Tavernier-SpVggBayreuth

Vereinsmitglied seit Geburt: Ein Leben bei der Altstadt

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Frank Tavernier ist Hauptkassier bei der SpVgg Bayreuth. Seit 48 Jahren ist er schon Teil des Vereins. Das Bayreuther Tagblatt hat ihn am Freitag während seiner Arbeit beim Heimspiel gegen den TSV 1860 Rosenheim begleitet.

Pünktlich um 17:05 Uhr steht Frank Tavernier schon in der Nähe seines Kassenhäuschens am Eingang Friedrich-Ebert-Straße. “Um 17:15 Uhr öffnen wir hier und auf der Main-Seite die ersten beiden Kassen. Ich bin aber meistens schon eine Stunde vor Öffnung hier”, erklärt Tavernier. Der 48-Jährige ist nicht nur Hauptkassier, sondern auch Mitglied des Ehrenrates. Schatzmeister war er in der Vorjahren ebenfalls. Im Altstadt-Kult in der Erlanger Straße, einer Kneipe mit Museum, trifft man ihn als Mitglied des Fanclubs ebenso oft an. “Vor und nach den Spielen und auch jeden Mittwoch zum Stammtisch kommen die Altstadt-Fans dort zusammen”, sagt er. 

Friseur-Inhaber und Hauptkassier

Er verbringe sehr viel Zeit mit dem Verein – und das sehr zum Leidwesen seiner Frau, sagt er und lacht. Aber wenigstens: “Ein Mal im Jahr kommt sie zu einem Heimspiel und fährt außerdem einmal im Jahr mit zu einem Auswärtsspiel”, erzählt er. So sei die Abmachung. Ansonsten ist Tavernier Inhaber eines Friseur-Geschäftes in der Bayreuther Innenstadt.

Mein Vater war hier Spieler. Ich wurde quasi in die Altstadt-Welt hineingeboren und bin seit 48 Jahren, also quasi seit Geburt, Mitglied im Verein.

Viele bekannte Gesichter

Tavernier sperrt um 17:15 Uhr, also eine Stunde vor Spielbeginn, sein Kassenhäuschen auf. Dann ordnet und reservierte er Karten und Wechselgeld. Im Anschluss öffnet der Kassierer den Vorbau am Fenster. Dort stehen schon einige Menschen in der Schlange. “Servus mei Guter”, begrüßt er einen Zuschauer an der Kasse. Er kenne eigentlich die meisten hier, schließlich sei er immer da, sagt er. Im laufenden Takt trudeln Zuschauer ein. Die jüngsten davon liegen noch im Kinderwagen, die Älteren gehen langsam auf Krücken gestützt. Doch alle haben ein Ziel: die SpVgg Bayreuth zu sehen.

Es gebe vier verschiedene Kartenkategorien und die Kinderkarten. Die Hauptfrage, die gestellt wird: Sitzen oder Stehen? Jede verkaufte Karte trägt Tavernier in eine Liste ein, je nach Kategorie. “Nach der Halbzeit rechne ich daraus die heutige Zuschauerzahl aus”, erklärt er.

Ich mache das so oft und bin gerne für den Verein aktiv. Es fühlt sich gar nicht mehr wie arbeiten an.

Sitzen, wie immer?

Doch Tavernier ist nicht der einzige Kassierer bei der SpVgg. Eine halbe Stunde später machen dann Kasse drei und Kasse vier auf – so viele seien bei einem gewöhnlichen Punktspiel besetzt. Bei Tavernier holen die anderen Kassierer dann die Karten, Listen und das Wechselgeld. “Insgesamt sind wir acht Kassierer. Natürlich habe als Hauptkassier auch eine Stellvertretung, erklärt er. Dann naht der nächste Zuschauer.

“Sitzen, wie immer?”, fragt Tavernier. “So mach ma’s”, antwortet ein weißhaariger Mann in Weste und strahlt. Der Kassierer gibt ihm die Karte, steckt das Geld in die Kasse und macht einen Strich auf seiner Liste. “Es ist zwar nicht elektronisch, aber dafür ein einfaches System”, erklärt Tavernier während er auf die Liste zeigt. Der nächste in der Schlange ist ebenso ein bekanntes Gesicht: “Auch mein Vorgänger, der hier 40 Jahre lang saß, kommt regelmäßig zu den Spielen”, erklärt der 48-Jährige und nickt dem Mann zu.

In der Liste vermerkt Tavernier jede verkaufte Karte zum Spiel. Foto: Redaktion

“Deswegen fahre ich so gerne zu Auswärtsspielen”

Das Privileg von Tavernier: “Ich fange immer als erster an der Kasse an und kann dann auch mal während des Spiels zur Tribüne schauen.” Allerdings ist es dann doch nicht immer ganz so einfach: “Es passiert ständig, dass bei Heimspielen Tore fallen, und ich sie verpasse”, erklärt er auf dem Weg zur anderen Kasse auf der Mainseite. Und prompt: Im Hans-Walter-Wild-Stadion jubeln die Fans, Tavernier hat gerade die Kasse erreicht und steht mit dem Rücken zum Spielfeld. Knezevic schießt das erste Tor. “Genau das meine ich”, sagt Tavernier und schüttelt grinsend mit dem Kopf. “Deswegen fahre ich so gerne zu Auswärtsspielen. Da bekomme ich alles mit”, ergänzt er.

In Bayreuth möge er vor allem die neue Tribüne sehr. “Das ist die Atmosphäre einfach gut und viele junge Fans, die Stimmung machen. Die neue Tribüne war wirklich dringend nötig gewesen”, fügt er hinzu. Heute würde die Altstadt gewinnen, sagt er. Das habe er im Gefühl, auf jeden Fall. Und er behält Recht: Eine Stunde später steht es 3:0 für Bayreuth. Dass jemand nicht ins Stadion gelassen werde, komme sehr selten, vielleicht höchstens einmal im Jahr vor. “Das passiert wirklich nur, wenn jemand stark alkoholisiert ist”, sagt er.

Eine Vertrauensgeschichte

Jeder neue Kassierer werde zwei bis drei Spiele lang angelernt, danach sei allerdings jeder selbst für seine Kasse verantwortlich. “Es ist schon eine Vertrauensgeschichte. Im Notfall sei er für die anderen aber via Handy erreichbar. Bis zur Halbzeit. Da schließen die Kassen der Spielvereinigung Bayreuth dann, Tavernier kommt mit den anderen Kassierern in seinem Kassenhäuschen zusammen und es wird abgerechnet. “Wenn du sagst deine Kasse passt, dann passt’s”, sagt er zu einer der Kassiererinnen. Eine Vertrauensbasis, die sich bewährt hat, wie er sagt. Die Zuschauerzahl gibt er im Anschluss an den Stadionsprecher: Heute, beim Heimspiel gegen den TSV 1860 Rosenheim, sind es insgesamt 738.

Wechselgeld und Einnahmen sortiert er in einen Kasse sowie eine Mappe. Die Listen übertrage er zuhause auf den Computer. Jetzt sei wieder etwas Zeit um das Spiel zu verfolgen. “Nach dem Spiel, bezahle ich noch unsere Ordner aus und schaue mir die Pressekonferenz an”, sagt er und schließt sein Kassenhäuschen ab.