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Sozialpädagoge am Mikrofon: Zac rappt für die gute Sache

Michael Sack, auch bekannt als Zac, ist Sozialpädagoge und Rapper. Er ist Gast in Folge fünf des bt-Hip-Hop-Podcasts „RaPod“ und spricht mit den Moderatoren Frederik Eichstädt und Johannes „Quasi“ Besold über politischen Rap, Freestyles und die Arbeiten an seinem neuen Album.

Im Fokus dabei: die Puerto Session #2 am Samstag, den 21. September, bei der Jugendliche aus Somalia, dem Iran, Syrien und anderen Ländern auf der Bühne stehen und ihre Lieder präsentieren.

Das Podcast-Interview mit Zac zum Anhören

Hip Hop als Herzensangelegenheit

Für Michael Sack ist Rap eine Weltsprache. Und für diese Annahme hat er Beweise. Sack, der als Rapper unter dem Pseudonym Zac bekannt ist, arbeitet mit geflüchteten Jugendlichen zusammen. Dabei geht es auch um Rap und das zahle sich aus, denn über die Musik finde er schnell Zugang zu den „Jungs“.

Jungen Menschen mit einer schwierigen Vergangenheit zu helfen ist für mich eine Herzensangelegenheit.

Für Zac ist Musik immer eine Charakterfrage. Viele der Geflüchteten würden die Musik in ihren Köpfen aus ihrer Heimat mitnehmen. Weil die Musik eine solch große Hörerschaft hat, solle Rap für ihn auch immer eine Aussage haben.

Rapmusik ist sehr textlastig. Dadurch kann man in den Liedern auch allerlei Probleme und diffizile Themen ansprechen. Bei anderen Genres geht das nicht ohne weiteres: Ich kenne zum Beispiel keinen Polit-Techno.

Michael Sack im Studio. Foto: Privat.

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Freestyles statt Kinderlieder

Zac hat selbst einen großen Hang zur Kreativität. Als Rapper bei Higher Market Sounds oder den Freggaz with Attitudes, steht der Künstler auch heute noch auf Bühnen und präsentiert dort seine Lieder und Texte. Auch das Freestylen macht dabei einen großen Teil aus: Das freie Improvisieren von Texten begleitet ihn schon seit seiner Kindheit.

Ich habe mir auch als kleiner Junge nie Kinderlieder angehört. Ich bin lieber selbst mit dem Rad durch die Straßen gefahren und habe eigene Lieder geschaffen. Und mein Sohn macht das jetzt eigentlich ganz genauso.

Sack fand es schon immer geil, Dinge aus dem Moment heraus selbst zu kreieren, wie er hinzufügt. Deshalb würden die Freestyles bei seinen Konzerten immer noch eine wichtige Rolle einnehmen. Denn, obwohl das freie Improvisieren heutzutage auf den großen Bühnen nicht mehr stattfindet, lebe es in gewissen Kulturkreisen, wie auch bei Stamp865 in Bayreuth, noch.

Die Freggaz with Attitudes auf der Bühne im JUZ Bamberg. Foto: Privat.

Rap mit Aussage

Als Jugendlicher kam er dann zum Hip Hop. Schon damals haben ihn die Texte einiger Rapper sehr beeindruckt. Im Lied „Danke Bush!“, äußerte Blumentopf-Rapper Holunder 2003 wortgewaltige Kritik am damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Sack erinnert sich noch bestens daran, als er den Song zum ersten Mal gehört hat.

Da saß ich in der Türkei in irgendeinem Kleinbus auf dem Weg zum Meer. Da dachte ich mir „Wow, der Track spricht mir direkt aus der Seele!“

(Michael Sack über „Danke Bush!“)

Eine internationale Bühne

Der Sozialpädagoge ist seit Jahren ein fester Bestandteil der Bayreuther Hip Hop Szene. Am kommenden Samstag ist er Mitveranstalter der Puerto Session #2 im Iwalewahaus.

