Testspielauftakt: 360 Kilometer Anreise für die Bayreuth Tigers

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Siggi Bachmeyer ist Fan der Bayreuth Tigers. Wie viele andere Anhänger hat sie sich am Donnerstag in ihr Auto gesetzt und ist zum ersten Testspiel der Saison gegen den HC Banik Sokolov gefahren. Der Unterschied: Anstelle eines kurzen Weges durch die Bayreuther City oder das Umland, führte Siggis Reise heute mehr als 360 Kilometer weit: Denn sie ist extra aus Berlin angereist, um ihre Tigers in Aktion zu sehen. Das Bayreuther Tagblatt blickte ihr dabei über die Schulter.

Seit 30 Jahren immer dabei

Sieglinde Bachmeyer, besser bekannt als Siggi, kommt aus Trebgast. Auch heute wohnt sie noch dort. Ihr Job im Qualitätsmanagement führt sie im ganzen Bundesgebiet herum. Heute Mittag saß sie noch in der Geschäftsstelle in Berlin am Schreibtisch, ehe sie, früher als üblich, ihre Sachen packte, um rechtzeitig zum Spiel in der Wagnerstadt sein zu können.

Tigers-Verteidiger Henry Martens auf dem Eis. Foto: Karo Vögel.

Ihre erste Tigers-Partie besuchte sie 1989: Damals spielte Bayreuth gegen den EHC Nürnberg. Seitdem ist Siggi, so oft es geht dabei. Im Eisstadion ist sie seit 2018 Teil der Fangruppe Sektion Tigerfans. Im Februar 2018 gründeten einige Tigers-Anhänger die neue Gruppierung, um der Mannschaft in den Playdowns gegen die Lausitzer Füchse beizustehen. Doch die Faszination für die Tigers ist in der Familie Bachmeyer weit älter.

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Sitzen kommt nicht in Frage

Um die Männer auf dem Eis zu unterstützen, hat Bachmeyers Familie seit vielen Jahren Dauerkarten im Stehplatzbereich. Auch beim Spiel gegen Sokolov ist Siggi gemeinsam mit ihren beiden Söhnen vor Ort. Im Block trifft sie dann natürlich immer allerhand Freunde und Bekannte.

Siggi Bachmeyers Blick aufs Feld. Foto: Frederik Eichstädt.

Sitzen komme für Bachmeyer beim Eishockey nicht in Frage, denn genau dort, wo sie seit Jahren stehe, fühle sie sich wohl. Dort schreit sie vor jedem Spiel bei der Teampräsentation begeistert die Namen der Recken auf dem Eis mit. Auch heute: obwohl die Partie nur ein Testspiel ist.

Der Verein steht über allem

Auf dem Eis machen die Tigers im ersten Test gegen den tschechischen Zweitligisten zu Beginn eine gute Figur. Durch gut herausgespielte Treffer gehen die Bayreuther mit 2:0 in Front. Als erster Torschütze der (Test-) Spielzeit 19/20 geht dabei Torgarant Ville Järveläinen hervor. Für Bachmeyer kommt es aber in erster Linie auf das Team an. Denn während Spieler kommen und gehen, würde der Verein immer über allem stehen.

Zu den Transfers für die neue Saison kann sie noch nicht so viel sagen. Zum einen ist Sieglinde kein Fan, der sich in taktischen Analysen und Hintergründen verstrickt, sondern lieber die Action auf dem Eis genießt. Auf der anderen Seite könne man den wirklichen Wert eines Spielers sowieso erst dann erkennen, wenn er im Team etabliert ist und seine Leistung regelmäßig abruft. Das ist auch in ihrem Beruf so. Da passiert es auch immer wieder, dass neue Kollegen die in sie gesetzten Erwartungen übertreffen, während andere wiederum auch mal enttäuschen.

Bayreuth Tigers vs. Sokolov: Wo ist der Puck? Foto: Karo Vögel.

Immer verrückt

Viel Raum für lange Gesichter ist bei Siggi Bachmeyer und der Sektion Tigerfans derzeit nicht. Wie die anderen, freut sich auch Bachmeyer darüber, dass es endlich wieder los geht. Bereits letzte Woche war sie in ihrem Urlaub bei drei Trainingssessions im Eisstadion dabei.

Meine Vorfreude auf die neue Saison ist irre, aber ich bin da eigentlich kein Maßstab. Ich bin immer verrückt.

(Siggi Bachmeyer freut sich auf die neue DEL2-Saison)

Siggi Bachmeyer hat auch in der Drittelpause gute Laune. Foto: Frederik Eichstädt.

Am meisten fasziniert Siggi die Dynamik des Eishockeys. Der Sport sei sehr schnell und körperlich, da könne man beim Zusehen richtig mitgehen.

Mir gefällt die gesunde Härte auf dem Eis. Ich mag es, dass die Spieler nicht bei jeder kleinen Berührung gleich umfallen oder schauspielern.

(Siggi Bachmeyer über ihre Faszination für Eishockey)

Gute Laune trotz Niederlage

Ein Schauspiel gab es beim Spiel gegen Sokolov nicht. Dafür jede Menge Eishockey. Im Laufe des zweiten Drittels gelang es den Gästen das Spiel zu drehen. Kurz vor der zweiten Drittelpause zeigte die Anzeigetafel ein 2:4 aus Sicht der Tigers. Am Ende der Partie stand dort sogar 2:5.

Siggi lässt sich die Laune durch die Schlappe im ersten Testspiel dennoch nicht verderben, schließlich habe sie eine gute Partie im Eisstadion mit schönen Toren gesehen. Zudem seien die Tschechen in der Vorbereitung schon etwas weiter, während die Tigers zum ersten Mal in dieser Formation auf dem Eis standen.

Ich ärgere mich nicht über die Niederlage. Wichtig wird es sowieso erst später, so wie letztes Jahr in den Playdowns gegen Deggendorf.

(Siggi Bachmeyer über die Niederlage im Testspiel)

Und auch wenn die Tigers, wie heute, mit gesenkten Köpfen vom Eis gehen, wartet Siggi nach dem Spiel bei den Umkleiden auf die Spieler. Zeit für einen kurzen Plausch mit ihr finden diese nämlich immer. Für sie ist das mittlerweile selbstverständlich. Also steht sie bei jedem Spiel an der Türe bereit, besonders auch bei Niederlagen. Denn dann sei es am wichtigsten, erklärt sie.

Tigers-Goalie Timo Herden hat den Angreifer von HV Sokolov im Blick. Foto: Karo Vögel.

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