – primär aus Verdejotrauben. Ein Weißwein, der erklärt, was im Untergrund passiert. Karg. Kalkhaltig. Und im Glas: ein Ton, der richtet. Frisch. Lebendig. Authentisch. So etwas wirkt. Zuerst leise. Dann unvermeidlich.
Die Revolution: unumkehrbar
Wenn ein Wein eine Region verändert, geschieht es selten durch einen einzelnen Moment. Es geschieht durch Wiederholung. Durch Konsistenz. Durch die Fähigkeit, jedem Jahrgang eine gleiche Richtung zu geben – auch wenn das Wetter nicht mitmacht. BASA wurde zum Wegbereiter. Er prägte die internationale Wahrnehmung von Rueda. Und er ebnete den Weg für viele weitere Spitzenweingüter in der Region. Verdejo bekam eine neue Rolle. Der „spanischer Weißwein“ als Stimme mit eigener Grammatik.
Wohin das führte: Von Rioja bis Málaga
Der Erfolg von BASA war ein Startsignal. Ohne diesen Rückenwind wären viele späteren Projekte von Telmo Rodríguez kaum denkbar gewesen: Rioja, Ribera del Duero, Galicien, Toro, Málaga.
Plätze, die nicht verschwinden wollten, aber zu lange zu leise waren. Alte Weinberge wurden rekultiviert. Beinahe verschwundene Rebsorten kamen zurück. Man konnte das planen. Aber man musste es wollen.
Die Arbeit: Telmo und Pablo bis heute
Die Philosophie ist bis heute dieselbe. Respektvolle, nachhaltige Weinbergsarbeit. Minimale Intervention im Keller. Qualität und Terroir ohne Kompromiss. Biodiversität. Organischer Anbau. Erhalt historischer Weinlandschaften. Telmo ist der Antrieb nach außen: neugierig, lernend, getrieben von der Idee, dass Spanien sich neu erzählen kann. Pablo ist der Antrieb nach innen: die Geisteshaltung, dass es im Weinberg beginnt und im Keller endet.
30 Jahre: ein Etikett als Erinnerung
Zum Jubiläum erscheint BASA mit einem neuen Etikett von Fernando Gutiérrez. Pinien aus der Region. Eine visuelle Hommage an Herkunft, Geschichte und Zukunft. Man muss das nicht aussprechen. Man sieht es. Und vielleicht ist das der Kern der „Weißweinrevolution“: Nicht der Wein alleine. Hier sind die Menschen, die durchhalten—und damit möglich machen, was vorher kaum denkbar war. BASA ist dafür ein Beleg. Seit 30 Jahren.
Zum Autor
Christian Schwert ist Inhaber einer Beratungs- und Mediaagentur sowie Autor/Journalist für verschiedene Medien im Lifestyle- und Kulinarik-Segment.
Die Begegnungen und der Austausch/Vernetzungen mit Menschen steht für ihn immer im Vordergrund seiner Tätigkeiten. Seit über 25 Jahren ist er im Medienbereich tätig und gut vernetzt, was seinen Lesern:innen viele Insider/Geheim-Tipps ermöglicht.















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