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Neue Azubis in Bayreuth: Landratsamt, Stadtwerke und Polizei präsentieren neue Auszubildende

Das Ausbildungsjahr 2020 ist gestartet. Einige Bayreuther Unternehmen haben neue Azubis und stellen diese vor.

Therapiehund am Bezirkskrankenhaus in Bayreuth: Schwierige Zeit während Corona-Krise

Im Bezirkskrankenhaus (BKH) in Bayreuth kommt auch Therapiehund Murphy zum Einsatz. Auch für ihn war die erste Corona-Zeit nicht leicht und das hat er sich anmerken lassen.

BKH Bayreuth in Corona-Zeiten: “Wir haben aus unserem Krankenhaus kein Gefängnis gemacht”

Im Bayreuther Bezirkskrankenhaus (BKH) gelten derzeit durch die Corona-Pandemie strenge Regeln. Der Lockdown hat auch Auswirkungen auf Patienten.

Feuerwehr, Rettungskräfte, Hubschrauber: Großalarm beim Bezirkskrankenhaus Bayreuth

Mehrere Feuerwehrleute, Rettungskräfte und Rettungshubschrauber sind am Donnerstagmorgen (25.6.2020) in Bayreuth zu einem vermeintlichen Brand ausgerückt.

Oberfranke schreit nachts auf der Straße in Unterhosen herum und bedroht Stunden später seine Schwester mit einem Messer

Samstagnacht (23.5.2020) hat ein aggressiver Mann in Unterhosen sich vehement gegen Polizisten gewehrt. Einen Tag später bedrohte er seine Schwester mit einem Messer. 

Wenn Oma vergisst: Bezirkskrankenhaus lädt Angehörige zum Demenztag

„Grün, grün, grün sind alle meine Kleider…“. Zusammen mit der 88-jährigen Patientin stimmt Carmen Trautvetter das bekannte Kinderlied an. Die Diplom-Psychologin am Bezirkskrankenhaus weiß: „Zumindest an die erste Strophe erinnern sich die meisten. Das vermittelt ein gutes Gefühl, ein Erfolgserlebnis.“ Denn mit Erinnerungen haben die meisten ihrer Patienten Probleme.

Trautvetter leitet die kognitive Trainingsgruppe in der Gerontopsychiatrie. Zu ihr kommen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Beim GeBO-Demenztag am Mittwoch, 18. September, gibt die Psychologin um 14 Uhr in einem Fachvortrag Einblicke in ihre Arbeit.

Mein Ziel in der Trainingsgruppe ist es, die Kommunikation und das Denken anzuregen, um die Dinge, die im Kopf noch da sind, möglichst lange zu erhalten und das Vergessen zu verzögern.

(Carmen Trautvetter, Diplom-Psychologin)

Sprache, Auffassungsgabe und Gedächtnisleistung verschlechtern sich bei Demenzkranken immer mehr. Die einstündige geistige Anregung in der Gruppe schafft wieder Flexibilität im Kopf.

Diplom-Psychologin Carmen Trautvetter arbeitet in ihrer kognitiven Trainingsgruppe mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Foto: GeBO

Aus der Reserve locken

Trautvetter geht im Gespräch intensiv auf den persönlichen Lebensalltag der Patienten ein: Was haben Sie erlebt diese Woche? Wie ist Ihr Arztbesuch gestern gelaufen? Hatten Sie am Sonntag Besuch? „Die Patienten sollen erst mal bei mir in der Gruppe ankommen.“ Um sie aus der Reserve zu locken, handelt die Psychologin nicht einfach nur einen Themenschwerpunkt ab, sondern geht individuell auf die Menschen ein.

Wir aktualisieren immer wieder die Biografie und versuchen, die bestehenden Erinnerungen möglichst lange zu erhalten.

(Carmen Trautvetter)

Trautvetter legt eine Stofftasche auf den Tisch, an dem sie mit der 88-jährigen Patientin sitzt. „Ich habe Ihnen heute etwas mitgebracht. Ich dachte, wir unterhalten uns ein wenig über Berufe.“ Zum Vorschein kommen nach und nach ein Schneebesen, ein Pinsel, ein Stethoskop, Verbandszeug, ein Zollstock. Vorsichtig nimmt die ältere Dame die Gegenstände in die Hand. „Meine Schwester war Schneiderin. Ich habe immer mehr geflickt als genäht“, erzählt sie, als sie Nadel, Faden und Fingerhut inspiziert. „Aber meine Jacke, die habe ich selbst mit der Hand gestrickt“. Bei der Malerrolle tut sie sich schwerer: „Braucht man das nicht für die Küche?“ Trauvetter gibt ihr Hilfestellungen. „Man muss vorsichtig sein und sollte die Patienten nicht überfordern.“

Test bringt Klarheit

Ob jemand wirklich dement ist oder im hohen Alter einfach nur vergesslicher geworden ist, sollte man abklären. Trautvetter empfiehlt, dafür einen Termin für die Gedächtnissprechstunde am Bezirkskrankenhaus zu vereinbaren. „Mit Hilfe von einfachen Tests und Voruntersuchungen hat man sehr schnell Klarheit.“ Und dann? Trautvetter wünscht sich eine bessere Informationspolitik, was die Krankheit betrifft.

Angehörige sind oft überfordert und reagieren ungehalten.

