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Fotos der Ausstellung

Kunst greifbar machen: Susi Werner und “Eukaria”

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Bis vor Kurzem war im Forum Phoinix in der Kämmereigasse 9 1/2 Susi Werners erste Soloausstellung zu sehen. “Eukaria” lautet der Titel und porträtiert die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Mit kritischen Untertönen. Wir haben uns mit Susi zu einem Gespräch über sich selber und ihre Kunst getroffen.

Nach einem abgebrochen Kunststudium in Nürnberg war erstmal Pause. Zu elitär war die Ausbildung, zu unnahbar der künstlerische Ansatz für Susi Werner. Seit eineinhalb Jahren hat sie wieder angefangen zu malen und zu zeichnen, wann immer sie Lust hat. Es ist ein Impuls, keine bewusste Entscheidung. Derzeit macht sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Und möchte mit ihrer Kunst vor allem eins: Menschen erreichen. “Kunst entzieht sich den normalen Leuten”, so Werner.

Fotos der Ausstellung

Foto: Susi Werner

Was sie möchte? Etwas erschaffen das alle erreicht, nicht nur die Kenner. Sie hält nichts von dem abstrakten Ansatz, der oft in der Welt der Künste vertreten wird. Nichts davon, die Mehrheit dadurch auszuschließen, die nichts damit zu tun haben. Sie möchte mit Menschen über ihre Kunst reden, sie erreichen, es verständlich machen.

“Eukaria” ist ihre erste Ausstellung. Für was der Titel steht? Eine spontane Eingebung ihres Freunds, ein Biologe. Sie illustriere ja nur Mehrzeller, Eukaryoten. Daraus entstanden ist “Eukaria”.Und zeigt das Spannungsverhältnis zwischen dem Menschen und der Natur. “Auf der einen Seite gibt es eine tiefe Verbundenheit, gleichzeitig immer mehr Distanz, wir entfernen uns von der Natur.” In ihrer Ausstellung kommen verschiedene Aspekte zu Tage: das Bienen- und Artensterben, die Grundwasserverschmutzung. Der Mensch schröpft die Natur, so wie es ihm beliebt. Vor allem mit dem Bienensterben hat sich Werner stark in der letzten Zeit beschäftigt.

Fotos der Ausstellung

Foto: Susi Werner

Was für sie das größte Kompliment war? Die Worte einer Bekannten, die meinte sie könne zum ersten Mal etwas mit Kunst anfangen. Es sagt viel über ihren Anspruch aus. Die meisten Illustrationen sind im Laufe des letzten Jahres entstanden. Und oft steht der menschliche Körper im Fokus. Früher vor allem Männer, mittlerweile ist es die Frau. Dabei tritt auch ihre Definition als Feministin zu Tage, gegen eine Kunstwelt, die vor allem von Männern dominiert ist. Der menschliche Körper und seine Vielfältigkeit, so Werner, sei ihr Hauptinteresse. Natürlich spielen da auch Aspekte von ihr selber mit rein. Identifikation ist das Stichwort.

Mehr ihrer Kunst finden Sie auf Facebook und Instagram.

Samanea Karrfalt mit dem Ausstellungsposter "Genesis".

Love is love! – Ausstellung zu queerer Liebe im Iwalewahaus

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In 72 Ländern der Welt gibt es Anti-LGBTQIA Gesetze. In Kenia ist es tabuisiert und homosexuelle Handlungen werden verfolgt und bestraft. Die Ausstellung “Genesis” zeigt die Werke von sechs kenianischen Künstlern und Künstlerinnen, die mit dem Verbot brechen.

Samanea Karrfalt ist studentische Mitarbeiterin im Iwalewahaus und Kuratorin der Ausstellung “Genesis//Autonomous Bodies”, die am Samstag, den 27. Oktober eröffnet. Es geht um queere Liebe, um queeres Leben in Kenia. Die Fotografien machen es sichtbar. Sie zeigen Intimität und Erlebnisse dieser verfolgten Gruppe. Denn natürlich gibt es sie, die liebende LGBTQIA-Community in Kenia. Wir haben mit Samanea Karrfalt über “Genesis” und queere Liebe gesprochen.

