Bayreuth Tigers: Auf Augenhöhe mit dem Meister

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Seit gestern ist es offiziell: Die Ravensburg Towerstars sind Meister der DEL2-Saison 2018/19. Durch ein 5:1 in der heimischen CHG Arena gegen die Frankfurter Löwen entschieden die Oberschwaben die Finalserie gegen den Hauptrundenersten für sich. Der frisch gekrönte DEL2-Champion ging als dritter nach der regulären Saison in die Playoffs, spielte dort groß auf und krönte sich nun zum Meister. Doch auf dem Weg zum Titel mussten die Ravensburger harte Schlachten bestreiten, unter anderem auch mit den Bayreuth Tigers. Wir blicken auf die Aufeinandertreffen zwischen den Bayreuthern und dem späteren Meister zurück.

Ohrfeige für die Tigers

Hörte man sich am Ende der Saison in Tigers-Fankreisen um, herrschte eine einheilige Meinung. Während die Bayreuther gegen vermeintlich schwächere Gegner häufig Punkte liegen ließen, waren die Leistungen gegen die Top Teams der DEL2 meist beeindruckend. Zahlen belegen dies. Während die Tigers gegen Teams wie Deggendorf oder den EHC Freiburg mehrfach den Kürzeren zogen, holten die sie gegen die Top 3 der Liga insgesamt respektable sechs Siege aus zwölf Spielen.

Benjamin Kronawitter gegen Ravensburg. Foto: Karo Vögel.

Im ersten Vergleich mit den Towerstars sah dies jedoch noch anders aus. Am sechsten Spieltag setzte es in Ravensburg für die Tigers eine herbe 1:7-Klatsche. Nach dieser Partie rutschten die noch sieglosen Bayreuth Tigers auf den letzten Platz der Tabelle. Dabei hatten die Tigers anfangs noch geführt. In der sechsten Minute brachte Sebastian Busch die Wagnerstädter in Front. Nach einem Doppelschlag der Towerstars (16., 17.) lief für das Team von Petri Kujala dann aber nicht mehr viel zusammen. Am Ende mussten die Tigers mit einer schmerzhaften Niederlage und der Roten Laterne zurück nach Hause fahren.

Foto: Jakob Baumer

Neun-Tore-Spektakel in Bayreuth

In Spiel Nummer zwei lief es für die Tigers deutlich besser. Zwar standen die Bayreuther immer noch auf dem letzten Platz des Tableaus, konnten jedoch kurz zuvor endlich erste Erfolge einfahren. Die Ravensburger kamen als Tabellenführer in das Städtische Kunsteisstadion, doch davon ließen sich die Mannen von Coach Kujala nicht beeindrucken.

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Zwei Tore von Gläser und Heider brachten die Tigers im ersten Drittel in Front. Die Towerstars brauchten etwas, um nach dem Bayreuther Doppelschlag ins Spiel zurück zu finden. Doch als der Spitzenreiter los legte, schlug es so richtig im Kasten von Timo Herden ein. Binnen acht Minuten kamen die Ravensburger vom 0:2 zum 4:2 und bewiesen in diesen Momenten ihre Klasse. Doch wer dachte, dass die Partie nach der Aufholjagd gegessen war, der irrt. Vielmehr stand es bereits zwei Minuten später wieder Unentschieden, denn Ville Järveläinen und Luca Gläser brachten die Bayreuther zurück in diese verrückte Partie.

Die Tigers bejubeln Ville Järveläinens Treffer gegen Ravensburg. Foto: Karo Vögel

Am Ende mussten sich die Wagnerstädter dennoch geschlagen geben. Dem fünften Treffer der Oberschwaben, der Anfang des letzten Spielabschnitts fiel, hatten die Tigers nichts mehr entgegenzusetzen. So verloren die Bayreuther zwar die Partie, tankten durch ihre gute Leistung gegen den Tabellenführer jedoch eine große Portion Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben. Kurz darauf startete das Team Petri Kujalas dann eine Siegesserie von fünf Spielen.

