Hungrig ins Klassenzimmer – wenn das Pausenbrot fehlt
Ein unterschätztes Problem
Ein belegtes Brot, ein Stück Obst, dazu vielleicht ein Getränk – für viele Kinder ist das Pausenbrot ein fester Bestandteil des Schultages. Es stillt den Hunger, gibt Energie und schafft einen Moment der Normalität. Doch längst nicht alle Kinder in Deutschland haben diese Selbstverständlichkeit. Sie sitzen in der Pause mit leerem Magen neben ihren Mitschülern. Die Folgen sind gravierend: Hunger wirkt sich direkt auf Lernfähigkeit, Konzentration und Motivation aus. „Ist der Magen leer, fällt das Lernen schwer“, bringt es Melanie Thurm, Vorsitzende des Vereins Die bunten Schafe e.V., auf den Punkt. Lehrkräfte berichten von Kindern, die schon am Vormittag kaum mehr aufnahmefähig sind – nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil ihnen schlicht die Energie fehlt.
Wie alles begann
Aufmerksam geworden ist Thurm durch eine Dokumentation über die Kindertafel in Wuppertal. Dort zeigte sich, dass manche Kinder am Nachmittag ihre erste Mahlzeit des Tages erhalten. „Wir wollten wissen, ob das auch in Thüringen ein Thema ist“, erzählt Thurm. Gespräche mit Erfurter Lehrern bestätigten den Verdacht: Auch hier gehen Kinder hungrig in die Schule. 2019 gründete der Verein daraufhin das Projekt PAUSI. Ziel ist es, Grundschüler regelmäßig mit einem Pausenbrot sowie Obst oder Gemüse zu versorgen. Heute profitieren bereits 70 Kinder in Erfurt und Jena.
Gemeinschaftsleistung für mehr Chancengleichheit
Die Umsetzung gelingt durch starke lokale Partnerschaften. In Erfurt werden die Brote von der Lebenshilfe Erfurt e.V. produziert und ausgeliefert – ein Ansatz, der auch Menschen mit Behinderung einbindet. In Jena übernimmt die AWO Carenet gGmbH diese Aufgabe. So verbindet das Projekt Hilfe für Kinder mit inklusiver Arbeitsgestaltung. Der Verein selbst arbeitet vollständig ehrenamtlich. Unterstützung kommt in Form von Spenden, Patenschaften oder Fördermitgliedschaften. „Uns ist wichtig, das Bewusstsein für dieses Thema zu schärfen und zu zeigen, dass schon kleine Beiträge große Wirkung haben können“, betont Thurm.
Ein Familienunternehmen engagiert sich
Einen wichtigen Partner hat PAUSI im thüringischen Unternehmen Nabio gefunden. Der Bio-Hersteller aus Gierstädt hat eine Kooperation gestartet: Mit jedem verkauften Glas des Aktionsaufstrichs „Gegrillte Paprika Cashew“ wird ein Pausenbrot für ein bedürftiges Kind finanziert. „Wir sehen es als unsere Verantwortung, uns für die nächste Generation einzusetzen“, erklärt Gründerin Felicitas von Heinz. „Ein Schulbrot mag klein erscheinen, aber es entscheidet über die Teilhabe am Unterricht – und damit über Chancen im Leben.“ Bereits 2022 unterstützte Nabio das Projekt mit einem Nachhaltigkeitslauf, nun folgt eine vertiefte Partnerschaft.
Kleine Mahlzeit, große Wirkung
Die Kooperation zwischen PAUSI und Nabio zeigt exemplarisch, wie Wirtschaft und Zivilgesellschaft Hand in Hand wirken können. Aus einem Glas Aufstrich wird ein gefülltes Pausenbrot, aus einer Spende ein Stück mehr Chancengleichheit. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Ein Pausenbrot ist weit mehr als ein belegtes Brötchen. Für Kinder, die sonst hungrig durch den Unterricht müssten, kann es den Unterschied bedeuten – zwischen Ausgrenzung und Teilhabe, zwischen Müdigkeit und Aufmerksamkeit. Und vielleicht auch zwischen einer verpassten und einer genutzten Chance im Leben.
Mehr Infos:
Pausi – DIE BUNTEN SCHAFE e.V.
Home – Nabio – Iss gut für Dich
Zum Autor
Christian Schwert ist Inhaber einer Beratungs- und Mediaagentur sowie Autor/Journalist für verschiedene Medien im Lifestyle- und Kulinarik-Segment.
Die Begegnungen und der Austausch/Vernetzungen mit Menschen steht für ihn immer im Vordergrund seiner Tätigkeiten. Seit über 25 Jahren ist er im Medienbereich tätig und gut vernetzt, was seinen Lesern:innen viele Insider/Geheim-Tipps ermöglicht.







Ulrich Zahn als „Schlawiner“ François Dumoulin mit (von links) Alexandra Voit, Andrea Umlauf, Amelie Gottwald und Simone Leykauf Foto: ©Kulturstadl/Adrian Hoffmann.
©Kathrin Gralla -Der Rote Drache Fotografie und Fotostudio