Post it auf Tastatur

Do it! Ein Happening im Forum Phoinix

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Es ist Dienstag und das bedeutet Sübkültür-Zeit in der Kämmereigasse 9 1/2. Dieses Mal unter dem Motto: Do it! Ein Happening. Wir haben recherchiert, was dahinter steckt. 

Do it – die unendliche Ausstellung

“Do it” geht auf den Kurator Hans-Ulrich Obrist zurück und wurde von mehr als 120 Künstlern und Künstlerinnen gestaltet. Erstmalig entstanden 1993 durch den Gedanken, Ausstellungen flexibler und offener zu gestalten, ist “Do it” seither quer durch die Länder der Welt gezogen. Und gibt Anweisungen. Es geht um Handlungen. Der Ausstellungsbesucher wird zum Künstler. Die Ausführungen selbst werden zur Kunst. “Whatever you do, do something else.”, “When you are walking, stop and smile at a stranger.” oder “Do something unique that only you and no one else in the world can do. Don’t call it art.” sind Beispiele dieser Aktionen. Seit 1995 besteht “Do it” auch als Buch und hat damit zahlreiche Menschen aus ihrem Alltag reißen können.


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Do it im Forum Phoinix

Am heutigen Dienstagabend steht das Forum Phoinix ganz in der Tradition dieser Ausstellung. Jeder Besucher und jede Besucherin wird eine Anweisung bekommen. Eine Anleitung etwas zu tun, zu erschaffen, zu denken, der Instruktion den eigenen persönlichen Stempel aufzudrücken. Wichtig dabei ist: es geht nicht um künstlerisches Talent oder einen Wettbewerb. Sondern vielmehr darum gemeinsam etwas zu erschaffen. Und sich in der Reihe derer einzureihen, die “Do it” überall auf der Welt fortgeführt haben.

Do it – MU artspace

DO IT von MU artspace auf Vimeo.

Kreuz: Bauausschuss mit Empfehlung

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“Ich konnte 11 Jahre lang mit keinem guten Gewissen Opfer sein”

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2012 begann die Nürnbergerin Birgit Mair mit ihrer Arbeit an der Wanderausstellung “Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen”. Für Mair steht nicht der NSU im Fokus – vielmehr möchte sie die Opfer in den Mittelpunkt rücken. 

“Jeder der Ermordeten sah aus wie ein Verbrecher” beschreibt Birgit Mair die Fotos, die von den Opfern des NSU durch die Medien gingen. Dem will sie entgegensteuern. Mit der Ausstellung Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“, die derzeit im Bareuther RW21 stattfindet. Birgit Mair führt durch die Ausstellung, zeigt die Porträts der Opfer, macht ihre Geschichten fühlbar. Es ist ihr wichtig die Familien zu zeigen, denn für Mair wurde das Versprechen an die Angehörigen, die Verbrechen komplett aufzuklären, nicht eingehalten.

Über Jahre hinweg sprach man in der Öffentlichkeit von den “Dönermorden”. 2012 wurde es gar zum “Unwort des Jahres” erklärt. Man unterstellte den Opfern öffentlich etwas mit der “Wett-Mafia” zu tun zu haben, dem organisiertem Verbrechen anzugehören. Reine Spekulationen, die sich im Laufe der Ermittlungen von “Soko Halbmond” und “Bosporus” als völlig falsch herausstellten. Laut Mair prägten Rassismus und Vorurteile die Ermittlungen. Und über den Kern des NSU hinaus brachten sie kaum Unterstützer des Terrors vor Gericht.

Bei der Ausstellungseröffnung scheinen die Ausführungen von Birgit Mair das Publikum zu bewegen. Manche verweilen im Anschluss an ihre Rede. Wirken nachdenklich und sprechen über die ausgelöschten Leben. In diesem Moment wird klar, dass Mair ihr Ziel erreicht hat. Denn es geht nicht um Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe.