Mit dem Sonderzug ins Glück

Die Partie im Dezember war für viele Tigers-Fans das Highlight der regulären Saison. Denn neben einem erfolgreichen Spiel, machte die An- und Abreise der Bayreuther im Sonderzug den Tag vor Silvester für die Anhänger zu einem Freudenfest. 250 Supporter begleiteten die Tigers an diesem Tag zum perfekten Jahresausklang nach Oberschwaben und bekamen dort eine spannende Partie mit versöhnlichem Ende geboten.

Das Spiel begann ereignisarm. Nach einem torlosen ersten Drittel, kämpften sich die Bayreuther immer besser in die Partie, sodass es am Ende des zweiten Durchgangs 2:0 für die Wagnerstädter stand. Der Jubel unter den mitgereisten Oberfranken war groß, als Jozef Potac und Henry Martens die Tigers in Führung brachten. Mit Wut im Bauch ging der Tabellenführer dann in den letzten Abschnitt. Dort gelang den Towerstars zwar der Anschlusstreffer, doch Mark Heatly stellte kurz darauf den zwei-Tore-Abstand zu Gunsten der Tigers wieder her. In der letzten Minute verkürzten die Ravensburger zwar nochmals auf 2:3, doch zum Ausgleich kam der Spitzenreiter nicht mehr. Selbstredend wurde der Sonderzug auf dem Weg zurück nach Bayreuth zum Partyexpress.

Petri Kujala. Foto: Alex Vögel.

Ich habe mir sagen lassen, dass Bayreuth noch nie ein Sonderzug-Spiel verloren hat. Und ich bin froh, dass ich nicht der erste bin, dem das passiert ist. Gratulation an meine Mannschaft, die Jungs haben gekämpft und alles getan.
(Petri Kujala über den 3:2-Erfolg beim Sonderzug-Spiel gegen Ravensburg)

Durch den Erfolg behaupteten die Bayreuther in der Tabelle Platz 12 und bewiesen einmal mehr, dass sie mit den Spitzenteams der Liga auf Augenhöhe spielen können. Gute Ergebnisse gegen Frankfurt, Bietigheim und Co. bestätigten diesen Fakt im weiteren Saisonverlauf.

Sieg unter chaotischen Vorzeichen

Die letzte Partie der Saison zwischen Ravensburg und Bayreuth stand unter einem schlechten Stern: auf beiden Seiten. Während die Towerstars am Tag vorher ihren Trainer auswechselten, ging das Team von Petri Kujala stark dezimiert in die Partie. So konnte der Tigers-Trainer gegen die auf den dritten Platz  zurückgefallenen Towerstars nur auf fünf Verteidiger und acht Stürmer zurückgreifen. Im Verlauf des Spiels musste Kujala dabei sogar einen Abwehrspieler im Sturm einsetzen.

Die Tigers bejubeln den Führungstreffer gegen Ravensburg. Foto: Karo Vögel

Trotz der personellen Probleme spielten die Tigers von Beginn an gegen den gebeutelten Titelaspiranten groß auf. So stand es nach 29 Minuten 4:0 für die Tigers. Und als die Ravensburger den Anschlusstreffer erzielten um sich gegen die drohende Klatsche zu sträuben, antworteten die Tigers in Form von Juuso Rajala direkt wieder mit einem Treffer. 5:1 stand es da nach 31 Minuten. Der Tigerkäfig bebte. Währenddessen flachte das Spiel ab und plätscherte 20 Minuten vor sich hin, ehe die Ravensburger noch zwei Mal ins Tor der Bayreuther trafen. Am Sieger der Partie änderten die beiden Ehrentreffer jedoch nichts mehr. Die Bayreuther besiegten das Spitzenteam mit 5:3.

Respektable Bilanz

In den vier Partien gegen den späteren DEL2-Champion Ravensburg holten die Bayreuth Tigers zwei Siege und kassierten zwei Niederlagen. Bei der Tordifferenz haben die Tigers mit 13:17 das Nachsehen. Dennoch ist die Bilanz der Tigers gegen den Meister durchaus beeindruckend und bestätigt das Potential, das im Kader Petri Kujalas steckt. Da viele Leistungsträger gehalten wurden und die Mannschaft so in der nächsten Saison, im Vergleich zu dieser Spielzeit, keinen großen Umbruch zu bewältigen hat, können Tigers-Fans positiv in die Zukunft blicken.