Wo Musik den Sommer schreibt: 40 Jahre Kissinger Sommer

Bad Kissingen im Juni. Morgens noch Kurpark, Brunnen, erste Kaffeehaus-Terrassen. Abends ein anderes Klima: Musiker mit Instrumentenkoffern, Menschen im leichten Stoff, eine Spannung in der Luft, die nichts mit Wetter zu tun hat.

Seit 1986, also seit 40 Jahren, verwandelt der Kissinger Sommer den Kurort in ein Festival, das eher einem Roman gleicht als einem Terminkalender. Über gut drei Wochen von Mitte Juni bis in den Juli hinein werden Regentenbau, Kurtheater, Arkadenbau und Kirchen zu Klangräumen. Große Orchester, intime Kammermusik, Lied, Jazz, Chanson, Crossover – alles folgt einem roten Faden, der eher dramaturgisch als dekorativ gedacht ist. „Der Kissinger Sommer ist kein Hintergrundrauschen“, sagt Erna Buscham, langjährige Stimme des Festivals. „Er ist eine bewusste Entscheidung gegen die Hast. Wer hier sitzt, hat sich Zeit geschenkt.“

Für wen dieses Festival ist

Für alle, die Musik nicht nebenbei hören möchten. Für Klassikliebhaber, die Orchester und Solistinnen auf internationalem Niveau erwarten. Für Freunde der Kammermusik, die wissen, dass die leisen Stellen oft die stärksten sind. Und für Neugierige, die sich von Jazznächten,Vokalprojekten, literarisch-musikalischen Programmen und behutsam inszenierten Crossover-Abenden gern überraschen lassen. Das Publikum mischt sich: langjährige Stammgäste, die seit Jahren dieselben Plätze im Saal bevorzugen, sitzen neben Erstbesuchern, die staunen, wie selbstverständlich ein Kurort ein Festival von europäischem Rang trägt.

Ab 2. Juli: Wenn aus Tagen Klangbilder werden

Ab dem 2. Juli zieht der Kissinger Sommer spürbar an. Die Taktung wird dichter, die Abende reihen sich wie Kapitel:

  • Sinfonische Konzerte mit Werken, die die großen Fragen stellen – hier ist Raum für Zwischentöne.
  • Kammermusikabende, in denen man merkt, wie nah Musik kommen kann, wenn nur ein Streichquartett zwischen Zuhörer und Stille
    steht.
  • Vokalprogramme zwischen Lied, Opernausschnitt und Chanson, oft mit kluger Dramaturgie und nicht nur bloßer Nummernfolge.
  • Jazz- und Grenzgängerprojekte, in denen klassische Formen weitergedacht werden.

Es ist die Zeit, in der man tagsüber in der Sonne sitzt und abends begreift, warum dieser Ort mehr ist als ein hübscher Hintergrund.

Meret Becker trifft Barbara: Ein Abend wie ein flüsternder Brief

Zu den besonderen Momenten des diesjährigen Programms zählt „Meret Becker trifft Barbara“. Die Schauspielerin und Sängerin Meret Becker begegnet der französischen Chanson-Ikone als Suchende und nicht als Kopie. Die Lieder Barbaras erscheinen wie kleine Theaterstücke: zarte Melodien, gebrochene Phrasen, Texte, die von Liebe, Verlust und Trotz erzählen. Dazwischen Beckers eigene Worte, Erinnerungsfragmente, ein leiser Humor gegen das Dunkle. Der Abend wirkt wie ein Brief an jemanden, der nicht mehr antworten kann – und doch in jeder Zeile gegenwärtig bleibt. Es ist einer dieser Festivalmomente, in denen man den Saal verlässt und das Gefühl hat, ein Gespräch sei noch nicht zu Ende.

Ein Muss für alle, die Kultur ernst nehmen – und das Leben auch

Der Kissinger Sommer ist kein weiteres Event in einer übervollen Saison. Er ist ein Muss für alle, die Kultur nicht als Deko-Element sehen. Hier ist der Kissinger Sommer eher im Sog einer Kultur-Nahrung zu verstehen. Wer Klassik liebt, wer neugierig auf neue Formate ist, wer spüren möchte, wie ein ganzer Ort im Takt eines Festivals atmet, sollte mindestens einmal hier gesessen haben. Oder, um es mit Erna Buscham zu sagen: „Ein Sommer ohne Bad Kissingen ist möglich. Aber er strahlt nicht.“

Mehr Infos:
https://www.kissingersommer.de/

Christian Schwert

Christian Schwert ist Inhaber einer Beratungs- und Mediaagentur sowie Autor/Journalist für verschiedene Medien im Lifestyle- und Kulinarik-Segment.

E-Mail:  christian.schwert@bayreuther-tagblatt.de

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Christian Schwert ist Inhaber einer Beratungs- und Mediaagentur sowie Autor/Journalist für verschiedene Medien im Lifestyle- und Kulinarik-Segment.

Die Begegnungen und der Austausch/Vernetzungen mit Menschen steht für ihn immer im Vordergrund seiner Tätigkeiten. Seit über 25 Jahren ist er im Medienbereich tätig und gut vernetzt, was seinen Lesern:innen viele Insider/Geheim-Tipps ermöglicht.