Es geht um:

Enver Şimşek, Mehmet Turgut, Abdurrahim Özüdoğru, Michèle Kiesewetter, Süleyman Taşköprü, İsmail Yaşar, Habil Kılıç, Mehmet Kubaşık, Theodoros Boulgarides und Halit Yozgat.

Ein Videointerview mit Birgit Mair finden Sie oberhalb dieses Textes.

Wanderausstellung: Leidenschaft, die Spuren hinterlässt

Wanderausstellung zu 100 Jahren Handwerk in Bayern

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100 Jahre Freitstaat Bayern, 200 Jahre Verfassungsstaat Bayern. Anlässlich dieser beiden Jubiläen startete die Wanderausstellung “Leidenschaft, die Spuren hinterlässt” am Tag des Handwerks in Nürnberg und portraitiert elf Bayerische Handwerksbetriebe – angefangen vom Metallbaubetrieb im Jahre 1918 bis zu einem Startup im Jahr 2018.

Für einige Tage zu sehen sind die Fotoaufnahmen in den Städten Augsburg, München, Passau, Regensburg, Würzburg oder Bamberg. Und in dieser Woche im 1. OG des Bayreuther Rathauses: 100 Jahre Handwerkstradition zum kennenlernen.

Thomas Zimmer, Präsident der HWK für Oberfranken im bt-Interview:

Impressionen der Ausstellungseröffnung im Bayreuther Rathaus:

Gespiegelte Wirklichkeiten im Historischen Museum Bayreuth

Bayreuths gespiegelte Wirklichkeiten

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Der Ausflug in die theatralische Vergangenheit Bayreuths begann mit einem geschenkten Marionettentheater.
Nicht für den Besucher, in der Sonderausstellung “Gespiegelte Wirklichkeiten” steht es nämlich ganz am Ende des Rundgangs, aber für Martina Ruppert.

In ihrer Funktion als Leiterin des Historischen Museums bekam sie die Mini-Bühne von den Nachfahren des ehemaligen Bayreuther Bürgermeisters Friedrich Carl Dilchert geschenkt. Der war von 1851 bis 1863 im Amt, also Jahrzehnte, bevor überhaupt an Wagner Festspiele zu denken war. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das geschnitzte Stück Geschichte von der Familie Dilchert zur Belustigung der eigenen und der Nachbarskinder gekauft. “Im Winter haben sie den gesamten Nachwuchs der Gegend mit dem Schlitten eingesammelt und die Erwachsenen haben für die Kinder ein Theaterstück aufgeführt. Dafür gab es sogar extra Regiebücher zu verschiedenen Stücken.” Also fast so etwas wie historische DVDs.
Ruppert war fasziniert und organisierte eine gesamte Ausstellung um Bayreuth und dessen Theatergeschichte.

 


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Darum kann man nun im Historischen Museum Programmhefte aus dem Jahr 1944 sehen. Oder ein extrem seltenes, aus Wachs geformtes Bühnenbild, von dem bis heute nicht klar ist, wie seine Herstellung überhaupt möglich war.

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Extrem eindrucksvoll ist der Originalentwurf eines Bühnenbildes für das Opernhaus, gezeichnet von Carlo Bibiena. Die Zeichnung ist sowohl die erste Arbeit des berühmten Theaterarchitekten, als auch das erste Bild der, zu dieser Zeit noch nicht eröffneten, Oper. Das Original ist so wertvoll und anfällig, dass es hinter einem schwarzen Vorhang versteckt werden muss. Lüftet man ihn, zieht einen das Bild im Gedanken tief hinein, in die Vergangenheit des Bayreuther Weltkulturerbes.