Die Veranstaltung ist Teil der Interkulturellen Wochen und findet zum zweiten Mal statt. Die Jam ist der Höhepunkt eines Workshops, der junge unbegleitete Flüchtlinge an das Thema Rapmusik heranführt. Organisiert wurde der Workshop von Condrobs e.V., durchgeführt wurde er unter Mithilfe des Bayreuther Rappers Superphad. Bei der Puerto Session #2 werden nun am Samstag im Iwalewahaus ab 21 Uhr verschiedene Künstler aus Afghanistan, dem Iran, Syrien und anderen Ländern auf der Bühne stehen.

Hörprobe des afghanischen Rappers Jawati

Zac mit dem Mikro in der Hand. Foto: Privat.

Gut Ding will Weile haben

Selbst arbeitet der rappende Sozialpädagoge auch gerade an einem Album. Ein Erscheinungsdatum ist noch nicht angepeilt. Sobald die passende Mischung an Songs stehe, würde er sich um solche Dinge Gedanken machen. Thematisch möchte er sich dabei nicht festzurren lassen. Das Werk werde sowohl politische Aussagen beinhalten, wie auch lustige Songs oder tiefgründige Inhalte.

Es wird ein Album von mir. Da ist eben alles dabei!

Alles ist erlaubt

Im Allgemeinen sei im Hip Hop vieles möglich, so Sack. Dabei habe erstmal alles seine Legitimation, solange die Aussagen und Texte vom Interpreten selbst kommen würden. Für ihn sei es völlig normal, dass Leute Dinge anprangern, mit denen sie nicht zufrieden seien. Da kann es dann schon auch mal rauer zur Sache gehen. Dabei gebe es natürlich Grenzen.

Alles, was Leute dazu motiviert, blöde Dinge zu tun ist schlecht: auch Musik.

Zac live on Stage. Foto: Privat.

Der rappende Sozialpädagoge

Mit rechtsradikaler Rapmusik kann Sack nichts anfangen. Dennoch würde er sich, sofern er die Möglichkeit bekäme, mit den entsprechenden Interpreten an einen Tisch setzen und über ihre Aussagen und Texte sprechen. Es gebe dabei nämlich auch immer einen Grund, wieso diese Menschen so denken würden, wie sie es tun.

Ich glaube, die Hälfte aller Nazis ist belehrbar. Die hatten vielleicht eine schlechte Kindheit oder stecken in einer schwierigen Phase. Aber da bin ich vielleicht auch einfach zu sehr Sozialpädagoge.

Das ist Zac

NameMichael Sack
CrewsHigher Market Sounds, Freggaz With Attitudes, Stamp865, BBQ-Connection
HeimatortThurnau
AliasZac (Zac and Life)
Geboren1986
Erstes Rap-AlbumWu-Tang Clan - Enter the Wu-Tang (36 Chambers)
Bisher letztes Rap-AlbumDendemann - da nich für!
Bestes Rap-Album nationalBlumentopf - Eins A
Bestes Rap-Album internationalMasta Ace - A Long Hot Summer
Einflussreichste KünstlerJurassic 5, Styles Of Beyond, Samy Deluxe, Dendemann, Blumentopf, Beginner, Hilltop Hoods, Tosta und Bibsn
Bestes Rap-Zitat"Jeder Beat ist zum Rappen gemacht!" (Stamptisch)
Bestes MusikvideoArm und Hässlich - Unperfektion
Snoop Dogg x Lil Dicky - Professional Rapper
Bibsn - Ämtertainment
Dieser Künstler sollte erfolgreicher seinTosta, Bibsn und die Jungs von Stamp865
Rap ist für mich......neben Graffiti noch immer die stylischste Ausdrucksform der Welt!
Wieso mache ich RapWeil ich es mag und weil ich es kann.
Worüber rappe ichÜber alles, was der Beat mir souffliert
Mit diesem Trend in der Musik kann ich gar nichts anfangenTrap, Autotune, Mumble-Rap
Würde ich nicht rappen, ......wäre ich nicht ich geworden.

Hier gibt’s mehr Infos zu Higher Market Sounds.


Mehr zum RaPod

Der RaPod ist ein regelmäßig erscheinendes Podcast-Format von Frederik Eichstädt und Johannes „Quasi“ Besold. Mehr Infos dazu finden Sie in Kürze auf unserer Website.

Die RaPod-Moderatoren Frederik Eichstädt und Johannes „Quasi“ Besold. Foto: Carolin Richter.

RaPod

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