Freizeit

So fanden wir den Bayreuth-Tatort

Am Bayreuth-Tatort scheiden sich die Geister. Im Internet wird hitzig diskutiert.Ist der Film nun brillant oder völlig überbewertet? Auch die Redakteure des bt sind verschiedener Meinung. Diese zwei hier zum Beispiel:

 

Susanne Jagodzik: „Andere Tatorte sind besser“

Susanne Jagodzik

Gestern war es endlich soweit. Der erste Bayreuth-Tatort wurde ausgestrahlt. Aber die Erwartungen wurden enttäuscht. Die Handlung war zwar spannend und das Ende überraschend. Dazu wurde die Stadt mit dem Uni-Campus auf der einen Seite und dem Festspielhaus auf der anderen, modern und klassisch gleichermaßen dargestellt.

Im Vergleich zum Münster-Tatort fehlen beim Franken-Tatort allerdings die Charakter-Schauspieler. Ein Jan Josef Liefers lebt seine Rolle durch und durch, verkörpert den Satire-Krimi und präsentiert sich mit einem gewissen Charme.

Auch das künstlich erzwungene Fränkisch ist albern. Der Polizeipräsident hatte sichtlich Mühe den richtigen oberfränkischen Dialekt zu finden. Insgesamt werden die Franken immer als etwas langsam und träge dargestellt. Schade.

 

Thorsten Gütling: „So muss ein Tatort sein“

Thorsten Gütling

Wenn das mal kein super Tatort war. Tiefsinnig bis zum Gehtnichtmehr. Ein echter Kracher. Bayreuth kann sich glücklich schätzen, dass gerade hier einer der besten deutschen Krimis aller Zeiten gedreht wurde.

Aber der Reihe nach: Umweltskandale, Politik, Zwischenmenschliches – dieser Krimi hatte alles, was ein Krimi im Jahr 2019 braucht. Über das Drama einer Todgeburt, an der ein korrupter Nahrungsmittelkonzern schuld sein soll, über einen Paragrafen, der die Täter und nicht die Opfer schützt und daher dringen überholt gehört, bis hin zu einem Ermittler-Duo, dem der Fall so nahe geht, dass es sich fragen muss, ob es sich überhaupt noch aufeinander verlassen kann.

Und dann noch diese Schauspieler: Voss und Ringelhahn alias Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel glänzen. Matthias Egersdörfer aus Lauf und der Hofer Andreas Leopold setzen die fränkischen Duftmarken – treffend, nicht übertrieben. Das Ganze garniert mit immer wieder schönen Ansichten dieser schönen Stadt.

Wer es besonders gut mit dem Tatort meint, der kann sogar die Dialekt-Aussetzer des Polizeipräsidenten als humorvolles Schmankerl verstehen. Hut ab vor diesem Tatort, in dem sich ähnlich der Bayreuther Wimmelbilder, die halbe Stadt wiederfindet.