Damals hätte eine Reproduktion Wochen gedauert, heute geht das zum Glück schneller. So kann man eine vergrößerte Version des Meisterwerks in Wandgröße bestaunen und sogar anfassen, die feinen Linien nachfahren. Und nur erahnen, wieviel Arbeit in dem Entwurf stecken muss.


Das Neue Schloss wurde von 1753 bis 1755 nach Plänen des markgräflichen Hofarchitekten Josef Jean-Pierre errichtet. Unter Einbeziehung von vier schon bestehenden Bauten war diese kurze Bauzeit möglich. Die reich ausgestatteten Räume im Neuen schloss plante die Markgräfin Wilhelmine selbst. Sie gelten als Kostbarkeiten des Bayreuther Rokoko. Vor dem Neuen Schloss steht der Markgrafenbrunnen mit dem Reiterdenkmal des Markgrafen Christian Ernst mit den allegorischen Darstellungen der vier damals bekannten Erdteile und der vier im Fichtelgebirge entspringenden Flüsse. (Text: Stephan Müller)
Im Präsidialbau der Regierung von Oberfranken befinden sich der Landrätesaal, das Empfangszimmer und das Arbeitszimmer des Präsidenten, die vor ihrem Einbau 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis, USA, gezeigt wurden. Sie stellten die Leistungsfähigkeit des deutschen Kunsthandwerks eindrucksvoll unter Beweis. Der Landrätesaal ist ein Werk des Breslauer Architekten Martin Dülfer. Für sein Werk erhielt er auf der Weltausstellung den Grand Prix. (Text: Stephan Müller)
Was für ein tolles Geschenk: Zum 25-jährigen Jubiläum der Kulturpartnerschaft schenkte das Burgenland der Stadt Bayreuth zwei seltene weiße Esel. Cosima und Franzi nannten die Bayreuther die beiden Eselstuten. "Cosima" nach Richard Wagners Gemahlin und "Franzi" nach Franz Liszt, der im Burgenland das Licht der Welt erblickte und in Bayreuth starb. (Text: Stephan Müller)
Nächtliche Szene im Herzen der Stadt: Im Hintergrund ist die Gaststätte "Eule" zu sehen, die vielen Generationen von Festspielkünstlern und -besuchern als Künstlerlokal diente und bis heute dient. (Text: Stephan Müller)
Es ist das Ziel der Wagnerianer aus aller Welt: Das weltberühmte Festspielhaus steht auf dem Grünen Hügel in Bayreuth. Es gilt als eines der Opernhäuser mit der weltweit besten Akustik. Für die Planung nach den genauen Vorstellungen Richard Wagners war der Architekt Otto Brückwald zuständig. Es wurde am 13. August 1876 mit der Aufführung des "Rheingold" eröffnet. (Text: Stephan Müller)
Das Liebhardt'sche Palais in der Friedrichstraße 2 ist Sitz der Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne. Johann Sebastian Liebhardt ließ das Gebäude 1754 errichten. Im prachtvollen Rokokosaal des Steingraeber-Hauses, der mit einem Liszt-Flügel aus dem Jahr 1873 ausgestattet ist, finden vornehmlich in der Festspielzeit zahlreiche Kammerkonzerte statt. Gegenüber ist das Sterbehaus des Dichters Jean Paul zu sehen. (Text: Stephan Müller)
"Hier wo mein Wähnen Frieden fand - Wahnfried - sei dieses Haus von mir benannt." Mit diesem Taufspruch, der an der Frontseite angebracht ist, hat Richard Wagner im Jahr 1874 seine Künstlervilla getauft. Auch nach Wagners Tod blieb sie fest in der Hand der Familie: Drei Wagner-Generationen haben hier gelebt, ehe das Haus im Jahr 1976 zum Richard-Wagner-Museum wurde. (Text: Stephan Müller)


Noch bis zum 9. September kann man in die Zeit der theaterbegeisterten Markgrafen (oder auch Bauern, denn Theater war in verschiedenen Variationen damals jedermann zugänglich) eintauchen. Nur im Historischen Museum Bayreuth.