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Stadtmeisterschaft: Ein Fest für Familien

Der FC Eintracht ist Stadtmeister im Hallenfußball. Auf dem Weg zum Titel feierten die 2200 Zuschauer am Donnerstagabend ein großes buntes Familienfest.

Fast 2.000 Zuschauer vermeldet Hallensprecher Christian Höreth gegen 19 Uhr. Da ist noch Luft nach oben. Ist aber auch noch früh am Abend. Manch einer sitzt bestimmt noch beim Abendbrot. Andere lassen am Bierausschank bereits zum dritten Mal die Luft aus dem Becher. Stadtmeisterschaft ist eben ein Fest für alle. Papi trägt die gute Trainingsjacke nochmal auf und sucht die alten Kumpels im Publikum. Die Kinder spielen derweil Räuber und Gendarm hinter der Bande. Die Nachwuchsspieler, die gekommen sind um die Kader aufzufüllen, flanieren händchenhaltend mit ihren Freundinnen hinter den Toren auf und ab. Und die „Spielerfrauen“? Die suchen und finden sich. „Na, auch alleine hier?“ ist eine beliebte Gesprächseröffnung an diesem Abend.

Stadtmeisterschaft in der Oberfrankenhalle
Foto: red.

Beim Spiel der Spielvereinigung gegen St. Johannis geht es auf und ab. Pfosten folgt auf Lattenkracher. Dass der Schuss der Kanzer über der Torlinie war, hat in der Oberfrankenhalle scheinbar jeder gesehen – nur der Schiri nicht. Jetzt wird gepfiffen. Als die Kanzer die Altstädter am Ende besiegen, steppt in der Halle zum ersten Mal an diesem Abend der Bär. Alle Jahr wieder: Der Top-Favorit hat beim Publikum der Stadtmeisterschaft immer einen schweren Stand. Und trotzdem: Mit zwei Toren hat Toni Makarenko und damit natürlich ein Altstädter zu diesem Zeitpunkt in der Torschützenliste die Nase vorn.

Klangvolle Duelle in der Gruppenphase: Die Saas trifft auf den FSV. Bezirksligist gegen Bezirksligist. Das klingt nach Halbfinale – mindestens.

Dann geht ein Raunen durch die Halle. Böses Foul zwischen dem SC Kreuz und der Eintracht. Es geht um den Gruppensieg. Dass erstere die Tabelle anführen, lässt Hallensprecher Christian Höreth verwundert die Augen reiben. Wird sich aber vermutlich bald ändern. Die Kreuzer müssen zwei Minuten lang mit einem Spieler weniger auskommen. Gerechtigkeit muss sein. Wenig später schießt die Eintracht das 1:0. Daniel Heublein, wer sonst, schlägt zu. Die Halle tobt. Die Eintracht hat ordentlich Fans im Schlepptau.

Foto: red.

Egal bei welchem Spiel: Wenn die letzte Spielminute läuft, wird die Oberfrankenhalle zur Disko. Stadtmeisterschaft ist Party. Mittendrin in der guten Laune geht ein strammer Schuss auf die Tribüne. Haarscharf vorbei an einer Reihe halbvoller Bierbecher. Aufatmen!

Als Laineck auf Donndorf trifft und Höreth gerade von einem Spiel auf Augenhöhe spricht, da schlägt es im Netz der Donndorfer ein. Erkan Tasdelen trifft im Nachschießen. Den Ausgleich verhindern die Lainecker im letzten Moment durch eine wunderbare Grätsche. „Der ASV lebt“, sagt Höreth. Wäre auch schade, wenn nicht.

Oldschdoooooooood“

Mit zwei Siegen im Rücken gehen die Preuschwitzer als die „Makellosen“ ins Duell mit der Altstadt. Der Titelverteidiger aus dem Vorjahr zehrt noch an der Niederlage gegen die Kanzler, da brüllt einer aus vollem Hals „Oldschdoooooooood“ von der Tribüne. Die fünf Gelben auf dem Spielfeld dürften jetzt wach sein. Manch anderer taub. „Ich hör nix“, ruft der Sitznachbar des Schreihals.

4:0! Das ist die erste richtige Klatsche an diesem Abend. Und die verpasst der FSV dem Post SV. Aus den Boxen dröhnen die Fantastischen Vier: „Wir sind unzertrennbar, wir sind unverkennbar, wir setzten uns ein Denkmal…“ Macht mal halblang, ganz so weit ist es noch nicht. Der FSV ist jetzt erstmal im Viertelfinale.

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An der Eintracht führt kein Weg vorbei. Die Mannschaft mit den meisten Fans in der Halle ist im dritten Spiel noch ohne Gegentor aber mit sechs eigenen Treffern. Zack, zappelt das 4:0 im Netz. Genau ins Eck. Als bester der drei Gruppenersten lässt sich eben unbeschwert aufspielen. Bevor es traumatisch für die Lainecker wird, hat die Stoppuhr in der Halle ein Einsehen.

