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Sintflut überstanden: Jugendherberge Bayreuth öffnet am Wochenende

Gleich drei Wasserschäden musste die neu gebaute Jugendherberge Bayreuth im Jahr 2017 überstehen. Nach etwas über einem Jahr eröffnet sie dieses Wochenende zum zweiten Mal – zumindest im Teilbetrieb. Eine Geschichte von Zusammenhalt und starken Nerven.

Die Bagger, Handwerker und Bauteile lassen kaum erahnen, dass bereits in wenigen Tagen die ersten Gäste eintreffen werden. Die zweiten ersten Gäste. Denn eigentlich wurde das Hostel bereits im Juni 2017 eröffnet. Nachdem die Stadt Bayreuth viele Jahre eine kleine Jugendherberge am selben Standort betrieb, schrieb sie das Gelände im Jahr 2013 aus, das Deutsches Jugendherbergswerk (DJH) gewann und ließ ab 2015 dort ein modernes Haus mit 180 Betten bauen.

„Die ersten beiden Monate nach Eröffnung 2017 waren schon im Voraus komplett ausgebucht.“ erinnert sich Anja Kurt, heute wie damals Leiterin der Herberge. Es sah nach einer gutbesuchten Zukunft aus, sogar in Japan wurde über die Anlage berichtet. Doch dann begann eine Wasserschadentragödie in drei Akten.

„Das Haus lebt mit seinen Gästen“ sagt Kurth, als sie von Wasserschaden Nummer 1 berichtet. Eine Muffe war bei Bau nicht fest verschweißt worden. Sehen konnte man das bei der Abnahme nicht. Und erst, als die Wasserleitungen von den Gästen auch normal beansprucht worden, brach das Leck. Unsichtbar, hinter einer Verkleidung. Die Lücke so klein, dass sie nur durch den Einsatz von gefärbtem Wasser gefunden wurde.
„Wir dachten, dass wir nur ein oder zwei Zimmer ausräumen müssen“ sagt Kurth. Der Betrieb ging weiter.

Wasserschaden Nummer 2 ließ nur einen Monat auf sich warten. Nach einem Stromausfall arbeiteten Heizungspumpen nicht. Die Konsistenz im Inneren der Rohre änderte sich. Dies im Zusammenspiel mit einem falsch verbauten Eckventil führte zur zweiten Katastrophe: Wasser sickerte durch die Zwischendecke und tropfte in untenliegende Räume. Notdürftig blieb die Jugendherberge weiterhin geöffnet.

Richtig Schluss war dann nach Wasserschaden Nummer 3. In einer Novembernacht platzte ein Kugelhahnventil in einem unbelegten Zimmer. Richtig schön warmes Wasser hat den Raum geflutet, man hätte damit duschen können, erzählt Kurth. „Wir haben es erst gemerkt, als eine Mitarbeiterin mir gesagt hat, dass es hinter der Türe rauscht.“ Komplette Schließung der Herberge war das Ergebnis.

Der TÜV Süd prüfte das Ventil. Technisch einwandfrei. Somit sind alle drei Wasserschäden die Folge menschlicher Fehler. Die verantwortliche, örtliche Sanitärfirma – ging bereits nach dem ersten Vorfall insolvent. „In der freien Wirtschaft wäre da für uns wohl Schluss gewesen. Das Haus hätte endgültig schließen müssen“ Darum ist Anja Kurth froh, dass die Jugendherberge zum DJH gehört. Personal konnte auf andere Häuser verteilt werden, Gelder für Trockenlegung und Wiederherstellung wurden bereitgestellt. Die gelagerten Lebensmittel zu anderen Häusern gebracht und dort verkauft. Dass solche Dramen an den Nerven zehren ist klar. Läge Anja Kurth das Haus nicht so am Herzen, hätte sie wahrscheinlich nicht weitergemacht, erzählt sie.

Rund ein Drittel der ursprünglichen Baukosten hat die Renovierung bisher gekostet. Jetzt soll es aber weitergehen, wenn auch nicht sofort in vollem Umfang. 16 Zimmer sind bezugsfähig – und bereits vollständig ausgebucht. Auch Buchungen für das übrige Haus liegen bereits vor. „Wir hoffen, dass wir Ende September alles eröffnen können.“ Dann darf auch das gesamte Personal wieder seinen Dienst in der Jugendherberge Bayreuth antreten. Laut Kurth sind fast alle Mitarbeiter wieder an Bord.

Und ein Gutes hat die ungeplante Schließung auch: „Wir konnten in aller Ruhe den Außenbereich mit Volleyballfeld fertigstellen.“

In unserer Bildergalerie finden Sie Fotos des Hostels während des Umbaus. Für Buchungen und Fotos des fertigen Hauses (aus dem Jahr 2017) folgen Sie einfach diesem Link.