(Carmen Trautvetter)

Der GeBO-Demenztag bietet für alle Altersgruppen die Möglichkeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Das Programm

  • 13 – 13:15 Uhr:  Eröffnung in der Mehrzweckhalle mit Prof. Dr. Thomas W. Kallert
  • 13:15 – 14 Uhr: Fachvortrag: Prävention in der Demenz mit Dr. Christian Mauerer
  • 14 – 14:30 Uhr: Fachvortrag: Kognitive Trainingsgruppe mit Carmen Trautvetter
  • 14:30 – 15:45 Uhr: Imbiss in der Alten Wäscherei
  • 15:45 – 16:30 Uhr: Podiumsdiskussion in der Mehrzweckhalle: „Demenzfreundliche Stadt“
  • 16:30 Uhr: Abschluss mit  Prof. Dr. Thomas W. Kallert

Aug’ in Aug’ mit den Straftätern: Die erste Kriminologin am BKH

Als Jugendliche hat sie Krimis verschlungen. Wenn andere in der Eisdiele jobbten, machte sie Praktika im Knast. Stefanie Koel ist 39 Jahre alt und die erste Kriminologin, die das Bezirkskrankenhaus Bayreuth (BKH) beschäftigt.

Im BKH werden Menschen mit psychischen Erkrankungen behandelt. Ein Teil des Geländes gleicht aber eher einem Hochsicherheitstrakt als einem Krankenhaus. Wer dort rein will, muss durch eine Sicherheitsschleuse, muss sich ausweisen, muss Handy und Schlüsselbund abgeben. Wer drin ist, dem öffnen sich Türen nur durch Eingabe eines Sicherheits-Codes. Die Patienten dort sind eigentlich Gefangene. Wegen psychischer Erkrankungen, weil sie Drogen brauchten oder unter solchen standen, haben sie teils schwere Straftaten begangen. Haben vergewaltigt oder versucht zu töten. Weil sie nicht nur büßen, sondern auch geheilt werden sollen, sitzen sie nicht im Gefängnis, sondern in der Abteilung für Forensik am BKH ein. Hier arbeitet Stefanie Koel.

Jung, männlich, unqualifiziert

Die gut 20 Patienten auf ihrer Station sind zwischen 35 und 45 Jahre alt. Kaum einer hat einen Schulabschluss, geschweige denn einen Beruf erlernt. Fast alle sind sie wegen Drogen auf die schiefe Bahn geraten. Die meisten wegen Crystal, das bedingt die Nähe Bayreuths zur tschechischen Grenze. Andere wegen künstlich hergestelltem, hochdosierten Cannabis, kurz: Spice. Unter den Patienten ist keine einzige Frau.

Trotzdem spricht die 39-Jährige von einem Traumjob. Die Frage, warum manche Menschen straffällig werden und andere nicht, habe sie schon immer fasziniert, sagt Koel. Sie empfinde keine Angst, wenn sie den Straftätern meist alleine gegenüber sitze. Was im Ernstfall zu tun wäre, weiß Koel genau. Aus Deeskalationskursen zum Beispiel. Sie weiß außerdem, wie sie sich kleiden muss. Und dass es besser ist, in der Nähe der Tür zu sitzen und das Funkgerät mit dem Alarmknopf nicht aus den Augen zu lassen. Spurlos an ihr vorbei gehen die Biografien der Täter, vor allem die der Sexualstraftäter, trotzdem nicht.

Auch ich bin entsetzt, wozu Menschen fähig sind.

(Stefanie Koel, Kriminologin)

Ein Recht auf Sucht

180 Patienten gibt es in der Forensik am BKH. Das Bayreuther Bezirkskrankenhaus ist eine von 14 sogenannten Maßregelvollzugsanstalten in Bayern. Wer aus Bayreuth und der Umgebung im Drogenrausch oder wegen psychischer Krankheiten eine Straftat begeht, der landet hier. Die meisten Patienten haben den Entzug schon hinter sich, bevor sich Koel um sie kümmert. Etwa zwei Jahre gibt der Gesetzgeber ihr und ihren Kollegen danach Zeit, die Sucht, die zur Straftat führte, zu therapieren. Sind dann noch Strafen zu verbüßen, werden die bei positiven Prognosen von Koel und ihren Kollegen zur Bewährung ausgesetzt. Das gilt selbst dann, wenn Koel und ihre Kollegen dem Patienten nicht helfen konnten.

Es gibt auch ein Recht darauf, in Sucht zu leben, wenn man das will.

(Stefanie Koel)

Wer wann entlassen wird, das entscheidet nicht Koel, sondern Gerichte – allerdings auf Basis unter anderem ihrer Gutachten. Es ist ein Spagat zwischen zwei wichtigen Aufgaben: dem Schutz der Allgemeinheit vor Straftätern auf der einen Seite und der Wiedereingliederung der Patienten in die Gesellschaft auf der anderen. Dafür bekommen die Patienten am BKH Handlungsmuster an die Hand, um im Krisenfall anders als zum Beispiel mit Gewalt reagieren zu können.

Stefanie Koel. Foto: Andrea Franz

Wohnungssuche und Bewerbungstraining

Je gelockerter der Vollzug zum Ende der Therapie werde, umso mehr kümmern sich Koel und ihre Kollegen darum, dass der Patient lernt, Bewerbungen zu schreiben. Dass er eine Wohnung findet und eine Arbeit. Und dass die ersten Aufeinandertreffen mit den Personen des gewohnten Umfelds möglichst konfliktfrei vonstatten gehen.

Ein Restrisiko bleibt aber immer.

(Stefanie Koel)

Und wer rückfällig werde, das entscheide zu einem gewissen Anteil auch der Zufall. Immerhin 80 Prozent der Patienten haben sich auch ein Jahr nach der Entlassung noch nicht wieder etwas zu Schulden kommen lassen. 70 Prozent sind immernoch drogenfrei. Diese Zahlen noch zu steigern hat sich Stefanie Koel zur Aufgabe gemacht.

Ich brenne für diese Tätigkeit.

(Stefanie Koel)