Dann wird’s brutal. Im doppelten Sinne. Die Kreuzer stehen eigentlich schon im Viertelfinale. Da räumt ein Kreuzer einen Donndorfer kurz hinter der Mittellinie rabiat ab. Schmerzverzerrte Gesichter selbst im Publikum. Und blöderweise die zweite Zeitstrafe kurz hintereinander. In der Folge spielen drei Kreuzer gegen fünf Donndorfer, kassieren zwei Gegentore in kürzester Zeit, gehen mit 4:0 vom Feld und sind plötzlich nicht mehr weiter sondern wegen der Tordifferenz raus. Die Strafe folgt halt doch auf dem Fuß, oder so ähnlich. Des einen Leid, des anderen Freud: Laineck kommt mit drei Punkten aus drei Spielen und 1:2 Toren tatsächlich ins Viertelfinale. „Entscheidend ist auf’m Platz“, hat schon Adi Preißler gesagt, das Borussen-Urgestein.

Foto: red.

Dann ist Pause. Zeit, dass die Kinder kicken. Nach Brutalo-Foul und 48 Toren endlich wieder Familienfest.

Mit dem TFC macht die Eintracht danach kurzen Prozess: 6:0. Die Eintracht steht zum dritten Mal in Folge im Halbfinale. Der Sieger der nächsten Begegnung trifft auf die Eintracht, sagt Höreth, vielleicht schieben sich Saaser und Preuschwitzer deshalb so lustlos die Kugel zu.

Hinter dem Fangnetz ist vor dem Bierausschank. Gestandene Männer kommen sich näher. Die Halbe kostet sozialverträgliche 3,50. Grund genug, sich endlich mal in den Arm zu nehmen.

Auf der anderen Seite des Fangnetzes: Stimmung!! Zehn Sekunden vor Ablauf der Spielzeit macht Oberpreuschwitz den Ausgleich gegen die Saaser. Es ist Zeit für das erste Neunmeterschießen des Abends. Jetzt ist Stimmung in der Hütte. Kurze Zeit später ist klar: Preuschwitz trifft auf die Eintracht. Gejubelt werden darf trotzdem kurz. Weiter außerdem: die Spielvereinigung und der FSV, die im Halbfinale aufeinander treffen – das Finale aus dem Vorjahr gibt es heuer eine Runde früher. Außerdem, eh klar, die Eintracht.

„Boah“ tönt es von den Zuschauerreihen. Die Eintracht scheint in Oberpreuschwitz seinen Meister gefunden zu haben. Max Glass aus Oberpreuschwitz hat schon in letzter Minute gegen die Saaser getroffen und schenkt den Jungs von der Oberen Roth einen ein. Kurz darauf steht es 2:0. Dann ein magischer Moment: Beim Anschlusstreffer der Eintracht fliegt Konfetti aus dem Fanblock. Kurze Zeit später fliegen die Schnipsel schon, da wird der Ball gerade noch von der Linie gekratzt. Jetzt ist Dampf im Kessel. Wurde aber auch Zeit, ist schon bald zehn! Auf den Plattentellern dreht sich „Highway to hell“ und die Eintracht gleicht aus. Im Neunmeterschießen behält die Eintracht die Nerven und steht als erste Mannschaft im Finale.

22 Uhr – es ist spät geworden in der Oberfrankenhalle. 2223 Zuschauer sind mittlerweile da. Hallensprecher Höreth spricht von so vielen, wie seit Jahren nicht mehr. Im zweiten Halbfinale gewinnt der FSV gegen die Altstadt mit 1:0. Dann schalten wir um zum Kunstradfahren. Corinna Wirth aus Eckersdorf – eine der besten der Welt in ihrem Sport – dreht ihre Runden. Die Kinder haben bereits das Spielfeld gestürmt und müssen weichen – und die FSVler sich erholen. Dann geht’s ins Finale.

Die Eintracht geht in Führung, die Fans klatschen wie die Isländer und der FSV gleicht aus. Erstaunlich ist: Die Ränge sind leerer statt voller geworden. Die Frauen sind weniger. Wieder eine Parallele zum Familienfest: Irgendeiner muss die Kinder ja ins Bett bringen.

Dann Daniel Heublein!! Wird vier Meter vor dem Tor gefällt. Holt den Freistoß raus. Mike Baumgarten packt den Hammer aus, abgefälscht, drin, Jubel, Ende!

Das gab es noch nie. Zum ersten mal in der 31 Jahre alten Stadtmeisterschaftsgeschichte gewinnt die Eintracht. Die meisten der insgesamt 84 Tore hat daher – wen wundert’s – ein Eintrachter  geschossen: Daniel Heublein. Herzlichen Glückwunsch!

Ach ja: Ausrichter waren der Stadtsportverband und der Sportring Bayreuth. Schön wars. Dankeschön!

Text: Thorsten Gütling